Wenn das Baby schielt

Wenn das Baby schielt, gibt es nach der Geburt noch keinen Grund zur Sorge. Doch manchmal steckt dahinter eine Sehstörung, die behandelt werden muss. Das sind deutliche Anzeichen für Strabismus.


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Hilfe, mein Baby schielt!?


Da liegt das Kleine, glücklich und zufrieden. Es lacht und verfolgt mit den Augen aufmerksam, was um es herum passiert. Doch manchmal wollen die Augen nicht so recht gehorchen - das Baby schielt. Hilfe, mein Baby schielt!? Nein, es gibt zunächst keinen Grund für Panik. In den ersten Monaten ist Schielen beim Baby völlig normal, man spricht vom sogenannten Babyschielen. Die Augen sind noch im Training. Und gerade wenn Ihr Kind müde oder gerade aufgewacht ist, gelingt der richtige Blick nicht immer (latentes Schielen).


Baby schielt_ Anzeichen und Therapie


Beobachten Sie den Silberklick Ihres Babys dennoch weiterhin. Nach einem halben Jahr sollte der Sehsinn soweit trainiert sein, dass das Auge nicht mehr aus der Sichtachse fällt. Passiert das immer noch häufig, so kann es sein, dass Ihr Baby einen Sehfehler hat. Erhöhtes Risiko dafür besteht vor allem dann, wenn Sie oder Ihr Partner ebenfalls als Kind oder Erwachsener geschielt haben. Das gleiche gilt auch für Babys, die zu früh zur Welt gekommen sind. Um eine dauerhafte Schädigung der Augen zu verhindern, ist es für Eltern wichtig, die Anzeichen früh zu erkennen; zumal das Schielen oder Strabismus, wie es Mediziner nennen, nicht immer sofort zu erkennen ist.


Anzeichen für Strabismus:
• Ist Ihr Kind blendungsempfindlich?
• Oder reagiert Ihr Kind gar nicht auf Lichteinfall?
• Kneift Ihr Kind häufig ein Auge zu oder hält es sich zu?
• Hält Ihr Kind häufig seinen Kopf schräg?
• Hat Ihr Kind Probleme damit, Gegenstände mit den Augen zu verfolgen?
• Hat Ihr Kind Probleme damit, Gegenstände zu greifen?
• Hat Ihr Kind Probleme damit, in einer Entfernung von etwa 30 Zentimetern den Blickkontakt mit Ihnen aufrecht zu erhalten?

Können Sie die meisten dieser Fragen mit „Ja“ beantworten, dann sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Er wird genauere Tests mit Ihrem Baby machen, auch um schwerwiegendere Erkrankungen wie einen Netzhauttumor auszuschließen. Zu Ihrer Beruhigung, dieser ist sehr selten.
Woher kommt das Schielen?
Die genauen Ursachen für das frühkindliche Schielen sind noch nicht eindeutig geklärt. In den meisten Fällen sind Schielerkrankungen vererbt. Aber auch eine angeborene Weitsichtigkeit oder Kurzsichtigkeit, Probleme mit der Augenmuskulatur oder eine Hornhautverkrümmung können ein Grund sein, warum das Baby schielt. Die Folgen sind die gleichen: Das schielende Auge entwickelt eine Sehschwäche.

Um das zu verstehen, erklären wir kurz die Funktionsweise der Augen. Im Normalfall schauen beide Augen in eine Richtung. Dabei entsteht auf jedem ein Bild, das sich nur ganz wenig vom anderen unterscheidet. Das Gehirn fügt beide Bilder zu einem deckungsgleichen 3D-Bild zusammen. Beim Schielen aber weichen die Bilder so stark voneinander ab, dass das Gehirn nicht mehr in der Lage ist, sie exakt aufeinander abzustimmen. Es entstehen Doppelbilder. Um diesem Fehler entgegenzuwirken, unterdrückt das Gehirn die Bilder, die das schielende Auge liefert. Es wird nach und nach abgeschaltet. Die Sehkraft des nicht beschäftigten Auges lässt dann nach, auf Dauer wird es schwachsichtig. Und genau deshalb ist es so wichtig, das Schielen beim Baby rechtzeitig zu erkennen und früh mit der Therapie zu beginnen. Schon ab einem Alter von fünf bis sechs Monaten lässt sich ein Silberblick gut behandeln – mit dauerhaftem Erfolg. Allerdings bedeutet das auch, dass ein Sehfehler schlecht oder gar nicht mehr behandel werden kann, wenn er zu spät entdeckt wurde. Unbehandelt kann Schielen bereits ab dem achten Lebensjahr eine dauerhafte und schwerwiegende einseitige Schwachsichtigkeit (Amblyopie) verursachen. Deshalb ist ein Sehtest auch Teil der U-Untersuchungen.

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Hat der Arzt bei Ihrem Baby Strabismus diagnostiziert, bekommt es als erste Maßnahme häufig eine Brille, um den Sehfehler auszugleichen. Damit das schielende Auge aber wieder seine normale Funktion aufnimmt, muss es zusätzlich trainiert werden. Ihr Kind bekommt eine sogenannte Okklusionsterapie. Dabei werden die Augen abwechselnd mit einem Pflaster abgeklebt. So wird das Gehirn gezwungen, das sehschwache Auge wieder zu nutzen; der Sehfehler wird geringer. Auch das Schielen verbessert sich dadurch deutlich und kann sogar ganz verschwinden. Das heißt, nur in den seltensten Fällen und bei großem Schielwinkel ist eine Operation notwendig, um die Augen wieder parallel auszurichten.

Pseudoschielen

Wir wollen das Schielen beim Baby nicht verharmlosen, der Vollständigkeit halber sei aber dennoch kurz das sogenannte Pseudoschielen erwähnt. Manchmal ist es nämlich nur einer optischen Täuschung geschuldet, dass der Blickwinkel des Babys leicht schief wirkt. Ist zum Beispiel der Nasenrücken des Babys besonders breit, kann leicht der Eindruck des Einwärtsschielens entstehen, obwohl die Stellung beider Augen absolut symmetrisch ist. Das liegt daran, dass das innere Augenweiß kleiner zu sein scheint als das äußere. Dennoch gilt hier Vorsicht vor Selbstdiagnosen: Im Zweifel sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen. Es gilt, wie oben erwähnt, je eher das Schielen erkannt wird, desto besser kann es behandelt werden.

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