Einzelkinder und Erstgeborene

Erstgeborene und Einzelkinder brauchen mehr Zuwendung als jüngere Geschwister. Außerdem: Welchen Einfluss Geschwister auf die Entwicklung haben.


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Erstgeborene im Vergleich zum Einzelkind


Mit Geschwistern aufzuwachsen hat große Vorteile, darüber sind sich Erziehungsexperten einig. Kinder mit Geschwistern haben die besten Chancen, positive Eigenschaften wie Kooperationsbereitschaft und Durchsetzungsfähigkeit zu entwickeln. Denn Brüder und Schwestern sind für einander so genannte Sparring-Partner (aus dem Englischen: to spar with s.o - sich mit jemanden auseinandersetzen). Das heißt: Geschwister trainieren sich wechselseitig in sozialem Verhalten - anders und intensiver, als das Spielkameraden vermögen. „Freunde sind wichtig, können aber Geschwister nur teilweise ersetzen. Besonders bei kleinen Kindern sind die Zeiten, in denen ein Einzelkind mit anderen Kindern zusammen ist, doch sehr begrenzt. Geschwister vermitteln im Alltag ganz nebenbei die Regeln des Zusammenlebens“, bestätigt die Wiener Entwicklungspsychologin Professor Brigitte Rollett, selbst Mutter von vier Kindern.

Was es für Kinder bedeutet, ohne Geschwister aufzuwachsen, fanden amerikanische Forscher schon in den fünfziger Jahren heraus. Erstgeborene und Einzelkinder haben in schwierigen Situationen ein höheres Bedürfnis nach Zuwendung als später geborene Geschwister. Die Erklärung: Eltern sind beim ersten Kind noch ängstlicher und reagieren schneller mit Zuwendung und Versorgung, wenn das Kind Unmutsäußerungen zeigt. Später geborene Geschwister hingegen sind es einfach nicht gewohnt, dass sich die Eltern ihnen ständig unmittelbar zuwenden, ihre Erwartungshaltung ist somit auch nicht so ausgeprägt. Sind Geschwisterkinder deshalb lebenstüchtiger als Einzelkinder und eher in der Lage, auf eigenen Füßen zu stehen? Nein, sagen die Experten. Trotz erhöhter elterlicher Aufmerksamkeit sind Kinder ohne Geschwister seelisch und körperlich genauso belastbar wie andere Kinder.

Einzelkinder haben in der Schule klare Vorteile - zumindest im Vergleich zu Kindern aus kinderreichen Familien. Experten gehen davon aus, dass die intellektuelle Förderung durch die Eltern mit wachsender Kinderzahl abnimmt.

Anders sieht es aus, wenn nur zwei Kinder in der Familie leben. Durch den sogenannten Tutoreneffekt profitieren die Geschwister dann voneinander. Das ältere bringt dem jüngeren Kind Dinge aus den verschiedensten Lebensbereichen bei und ist oft ein besserer Lehrmeister als die Erwachsenen. Eine wissenschaftliche Studie aus Mexiko bestätigt diese Annahme: Die Forscher fanden heraus, dass Einzelkinder einen größeren Wortschatz haben als Kinder, die als drittes oder viertes Kind in eine Familie geboren werden, während sie mit Kindern aus Zweikindfamilien gleichauf liegen.



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