Das Weihnachtsmann-Trauma

Er ist das Symbol der Weihnachtsidylle, die väterliche Figur mit dem weißen Rauschebart, der Bringer der Weihnachtsstimmung. Für viele kleine Kinder bedeutet der Mann im roten Anzug aber vor allem eins: Angst.


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Weihnachtsmann

Ja, das Weihnachtsmann-Trauma gibt es wirklich!


© iStock
Zu dieser Jahreszeit sind die Einkaufszentren wieder voll mit ihnen. Nein, wir meinen nicht die geschenkewütigen Einkäufer, die noch die letzten Besorgungen vor Weihnachten erledigen müssen, sondern die Männer im roten Anzug mit Mütze und weißem Rauschebart. Ob man eher den Nikolaus oder den Weihnachtsmann kennt, ob er am 6. Dezember kommt oder sich am Weihnachtstag den Job mit dem Christkind teilt, Herr Santa Claus (auch bekannt unter dem Namen Sankt Nikolaus) ist wohl die prominenteste Figur der Adventszeit.

Viele Kinder erleben ihn in Einkaufszentren, wo er es sich auf einem Thron gemütlich macht und ein Kind nach dem anderen auf den Schoß nimmt. Andere kennen ihn aus den eigenen vier Wänden, wo er meist am Nikolaustag zu Besuch kommt und verdächtig nach Onkel Theo aussieht. Für die Kinder soll er ein Symbol der Weihnachtsfreude darstellen und die Magie des Weihnachtsfests aufrechterhalten, doch anstatt Freude tragen manche Kinder etwas anderes von ihrem Treffen mit Sankt Nikolaus davon: ein regelrechtes Weihnachtsmann-Trauma.


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Schreckensfigur Weihnachtsmann


Seien wir ehrlich: Normalerweise würden Sie Ihr Kind niemals einem fremden Menschen auf den Schoß setzen. Hat der fremde Mensch aber eine rote Bommelmütze und einen weißen Rauschebart, sieht die Sache ganz anders aus. Und oft ist das eigentlich auch kein Problem. Für viele Kinder ist die Begegnung mit dem Weihnachtsmann oder Nikolaus etwas ganz Magisches. Für andere Kinder ist Begegnung mit einem fremden Menschen, der ein seltsames Kostüm trägt und dem man gleich so nahe kommen muss, ein Horror. Wir mögen über die süßen entsetzten Mienen lachen, die sich beim Treffen mit dem Weihnachtsmann auf den Gesichtern dieser kleinen Kinder ausbreiten, aber wir dürfen nicht vergessen: Die Angst der Kinder ist real. Vielleicht sind sie schüchtern, vielleicht haben sie Angst vor Fremden, vielleicht beunruhigt sie auch einfach die ganze Szenerie – aber feststeht: Für viele Kinder kann der Besuch vom Weihnachtsmann traumatisch enden.

Noch dazu kommt die Bedeutung, die viele Eltern dem Weihnachtsmann geben. Er wird zur allwissenden Figur hochstilisiert, die alles mitbekommt und Kinder entweder bestraft oder belohnt. Welches Kind hat nicht ein bisschen Angst vor Knecht Ruprecht, dem Helfer des Nikolauses, der mit der Rute unterwegs ist? Aber welches Bild vermitteln wir denn so unseren Kindern? Ein Bild der Dauerüberwachung? Ein Bild der gewaltsamen Züchtigung, wenn es nicht pariert? Kein Wunder, dass einige Kinder eine Abneigung und Angst gegenüber dem Weihnachtsmann entwickeln.

Das dritte Szenario des Weihnachtsmann-Traumas ist wohl das verbreitetste: Eltern, die so gut darin sind, das Geheimnis um den Weihnachtsmann zu wahren. Damit aber das Vertrauen des Nachwuchses nachhaltig erschüttern, wenn er letztendlich die Wahrheit über den Mann vom Nordpol (oder das Christkind) erfährt.

Was heißt das nun für Eltern? Sollten Sie Weihnachtsmann, Nikolaus und Christkind ganz aus Ihrem (Weihnachts-)Leben verbannen? Nein, natürlich nicht! Aber auf diese drei Dinge können Sie in der Weihnachtszeit mehr achten:

➤ Steht das Treffen mit Nikolaus oder Weihnachtsmann an, beobachten Sie Ihr Kind genau. Zeigt es normale Aufregung oder richtige Angst? Fürchtet sich Ihr Kind vor dem Weihnachtsmann, zwingen Sie es nicht zu einer Begegnung. Schließlich soll es ja primär ein schönes Erlebnis für Ihr Kind sein. Weint es oder fürchtet es sich, dann ist die Angelegenheit weder für das Kind, noch für Sie, noch für den Weihnachtsmann sehr angenehm.

➤ Sätze wie „Der Weihnachtsmann sieht alles“ sollten tabu sein. Denn manche Kinder entwickeln regelrecht Albträume darüber, dass der Weihnachtsmann und seine Helfer sie ständig überwachen. Knecht Ruprecht und seine Rute werden zu Schreckensgespenstern. Versuchen Sie also, Ihr Kind nicht durch solche Taktiken zum Bravsein zu bewegen. Auf die Dauer klappt das sowieso nicht, denn solche Schreckensgeschichten fördern nicht den Willen des Kindes auch wirklich brav sein zu wollen.  

➤ Die Magie Weihnachtens aufrechterhalten zu wollen ist eine schöne Sache, Kinder wollen aber auch nicht, dass ihre Eltern sie anlügen. Für Sie als Elternteil ist die Weihnachtsgeschichte also eine schmale Gratwanderung. Wenn Ihr Kind Sie fragt: „Mama, ganz ehrlich und ohne Spaß: Ist der Weihnachtsmann echt?“, dann schauen Sie ihm nicht in die Augen und sagen „Ja“. Denn wenn Ihr Kind dann später herausfindet, dass Sie es angelogen haben, wird sein Vertrauen in Sie einen merklichen Einschnitt erfahren. Wie Sie mit der Frage nach dem Weihnachtsmann bzw. Christkind und dessen Echtheit stattdessen umgehen können, zeigt dieser schöne Brief einer Mutter an ihre Tochter:

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Irgendwann kommen alle Kinder ins Grübeln. Mama Kristin antwortet ihrer Tochter Tabea mit einem Brief auf ihre Frage nach dem Christkind.



von Nicole Metz




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