Kein zweites Kind: Was tun, wenn ein Paar sich nicht einig ist?

Familienplanung

Kein zweites Kind: Was tun, wenn ein Paar sich nicht einig ist?

Wenn der eine von der Großfamilie träumt und der andere Partner schon kein zweites Kind möchte, kann das zu Spannungen führen. Wie können Paare eine Lösung finden?

Die Entscheidung, wie viele Kinder man zusammen haben möchte, ist zwar nicht in Stein gemeißelt, aber viele Menschen haben von vornherein eine Wunschvorstellung. Doch manchmal ändert man im Laufe der Zeit seine Meinung, zum Beispiel, wenn die Lebensumstände sich wandeln, Finanzen oder Gesundheit berücksichtigt werden müssen oder wenn das Familienleben anders ist als erwartet. So kommt es, dass auch Paare, die sich zunächst einig waren, dass sie sich mehrere Kinder wünschen, plötzlich diskutieren.

Zweites Kind oder kein zweites Kind?

Wenn aus einem Paar eine Familie wird, ändert sich so einiges. Neue Aufgaben, Verantwortung und jede Menge Liebe für das Baby verändern den Alltag und auch die Paarbeziehung. Ist es anders, als man es sich vorgestellt hat? Gut möglich. Manchmal ist das der Moment, wo einem oder beiden Partnern durch den Kopf geht, ob der Traum von der Großfamilie wirklich realistisch ist oder ob man sich vielleicht damit übernimmt. Die Kosten für eine große Familie, Job, Schlafmangel – all das kann eine Rolle spielen. Lieber noch kein zweites Kind, heißt es dann vielleicht. Aber es kann auch andere Gründe geben. Wenn Paare sich nicht einig sind, wie es mit der Familienplanung weitergehen soll, heißt es genau hinhören. Manche Hindernisse und Unklarheiten lassen sich dann vielleicht aus dem Weg räumen. Denn idealerweise sollte das Paar sich beim Ja oder Nein bezüglich mehr Nachwuchs einig sein.

Wenn ein Partner sich überfordert fühlt

Es ist nicht immer so, dass der frischgebackene Vater einfach so weiterlebt wie zuvor – aber es kommt durchaus vor, dass die Mutter stillend zu Hause bleibt, während er die Brötchen verdient und sich in seinem Leben gar nicht so viel verändert. Er geht nach der Arbeit wie gewohnt ins Gym und kommt entspannt nach Hause. Dort wartet eine erschöpfte junge Mutter, die noch nicht einmal zum Duschen gekommen ist und zwischen Baby und Haushalt versinkt.

Umgekehrt kann es auch vorkommen, dass ein Partner völlig im Nestbau und in der Elternrolle aufgeht, während der andere wegen der großen Verantwortung und den finanziellen Bedürfnissen einer wachsenden Familie nicht zur Ruhe kommt. Der Druck, genug Geld zu verdienen, den Job zu behalten und für eine sichere Zukunft zu sorgen, kann ebenfalls so überwältigen, dass man die Notbremse in Sachen Nachwuchs ziehen möchte.

Wichtig ist, dass man darüber spricht, Unterstützung und Mitverantwortung einfordert und um Hilfe bittet, wenn man das Gefühl hat, dass die Lasten ungleich verteilt sind. Manchmal kann sich das vielleicht schwierig anfühlen, weil man das Gefühl hat, irgendwie versagt zu haben. Aber diesen Schuh sollte man nicht einmal anprobieren, geschweige denn sich anziehen. Fällt das Gespräch zu zweit schwer, bittet vielleicht ein Familienmitglied, eine Freundin oder einen Freund dazu, um darüber zu sprechen, was anliegt. Und: Sind die Lasten gerechter verteilt, kommt ein zweites Kind vielleicht doch wieder in Frage….?

Wenn die Umstände dagegen sprechen

Beide sind sich einig: Eine Familie mit mehreren Kindern soll es sein. Aber nicht immer beurteilen beide die Zukunftsperspektiven unter den aktuellen Umständen gleich – das kann auch typbedingt sind. Einige Menschen sind eher optimistisch und vertrauen darauf, dass sich alles irgendwie zurecht läuft. Andere machen sich eher Sorgen und möchten alles zu 150 % unter Kontrolle haben. Wenn der Job also wackelt, kann das ein Grund sein, den Kinderwunsch noch einmal aufzuschieben und erst einmal kein zweites Kind zu bekommen. Auch hier ist es wichtig, miteinander zu sprechen, damit beide von derselben Faktenlage ausgehen und sich nicht das Gefühl einschleicht, der Aufschub hätte andere Gründe.

Ein weiterer Umstand, der eine Rolle spielen kann, ist eine schwere Geburt, durch die sich die Mutter noch traumatisiert fühlt. Das kann für den Vater manchmal schwer nachzuvollziehen sein, selbst wenn er bei der Geburt dabei war. Über die Angst vor einer weiteren Schwangerschaft oder vor der Geburt kann man mit dem Frauenarzt oder der Hebamme sprechen und gegebenenfalls mit anderen Experten. Wenn eine Frau sich sicherer fühlt, dass sie auch die nächste Schwangerschaft und Geburt gut schaffen kann und dass es dieses Mal besser laufen wird, dann klappt es doch noch mit mehr Kindern. Wann sie sich dazu körperlich und psychisch bereit fühlt, weiß die Frau am besten.

Wenn das Familienleben anders ist als erwartet

Manche Menschen bekommen Kinder und fühlen sich, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Für andere ist diese Veränderung ein Kulturschock, den sie erst einmal verdauen müssen. Da kann der Gedanke „möchte ich wirklich noch mehr Kinder?“ schon mal auftauchen. Das Gefühl, in einem anderen Lebensabschnitt angekommen zu sein, und die Sorge, in der persönlichen Freiheit eingeschränkt zu werden, keine Urlaube wie früher mehr machen zu können und ein Leben zu führen, in dem sich alles um die Kinder dreht, macht manchen Menschen Angst. Wer solch einen Partner hat, sollte diese Ängste ernst nehmen und ihm oder ihr Zeit geben. Und für manche Paare ist es am Ende vielleicht wirklich einfacher oder besser, nur ein Kind großzuziehen. Ein Einzelkind zu haben kann auch toll sein und vielleicht einigen beide sich darauf, dass dies vorerst oder für immer das Beste ist.

Vollendete Tatsachen schaffen – gute Idee oder nicht?

Manche Freundin, Schwester oder Mutter hat sicher schon geraten „Werde doch einfach schwanger! Wenn das Kind einmal da ist, freut er sich bestimmt!“, wenn der Partner kein zweites Kind möchte. Das kann im Einzelfall klappen, so wie ja auch ein Großteil der Menschheit nicht minutiös geplant gezeugt wurde, sondern eher unverhofft und ungeplant, und ebenfalls in dieser Welt willkommen geheißen wurde. Mal mit mehr, mal mit weniger Begeisterung, aber oft genug als willkommener Familienzuwachs. Auch dann kann aus dem „Unfall“ eine überaus glückliche Familie entstehen.

Hat man aber mit dem Partner schon lange diskutiert und auf Granit gebissen, was das Thema anbelangt, dann kann es schon sein, dass die Freude auf sich warten lässt oder dass sich der Bedenkenträger nicht ernst genommen oder überlistet fühlt. Für die Partnerschaft kann das zu einer Belastung werden – selbst, wenn es sich tatsächlich um eine ungeplante Schwangerschaft handeln sollte. Wer kein zweites Kind möchte, sollte genauso Gehör finden, wie ein Partner, der von weiteren Kindern träumt.

Bildquelle: Getty Images

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