Zeit nach der Geburt überfordert junge Mütter

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Zeit nach der Geburt überfordert junge Mütter

Die Babyzeit ist häufig gar nicht so unbeschwert und glücklich wie man sie sich vorgestellt hat. Tipps für Baby-Mütter.

In der ersten Zeit mit Baby gibt es viele Momente, in denen junge Mütter nicht nur überglücklich sind und die Tage mit dem Baby genießen, sondern in denen sie sich einfach erschöpft fühlen: Wenn das Geschirr mittags noch auf dem Tisch steht oder die Bügelwäsche sich türmt, weil das Baby nur auf ihrem Arm Ruhe gibt. Mitunter ist die junge Mutter sogar zu müde, die Zärtlichkeit ihres Mannes zu genießen.

„Das Leben mit einem Kind stellt gerade im ersten Jahr höchste Anforderungen an Eltern“, weiß die Hamburger Diplom-Psychologin Dr. Angelika Faas. „Immer wieder stellen Mütter fest, dass trotz aller Anstrengung nicht alles so reibungslos klappt wie erwartet. Chronische Müdigkeit kann die Nerven bloß legen. Und auch die Partnerschaft verändert sich.

Junge Mütter fühlen sich nach der Geburt häufig überfordert. Oft ist ein zu hoher Anspruch an sich selbst schuld. Wir zeigen Ihnen, wo sie Hilfe bekommen.

Selbstansprüche junger Mütter oft zu hoch

Dass die erste Zeit mit einem Baby neben großer Erfüllung auch Stress bedeutet, bestätigt eine aktuelle Umfrage des Emnid-Instituts unter 1019 Müttern: 25 Prozent der Befragten gaben darin offen zu, ausgebrannt zu sein und eine Auszeit zu brauchen, ein weiteres Viertel fühlte sich häufig gereizt. Der Alltag mit der Familie kann sehr anstrengend sein. Faas: „Das ist nicht ungewöhnlich. Doch viele Mütter setzen sich mit einem überhöhten Perfektionsanspruch selbst unter Druck. Sie glauben, alles allein schaffen zu müssen und scheitern genau an diesem Anspruch. Dabei ist es wichtig, sich unter die Arme greifen zu lassen.“ In Afrika sagt man: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen. Leider gehören Großfamilien hierzulande der Vergangenheit an. Wer aber Unterstützung sucht, wenn helfende Hände fehlen, kann auf zahlreiche Hilfsangebote zurückgreifen.

Tagesmütter erleichtern Rückkehr in den Job

Tagesmütter erleichtern Rückkehr in den Job

Früher war klar: Das Kind ist da, Mutter bleibt zu Hause. Heute beschäftigt viele Frauen kurz nach der Geburt der Gedanke: Wann kehre ich in den Job zurück, um den Anschluss nicht zu verpassen oder die Familienkasse aufzubessern? Zu den größten Problemen zählen Mütter die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (25 Prozent), mangelnde Kinderbetreuung (15 Prozent) und Geldsorgen (30 Prozent), so Emnid. Doch gute Krippenplätze sind immer noch rar. Da sind Alternativen gefragt, z.B. eine Tagesmutter, die sich zu Hause um das Kind kümmert. Beispielhaft ist die Hamburger Initiative "wellcome" (www.wellcome-online.de). Die Kosten dafür liegen allerdings bei etwa 320 bis 640 Euro im Monat. Eine andere Variante ist Hilfe durch ein Au-pair-Mädchen aus dem Ausland, das eine Zeit lang zum Familienmitglied wird. Kosten hier: rund 500 Euro. Die Agentur für Arbeit (www.arbeitsagentur.de) weiß, welche Vermittler seriös sind.

Baby: Herausforderung für die Partnerschaft

Baby: Herausforderung für die Partnerschaft

Alle wissen es, nur redet keiner gern darüber: Ein Baby stellt die Parnterschaft auf eine harte Probe. Die Zeit zu zweit ist knapp, denn das Kind beansprucht volle Aufmerksamkeit. Nicht selten empfinden beide die Aufteilung der neuen Aufgaben als ungerecht. Und für Zärtlichkeiten ist man oft zu erschöpft. Im ersten Jahr nach der Geburt sinkt die Zahl sexueller Kontakte um 40 Prozent, so eine Studie der Universität Pennsylvania. Bleiben körperliche Nähe und das Gefühl der Geborgenheit aus, wächst die Krisengefahr für die Beziehung. „Deshalb ist es wichtig, sich bewusst Auszeiten vom Kind zu gönnen“, rät Angelika Faas. Um wieder ein liebendes Paar und nicht nur Eltern zu sein. Und um über andere Dinge reden zu können als Windeln wechseln und Haushaltsorganisation. Doch dafür braucht man Zeit. Und die sollte man sich unbedingt freischaufeln. Wer keine Freundin in der Nähe hat, die zum Babysitten kommt, muss nicht auf Hilfe verzichten. Faas: „Hebammen beispielsweise sind perfekte Netzwerker und kennen immer jemanden, der mal aufs Kind aufpassen kann.“ Auch Oma-Hilfsdienste gibt es. Und selbst die Kirchen und Jugendämter vermitteln oft stundenweise Betreuung. Auch wer bereits in einer Krise steckt, muss nicht allein nach Auswegen suchen. Der Bund Deutscher Psychologen (BDP) bietet Anlaufstellen für die Familienbetreuung, ebenso Pro Familia. „Meist reichen ein, zwei Sitzungen, damit der Knoten platzt und die Liebe lebendig bleiben kann“, weiß Angelika Faas.Neue Netzwerke bildenDie Zeit mit dem Baby ist erfüllend. Doch der Lebensrhythmus verändert sich, und die 24-Stunden-Versorgung kostet Kraft. Eben mal shoppen gehen, Freunde treffen, Sport treiben - Fehlanzeige! 23 Prozent der Mütter wünschen sich laut Emnid-Studie mehr Zeit für Hobbys. 31 Prozent möchten Freundschaften gern besser pflegen. Die sorglosen Gefährtinnen früherer Tage rufen nur noch sporadisch an, die Besuche werden seltener. „Das muss man akzeptieren und sich neue Verbindungen suchen, am besten zu anderen Müttern“, sagt Faas. Denn im Mama-Netzwerk findet man nicht nur Babysitter, sondern auch hilfreichen Rat und Kontakte. Ideal geeignet sind Krabbelgruppen, Mutter-Kind-Gruppen oder Gymnastikkurse. „Weil Mütter stets fürs Kind da sein möchten, gönnen sie sich viel zu selten Augenblicke, die nur ihnen gehören“, so Angelika Faas, „aber ein schlechtes Gewissen ist fehl am Platze. Glückliche Babys brauchen entspannte Mütter.“ Ideal um den Akku aufzuladen, sind Mütter-Kind-Kuren. Hier bleibt der Alltag vor der Tür, man kann sich austauschen und hat viel Zeit für sich selbst.

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