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Einfacher loslassen:  6 Schritte für mehr Leichtigkeit in Job & Familienalltag

Einfacher loslassen: 6 Schritte für mehr Leichtigkeit in Job & Familienalltag

Gast-Kolumne

Der Wunsch nach Kontrolle der eigenen Lebensumstände ist ein Grundbedürfnis unserer Psyche. Aber in dem Moment, in dem das „Kontrollieren-wollen“ überhandnimmt, kann es uns auch schaden. Es verhindert dann beispielsweise, dass wir uns beruflich weiterentwickeln oder kann der Grund für Konflikte in der Partnerschaft sein und zu einem Gefühl von Überforderung mit Job und Familie führen. Woran du erkennst, dass du in gewissen Situationen ein Kontroll-Freak bist und sechs Schritte, wie du ganz einfach Kontrolle loslassen kannst.

Nehmen wir einmal an, du willst im Job wachsen und im Familienleben mehr Leichtigkeit, dann führt kein Weg daran vorbei, dass nicht nur du, sondern auch andere an deiner Geschichte mitschreiben. Was gleichsam bedeutet, dass du Kontrolle in gewissen Situationen abgeben darfst. Daher zunächst mal vier gute Gründe, warum es sich durchaus lohnen kann, mehr loszulassen.

Vier Gründe, warum es uns schadet ständig alles kontrollieren zu wollen

  1. Wenn du nie gelernt hast loszulassen oder abzugeben wirst du dich über kurz oder lang überladen. Du fühlst dich gestresst und überfordert. Dein Körper wird dabei in einem Zustand ständiger Anspannung versetzt was auf Dauer zu Unzufriedenheit und schlimmstenfalls zu Krankheiten und Depression führen kann.
  2. Dein Umfeld merkt, dass du überladen bist: Sei es im Job oder auch in der Familie und werden dir das auch in irgendeiner Form spiegeln. Denn du strahlst dann deine Anspannung aus. In der Regel ist das nicht etwas was wir anziehend finden und versuchen dem tendenziell eher aus dem Weg zu gehen, was dann ggf. dazu führt, dass wir uns noch gestresster fühlen, weil wir das Gefühl haben, allein gelassen zu werden.
  3. Du verpasst auch vieles, weil du keinen Raum lässt für andere Möglichkeiten oder Optionen, wenn du darauf bestehst, dass Dinge auf eine ganz bestimmte Art und Weise erfolgen. Damit wirst du niemals erfahren, ob dein Weg wirklich der «beste» ist oder ob es nicht noch viele andere Möglichkeiten gibt etwas anzugehen oder zu lösen.
  4. Du schaffst letztlich Konfliktpotential für deine Beziehung, denn was du implizit damit sagst, wenn du alles selbst machst oder auf eine bestimmte Art haben möchtest, ist: «Ich weiss es besser» oder «Ich vertraue dir nicht» oder «du genügst nicht meinen Ansprüchen». Alles Dinge, die wir in dem Moment meist unbewusst aussenden und nicht förderlich sind, wenn du eine Partnerschaft auf Augenhöhe führen möchtest.

Wie du sehen kannst, lohnt es sich durchaus mal bei sich hinzuschauen, ob und wo du vielleicht selbst noch Mühe hast loszulassen.

Woran du erkennst, dass du in gewissen Situationen ein Kontroll-Freak bist

Die Krux an dem Kontrollieren-wollen ist, dass wir uns meistens gar nicht bewusst sind, dass wir am Kontrollieren sind und haben damit keine Chance irgendwas daran zu verändern. Meistens sind wir in dem Moment frustriert über wie sich irgendwas entwickelt oder wie jemand etwas getan hat.

Woran kannst du also überhaupt erkennen, dass du gerne im Job oder Zuhause Dinge oder Situationen unter Kontrolle hast? Hier ein paar Indizien, die mir in der Zusammenarbeit mit Eltern zu dem Thema auffallen:

  • Du möchtest am liebsten alles selbst machen, weil du davon überzeugt bist, dass es nur dann «richtig» ist oder ebenso wie du es möchtest
  • Für alle Aufgaben, die andere machen, sei es im Job oder auch im Haushalt, hast du genaue Anweisungen oder prüfst Dinge auch gerne nach
  • Du bist tendenziell eher nervös, wenn andere Dinge machen
  • Du fühlst dich nur 100% sicher, wenn du Aufgaben selbst erledigst
  • Du bist öfters genervt davon wie andere Menschen Dinge erledigen und bist öfters unzufrieden
  • Du hast meistens zu viel zu tun und fühlst dich immer wieder überfordert

Na? Irgendwo ertappt? Dann darfst du dir erstmal gratulieren, denn damit hast du den ersten Schritt gemacht von den sechs Schritten wie du anfangen kannst Kontrolle loszulassen.

Sechs Schritte, wie du Kontrolle loslassen kannst

  1. Erkenne an, wo du kontrollierst

    Der allererste Schritt zu jeder Veränderung ist immer das sich bewusst machen. Denn wenn du es selbst gar nicht weißt, kannst du auch nichts daran ändern. Hierzu kannst du dich beispielsweise fragen: Was sind Situationen im Job oder in der Familie, die du versuchst zu kontrollieren?

  2. Verstehe woher das kommt und warum du es tust

    Denn wir machen nichts grundlos oder zufällig. 95% unserer täglichen Handlungen sind gesteuert durch unser Unterbewusstsein. Wenn wir Situationen kontrollieren, dann meistens, um uns vor etwas zu schützen oder ein bestimmtes Szenario abzuwenden. Kontrolle ist damit meistens auch eine Antwort auf eine Angst, die wir haben. Was ist es also wovor du Angst hast?

    Wenn du beispielsweise kontrollierst was deine Kinder essen, hast du vielleicht Angst, dass sie übergewichtig werden und dass sie deswegen gehänselt werden könnten. Und vielleicht ist das sogar eine Situation, die du als Kinder selbst erlebt hast und als sehr schmerzhaft empfunden hast und deswegen unter allen Umständen vermeiden möchtest.

    Oder wenn du beispielsweise kontrollierst was deine Kinder anziehen, wenn sie rausgehen zum Spielen, hast du vielleicht Angst davor, dass sie krank werden könnten und dass sie dann nicht in den Kindergarten/Schule können und du nicht arbeiten kannst. Und du Angst vor dem Szenario hast, dass du wichtige Termine absagen musst.

  3. Verstehe wo dein Kontrollzwang zum Nachteil wird

    Alles hat immer zwei Seiten. Nachdem du im zweiten Schritt die „positive“ Seite beleuchtet hast, geht es jetzt darum zu verstehen was passiert, wenn du weiter kontrollierst. Beispielsweise, dass du dich nie auf deine eigenen Themen konzentrieren kannst oder Zeit dafür hast oder dass du dich oft überfordert fühlst oder ihr regelmäßig Konflikte in eurer Beziehung habt, weil du deinem Partner ständig signalisierst: Ich vertraue dir nicht.

  4. Mach dir bewusst, wie dein Leben ausschauen würde, wenn du weniger kontrollierst.

    Stelle dir nun mal vor, wie dein Leben ausschauen würde, wenn du in dieser Situation weniger kontrollieren würdest. Wie viel leichter, gelassener, entspannter würdest du dich fühlen und wie viel mehr Zeit hättest du für all die Dinge, die dir wirklich wichtig sind?

  5. Entscheide dich, wo oder was du zukünftig loslassen möchtest

    Nimm dir eine Sache vor, die du bewusst loslassen möchtest und lasse sie los. Das kann die Auswahl der Kleider für die Kinder sein, die sie selbst treffen können, oder dass du deinem Partner die Essenszubereitung delegierst oder die Kinder ins Bett bringen lässt oder deine Kollegen mal die Präsentation selbst erstellen lässt.

    Es ist meistens hilfreich den Partner/in auf die Reise mitzunehmen, indem du ihnen erklärst woher der plötzliche Sinneswandel kommst, damit sie dich auch entsprechend unterstützen können.

  6. Übe und sammle Erfahrung im Loslassen

    Das bisherige Kontrollieren wollen ist ein angelerntes Verhalten, mit dem du dich bisher vor irgendetwas schützen wolltest. Sobald du die Erfahrung gemacht hast, wie befreiend es ist loszulassen, wird das in kürzester Zeit zu deinem neuen Normal.

Und es lohnt sich, denn durch das Loslassen schaffst du Zeit und Platz für das was du wirklich möchtest und wirst so viel mehr Leichtigkeit in deinem Job- und Familienalltag erfahren.

Das bin ich

Ich bin Coach und Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Mutter von 2 Jungs (2017 und 2019). Seit Frühjahr 2021 schreibe ich regelmäßig für familie.de zum Thema Vereinbarkeit.

In meinem Podcast "Power On" und in meinen Kursen und Coaching-Programmen begleite ich Eltern dabei, Job und Familie voller Power und Gelassenheit zu vereinbaren. Zu dem hier besprochenen Thema ist Ende Mai 2021 eine neue Podcast Folge erschienen. Wenn du mehr dazu erfahren möchtest, hör gerne rein.

Mehr Infos zu mir und meiner Arbeit findet ihr hier: www.elisabeth-thiessen.com

Wenn ihr wollt, dass ich eure Frage hier im Rahmen eines Artikels bearbeite, schreibt mir an elisabeth@familie.de.

Bildquelle: Getty Images/ lzf

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