Vater zahlt keinen Unterhalt: Was tun?

Fast die Hälfte der Alleinerziehenden bekommt keinen oder kaum Unterhalt von dem Vater ihres Kindes. Was kann man dagegen machen?


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Laut Familienreport 2017 des Bundesfamilienministeriums gab es 1,6 Alleinerziehende, darunter 1,44 Millionen Frauen und 182.000 Männer. Eine deprimierende Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigte 2014, dass bei knapp die Hälfte von ihnen die Situation so ist, dass der Vater keinen oder kaum Unterhalt zahlt. Es kann auch die Mutter sein, aber die Statistiken besagen, dass es zu fast 90 Prozent Frauen sind, die vergeblich auf die volle finanzielle Unterstützung ihres Ex hoffen.

Vater zahlt keinen Unterhalt

Schwierige Situation: Wenn der Vater keinen Unterhalt zahlt.


© Getty Images

Die Gründe, warum ein Vater keinen Unterhalt zahlt

Er kann nicht, denn er verdient zu wenig. Ihm stehen, wenn er arbeitet, 1080 Euro als sogenannter Selbsterhalt zur Verfügung. Wenn er nicht arbeitet und er Hartz IV oder finanzielle Aufstockungen bekommt, sind dies 880 Euro. Laut einer Studie der Münchner Universität verdienen fast die Hälfte der unterhaltspflichtigen  und geschiedenen Männer zu wenig, um ihre Kinder voll zu unterstützen.

Er will nicht und benutzt es als Rache gegen seine Ex-Frau oder als Druckmittel, um mehr von den Kindern zu haben. Aber bei dieser Rechnung kommen die Kinder eindeutig zu kurz. Viele Unterhaltsunwillige rechnen sich mit einigen Tricks ihr Nettoeinkommen herunter, um auf die 1080 Euro zu kommen. Oder sie entziehen sich durch Umzug ins Ausland.

Er weiß es nicht, weil es ein One-Night-Stand im Urlaub war und Name sowie Adresse nicht bekannt sind.

So viel müsste der Unterhaltsverpflichtete mindestens zahlen

Für alle minderjährigen Kinder gibt es eine Summe, die mindestens gezahlt werden sollte. Die sogenannte Düsseldorfer Tabelle gilt als bundesweit anerkannte Richtlinie. Grundlage für die Berechnung der Unterhaltszahlungen ist das Nettoeinkommen des Unterhaltsverpflichteten und das Alter der Kinder.

•    bis 6-jährige Kinder: 348 Euro monatlich
•    7- bis 12-jährige Kinder: 399 Euro monatlich
•    12- bis 17-jährige Kinder: 467 Euro monatlich

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Gleich klagen, wenn der Unterhalt nicht gezahlt wird?

Wenn der Vater nicht zahlt, muss man nicht sofort klagen, denn es gibt kostengünstigere Möglichkeiten wie den Gang zum Jugendamt, um dort die Höhe des Unterhalts festlegen zu lassen. Das nennt man Unterhaltstitel, der vom Jugendamt oder Familiengericht festgelegt wird. Man kann zwischen einem statischen Unterhaltstitel wählen, der bis zu einer möglichen Änderung gezahlt wird oder man einigt sich auf einen dynamischen Unterhaltstitel, der sich mit dem Alter des Kindes erhöht.

Eine Änderung des Unterhaltstitels kostet immer Zeit und Geld, deshalb ist es besser, man einigt sich von vornherein auf einen dynamischen Unterhaltstitel. Ist ein Unterhaltstitel festgelegt, bedeutet dies für den in die Verpflichtung Genommenen, dass er alles tun muss, um diese Summe für seine Kinder zur Verfügung zu stellen. Notfalls muss noch ein zweiter Job her, um dies zu gewährleisten. Das Wohl des Kindes hat immer Vorrang vor dem der Eltern.

Einfaches Verfahren zur Unterhaltsbestimmung

Der Unterhaltstitel hat nur einen Haken - der Unterhaltspflichtige  muss detailliert Auskunft über seine finanziellen Verhältnisse geben und ihm zustimmen. Wenn sich der Unterhaltspflichtige gleich weigert, gibt es keinen Unterhaltstitel. In diesem Fall und wenn gleichzeitig kein gerichtliches Verfahren läuft, kann man auf das einfache Verfahren setzen. Hier bestimmt ein Rechtspfleger, also kein Richter, die Summe des Unterhalts. Antragsformulare gibt es beim Jugendamt oder beim Amtsgericht. Dort klärt man auch am besten, ob man für ein vereinfachtes Verfahren geeignet ist.

Der ausgehandelte Beschluss kann dann zur Zwangsvollstreckung genutzt werden, wenn der Unterhalt nicht gezahlt wurde. Der Beklagte kann Einwände erheben - er muss dazu Auskünfte über sein Einkommen und sein Vermögen darlegen und die nötigen Belege vorlegen. Zudem muss er von vornherein eine Erklärung abgeben, inwieweit er seinen Unterhaltspflichten nachkommen will. Nur wenn er all dies vorlegt, kann sein Einwand berücksichtigt werden. Einigt man sich nicht, bleibt nur ein kostenintensives Streiten vor Gericht.

Teure Unterhaltsklage

Eine Unterhaltsklage ist immer mit Kosten verbunden. Die Klage reicht man am Amtsgericht oder Familiengericht am Wohnort des Beklagten ein. Der Beklagte muss sich dann binnen einer Frist zur Klage äußern. Klägerin und Beklagter müssen Anwälte einschalten und das kann teuer werden, Verfahrensgebühren, Termingebühren und Beträge für die Anwälte können in die Tausende von Euro gehen.

Der Staat unterstützt mit einem Unterhaltszuschuss

Wenn gar nichts mehr geht, der Vater nicht genügend verdient oder sich durch Umzug aus der Affäre gezogen hat, kann man vom Staat einen Unterhaltszuschuss bekommen. Der Staat versucht später, das Geld vom Unterhaltspflichtigen zurückzubekommen. Der maximale Zuschuss wird mit dem Kindergeld von 194 Euro verrechnet, um auf den oben genannten Mindestunterhalt zu kommen. Das ergibt dann:

•    bis 6-jährige Kinder: bis zu 154  Euro monatlich
•    7- bis 12-jährige Kinder: bis zu 205 Euro  monatlich
•    12- bis 17-jährige Kinder: 273 Euro monatlich

Anspruch auf den Unterhalt haben Kinder, die bei einem alleinerziehenden Elternteil leben und keinen oder keinen regelmäßigen Unterhalt bekommen. Bei Kindern unter 12 Jahren ist das Einkommen der Alleinerziehenden irrelevant.  Bis 2017 galt, dass dieser Zuschuss nur bis zum 12. Lebensjahr gezahlt wurde. Das hat sich geändert - wenn das Kind selbst keine Bezüge bekommt und das alleinerziehende Elternteil brutto mindestens 600 Euro verdient, gibt es einen Anspruch für Kinder bis zur Volljährigkeit. Diese neue Variante führt dazu, dass die Jugendämter von neuen Anträgen überschwemmt wurden und es dauern kann, bis der Zuschuss bewilligt wird. Für diesen Zuschuss, der mit anderen Sozialleistungen verrechnet wird, braucht man

•   Nachweis über Unterhaltszahlungen
•   Scheidungsurteil bzw. Schreiben des Anwalts/ Anwältin, sofern vorhanden
•   Gehaltsnachweise der letzten 12 Monate
•   Unterhaltstitel im Original in der 1. vollstreckbaren Ausfertigung (Beschluss, Urkunde, Vergleich)
•   Kopie des Personalausweises/ Passes des Antragstellers
•   Kopie der Geburtsurkunde des Kindes
•   bei Ausländern: Aufenthaltstitel in Form einer Niederlassungserlaubnis bzw.    Aufenthaltserlaubnis
•   Aufenthaltsbescheinigungen
•   Vaterschaftsanerkennung

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Gute Beratung ist wichtig

Diese furchtbare Situation, in der alleinerziehende Mütter, in seltenen Fällen alleinerziehende Väter, stecken, lässt sich am besten mit einer guten Beratung durchstehen. Es ist immer ein wunderbares Gefühl, nicht allein zu sein. Das Jugendamt ist ein Ort, wo es viele Informationen gibt, aber man kann sich  auch den Verband alleinerziehender Mütter und Väter wenden. Andere gemeinnützige Vereine wie zum Beispiel die Caritas beraten auch. Oder man fragt Rechtsanwälte. Man sollte sich auf alle Fälle umschauen, denn es gibt Hilfsangebote.

Wenn der Vater oder in den selteneren Fällen die Mutter keinen Unterhalt zahlt, hat dies immer Auswirkungen auf das Familiengefüge. Kinder werden es nicht vergessen, wenn sie vom Vater oder Mutter willentlich nicht unterstützt wurden.



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