Ganz ohne Worte: Zeichensprache für Babys

Die meisten Babys fangen um den ersten Geburtstag herum das Sprechen an – und auch dann dauert es, bis Kinder richtig reden können. Wenn Eltern schon davor mit ihrem Kind kommunizieren möchten, können sie mit ihren Kleinen die Babyzeichensprache lernen. Was ist dran an dem Trend, der aus den USA zu uns kommt? Kann die Babyzeichensprache wirklich bei der Kommunikation helfen – oder ist sie nichts weiter als ein neues Konzept für Eltern im Frühförder-Wahn?


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Babyzeichensprache: Mit den Händen sprechen


Der kleine Noah streckt die Zunge raus und hechelt fröhlich wie ein kleiner Hund. Seine Mama versteht sofort, was der Einjährige meint "Stimmt Noah, das ist ein Hund!". Mia legt währenddessen den Kopf zur Seite und macht die Augen zu. Sie ist müde. Die beiden Kinder besuchen mit ihren Mamas zusammen einen Kurs für Babyzeichensprache im Münchner Süden. Nein, die beiden sind nicht taub und üben die Gebärdensprache für Gehörlose. Ihre Mamas gehen zu den wöchentlichen Treffen, um mit ihren Kindern, die noch nicht sprechen können, besser kommunizieren zu können.  "Uns hilft die Zeichensprache, besser zu verstehen, was unser Kind uns mitteilen möchte. Und, was uns ganz wichtig ist: Die Zeichensprache macht der ganzen Familie Spaß. Vor allem unsere große Tochter Ottilie hat freut sich riesig, mit ihrer kleinen Schwester endlich ein bisschen kommunizieren zu können und eine Art Geheimsprache mit ihr zu teilen."


© iStock
Was ist die Babyzeichensprache?

Ursprünglich ist die Zeichensprache für Babys ein Trend aus den USA – inzwischen lernen auch immer mehr Familien bei uns "Babysch". Babyzeichen (im Englischen Baby Signs) sind Gesten, die für Begriffe aus dem Babyalltag stehen. Das können Personen, Bedürfnisse, bestimmte Tätigkeiten oder Tiere und Alltagsdinge sein. In speziellen Kursen lernen Babys mit diesen Zeichen zu zeigen, was sie in Worten noch nicht ausdrücken können: Milch. Oder den lustigen Hund im Bilderbuch. Oder dass sie gerne schlafen möchten. Eltern üben diese Begriffe mit ihren Kindern – ganz nebenbei und spielerisch - und verwenden sie dabei parallel zur gesprochenen Sprache. So wird bei "Milch" die rechte Hand auf Brusthöhe zur Faust geballt, dann wird die Faust drei Mal geöffnet und wieder geschlossen (d.h. die Kuh wird gemolken). Ein zartes Streicheln der Wange bedeutet "Mama".

Affe - mehr - Teddy - Zähne putzen: Gebärden von "Sprechende Hände"


© Sprechende Hände (www.sprechende-haende.de)
Es gibt verschiedene Konzepte der Babyzeichensprache, die sich aber allesamt sehr ähnlich sind. Es gibt Ansätze, die die Gebärden der Deutschen Gebärdensprache für Gehörlose übernehmen (z.B.www.sprechende-haende.de), andere nutzen die Gebärden in vereinfachter Form, um die Feinmotorik der Kleinen nicht zu überfordern (z.B. www.babyzeichensprache.com).
Kommunikation vom ersten Tag an
Mit Einsatz seines ganzen Körpers kommuniziert Ihr Baby schon vom ersten Tag an. Hunger, Kälte, Freude, Erschrecken – all das (und noch viel mehr) können Babys mit einer Kombination aus Laut- und Körpersprache ausdrücken. Wenn Eltern sich ausreichend Zeit nehmen, gelingt es ihnen schnell, ihr Baby zu verstehen. Für Kinder haben Gesten und Zeichen einen hohen Stellenwert – mit ihnen können sie kommunizieren ohne die Sprache zu beherrschen. 
Zeichensprache als Brücke zum Sprechen lernen
Hier setzt die Zeichensprache an. Birgit Butz, Expertin für Babygebärdensprache (www.sprechende-haende.de) und Buchautorin hat bei ihren Kursen bei vielen Familien beobachten können, dass die Babygebärden den Alltag deutlich leichter machen. Denn: "Ein Kind, das sich mitteilen kann – sei es durch Kindergebärden oder durch gesprochene Sprache – ist zufriedener".
Wann ist der beste Zeitpunkt für den Start?
Der beste Zeitpunkt für den Start ist zwischen dem sechsten und neunten Lebensmonat. Zu diesem Zeitpunkt sind die Kleinen in der Lage, vieles zu verstehen – sie können es aber noch nicht ausdrücken. Und jetzt haben sie die notwendigen motorischen Fähigkeiten, um die Hände und Finger koordiniert zu bewegen. Birgit Butz` Empfehlung lautet: "Wenn Ihr Kind auf Gegenstände zeigt, zum Abschied die Geste "winke-winke" nutzt oder auf die Frage, wie groß es ist, die Arme hoch hebt, wird es zu diesen allgemein gebräuchlichen Gesten auch Kindergebärden in sein Repertoire aufnehmen können."



Licht an! als Gebärde für Babys


© Sprechende Hände (www.sprechende-haende.de)
Das Zeichen für Licht ist ein guter Einstieg in die Kindergebärdensprache, weiß Birgit Butz. "Kinder sind begeistert von dem Wechsel zwischen hell und dunkel. Wenn Sie eine Lampe ein- und ausschalten und dazu Licht gebärden, wird Ihr Kind bald diese Gebärde nutzen, um zu zeigen, dass es das Licht anschalten möchte."

Ein guter Einstieg in die Zeichensprache sind auch Fingerspiele, bei denen Sie passend zum Text die Finger und Hände bewegen. "Das Baby sieht, dass Sie ihm auch mit den Händen etwas mitteilen und wird immer öfter interessiert zuschauen. Wenn Ihr Kind vor Ihnen auf den Wickeltisch liegt, können sie sehr gut diese Lieder singen."

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Babyzeichen-Kurs: Spaß für Klein und Groß

Ein Babyzeichen-Kurs ist alles andere als eine Schulstunde: In den Kursen werden zwar jede Woche neue Zeichen gelernt, ansonsten geht es aber darum, dass die Mamas (oder Papas!) Spaß am Zusammensein mit ihrem Kind haben. Es wird wie in anderen Spielstunden auch gesungen und geklatscht – und natürlich bleibt viel Zeit für den Austausch der Eltern untereinander.

Tipps fürs Lernen der Babyzeichensprache
  • 1 / 6

    Am besten (und mit deutlich mehr Spaß!) lernen Sie die Babyzeichensprache gemeinsam in einem Kurs. 

  • 2 / 6

    Weniger ist mehr! Überfordern Sie Ihr Kind nicht mit zu vielen Babyzeichen auf einmal.

  • 3 / 6

    Machen Sie die Gebärden so anschaulich wie möglich.

  • 4 / 6

    Beginnen Sie mit Zeichen, die in Ihrem Alltag häufig vorkommen oder für die sich Ihr Kind gerade begeistert.

  • 5 / 6

    Kinder lernen die Zeichen über Nachahmung. Deshalb: Wiederholen Sie die Zeichen über den Tag verteilt immer wieder. Keine Angst, langweilig wird Ihrem Kind dabei nicht, denn Kinder lieben Wiederholungen.

  • 6 / 6

    Erwarten Sie von Ihrem Kind keine „perfekten“ Zeichen.


Soll jedes Kind die Zwergensprache lernen?



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Manch einer wird sich fragen: Brauchen wir wirklich eine Zeichensprache, um mit unserem Kind zu kommunizieren? Viele Kinderärzte und Sprachwissenschaftler sind der Meinung: Nein! Wenn Eltern mit ihren Kinder keine Babyzeichensprache üben, versäumen sie nichts. Wer sein Kind aufmerksam beobachtet, lernt schnell, wie es sich fühlt und was es gerade braucht. 

Auf der anderen Seite: Schaden tut die Babyzeichensprache garantiert nicht. Zumindest nicht, wenn die Eltern den Kurs und das Lernen der Zeichen ganz entspannt angehen und nicht enttäuscht sind, wenn das Baby der Freundin die Zeichen vielleicht ein bisschen früher lernt als der eigene Nachwuchs. Wenn Eltern das Konzept der Babysprache zu ernst nehmen, besteht die Gefahr, dass die spontane Interaktion mit dem Kind zu kurz kommt, weil die richtigen Zeichen zu sehr im Mittelpunkt der "Unterhaltung" stehen. Deshalb rät Birgit Butz: "Kindergebärden werden nicht beigebracht, sie sollen ganz natürlich beim Spielen und Sprechen mit dem Kind einfließen. Je mehr Spaß Sie und Ihr Kind mit den Kindergebärden haben, umso schneller wird es diese auch nachahmen!"
Fragen & Antworten rund um die Babyzeichensprache
Vivian König hat die Babyzeichensprache nach Deutschland gebracht und in den letzten Jahren ein Netzwerk ins Leben gerufen, das Eltern-Kind-Gruppen, Workshops für Eltern und für pädagogisches Personal sowie Schulungen für Kitas durchführt. Wir haben uns mit ihr unterhalten:
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Kommentare
  • Birgit Butz

    Vielen Dank für den Artikel über Kindergebärden. Es ist so wunderbar, daß über die Idee mit hörenden Kindern immer mehr berichtet wird.

    Kindergebärden bereiten Freude! Probiert es aus!

    Liebe Grüße
    Birgit Butz