Ich habe einen riesigen Bauch, aber kein Bauchgefühl!?

Wenn der Bauch in der Schwangerschaft wächst, wird es Zeit, wieder auf sein Bauchgefühl zu hören. Doch die Meinungen und Ratschläge anderer übertönen das eigene Gefühl viel zu oft. Auch Kerstin musste das Zuhören erst wieder lernen #insidemom.


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Ich bin Mutter. Zwillingsmutter. Und ich bin schwanger. Ich versuche krampfhaft, mich von diesem Perfektionswahn in der Schwangerschaft fernzuhalten. Und ich scheitere.

Da ist die kinderlose Bekannte, die sich schon vorsorglich um ihre Figur sorgt, sollte sie einmal schwanger werden. Da sind die kritischen Blicke einiger Verwandter auf meine wachsende Körpermitte. Da ist die Bloggerin, die sich rühmt, in ihrer Schwangerschaft dank strenger Diät kaum Gewicht zugelegt zu haben. Da sind die Stars und Sternchen mit ihrem perfekten After-Baby-Body nur wenige Wochen nach der Geburt.

Da ist die Debatte unter Zwillingsschwangeren in einem der vielen Mama-Foren, deren große Frage lautet: "Wieviel habt ihr in eurer Zwillingsschwangerschaft zugenommen?" und gleich hinterhergeschoben "Ich habe nun bereist x kg zugenommen in y Wochen. Ist das nicht viel zuviel?" Die Antworten schwanken zwischen 10 kg und 45 kg Gewichtszunahme, zwischen beruhigen und den Anschluss-Themen der Mütter, die ihre Pfunde verfluchen. Das Forenthema explodiert förmlich vor Antworten und Meinungen, Ratschlägen und Gewichtsangaben.

Ich möchte aufschreien: HALT! Hört auf!


Erstens gibt es keine allgemein gültige Formel, wieviel Gewicht man zunehmen darf oder sollte, was zuviel ist oder zu wenig. Und zweitens macht euch doch bitte deswegen in dieser Zeit nicht auch noch Sorgen!

Sorgen hat man besonders in einer Mehrlingsschwangerschaft mehr als genug. Die Schwangerschaft sollte eine Zeit der Vorfreude sein. Aber das ist sie heute oft genug nicht mehr. Wir sind so aufgeklärt, so belesen im Netz und so engmaschig klinisch betreut, dass am Ende das Bauchgefühl verloren geht. Da hat man so einen riesigen Bauch und kann nicht auf eben diesen vertrauen. Und nun ist er auch noch zu dick!

Ich habe zu meinem Körper normalerweise ein ziemlich entspanntes Verhältnis. Ich besitze nicht einmal eine Waage. Ich mache keine Diäten. Mein Körper war noch nie perfekt, aber es gab keinen Grund, sich mit gezieltem Sport oder gar Diäten zu stressen.

Dann wurde ich schwanger. Mit Zwillingen. Ich nahm zu. Quasi sofort und massiv. Mein Arzt sagte, dass besonders schmale Frauen besonders deutlich zunehmen. Ich selber fühlte mich, als hätte mein Körper plötzlich Angst, dass er eine vierwöchige Hungersnot überbrücken müsse.

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Nach 13 Wochen hatte ich rund 10 kg zugenommen, in der 24. Schwangerschaftswoche waren es über 20 und bei 33+0 fiel auch die Grenze 30 kg. Ich habe das nicht ganz entspannt hingenommen. Konnte ich nicht. Ich hatte einen riesigen Bauch, aber kein Bauchgefühl!

Ich war so verunsichert, ob das alles noch ok sei. In mir pochte dieses Mantra, dass ich jahrelang zu hören bekam: „Du wirst nicht soviel zunehmen in deiner Schwangerschaft. Du wirst vernünftig sein. Du wirst nicht übermäßig essen!“
Aß ich vielleicht zuviel? Nahm ich zuviel zu? Sollte ich weniger essen? Ich war so unsicher und musste wirklich sehr darum kämpfen, meinem Hungergefühl noch zu vertrauen. Wortwörtlich erschwerend kamen die am Ende rund 35 kg zusätzliches Gewicht dazu. Ich fühlte mich unbeweglich und verdammt unwohl.


„Mir ist es egal, ob mein Bauch nicht ganz so flach sein wird, wie er einmal war. Ich bin gerade sehr stolz auf meinen Bauch und ich sehe damit verdammt gut aus. Ich fühle mich wohl. So wie ich bin. Mit diesem Körper, der so wahnsinnig viel geleistet hat und so großartige Wunder vollbringt....”

von Kerstin

Nach der Geburt legte ich sogar nochmal mit Wassereinlagerungen zu und ich drohte kurzzeitig zu platzen, bis es nach einer Woche begann weniger zu werden. Nach 4 Wochen waren 15 kg Gewicht weg. Ein halbes Jahr später waren trotz Stillens zweier Säuglinge noch gut 10 kg drauf.

Ich gehörte nicht zu denen, die während des Stillens viel Gewicht verloren. Denn ich aß. Ich aß Berge. Ich hatte Hunger. Sehr viel Hunger. Hätte ich hungern sollen? Nein. Ich hatte mein Bauchgefühl wieder gefunden und vertraute darauf, dass mein Körper es so brauchte.

Irgendwann stillte ich ab und ungefähr ein Jahr nach der Geburt meiner Kinder war ich grob wieder da, wo ich gestartet bin. Ob das exakt stimmt, weiß ich nicht. Denn ich besitze ja keine Waage. Aber meine alten Klamotten passten mir alle wieder. Das ein oder andere Teil saß nicht mehr so, wie ich es gerne hätte, die Figur war leicht anders, aber die Hosen gingen alle widerstandslos zu.
Mein Körper verdient RESPEKT

Aber wenn es nicht so gewesen wäre? Dann wäre es auch egal gewesen! Mein Körper hat 36 Wochen lang zwei kleine perfekte Menschen mitversorgt. Sie sind in ihm gewachsen. Zwei kleine Wunder! Was habe ich für einen genialen Körper, der sowas kann? RESPEKT!

Mein Körper hat im Anschluss diese Würmchen noch weitere sechs Monate mit ernährt. Wahnsinnige Fähigkeit, die Mutter Natur uns da mitgegeben hat. RESPEKT!

In meinem Körper wurden während der Schwangerschaft von meinen beiden kleinen Mitbewohnern einige Organe neu angeordnet. Meine Muskulatur und meine Haut mussten sich extrem dehnen. Von schmal auf Nilpferd in knapp 9 Monaten. Weit über 30 kg rauf und auch wieder runter in eineinhalb Jahren. Was das für einen Körper bedeutet! RESPEKT!

Ich habe Hochachtung vor dieser Leistung meines Körpers. Es war ein Kraftakt. Man darf es ihm ansehen.

Jetzt bin ich wieder schwanger. Ich nehme wieder rasant zu und bin schon kugelrund. Ich esse Unmengen, denn ich habe ständig Hunger. Für mich ist das ok, denn ich vertraue endlich meinem Bauchgefühl. Und das sagt mir: Iss! Ab und an tritt es mich auch kräftig – dieses Bauchgefühl. Dann gönne ich mir und dem tretenden Krümelchen ein Stückchen Schokolade.

Mir ist es egal, ob mein Bauch nicht ganz so flach sein wird, wie er einmal war. Ich bin gerade sehr stolz auf meinen Bauch und ich sehe damit verdammt gut aus. Ich fühle mich wohl. So wie ich bin. Mit diesem Körper, der so wahnsinnig viel geleistet hat und so großartige Wunder vollbringt.

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Ein Plädoyer, warum es für jede Mutter wichtig ist, endlich selbstbewusster zu werden. #insidemom




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#insidemom: Kerstin


Hier schreibt: Kerstin

Ich heiße Kerstin, zähle 33 Jahre und wohne am Rande des Ruhrgebiets. Seit nicht ganz zwei Jahren bin ich Mutter eines Zwillingspärchens, seit bald 14 Jahren Freundin, Frau und Partnerin meines Traummanns. Aktuell freuen wir uns auf das fünfte Familienmitglied.

Auf Chaos² blogge ich über das turbulente Leben mit Zwillingen: von Alltagsgeschichten über unterhaltsame Anekdoten bis zu Praxis-Tipps, wie man das so wuppt mit einem Doppelpack. 
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