So lernt Ihr Kind teilen

Gerade kleinen Kindern fällt teilen oft sehr schwer. Wir geben Tipps, wie Sie Ihrem Kind das Teilen nahebringen


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden


Kinder können nicht von Anfang an teilen

Dinge in Besitz zu nehmen und sie gegen andere zu verteidigen, ist angeboren. Die meisten Kinder fangen mit etwa 18 Monaten an, alles, was sie gerade in der Hand halten, mit einem nachdrücklichen „Meins!“ als ihres zu deklarieren. Und dieses „Meins!“ gilt es festzuhalten, denn wer weiß, ob man es wiederbekommt? Dieses natürliche Verhalten hat schon den Höhlenmenschenkindern das Überleben gesichert. Das Besitzdenken geht sogar so weit, dass sich Kleinkinder oft mit den Gegenständen, an denen sie hängen, körperlich identifizieren. Sie sind ein Teil von ihnen. Nimmt sie jemand weg, fühlen sie sich existenziell bedroht. „Kinder zwischen 1 und 3 definieren sich stark über Dinge - Kleidung, Haarlänge, Spielsachen. Es dauert meist ein paar Jahre, bis ihre Persönlichkeit so gefestigt ist, dass sie Äußerlichkeiten lockerer sehen können“, sagt Hartmut Kasten, Entwicklungspsychologe, Pädagoge und Familienforscher vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. Teilen muss erlernt werden Im Gegensatz dazu ist Teilen eine soziale Fähigkeit, die jeder Mensch mühsam erlernen muss. Da die Vorstellung, jemandem etwas abzugeben, dem angeborenen Instinkt widerspricht, ist das nicht so einfach. Es dauert, bis Kinder merken, dass sie nicht zu kurz kommen, wenn sie teilen, und dass es sogar von Vorteil sein kann. Wir Großen wissen, dass es mehr Spaß macht, zu zweit ein Eis zu essen als allein. Ein Kind muss das erst lernen. Kleine Kinder haben noch eine andere Zeit-Wahrnehmung als Erwachsene. Dazu kommt, dass kleine Kinder sich selbst als den Mittelpunkt des Universums betrachten. Um den Wunsch zu verspüren, jemandem etwas abzugeben, muss man sich vorstellen können, was derjenige gerade fühlt. Ob er traurig ist oder fröhlich, einsam oder wütend. Wer aber gerade erst dabei ist, sein „Ich“  zu entdecken, ist mit dem „Du“ völlig überfordert. „Ein wirkliches Gespür dafür, was in anderen vorgeht, entwickeln die meisten Kinder erst mit etwa 4 oder 5 Jahren“, sagt Kasten. „Das heißt aber nicht, dass man das Teilen nicht schon vorher üben sollte.“ Kinder lernen, teilen zu akzeptieren Selbst wenn die Einsicht in das „Warum“ erst später kommt, sind auch unter Dreijährige durchaus in der Lage zu begreifen, dass bestimmte Verhaltensweisen, wie etwa einem anderen etwas wegzunehmen, nicht erwünscht sind. Wer auf dem Spielplatz mit dem Bobbycar eines Freundes fahren möchte, muss ihn vorher fragen. Und gegebenenfalls ein „Nein“ akzeptieren. Das ist Übungssache. Und wenn sich 2 um ein Spielzeug streiten? „Am besten abwarten, ob die Kinder das nicht unter sich ausmachen können“, rät der Frühpädagoge. Wenn nicht einer wesentlich älter ist als der andere, schaffen sie das meistens auch. Die übliche Lösung der Spielplatzeltern, dem einen das Streitobjekt wegzunehmen und dem anderen zu geben, sei die schlechteste Lösung. „Wenn man Kinder zum Teilen zwingt, werden sie ihren Besitz nur umso erbitterter verteidigen“, meint Kasten. Besser ist es, mit Kindern über das, was passiert ist, später zu reden, wenn sich der Sturm gelegt hat. „Das ist auch eine gute Gelegenheit, über Gefühle zu sprechen, die eigenen und die des anderen. Je öfter man das macht, desto schneller entwickelt sich beim Kind Einfühlungsvermögen.“ Oft geht es aber auch gar nicht um das Spielzeug selbst. „Die Attraktion ist nicht das Spielzeug, sondern der Spaß, den der andere gerade hat“, erklärt Kasten. „Die Kinder wünschen sich, ebenso viel Spaß zu haben, und glauben, dass sie das mit dem Besitz des Spielzeugs erreichen können.“




Artikel kommentieren
Login