Warum genug Schlaf für Kinder so wichtig ist

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Warum genug Schlaf für Kinder so wichtig ist

Kinder sollten unbedingt genug schlafen. Denn ein ungestörter Schlaf ist von wesentlicher Bedeutung für Gesundheit, Lernfähigkeit und Wachstum.

Die verschiedenen Schlafphasen bei Kindern

Schlaf ist eine Art anderes Wachen. Körper und Geist sind aktiv, und das Schlafen gleicht eher einer Berg-und-Tal-Fahrt als einem gleichmäßigen Ruhezustand.
Die Psychologin Annette Kast-Zahn und der Kinderarzt Hartmut Morgenroth beschreiben den recht komplizierten nächtlichen Vorgang so: Beim Einschlafen fallen wir zunächst in den Leichtschlaf, dann in den ruhigen Tiefschlaf, der immer tiefer und tiefer wird. Die Atmung wird ruhig, das Herz schlägt gleichmäßig, das Gehirn kommt zur Ruhe, und wir können nur schwer geweckt werden. Dann wird der Tief- vom Traumschlaf abgelöst. Herzschlag und Atmung werden im Traumschlaf heftiger, die Augen bewegen sich schnell hinter den geschlossenen Lidern, der Körper verbraucht mehr Sauerstoff, das Gehirn wird aktiv. Das Kind träumt.

Bei Schulkindern wiederholt sich alle 65 Minuten eine Phase von Leichtschlaf, dem Tief- und Traumschlaf folgen. Zwischen den Phasen werden die Kinder kurz wach, drehen sich vielleicht um, reiben die Augen, murmeln etwas und schlafen dann weiter. Mindestens sechs mal pro Nacht wiederholen sich diese Schlafphasen bei Kindern.

Schlaf ist wichtig, denn Kinder wachsen im Schlaf

Haben Kinder lang genug geschlafen, sind sie morgens ein kleines bisschen größer. Denn im Tiefschlaf wird das Wachstumshormon produziert. Bei Erwachsenen regt es die Bildung neuer Körperzellen an. Bei Kindern lässt es jedes Organ und jeden Körperteil Nacht für Nacht einen winzigen, fein abgestimmten Teil wachsen.
Deshalb ist wichtig, dass Kinder viel Tiefschlaf abbekommen. Denn nur das Wachstumshormon lässt sie in die Länge schießen, und das wird fast ausschließlich im Schlaf ausgeschüttet. Was im Umkehrschluss bedeutet: Bei Kindern, die auf Dauer zu wenig schlafen, stellen sich bald Wachstumsstörungen ein.

Schlafen macht Kinder schlau

Was besonders fasziniert: Während ein Kind schläft, wird es klüger. Ganz gleich, was das Kind am Tag gesehen, gehört, gelernt oder erfahren hat, ob bewusst oder unbewusst, im Schlaf wird alles noch einmal geübt, wieder und wieder, bis es aufwacht. Im Tiefschlaf kommen dabei eher Vokabeln dran, im Traumschlaf sind es Bewegungsabläufe wie Radfahren oder Schwimmen.
So schnell Kinder jedoch im Tiefschlaf lernen, so schnell vergessen werden die Vokabeln auch wieder vergessen. Fürs Speichern im Langzeitgedächtnis müssen schon mehrere Nächte folgen. Dann wird aus vielen Puzzleteilen ein Ganzes. Und plötzlich kommt es im Schlaf zu Lösungen, die einem vorher nicht eingefallen sind. Was immer wir lernen wollen, entscheidend sei es, in der darauffolgenden Nacht zu schlafen, sagt der Schlafforscher Zulley.

Schlafen unterstützt zudem die Abwehrkräfte

Wenn Kinder ausreichend schlafen, sind sie bestens geschützt gegen Infektionen. Auch wenn Kinder ganz gesund sind: Das Immunsystem arbeitet ununterbrochen und muss sich natürlich auch regenerieren. Das macht es nachts, vor allem, wenn Kinder im Tiefschlaf sind. Hat es dafür zu wenig Zeit, ist es geschwächt.
Jeder kennt diesen Zustand vor einer Erkältung: Man wird müde, schlapp und will nur noch ganz schnell ins Bett, um endlos zu schlafen. Nicht von ungefähr heißt es dann: „Schlaf dich gesund!“ Und es funktioniert, weil das Immunsystem im Tiefschlaf zu Höchstform aufläuft und Eindringlinge, wie Bakterien oder Viren, bekämpft.

Wie lange sollten Kinder schlafen?

Für diese und noch einige andere Fragen zum Thema Schlaf bei Kindern stand uns Schlafforscher Prof. Jürgen Zollney Rede und Antwort.

Sieben Fragen zum Thema Kinder und Schlaf

1. Wie viel Schlaf brauchen Grundschüler, um in der Schule fit zu sein?Prof. Dr. Jürgen Zulley: Die Schlafdauer ist auch bei Kindern recht individuell und kann je nach Typ schwanken. Grundsätzlich sollten Kinder zwischen sechs und zehn Jahren zehn Stunden schlafen, wobei Abweichungen von plus/minus zwei Stunden durchaus noch normal sind. Ob ein Kind genug geschlafen hat, merkt man gleich am nächsten Tag. Ist es fahrig, unkonzentriert und launisch, kann man davon ausgehen, dass es zu wenig Schlaf abbekommen hat. 2. Wie viele Stunden dauern jeweils Tief- und Traumschlaf?
Kinder haben noch viel mehr Lernschlaf als Erwachsene. Das hängt mit ihrer Hirnreifung zusammen. Ihr Schlafverhältnis ist so aufgeteilt: 60 Prozent Tiefschlaf, 40 Prozent Traumschlaf, was bei zehn Stunden Gesamtschlaf also einem Verhältnis von sechs zu vier Stunden entspricht.
Erwachsene haben übrigens 25 Prozent Traumschlaf.
4. Wann sollten Kinder spätestens ins Bett gehen, damit sie sich gut erholen?
Entscheidend ist, wie lange sie vor der biologischen Geisterstunde schlafen gehen. Wie bei Erwachsenen ist diese auch bei Kindern in der Regel um drei Uhr früh und nicht die Stunde zwischen Mitternacht und ein Uhr, die gern als Geisterstunde bezeichnet wird.
Die Erholungsfunktionen arbeiten stur bis um drei Uhr. Das heißt, die Zeit vor drei Uhr ist wichtig für die Arbeit des Wachstumshormons, für die Regeneration des Immunsystems und für die Erholung. Deshalb gehen Grundschulkinder am besten zwischen 20 und 21 Uhr ins Bett.

Prof. Jürgen Zulley: Mein Buch vom guten Schlaf, erschienen im Goldmann Verlag

5. Können Kinder auch zu viel schlafen?
Ja, genauso wie Erwachsene es z.B. gern am Wochenende machen. Doch dann sind auch Kinder nicht fit, sondern träge und schleichen durch den Tag.
6. In Ihrem Schlafbuch schreiben Sie, Schüler, Studenten und studierende Senioren lernen besser, wenn sie einen Mittagsschlaf einlegen. Grundschüler auch?
Kinder in diesem Alter machen nicht gern ein Nickerchen. Für sie ist eine Ruhepause nach dem Essen besser, in der sie entspannen und Kräfte sammeln. 7. Müssen unsere Schulkinder zu früh aufstehen?
Ja, denn der Schulbeginn in Deutschland liegt mit acht Uhr einfach zu früh. Wenn wir einkalkulieren, dass nicht wenige Kinder lange Anfahrtswege zur Schule haben und mancherorts der Unterricht noch früher beginnt, kommen wir auf erschreckende Aufstehzeiten. Dabei brauchen Kinder unbedingt ihren Schlaf!
Für einen späteren Schulbeginn spricht außerdem die biologische Leistungskurve am Vormittag. Es gibt wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass die Leistungsfähigkeit von Schulkindern um acht Uhr morgens so hoch ist wie um Mitternacht, also im Keller. Selbst wenn der Schulbeginn nur eine halbe Stunde später wäre, würde das schon viel verbessern, weil die Leistungskurve am Morgen relativ steil ansteigt.

Bildquelle:

Thinkstock,randomhouse

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