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Eltern, seid vorsichtig! Babyfoto landet auf Pädophilien-Website

Ekelhaft

Eltern, seid vorsichtig! Babyfoto landet auf Pädophilien-Website

Amanda Morgan hat den Albtraum aller Eltern erlebt. Sie entdeckte ein Foto ihrer Tochter auf einer Pädophilen-Website. Leider ist das gar nicht so selten.

Kinderfotos im Netz?

Am Thema Kinderfotos im Netz scheiden sich die Geister. Die einen finden sie süß und erfreuen sich daran, andere sehen das kritisch. Viele Eltern zeigen stolz ihre Kinder in den sozialen Medien, um die weit entfernte Verwandtschaft daran teilhaben zu lassen, oder auch um ihren Stolz und ihre Liebe für den Nachwuchs mit der Welt zu teilen.

Denkt an die Folgen!

Niemand denkt an die Folgen, die das haben kann. Und genau das ist ein Problem. Denn so, wie es Amanda Morgan erging, könnte es allen Eltern ergehen, die Fotos ihrer Kinder im Netz teilen. Die 29-Jährige teilte auf Instagram ein Foto ihrer damals sechs Monate alten Tochter. Eigentlich ganz harmlos, Millionen Eltern weltweit tun das auch.

Stark bearbeitetes Babyfoto

Sie bekam dann Nachrichten von anderen Eltern, dass die Fotos ihres Kindes auf einer russischen Website geteilt wurden, die dafür bekannt ist, dass auch Pädophile dort nach Kinderfotos suchen. Amanda fand die Fotos ihrer Tochter dort, allerdings nicht so, wie sie diese gepostet hatte. Ein Foto wurde stark bearbeitet, so dass es aussah, als würde das sechs Monate alte Kind Mascara und Lippenstift tragen. Ein Foto, auf dem das Baby in Krabbelposition zu sehen ist, wurde mit eindeutig sexueller Konnotation kommentiert. Wir ersparen euch die Details.

Kinderbilder gehören nicht ins Netz

Diese Erfahrung, die Amanda Morgan machen musste, die ist leider gar nicht so selten. Der Cyberkriminologe Dr. Thomas Gabriel Rüdiger von der Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg wundert sich nicht. "Es ist leider nicht überraschend, dass das passiert. Manche Eltern denken, dass normale Kinderbilder, also keine Bikini- oder Strandbilder oder Ähnliches, im Netz unproblematisch seien, weil da ja nichts dabei ist. Das könnten ja theoretisch auch Fotos sein, die ein Fremder auf der Straße macht."

Immerhin werden nur die wenigsten Eltern ihre Kinder in eindeutigen Posen ins Netz stellen. Die meisten zeigen Alltagssituation, auch wenn nach wie vor erschreckend viele Fotos von nackten Babys und Kleinkindern in den sozialen Medien veröffentlicht werden. Aber die Pädophilen suchen gar nicht unbedingt nach solchen Motiven.

Täter werden von normalen Fotos getriggert

"Man muss das schon deutlich sagen", sagt Cyberkriminologe Dr. Rüdiger, "manche Täter können auch von ganz normalen Bildern angesprochen werden. Einige haben vermutlich das Gefühl, dass das Kind ganz nah ist. Das kann die Phantasie anregen." Im Prinzip ist es bei uns Erwachsenen ja ähnlich (und in diesem Zusammenhang trotzdem gruselig, das zu denken).

Wir Erwachsenen werden auch von anderen Menschen in normalen Situationen getriggert, finden Männer und Frauen begehrenswert. Dafür müssen sie nicht nackt vor uns stehen. Das gilt leider auch für Pädokriminelle. Was außerdem für die Täter interessant ist? Dass durch die vielen Informationen, die Eltern in den sozialen Medien über ihre Kinder teilen erscheinen die Kinder ja wirklich sehr nah, erklärt Dr. Rüdiger.

Doku zu Kinderbildern im Netz

"Vor knapp zwei Jahren durfte ich bei einer Dokumentation mit dem Titel `Kinderbilder im Netz` mitwirken. Hier wurde herausgearbeitet, dass auch ganz normale Kinderfotos aus den Sozialen Medien ausreichen, um Täter anzusprechen. Solche Bilder werden dann weltweit geteilt und kommentiert. Ähnliches kennen wir aus allen Sozialen Medien, wenn beispielsweise bei Kindersportvideos Sekundenangaben gepostet werden, um damit zu verdeutlichen, welche Stelle derjenige besonders interessant findet", so Cyberkriminologe Dr. Thomas Gabriel Rüdiger.

Sucht niemals selbst nach Kinderfotos!

Dass, was die junge Mutter erlebt hat, ist laut Dr. Rüdiger "ein leider bekanntes Phänomen. Es muss Eltern bewusst sein, dass das passieren kann, wenn sie Kinderfotos öffentlich im Internet posten." Eine Warnung gibt es an dieser Stelle aber auch noch vom Cyberkriminologen. Bitte sucht niemals selbst aktiv nach solchen Bildern und macht auch keine Screenshots, wenn ihr so etwas findet. Das betrifft auch sogenannte Posingbilder in den sozialen Medien.

Die Gesetzgebung ist in jedem Land eine andere, die Mutter aus England hat sich vielleicht mit ihrer Suche auf der russischen Website nicht strafbar gemacht. Wenn ihr aus Deutschland z. B. eine solche Suche nach sogenannten Posingbildern startet, oder diese per Screenshot kopiert oder teilt, könntet ihr euch unter Umständen aber durchaus strafbar machen. Das liegt an unterschiedlichen Gesetzgebungen verschiedener Länder und dem Fehlen globaler Gesetze.

Mutter will nun andere Eltern warnen

Amanda Morgan aus Liverpool sagte dem Onlinemagazin Metro, dass sie nicht aufhören konnte zu weinen, als sie die Fotos ihrer Tochter dort sah. Und sie ist machtlos, auch wenn sie die Website der Polizei meldete. Noch sind die Fotos ihrer Tochter im Netz. Ihr Instagram-Profil hat sie auf privat gestellt. Morgan will nun andere Eltern über die Gefahren von Kinderfotos im Netz aufklären.

Auch Dr. Rüdiger warnt. "Eltern müssen über die Risiken von Kinderbildern im Netz aufgeklärt werden, um selbst eine gut überlegte Entscheidung treffen zu können. Denn wenn einmal ein Bild veröffentlicht ist, ist das kaum noch zurücknehmbar".

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Bei mir gibt es eine ganz strenge "Keine Kinderfotos im Netz" Politik. Die mich regelmäßig an Grenzen bringt, weil eben nicht alle Eltern so denken wie ich. Ich beschäftige mich seit Jahren mit diesem Thema und werde immer wieder dafür belächelt, dass ich warne.

Aber es ist ein so unfassbar wichtiges Kinderschutzthema, das viele nicht ernst nehmen. Natürlich will niemand, dass seine Kinder auf solchen Website auftauchen. Aber sobald das Kinderfoto im Netz ist, hat niemand mehr die Kontrolle darüber, was mit diesen Fotos passiert.

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus / fizkes

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