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Märchen

Der kluge Knecht (4-10 Jahre)

*Disclaimer

Wie glücklich ist der Herr, und wie gut steht es mit seinem Hause, wenn er einen klugen Knecht hat, der auf seine Worte zwar hört, aber nicht danach arbeitet und lieber seiner eigenen Weisheit folgt. Ein solcher kluger Hans ward einmal von seinem Herrn ausgeschickt, eine verlorene Kuh zu suchen. Er blieb lange aus, und der Herr dachte: „Der treue Hans, er lässt sich in seinem Dienste doch keine Mühe verdrießen.“ Als er aber gar nicht wiederkommen wollte, befürchtete der Herr, es möchte ihm etwas zugestoßen sein, machte sich selbst auf und wollte sich nach ihm umsehen.

Er musste lange suchen, endlich erblickte er den Knecht, der im weitem Feld auf- und ablief. „Nun, lieber Hans“, sagte der Herr, als er ihn eingeholt hatte, „hast du die Kuh gefunden, nach der ich dich ausgeschickt habe?“ – „Nein, Herr“, antwortete er, „die Kuh habe ich nicht gefunden, aber auch nicht gesucht.“ – „Was hast du denn gesucht, Hans?“ – „Etwas Besseres, und das habe ich auch glücklich gefunden.“ – „Was ist das, Hans?“ – „Drei Amseln“, antwortete der Knecht. „Und wo sind sie?“ fragte der Herr. „Eine sehe ich, die andere höre ich, und die dritte jage ich“, antwortete der kluge Knecht. Nehmt euch daran ein Beispiel, bekümmert euch nicht um euren Herrn und seine Befehle, tut lieber, was euch einfällt und wozu ihr Lust habt, dann werdet ihr ebenso weise handeln wie der kluge Hans.

➤ Kategorie: Grimms Märchen
➤ entnommen aus: Kinder und Hausmärchen. Gesammelt durch die Brüder Grimm.Verlegt bei Eugen Diederichs. Jena 1912.
➤ angepasst an die zeitgemäße deutsche Sprache

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Liebe Leser*innen,

Grimms Märchen gehören zum kulturellen Erbe und deshalb möchten wir sie hier auch so stehen lassen, wie viele Eltern, Großeltern und Urgroßeltern sie noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen. Dennoch: Für uns von familie.de gibt es nichts Wichtigeres, als eine vielfältige, offene und gleichberechtigte Gesellschaft. Was ihr hier in Grimms Märchen teilweise lest oder vorlest, passt mit unseren Wertvorstellungen oftmals nicht überein.

Die Märchen wurden im frühen 19. Jahrhundert zusammengetragen und waren auch damals nicht primär für Kinder gedacht. Sie sind voll von Brutalität und diskriminierenden Stereotypen. In den Geschichten finden wir nicht nur gruselige Märchengestalten wie Hexen oder Monster, sondern u.a. auch Gewalt an Kindern oder die Bevormundung von Frauen. Das ist nicht nur heute falsch, sondern war es auch damals schon. Zum Glück wachsen unsere Kinder in Zeiten auf, in denen ein Bewusstsein für diese Missstände herrscht.

Ihr kennt eure Kids am besten und daher ist es euch überlassen, ob ihr diese Erzählweise für euren Nachwuchs als angemessen anseht oder nicht; ob ihr Passagen auslasst oder abgeändert vorlest. In jedem Fall: Sprecht mit euren Kindern über das Gelesene und thematisiert das, was gegebenenfalls Angst macht oder Unrecht ist.

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