Deutsche Grundschüler verlieren im internationalen Lese-Ranking

Die IGLU 2016 zeigt: Im internationalen Vergleich liegt das Lesevermögen der deutschen ViertklässlerInnen über dem Mittelwert – hat sich aber seit 2001 nicht verbessert.


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5. Dezember 2017 – Die heute veröffentlichten Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) 2016 fallen ernüchternd aus, wie so viele Bildungsstudien der letzten Jahre. Zwar liegt das Lesevermögen der deutschen ViertklässlerInnen seit der ersten Erhebung 2001 im internationalen Bereich stabil über dem Mittelwert, doch GrundschülerInnen in anderen Ländern konnten zulegen und haben die deutschen SchülerInnen mittlerweile überholt. 2001 gab es nur vier Länder, in denen es höhere Leistungsmittelwerte gab als in Deutschland, 2016 waren es 20 Staaten.

IGLU Lesestudie


© iStock

Kaum Veränderungen zum Stand vor 15 Jahren


Zwar nahm der Anteil der im Lesen leistungsstarken SchülerInnen zu (2001: 8,6% / 2016: 11,1%), doch auch der Anteil der im Lesen leistungsschwachen Kinder wuchs (2001: 16,9% / 2017: 18,9%). Warum das Lesevermögen der deutschen Grundschüler so auf der Stelle tritt, während es in anderen Ländern immer weiter zunimmt, „das gilt es zu analysieren“, so die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, Dr. Susanne Eisenmann. Einen Grund sieht sie in der "zunehmend heterogenen Schülerschaft" - das bedeutet, dass die Schere zwischen leistungstarken und leistungsschwachen Schülern immer größer wird. 

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Die soziale Herkunft ist entscheidend

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Der soziale Hintergrund der SchülerInnen hat einen Einfluss auf ihr Lesevermögen. So heißt es in der IGLU-Studie: „Gemessen an der Anzahl der Bücher im Haushalt und dem Berufsstatus der Eltern gehört Deutschland weiterhin zu den Staaten, in denen die sozialbedingten Leistungsunterschiede am höchsten ausfallen“.
Gute Nachrichten: Die Lesemotivation ist hoch
Doch es gibt auch eine erfreuliche Nachricht: Die meisten ViertklässlerInnen verfügen über eine insgesamt hohe Lesemotivation. Und die gilt es zu fördern und der Leselust nachzukommen, das sieht auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung so. Es fordert als Reaktion auf die IGLU Ergebnisse, die Sprachförderung im schulischen und vorschulischen Bereich zu intensivieren und Lehrkräfte speziell aus- und weiterzubilden, um sowohl leseschwache als auch lesestarke SchülerInnen effektiv zu fördern.

„Lesen ist eine grundlegende Kulturtechnik und der Schlüssel zum Bildungserfolg. Dementsprechend werden wir das Lesen innerhalb der Schule und über alle Fächer hinweg weiter stärken. Zugleich gilt es, in der Schule Anregungen zu setzen, dem Lesen auch in Freizeit und Elternhaus wieder einen höheren Stellenwert zu verleihen. Schulen sollten Eltern dabei unterstützen, ihren Kindern Lesegelegenheiten zu bieten." so KMK-Präsidentin Dr. Susanne Eisenmann.

Und Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Cornelia Quennet-Thielen, fügt hinzu: "Besonders wichtig ist, dass Lehrerinnen und Lehrer mehr gesellschaftliche Wertschätzung erfahren, vor allem im Grundschulbereich. Wir müssen die Lehrkräfte so gut wie möglich ausbilden und auf die neuen gesellschaftlichen Herausforderungen vorbereiten. Der Unterricht ist heute anspruchsvoller als früher, weil die Vielfalt in den Grundschulen größer geworden ist. Außerdem müssen die Eltern konsequent einbezogen werden. Nur so können sie ihre Kinder wirksam unterstützen".

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Über die Studie
Alle fünf Jahre erhebt die IGLU-Studie das Lesevermögen der deutschen ViertklässlerInnen. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, wie gut sie Texte lesen und verstehen können und wie ihre Lesegewohnheiten aussehen. 2016 nahmen 47 Länder und zehn Regionen teil. In Deutschland wurden rund 4.300 SchülerInnen einbezogen.



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