Kinder brauchen Helden

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Kinder brauchen Helden

Kinder brauchen Helden: Sie kämpfen für Gerechtigkeit, wissen immer einen Ausweg und verlieren nie oder zumindest stets mit Stil: Große Idole machen kleinen Abenteurern Mut

Vorbilder machen Mut

Kinder brauchen Helden, heißt es. Helden, das sind Menschen, die über sich hinauswachsen und das Außergewöhnliche wagen. Die für die gerechte Sache kämpfen und dabei ohne Skrupel Lösungen herbeiführen“, erklärt der Psychologe Lutz Müller. Helden schaffen all das, was unsere Kinder am liebsten selbst können würden. Sie sind große Fußball- oder Popstars, Zauberer und unglaublich starke kleine Mädchen, die spannende Abenteuer erleben. Oder Helden sind einfach nur schön, reich und erfolgreich. Doch auch wenn Helden nicht gerade die Welt retten, entsprechen sie dem Heldenschema: Vorbilder machen Mut und spielen eine Rolle, die erstrebenswert scheint. Helden werden dringend gebraucht: Es ist nämlich viel leichter, sich in der Welt zurechtzufinden, wenn man eine Idee hat, wo es hingehen soll. Da können ein tolles Vorbild, ein imaginärer starker Freund an der Seite Berge versetzen. Dagegen taugen Mama und Papa, so wichtig sie auch sind, nicht so recht als gleichberechtigte Partner bei der Weltentdeckung. Denn es geht den Kindern ja gerade darum, die Welt ohne ihre ständige Fürsorge zu erobern.

Kinder haben Sehnsucht nach Stärke und Sicherheit

Helden: Kinder haben Sehnsucht nach Stärke und Sicherheit

Spätestens ab dem Kindergartenalter wollen Kinder zunehmend selbst bestimmen, was sie tun. Kinder wollen Neues wagen, Unbekanntes ausprobieren. Doch wer auf einen Baum klettern will oder Mamas komische neue Soße kosten soll, braucht Mut. Da entsprechen mächtige Helden der Sehnsucht der Kinder nach Stärke und Sicherheit. Sie spiegeln den Wunsch wider, alles ebenso gut zu meistern und, ganz wichtig, am Ende Erfolg zu haben und als Sieger bewundert zu werden - so wie Helden. Für kleine Kinder sind Schulkinder wichtige Vorbilder. „Ein großes Schulkind würde sich das trauen“, sagen sie, wenn sie sich nicht sicher sind, ob sie wirklich schaffen können, was sie sich gerade vorgenommen haben. Wenn Eltern ihnen zustimmen, wagen sie es. Zumindest wenn es darum geht, auf einen Baum zu klettern. Die Helden von Grundschulkindern sind meist schon mehr als nur starke Beschützer oder Vorbilder, denen man es gleichtun will. Während die Kinder sich danach sehnen, zu den „Großen“ zu gehören, um endlich selbst über sich und andere bestimmen zu können, bieten ihre Helden Lösungen für vertrackte Situationen an. „Grundschulkinder träumen sich in die Rolle ihrer Helden hinein oder überlegen, was der wohl getan hätte", sagt die Diplom-Psychologin Angelika Faas.

Helden lassen der Phantasie freien Lauf

Kinder finden in ihren Helden das wieder, was der Alltag nur in Grenzen zulässt. In der Zeichentrickserie Tom&Jerry zum Beispiel legt die kleine Maus Jerry ständig den großen Kater Tom herein. Diesen ziemlich brutal ausgetragenen Kleinkrieg finden Kinder urkomisch, denn sie kennen die Konstellation allzu gut. Auch sie müssen sich jeden Tag gegen Mama, Papa, die große Schwester oder die Jungs aus der nächsthöheren Klasse durchsetzen. In Wirklichkeit würden Kinder nie wie Jerry zum Holzhammer greifen, um ihre Ziele zu erreichen, sondern weglaufen oder nach den Eltern rufen. Aber es ist einfach schön, sich an Jerrys Platz zu träumen und zumindest in der Phantasie einmal als Kleiner die Großen auszutricksen. Kinder wissen genau, dass sie selbst nie mit einem Pferd in die Schule kommen dürfen. Aber es macht sie stark, wenn sie in der Fantasie so sein können wie ihre Heldin Pippi Langstrumpf.

Tiere als Vorbilder und Helden als Verbündete

Auch Tiere sind Vorbilder für Kinder

„Kinder suchen sich die Helden, die sie gerade brauchen“, sagt Angelika Faas. Wer gerade etwas unsicher ist, sucht sich also ein starkes Vorbild, wer sich unverstanden fühlt, einen Helden, der selbst Krisen durchstehen muss. Auch Tiere werden oft als Vorbilder genannt; starke Tiere, vor denen auch die Eltern Respekt haben. „Je nachdem, welches Thema die Kinder gerade besonders beschäftigt, können diese Figuren in kurzer Zeit auch wechseln.“ Daher sollten Eltern die gewählten Helden ihrer Kinder nach Möglichkeit weder verbieten noch versuchen, bestimmte zu forcieren, empfiehlt die Familie & Co-Expertin: „Nur weil Papa als kleiner Junge Winnetou super fand, muss es dem Sohn noch lange nicht genauso gehen.“ Und auf keinen Fall dürften die Eltern beleidigt reagieren, wenn sie nicht mehr auf Platz eins der Heldenskala ihrer Kinder stehen.

Helden sind Verbündete der Kinder

„Das Schöne an den Helden ist ja, dass sie immer die Verbündeten der Kinder sind. Und ihnen eben nicht verbieten müssen, sich nur von Schokoladeneis zu ernähren oder bis weit in die Nacht aufzubleiben. Dagegen können Eltern gar nicht ankommen.“ Etwas anderes jedoch können Eltern tun, nämlich ihren Kindern eine Auswahl potenzieller Helden vorzustellen. „Kinder können viel komplexere Geschichten verstehen, als ihnen von Eltern und Lehrern zugetraut wird“, sagt Dr. Karin Richter, Professorin für Kinder- und Jugendliteratur an der Universität Jena, die in Forschungsprojekten mit Grundschülern auch die griechischen Sagen behandelt hat. „Die Kinder haben diese Geschichten nicht nur in all ihren Facetten verstanden, sie haben komplexe Geschichten dazuerfunden und aufgeschrieben.“ Die Helden der Antike hätten vor allem den Jungs gefallen. Kein Wunder, die Sagen sind ja auch ganz nach ihrem Bedarf voller „Action“.

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