Organspende­ausweis: Alle Infos kurz & knapp im Überblick

Leben retten

Organspende­ausweis: Alle Infos kurz & knapp im Überblick

Besitzt du eigentlich einen Organspendeausweis? Selbst wenn du der Organspende kritisch gegenüberstehst, ist es gut und wichtig, einen Ausweis zu besitzen. Warum das so ist und viele weitere wichtige Infos rund um die Organspende verraten wir hier.

Die meisten Menschen in Deutschland stehen der Organspende positiv gegenüber: Laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind es 84 % der Deutschen, die Gewebe- und Organspenden befürworten. Trotzdem haben viele Menschen nach wie vor keinen Organspendeausweis. Das ist aber sehr wichtig: Wenn du einen Organspendeausweis ausfüllst, ist dafür gesorgt, dass im Todesfall nach deinem Willen gehandelt wird. Gibt es keinen Organspendeausweis, müssen Familie bzw. nahestehende Angehörige in deinem Sinne entscheiden, ob Organ- oder Gewebespenden entnommen werden. Diese Entscheidung ist nach dem Verlust einer geliebten Person emotional sehr belastend. Wenn du einen Organspendeausweis ausgefüllt hast, erleichtert das die Situation für alle Beteiligten.

Was steht auf dem Organspendeausweis?

Der Organspendeausweis ist nicht nur für Menschen, die nach ihrem Tod ihre Organe oder ihr Gewebe spenden möchten: Es gibt fünf Optionen, die du ankreuzen kannst:

  • Ja, ich gestatte, dass nach der ärztlichen Feststellung meines Todes meinem Körper Organe und Gewebe entnommen werden.
  • Ja, ich gestatte dies, mit der Ausnahme folgender Organe/Gewebe
  • Ja, ich gestatte dies, jedoch nur für folgende Organe/Gewebe
  • Nein, ich widerspreche einer Entnahme von Organen oder Geweben.
  • Über Ja oder Nein soll dann folgende Person entscheiden

Wie du siehst, gibt es beim Organspendeausweis jede denkbare Möglichkeit. Daher ist es auch wichtig, dass du einen Ausweis besitzt, wenn du kein Spender sein möchtest.

Zahlen & Fakten zur Organspende

Laut BZgA stehen in Deutschland ca. 9.500 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. 2018 gab es bundesweit etwa 955 Organspender. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl deutlich angestiegen, trotzdem ist die Warteliste extrem lang. Dabei ist die Spendebereitschaft in Deutschland eigentlich sehr hoch. Das Problem: Viele dieser Menschen besitzen keinen Organspendeausweis, dadurch ist die Organspende erschwert.

Die gute Nachricht: Anfang 2020 kam es zu einem wahren Boom. Allein im Januar haben etwa 740.000 Deutsche einen Organspendeausweis bestellt, auch gab es deutlich mehr Aufrufe auf den Informationsseiten der BZgA zur Organspende. Mitte Januar 2019 hatte der Bundestag nach einer kontroversen Debatte eine komplette Neureglung der Organspende abgelehnt und stattdessen für eine moderate Reform der Organspende abgestimmt. In Zukunft sollen alle Bürger mindestens alle zehn Jahre direkt auf das Thema angesprochen werden, zum Beispiel im Bürgeramt. Das verlieh dem Thema viel Aufmerksamkeit.

Unter welchen Voraussetzungen dürfen Ärzte Organe entnehmen?

Die Organspende unterliegt eindeutig definierten Voraussetzungen: Zwei Fachärzte müssen unabhängig voneinander und zweifelsfrei den endgültigen Hirntod des Spenders feststellen. Ein hirntoter Mensch fühlt keine Schmerzen mehr, denn ohne ein funktionierendes Gehirn gibt es keinen Schmerz.  Wenn eine Zustimmung zur Spende vorliegt und keine medizinischen Gründe gegen eine Spende sprechen, können Organe entnommen werden. Es wird darauf geachtet, dass der Verstorbene nach der Spende würdig übergeben wird, d. h. er wird nach der Operation (wenn möglich) so hergerichtet, dass sich Angehörige noch einmal von ihm verabschieden können.

Wie läuft eine Organspende ab?

Wurde der Hirntod festgestellt und liegt eine Einwilligung zur Organspende vor, übermittelt die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) alle wichtigen Daten der internationalen Organvermittlungsstelle Eurotransplant. Ein Programm gleicht dort die Daten der möglichen Spenderorgane mit denen der Wartelistenpatienten ab und sucht so einen Empfänger. Wurde ein Empfänger gefunden, organisiert die DSO mit dem Krankenhaus und den entsprechenden Transplantationszentren die Organentnahme. Nach der Spende kommt es dann auf jede Minute an: Ein Herz muss z. B. innerhalb von  sechs Stunden nach der Entnahme wieder zum Schlagen gebracht werden, damit die Transplantation funktioniert.

Wie erfolgreich sind Organspenden?

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich, insgesamt kann man aber sagen, dass die Chancen, nach einer Transplantation weiterzuleben, sehr gut stehen: So leben laut Stiftung Gesundheitswissen fünf Jahre nach einer Herztransplantation weltweit noch etwa 72 % der Empfänger, fünf Jahre nach einer Nierentransplantation sind es sogar noch 76 %.

Gibt es beim Organspendeausweis Altersrichtlinien?

Altersgrenzen gibt es erstmal keine: Maßgeblich entscheidend ist der Zustand der Organe. Bis zum 14. Lebensjahr entscheiden die Erziehungsberechtigten über die Zustimmung oder die Ablehnung einer Organspende. Ab 14 Jahren dürfen Jugendliche einer Organentnahme selbst widersprechen. Nach dem Transplantationsgesetz darf man ab dem vollendeten 16. Lebensjahr seine Bereitschaft zur Organspende erklären, ab diesem Zeitpunkt sollte man einen Organspendeausweis besitzen.

Kann ich meine Entscheidung zur Organspende noch einmal ändern?

Deine Entscheidung auf dem Ausweis muss keine endgültige sein: Sie wird an keiner Stelle gespeichert. Hast du deine Einstellung zur Organspende geändert, genügt es, den Organspendeausweis zu vernichten und einen Neuen auszufüllen.

Wo bekomme ich einen Organspendeausweis?

Den Organspendeausweis könnt ihr kostenlos direkt online ausfüllen und als PDF herunterladen oder ihr bestellt ihn euch bei der BZgA kostenfrei als Plastikkärtchen. Auf der Website organspende-info.de könnt ihr zudem viele weitere Informationen zur Organspende bekommen und euch auch Flyer und Broschüren rund um das Thema bestellen. Außerdem könnt ihr euch beim Infotelefon Organspende unter 0800 - 9040400 von montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr kostenfrei beraten lassen.

Bildquelle: BZgA

Galerien

Lies auch

Teste dich