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"Und dann waren die Schulen und Kitas einfach zu ..." – Ein Corona-Rückblick

"Und dann waren die Schulen und Kitas einfach zu ..." – Ein Corona-Rückblick

1. Jahrestag

Wisst ihr noch, was ihr gedacht habt, als klar wurde: Die Kitas und Schulen werden ab dem 17.03.2020 bis mindestens Ostern schließen? Bei mir war es vor allem Unglaube. Das gab es doch noch nie. Das kann doch gar nicht sein. Und gleichzeitig war da diese zuversichtliche Naivität nach dem Motto: Wir kriegen das schon hin und nach Ostern ist alles gut.

Froh, dass wir nicht alles wussten

Ein Wahnsinn, wenn ich mir angucke, wo wir ein Jahr später stehen. Meine Kollegin Britta meinte erst heute zu mir: "Ich bin so froh, dass wir letztes Jahr noch dachten, es sei bald vorbei. Stell dir mal vor, man hätte das alles gewusst! Das ist ja gerade das Problem. Dass es allen bewusst wird und die Kräfte schwinden."

Die Gleichzeitigkeit von Gefühlen

Ich habe im letzten Jahr viel über die Situation von Familien im Lockdown geschrieben und ganz viele Leser*innenbriefe dazu bekommen. Von denen, die so wie ich, sehr ausgebrannt waren und von denen, die mit der Situation sehr gut zurechtkamen und sich nicht so richtig gesehen fühlten. Das Gute ist ja: Alles darf sein. Und deswegen geht es mir noch heute so, dass ich mich für all die freue, die sagen: Es ist für uns perfekt (gewesen).

Wir haben gelernt: In der Badewanne schnorcheln ist eine valide Option. Wasserbomben in der Dusche auch.

Vitesse Schleinig, Redakteurin bei familie.de

1 Jahr Corona? Wahnsinn, dass das jetzt ein Jahr her ist und uns immer noch und wahrscheinlich noch eine ganze Weile begleiten wird. Ich staune, wie gut die ganz kleinen Kinder das alles mitmachen und sich an Menschen mit Mundschutz & Co. und die viele Zeit zu Hause gewöhnt haben. Ich ziehe den Hut vor allen Menschen, die im medizinischen Bereich, in den Krankenhäusern und Pflegeheimen arbeiten und seit einem Jahr unter diesen schwierigen Bedingungen alles geben. Und auch vor den Lehrer*innen und Erzieher*innen, die versuchen, trotz der Schwierigkeiten und Herausforderungen alles für die Kinder zu geben.

Katja Nauck, Redakteurin bei familie.de

Pläne schmieden und Essen planen

Für meine Familie und mich war es das sicher nicht. Wir entwarfen Tagespläne, wann wer die Kinder betreut und wer arbeitet, was wir überhaupt machen und was es zu Essen gibt. Ich gestehe, das leidige Thema Essen habe ich in dem Jahr verflucht. Bei uns kocht eher mein Mann aber schon allein die Frage: "Was soll ich euch kochen?", hat mich manches Mal zur Verzweiflung gebracht. Ich wollte einfach nicht noch eine Entscheidung treffen. Im Zweifelsfall gab es eh immer Nudeln.

Unsere Koch-Skills sind deutlich besser geworden – aber wie oft muss man bitte Essen machen und die Küche aufräumen, wenn alle 24/7 zuhause sind?!

Maike Mauer, Redakteurin bei familie.de

Neue Normalität?

Nach Ostern war klar: Es gibt unsere geliebte und bekannte Normalität so gar nicht mehr. Meine drei Kitakinder konnten bis Mitte Juni nicht wieder in die Kita gehen und auch danach nur für wenige Stunden. Kitaberechtigt waren sie sowieso nur, weil meine Älteste ein Vorschulkind war. Und uns Eltern dämmerte langsam: Das bleibt jetzt alles so. Wir werden unser Kind unter Pandemiebedingungen einschulen, wir werden Urlaub machen, wie wir ihn so nicht geplant hatten.

Ich bin traurig, dass meine kleine Tochter (2, fast 3), nicht alle Familienmitglieder weiter kennenlernen kann. Ihr halbes Leben war überschattet von der Pandemie, zum Beispiel auch der Start in Kita und Kindergarten, wir haben ihren zweiten Geburtstag ohne Gäste gefeiert und ihren dritten wohl auch nur im engsten Kreis

Natalie Köhler, Redakteurin bei familie.de

Die ersten zwei Wochen des ersten Lockdowns waren anstrengend. Richtig richtig anstrengend. Obwohl mein Mann und ich auch vorher beinahe ausschließlich im Home Office arbeiteten, stellte uns diese Situation vor ganz neue Herausforderungen. Ein anfangs noch nicht mal zweijähriges Kind setzt man nicht mal einfach vor den Fernseher, das Handy oder das Tablett. Da hieß es: Vollzeitbetreuung. Also wechselten wir uns ab, einer arbeitete, der andere kümmerte sich um das Kind. Die kannte es allerdings nicht, dass Mama arbeiten muss (das tat ich ja vorher nur, wenn sie in der Kita war) und so war konzentriertes Arbeiten fast unmöglich, weil immer mal wieder die Tür zum Arbeitszimmer aufgemacht wurde. Nach zwei Wochen hatten wir uns eingegroovt, Mama arbeitete vormittags, während der Papa mit Kind und Laufrad die Umgebung erkundete. Nachmittags wurde gewechselt. Nach und nach spielten wir uns ein. Spannend waren besonders die Begegnungen mit anderen Kindern, man hatte das Gefühl, das Kind war überrascht, dass es auch noch andere Kinder gab. Das tat in der Seele weh, weil unsere Tochter wirklich gern in die Kita gegangen ist und durch andere Kinder viel gelernt hat. Dennoch ist mein Eindruck, dass ihr der Lockdown nicht geschadet hat, da wir dank sehr flexibler Arbeitgeber die 1:1-Betreuung sicher stellen konnten.

Maika Karasz, SEO-Spezialistin bei familie.de

Flexibel bleiben ist anstrengend

Überhaupt fanden Eltern schnell heraus, dass flexibel bleiben alles ist, was sie in diesen Monaten versuchen konnten. Nichts war (und ist) sicher. Viele suchten sich feste Bezugspersonen, mit denen sie sich Corona konform trafen, bis auch das irgendwann nicht mehr erlaubt war. Die allermeisten von uns tragen die Entscheidungen der Regierung mit, auch wenn sie für uns bedeuten, dass wir auf uns allein gestellt sind.

Kinderyoga ist eine tolle Sache – und macht nicht mal Unordnung. Unser Energiebündel kann jetzt sogar meditieren. So 30 Sekunden lang.

Maike Mauer, Redakteurin bei familie.de

Eltern wurden allein gelassen

Denn statt Coronaurlaub für Eltern, weil sich eben Homeoffice und Kinderbetreuung und/ oder Homeschooling eben nicht vereinbaren lassen, bekamen wir ... nichts. Oder fast nichts, denn ja, es gab den Corona-Kinderbonus und im Januar 2021 (immerhin fast ein Jahr nach Beginn der Pandemie!) kamen zusätzliche Kinderkrankentage. Im Interview mit Franziska Giffey wiesen wir auf die Schwierigkeiten hin, diese dann auch einreichen zu können. Die Familienministerin baut auf die Unterstützung der Arbeitgeber*innen, was sich ein bisschen wieder so anfühlt, als wären wir Eltern allein gelassen.

Multitasking macht kirre. Es geht echt nicht alles nebeneinander – und Planen ist gar nicht so spießig, wie befürchtet. Routinen helfen tatsächlich. Genau wie: Im Zweifel alle Pläne wieder über den Haufen werfen ;)

Maike Mauer, Redakteurin bei familie.de

1. Jahrestag Corona-Lockdown: Diese 15 Dinge haben sich für Familien geändert

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Ein Armutszeugnis für die Politik

Klar, man kann es niemals allen recht machen, aber wenn die Pandemie eines gezeigt hat, dann doch, dass Familie nicht als (wirtschaftlich) relevant erachtet wird. Dass wir Eltern am Ende oft sehen mussten, wie wir unseren Alltag organisieren, dass wir auf Good will und Flexibilität der Wirtschaft angewiesen sind. Was für ein Armutszeugnis für alle, wo doch immer behauptet wird, Kinder seien die Zukunft. Da sollte man dann vielleicht auch die mehr unterstützen, die diese Zukunft überhaupt erst möglich machen und ihr beim groß werden zuschauen.

Mein persönliches Leben hat sich seitdem nicht so wirklich verändert und ich bin dankbar und glücklich, dass meine Familie gesund da durchgekommen ist und wir in der kitafreien Zeit Unterstützung hatten. Doch vielen ging es nicht so und ich habe größten Respekt vor denjenigen, die ihren Beruf nicht mehr ausüben konnten, weil ihre Firma oder ihr Berufszweig von den langen Schließungen betroffen ist. Daher ziehe ich den Hut vor all jenen, die beruflich umsatteln mussten, um ihre Familie weiter zu ernähren und die sich mit viel Kreativität neue Dinge ausdenken mussten, um einfach weiter Geld zu verdienen.

Katja Nauck, Redakteurin bei familie.de

Existenzängste und Familiensorgen

Gleichzeitig merkten wir, dass wir aufpassen mussten, wie viele Infos wir uns anschauen. Denn vieles führte zu noch mehr Sorgen und Ängsten. Viele Eltern wurden in Kurzarbeit geschickt oder konnten gar nicht mehr arbeiten, was Existenzängste schürte. Es war deutlich zu spüren, die Schere der sozialen Gerechtigkeit ging weiter und weiter auseinander.

Belastend für mich ist die Angst um Eltern und Großeltern, jedes Treffen birgt große Unsicherheit, die mich sehr belastet.

Natalie Köhler, Redakteurin bei familie.de

Ungleichverteilung der Care-Arbeit

Auch in Sachen Gleichberechtigung verschoben sich die Grenzen neu, leider zu Ungunsten der Frauen. Vielen wurde klar: Für die Carearbeit sind sie plötzlich wieder allein zuständig. Die Soziologin Jutta Almendinger hat herausgefunden, dass die Coronapandemie uns zurück in die 50er-Jahre beförderte, was die Aufgabenverteilung in den Familien angeht. Und hier müssen wir alle auf jeden Fall dran bleiben.

Was passiert mit unseren Kindern?

Die neusten Nachrichten, die rund um diesen ersten Jahrestag des ersten Lockdowns auf uns einprasseln, stimmen nicht gerade hoffnungsfroh. Das ist hart und es zermürbt und viele Familien blicken voller Sorgen in die Zukunft. Bringen wir die Kinder in die Kita? Schicken wir sie in die Schule (da, wo die Präsenzpflicht noch ausgesetzt ist)? Es gibt keine einfachen Lösungen, und wir alle wissen auch nicht, wie lange uns der aktuelle irgendwie so halb Lockdown noch begleiten wird.

Unsere Kita hat wieder geöffnet. Wir könnten die Kinder bringen. Sollten wir? Sie waren jetzt drei Monate zu Hause und brauchen den Kontakt zu anderen Kindern, das Programm, das nur dort geboten werden kann, die Gruppe, in der sie ihren Platz haben. Andererseits steigt die Infektionsgefahr und wir haben Oma und Opa hier. Der Kontakt lässt sich kaum vermeiden. Sie sehen kein Problem, wenn die Kinder wieder in die Kita gingen, würden aber auch weiterhin die Betreuung zu Hause übernehmen. Die Verantwortung, die Last, diese Entscheidung zu treffen, liegt allein bei meinem Mann und mir und ist erdrückend.

Britta Boeck, Redakteurin bei familie.de

Flexibel bleiben um jeden Preis

Wir machen vorsichtige Pläne, wohlwissend, dass das letzte Jahr immer wieder gezeigt hat, dass die sich ganz schnell ändern können. Wir müssen flexibel bleiben und wollen es doch eigentlich nicht. Sicherheit in unsicheren Zeiten, das wäre doch eigentlich ganz schön.

Kein Happy End?!

Dieser Rückblick auf das letzte Jahr, wie wir es in der Redaktion und ganz persönlich erlebt haben, der hat kein Happy End. Weil es das im Moment noch nicht gibt. Und deswegen können wir alle nur im Kleinen schauen, dass es uns gut geht. Dabei gilt es aber offen zu bleiben für die Bedürfnisse anderer. Jede*r von uns geht mit den Erlebnissen des letzten Jahres anders um. Und es steht niemandem zu, darüber zu urteilen. Familien sind verschieden. Das ist ok, das darf so sein, wir sind vereint im Chaos.

Ich schätze wieder die kleinen Dinge des Lebens, ein nettes Gespräch am Gartenzaun, natürlich auf Distanz, in einen Laden zu gehen und mir schöne Dinge anzuschauen.

Natalie Köhler, Redakteurin bei familie.de

Meine Meinung

Dieser Rückblick auf ein Jahr Ausnahmezustand fiel mir überraschend schwer zu schreiben. Weil ich im Kopf immer wieder durchgegangen bin, was wir so erlebt haben, wie sich alles entwickelt hat und weiterhin entwickelt.

Gerade ist meine Stimmung etwas gedämpft. Weil nicht so richtig klar ist, wie es weiter geht. Weil die internen Akkus leer sind und sich auch nicht wieder richtig aufladen lassen, egal wie viele Wochenenden ich mit meiner Familie in der Natur verbringe. Die Unsicherheit macht mir zu schaffen.

Ich wünsche euch eine optimistischere Stimmung. Schreibt mir gern!

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus/ encrier

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