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Die Body Positivity Bewegung – Wie positiv ist sie wirklich?

Die Body Positivity Bewegung – Wie positiv ist sie wirklich?

No Body Shaming

Viele Worte wurden schon darüber gemacht, wie sehr wir darunter leiden, den vermeintlich idealen Körperformen nicht entsprechen zu können. Darauf wurden wir jahrelang gepolt. Aber wie können wir uns umpolen? Vielleicht, indem wir anfangen, alle Körper schön zu finden.

Dieser Text ist von Juliana König.

Was genau ist die Body Positivity Bewegung?

Genau da will die Body Positivity Bewegung ansetzen. Seit einiger Zeit sorgt sie durch ihre Verbreitung unter dem #bodypositivity in sozialen Medien, Magazinen, Filmen oder in Büchern dafür, das sich tatsächlich etwas ändert. Weltweit wandelt sich langsam aber stetig das Bild der vermeintlich normschönen, also schlanken Frau hin zu (noch) nicht idealtypischen Frauenkörpern in Filmen und auf Laufstegen. Den Normaufbrecherinnen sei Dank, werben verschiedene Modelabels und Unternehmen inzwischen mit Kampagnen für mehr Diversität und Akzeptanz eines weiblichen Körpers, der nicht dem gesellschaftlichen Idealbild entspricht.

Wie entstand die Body Positivity Bewegung?

Die Wurzeln der Bewegung reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück zu den Anfängen des Feminismus und damit auch zum Kampf von Frauen gegen vorherrschende Schönheitsideale. In den 70ern entwickelte sich in der black community der USA die Fat Acceptance Bewegung. Diese Bewegung engagiert sich für die Abschaffung diskriminierender und unrealistischer Schönheitsideale. Die Forderungen gehen in ihren Ursprüngen weit über Themen wie Selbstakzeptanz hinaus. Vor allem Diversität und soziale Gerechtigkeit spielen dabei eine große Rolle

Body Neutrality statt Body Positivity

Das Thema Body Positivity hat auch die Werbung und das Marketing für sich entdeckt. Deutlich häufiger zeigen Werbespots Frauen mit verschiedenen Hautfarben und unterschiedlichen Körpertypen. Die Cover der renommiertesten Modemagazine werden von Plus Size Models wie Ashley Graham, Paloma Elsesser oder der Sängerin Lizzo geschmückt. Wobei die Sängerin sich inzwischen von der Bewegung distanziert, da ihrer Meinung nach die Kernaussage dieser Bewegung durch die teilweise Nutzung des #bodypositivity durch weiße, schlanke Frauen verloren geht.

Vielmehr geht ihr die zunehmende Kommerzialisierung dieses Begriffs zu weit. Genau wie der Aktivistin Jes Baker, die deshalb die Begriffe Body Neutrality und Body Liberation geprägt hat, um auf die eigentlichen Werte von Body Positivity hinzuweisen. If you want to talk about physical health, we´re probably going to talk about mental health first” so lautet nicht nur die Überschrift zu einem von Jes Bakers vielfältigen Blogs, sondern trifft auch einen wahren Kern in diesem Ansatz. Generell distanziert sich #bodyneutrality von einer Bewertung des Aussehens und rückt den Körper aus dem Fokus. Vielmehr wird sich darauf konzentriert, jeden Menschen so sein zu lassen wir er/sie ist.

Am Beispiel der vielen Reaktionen auf den Gewichtsverlust von Sängerin Adele wird sichtbar, dass es noch ein weiter Weg ist, bis wertfrei oder lieber gar nicht über das Aussehen von Personen gesprochen wird. Seit Beginn ihrer Karriere stand ihre Figur fast genauso häufig wie ihre einmalige Stimme im Fokus der Öffentlichkeit. Anfangs wurde Adele für ihren Mut gerühmt als kurvenreiche Sängerin Teil der Musikbranche zu sein. Und letztlich wurde ihre starke Abnehmleistung hervorgehoben oder auch negativ kommentiert.

Kritik an der Body Positivity Bewegung

Eine effektive Body Positivity Bewegung sollte ihr Augenmerk nicht darauf richten, ob eine Frau zu- oder abnimmt. Vielmehr müsste Toleranz gefördert werden, damit der eigene Selbstwert unabhängig von der äußeren Erscheinung definiert wird.

Viel zu häufig geht es aber noch immer darum, sich und seinen Körper in Szene zu setzen. Unter dem Deckmantel der Selbstliebe wird der Fokus noch immer auf das Aussehen der Frau gelegt, auch wenn ihr Körper nicht dem Ideal entspricht. Damit sollte eigentlich längst Schluss sein.

Selbst vor den Veränderungen des weiblichen Körpers nach der Geburt macht die Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken keinen Halt. Viele Promimamas inszenieren sich mit ihrem vermeintlich “perfekten” After Baby Body und ernten stellenweise sehr viel Kritik dafür. Glücklicherweise gibt es da nicht nur die “Life after birth” Kampagne, die mit frisch gebackenen Müttern und deren Fotos mit Dehnungsstreifen, Narben und schlaffer Haut für mehr Realität wirbt.

Die Autorin Anuschka Rees zum Beispiel plädiert in ihrem Buch “Beyond beautiful” unter anderem dafür, ein positives Body Image zu entwickeln, welches unabhängig davon sein sollte sich automatisch attraktiv zu fühlen. Vielmehr sollte das eigene Aussehen vor allen Dingen keinen negativen Einfluss auf unseren Alltag und unseren Selbstwert haben. Sie sagt, dass Schönsein kein Muss ist um glücklich zu sein und nicht ausschlaggebend ist für unseren Wert als Mensch.

Zudem versucht sie auch über ihren Instagram-Account darauf aufmerksam zu machen, unsere Körper vielmehr neutral zu betrachten bzw. unseren Blick weg von unserem Körper zu nehmen.

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Bewegung nur für Frauen?

Die Body Positivity Bewegung hat sicherlich enorm viele Frauen mit vermeintlich “unperfekten” Körpern motiviert, diese zu zeigen und dadurch anderen ein Vorbild für mehr Selbstakzeptanz zu sein. Auch wenn uns dadurch teilweise ein primär positives Verhältnis zu unserem eigenen Körper fast aufgezwungen wird. Eine weitere Seite der Bewegung zeigt aber auch mal wieder mit dem Finger auf die noch immer vorherrschende Ungleichheit zwischen Mann und Frau. Denn nach wie vor geht es den Frauen darum, attraktiv zu sein. Zwar auch attraktiv mit Rundungen, Schwangerschaftsstreifen und Hautproblemen - aber doch in erster Linie einfach schön.

Oder habt ihr schon einmal einen Mann gesehen, der sich unter dem #bodypositivity-Hasthtag selbst als wunderschön definiert? Bei jedem Post der über diesen Hashtag erfolgt, steht der Körper im Vordergrund und ein Gefühl schwingt mit, dass wir Frauen unseren Körper lieben müssen um im Leben glücklich sein zu können. Aber können wir das nicht auch, selbst wenn wir die ein oder andere Delle nicht leiden können und dafür ganz andere Dinge im Leben als wichtig erachten?

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Dieser Text ist von Juliana König.

Das sagt Juliana König

Als Mama einer kleinen Tochter versuche ich ihr immer ein Vorbild zu sein und den Fokus weg vom Aussehen zu lenken. Das ist nicht immer leicht, weil vor allem Mädchen häufig hinsichtlich ihres Aussehens bewertet werden - auch wenn diese (vermeintlich) positiv ausfällt. Ich höre noch immer häufig “was für eine hübsche kleine Tochter” ich habe, statt vielleicht zu erwähnen wie freundlich, mutig oder witzig sie ist.

Natürlich ist sie für mich auch wunderschön, aber das beziehe ich vielmehr auf ihre Art mit anderen Menschen umzugehen. Ihr ist es zum Glück noch völlig egal, wie sie aussieht und ich wünsche mir sehr für sie, dass das noch lange so bleibt.

Auch finde ich es absolut in Ordnung, das ein oder andere Körperteil an mir selbst nicht zu feiern oder meinen nicht mehr vorhandenen flachen Bauch zu vermissen oder die trainierten Arme meiner besten Freundin zu bewundern. Dennoch fühle ich mich wohl in meinem Körper und mag vor allem, wie ich bin. Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass wir ein wesentlich zufriedeneres Leben führen würden, wenn wir unseren Körper eher als Hilfsmittel betrachten, der uns die Möglichkeit gibt, Dinge zu schaffen, Ideen zu entwickeln, Leben zu schenken und Gefühle zu erleben.

Bildquelle: Getty Images/DisobeyArt

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