HPV-Impfung: Risiken und Nebenwirkungen

Da beide Impfstoffe vergleichsweise kurz auf dem Markt sind, sind alle Risiken und Nebenwirkungen noch nicht abschließend bewertet. Allerdings sind alle möglichen Nebenwirkungen in einem Rahmen, den auch andere übliche Impfstoffe aufweisen


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Die laut Katalog am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen beim Impfstoff Gardasil (bei mehr als einer von zehn Geimpften) sind Fieber und Hautreaktionen wie Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle. Beobachtet wurden auch Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Überempfindlichkeits-Reaktionen wie Atembeschwerden, Nesselsucht oder Ausschlag. Selten (zwischen einer und zehn bei 10 000 Geimpften) festgestellt wurden Ohnmachtsanfälle. Beim Impfstoff Cervarix zählen zu den häufigen Nebenwirkungen ebenfalls Hautreaktionen an der Einstichstelle sowie Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Müdigkeit.


Spritze

Ein kleiner Pieks - mit welchen Nebenwirkungen?


© Thinkstock

Um den Vergleich mit anderen Impfstoffen zu verdeutlichen, haben US-Wissenschaftler die Nebenwirkungen der HPV-Impfung untersucht. In den USA erhielten zwischen Juni 2006 und Dezember 2008 etwa 23 Millionen Frauen eine HPV-Impfung, davon meldeten laut dem amerikanischen System zur Erfassung von Nebenwirkungen von Impfungen (VAERS) 12 424 Frauen Beschwerden. Darunter waren 772 schwerwiegende Fälle mit Blutgerinseln, Ohnmachtsanfällen, starken allergischen Reaktionen oder Autoimmunstörungen. Die Anzahl der Beschwerdefälle auf die Gesamtzahl der geimpften Frauen legt eine Rate nahe, die der anderer Impfstoffe entspricht. Lediglich das Risiko zu Ohnmachtsanfällen und Blutgerinseln liegt im Vergleich etwas höher.

Die Kritikpunkte der HPV-Impfung


Die Kritiker der HPV-Impfung zielen mit ihren Argumenten hauptsächlich auf die voreilige Impfempfehlung und auf die Zweifel an der tatsächlichen Wirksamkeit im Vergleich zum Risiko der möglichen Nebenwirkungen. Zum Vorwurf der voreiligen Impfempfehlung verteidigte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Friedrich Hofmann, 2008 in einem Spiegel-Interview die Entscheidung: "Wir kennen die Wirksamkeit erst, wenn 10 bis 20 Jahre vergangen sind, denn dann entsteht aus den Vorformen ein Tumor. (…)Wenn wir gesagt hätten, wir warten mal ab, wie sich das mit dem Gebärmutterhalskrebs entwickelt, dann hätten wir 10 bis 20 Jahre warten müssen. Dann hätte die Impfkommission einige Tausend Tote auf dem Gewissen gehabt."


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Die Zweifel an der Wirksamkeit der HPV-Impfung sind nicht nur aufgrund des unbekannten Zeitraums der Immunität berechtigt. Die häufig verbreitete Information, die Impfung schütze zu 70 Prozent oder mehr vor der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, lässt sich bei näherer Betrachtung nicht halten. Die Behauptung basiert auf Studien, die besagen, dass die Hochrisikotypen HPV 16 in 50 bis 60 Prozent der Fälle und HPV 18 in 10 bis 20 Prozent der Fälle für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich gemacht werden können. Werden diese beiden Prozentzahlen addiert, kommt man auf 70 Prozent.
Die Schlussfolgerung: Wenn in 70 Prozent der Tumore diese beiden Virentypen nachweisbar sind, schützt eine Impfung zu 70 Prozent vor Krebs. Allerdings setzt diese sehr optimistische Schlussfolgerung voraus, dass junge Frauen vor der Impfung sicher noch nicht mit dem Erreger infiziert sind und dass keine anderen Erreger die gleiche Funktion bei der Krebsentstehung übernehmen.

Es gibt jedoch Stimmen von Gynäkologen, die behaupten, dass bereits 90 Prozent der 13-jährigen Mädchen bereits eine Infektion mit HP-Viren vorweisen. Festzustellen ist das durch das Auftreten von sogenannten Kondylomen, gutartige Hautgewächse im Anal- und Genitalbereich. Da eine Ansteckung mit HPV eben nicht ausschließlich über Geschlechtsverkehr zustande kommt, ist die Infektion beispielsweise über die Mutter bereits bei der Geburt oder als Folge des häuslichen Zusammenlebens denkbar. Vor einer Impfung werden die jungen Mädchen nicht, wie von manchen Ärzten gefordert, auf eine bereits vorhandene HPV-Infektion getestet. Ein zusätzlicher Widerspruch in diesem Punkt ist, dass die gesetzlichen Kassen zum Beispiel auch nur in Ausnahmefällen die Kosten einer Impfung bei älteren Frauen übernehmen, da umstritten ist, ob die Immunisierung auch bei bereits mit HPV-Infizierten sinnvoll ist. Ohne vor der Impfung einen HPV-Test bei jungen Frauen zu machen, führt aber zur gleichen Ausgangslage wie bei älteren Frauen.
Fazit
Die Spritze gegen HPV ist trotz aller Kritik und der hoffnungsfrohen Betitelung als erste „Krebs-Impfung“ eine Impfung wie jede andere, sowohl was die Wirksamkeit als auch die Nebenwirkungen betrifft. Sie kann zwar den Schutz gegen Gebärmutterkrebs erhöhen, ihn jedoch auf keinen Fall zu 100 Prozent verhindern. Wichtig ist daher, jungen Mädchen die geimpft werden, die Wichtigkeit der jährlichen Krebsvorsorge deutlich zu machen, bei der durch den PAP-Test Zellveränderungen am Gebärmutterhals rechtzeitig erkannt werden. Denn im Gegensatz zur HPV-Impfung gibt es über diese Form der Krebsvorsorge bereits Langzeitstudien: Durch den PAP-Test konnte seit seiner Einführung 1971 die Gebärmutterhalskrebs-Rate tatsächlich um 70 Prozent gesenkt werden.

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