Masern: Symptome, Komplikationen und Impfung

Masern sind alles andere als eine simple Kinderkrankheit. Welche Symptome auftreten, wie Masern aussehen und verlaufen und warum Sie Ihr Kind gegen Masern impfen lassen sollten.


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Masern sind hoch ansteckend


Ursache der Masern ist ein Virus (Morbillivirus), der durch Tröpfcheninfektion übertragen wird: Durch die Luft (Sprechen, Niesen, Husten etc.) gelangt der Virus in winzigen Tröpfchen in den Körper. Kommt eine ungeschützte Person mit ihm in Kontakt, wird sie zu 99 Prozent an den Masern erkranken. Also faktisch immer. Zwischen Ansteckung und Ausbruch (Inkubationszeit) liegen ungefähr acht bis zwölf Tage. Ansteckungsgefahr besteht bereits vor dem Auftreten des typischen Masernausschlags: ein bis zwei Tage vor Ausbruch der ersten Symptome bis zum vollständigen Abheilen des Hautauschlags können Masern übertragen werden.

Masern können schwere Komplikationen zur Folge haben.

Masern können schwere Komplikationen zur Folge haben.


© kinderarzte-im-netz.de
Gut zu wissen: Masern-Patienten ist es gesetzlich verboten, Gemeinschaftseinrichtungen zu besuchen. Dazu zählen Schulen, Kindergärten, Kitas etc.
Masern-Symptome und Verlauf Mit Masern verbinden wir sofort den Hautausschlag, tatsächlich verläuft die Krankheit jedoch in zwei Phasen – dem Vorstadium (Prodromalstadium) und dem Hauptstadium (Exanthemstadium).

➤ Symptome im Vorstadium

• mäßiges Fieber
• Schnupfen, Halsschmerzen
• trockener Husten
• Abgeschlagenheit, Müdigkeit
• Kopf- und Bauchschmerzen
• Lichtempfindlichkeit, evtl. verbunden mit einer Bindehautentzündung
• tränende Augen
• aufgedunsenes, verquollendes Gesicht Die Ansteckungsgefahr ist in dieser Phase besonders hoch, die Symptome allerdings zunächst sehr unspezifisch, insgesamt dauert das Vorstadium ca. drei bis fünf Tage an. Ab dem zweiten bis dritten Tag bilden sich auf der Mundschleimhaut (auf Höhe der Backenzähne) kleine weiße Flecken die rot umrandet sind – die sogenannten Kopliksche Flecken. Im weiteren Verlauf rötet sich die gesamte Mundschleimhaut. Das Fieber steigt stark an, typischerweise sinkt es dann kurz vor dem Masern-Hauptstadium wieder ab.

➤ Symptome im Hauptstadium
Erst in dieser Krankheitsphase tritt der typische Masernausschlag (Exanthem) auf. Er beginnt in der Regel bei den Ohren, Hals und Gesicht und breitet sich dann über den ganzen Körper aus. Ausgenommen sind die Hand- und Fußsohlen. Oft haben die drei bis sechs Millimeter großen Flecken ein kleines Bläschen in der Mitte. Nach einigen Tagen nehmen die Masern-Flecken einen braun-violetten Farbton an, nach vier bis sieben Tagen heilt das Exanthem ab, die Haut kann jetzt stark schuppen.

Der typische Hautausschlag bei einer Maserninfektion

Der typische Hautausschlag bei einer Maserninfektion.


© kinderarzte-im-netz.de
Der Masern-Ausschlag wird begleitet durch hohes Fieber, auch Fieberkrämpfe sind keine Seltenheit. Die Fieberkurve entwickelt sich parallel zum Ausschlag, d.h. nach vier bis sieben Tagen normalisiert sich die Körpertemperatur und auch die anderen Symptome verschwinden. Ist die Infektion überstanden, bleibt jedoch das Immunsystem noch für ca. sechs Wochen sehr geschwächt und anfällig für andere Erkrankungen. Wer die Masern einmal durchgestanden hat, ist lebenslang immun gegen sie. 
Komplikationen und Spätfolgen von Masern
Masern sind keine harmlose Krankheit, da ein hohes Risiko (10 bis 20 Prozent) für zum Teil schwere Komplikationen besteht. Besonders für Kinder unter fünf Jahren und Erwachsene über 20 Jahre ist das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs in der akuten Phase hoch. Neben relativ milden Komplikationen wie Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen, Bronchitis und Durchfallerkrankungen, besteht auch das Risiko einer Gehirnentzündung. Jeder fünfte Patient mit Masern-Enziphalitis verstirbt daran, bei einen Drittel bleiben langfristige Schäden am Nervensystem zurück.

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SSPE als Spätfolge der Masern-Infektion im Säuglingsalter

In vielen Fällen heilen die Masern bei älteren Kindern ohne Komplikationen aus. Sind jedoch Babys betroffen, sieht dies leider anders aus. Zwar überstehen auch Säuglinge die Erkrankung meist recht gut, jedoch besteht bei ihnen das Risiko, Jahre später an der subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE) zu erkranken. Je jünger das Baby zum Zeitpunkt der Infektion ist, desto größer ist auch die Gefahr der SSPE - bei Kindern unter einem Jahr erkrankt laut einer Studie eines von 3.300.

Bei der SSPE gelangen die Masernviren nach der Infektion in das Gehirn und rufen fünf bis sieben Jahre nach der akuten Erkrankung eine Gehirnentzündung hervor. Hirngewebe wird zerstört und das Kind entwickelt sich motorisch und geistig zurück, verlernt laufen, sprechen, sitzen und essen. Die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) führt in jedem Fall zum Tod und ist nicht behandelbar. "Wir wissen nicht, weshalb bei manchen Menschen diese Erkrankung ausbricht und bei anderen nicht. Jungen scheinen häufiger betroffen zu sein als Mädchen - eine Therapie gegen die SSPE gibt es leider nicht", so Prof. Heinz-J. Schmitt, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) und Infektiologe an der Universitätsklinik in Mainz.

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Warum sind Babys so gefährdet?

Über die Muttermilch bekommt das Baby alle wichtigen Abwehrstoffe von der Mutter. Ist die Mutter gegen Masern geimpft, werden auch diese Antikörper weitergegeben. Bis zu einem halben Jahr hält der sogenannte Nestschutz an, dann muss der Organismus des Säuglings selbst mit Bakterien und Viren fertig werden. Die Masern-Impfung erfolgt jedoch erst nach dem vollendeten 1. Lebensjahr. In der Zeitspanne dazwischen können sich Babys leicht mit dem Erreger anstecken.
Wie werden Masern behandelt?
Bisher gibt es keine ursächliche Therapie, die den Masernvirus direkt bekämpft. Es können lediglich die Symptome und Komplikationen behandelt und damit die Beschwerden gelindert werden.

Was Sie tun können
  • 1 / 3
    Bettruhe und Schonung

    Ihr Kind sollte in jedem Fall zu Hause bleiben, bis alle Symptome vollständig abgeklungen sind. In der akuten Phase sind Bettruhe und ausreichend Flüssigkeit wichtig, denn der Organismus braucht jetzt alle Ressourcen, um die Krankheit zu bekämpfen. Zusätzliche Anstrengungen sollten deswegen unbedingt vermieden werden. 

  • 2 / 3
    Fieber behandeln

    Sollte das Fieber zu hoch steigen, sind fiebersenkende Maßnahmen sinnvoll, z. B. Wadenwickel oder auch Medikamente. Mäßiges Fieber sollten Sie hingegen nicht unterdrücken.

  • 3 / 3
    Auf Lichtempfindlichkeit achten

    Tränende Augen, Kopfschmerzen und eine Bindhautentzündung treten häufig auf - ein abgedunkeltes Zimmer und gedimmtes Licht erleichtern die Beschwerden.


Bei Maser-Verdacht sollten Sie auf jeden Fall mit Ihren Kinderarzt sprechen, aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr am besten zunächst telefonisch.
Schutz durch Masern-Impfung
Wirksamen Schutz gegen die Masern bietet nur die Impfung. In den meisten Fällen wird gegen Masern in einer Dreifachimpfung zusammen mit Mumps und Röteln geimpft. Der Impfstoff enthält abgeschwächte Masernviren und zählt damit zu den Lebendimpfstoffen. Die STIKO empfiehlt eine zweifache Impfung im Kleinkindalter: Die erste Impfung wird zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat gegeben, die zweite Impfung folgt im Alter zwischen 15 und 23 Monaten. Zwischen beiden Impfungen sollten mindestens vier Wochen liegen.

Als Nebenwirkung können etwa zehn Tage nach der Impfung leichtes Fieber und Abgeschlagenheit auftreten, in manchen Fällen zeigt sich auch ein leichter Masernausschlag. Diese sogenannten Impfmasern sind jedoch nicht ansteckend.
 

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Quellen: Ärzteblatt, Kinderärzte im Netz, Robert Koch Institut



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