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Monogame Beziehung: Sind wir für die eine große Liebe gemacht?

Monogame Beziehung: Sind wir für die eine große Liebe gemacht?

Liebesleben

Die eine große Liebe. Sie ist es, von der so viele Menschen träumen. Eine*n Partner*in fürs Leben. Gemeinsam alt werden. Sich vertrauen. Füreinander da sein. So romantisch das klingt – die Statistik zeigt, dass das Konzept der monogamen Beziehung für viele Menschen nicht wie im Liebesroman funktioniert. Hohe Scheidungsraten, Seitensprünge, der Versuch einer offenen Beziehung: Sind wir überhaupt für die eine große Liebe gemacht? Wir haben mit einer Psychologin darüber gesprochen.

Was ist eine monogame Beziehung?

Stichwort Liebesbeziehung: Was kommt euch als Erstes in den Kopf? Ziemlich wahrscheinlich zwei Menschen, die sich küssen, die gemeinsam im Bett liegen oder Händchen haltend durch die Stadt laufen. Genau das ist eine monogame Beziehung – eine Beziehung, die sich auf eine*n Partner*in beschränkt. Genau genommen leben die meisten Menschen in Deutschland die serielle Monogamie – denn die wenigsten haben ihr Leben lang nur eine*n einzige*n Partner*in. Sie haben vielmehr eine Reihe exklusiver Paarbeziehungen.

Für uns ist die monogame Beziehung die Norm. Zumindest in der Theorie. Die Statistik lässt die romantische Paarbeziehung in einem anderen Licht erscheinen: So zeigt beispielsweise eine Umfrage der Zeitschrift Glamour, dass 39 % der Frauen und 51 % der Männer schon einmal fremdgegangen sind. Und auch die Scheidungsrate von knapp 36 % (2019) lässt den Traum von der einen großen Liebe etwas verblassen. Es war ja auch noch nie einfacher, fremdzugehen als in Zeiten von Tinder und Seitensprung-Agenturen: Das nächste Abenteuer ist heutzutage oft nur einen Mausklick entfernt. Sind wir vielleicht gar nicht gemacht für die monogame Beziehung?

Sind monogame Beziehungen etwas Natürliches?

In der Forschung steht die Monogamie schon lange auf dem Prüfstand. Und in zahlreichen nicht-westlichen Ländern ist die Monogamie als Eheform auch nicht so typisch, wie bei uns. Paar- und Sexualtherapeutin Elfi Meyer zu Broxten erklärt den Ursprung unserer favorisierten Beziehungsform: "Die von den meisten bevorzugte Langzeit-Zweierbeziehung ist eher eine junge Beziehungsform. Es spricht vieles dafür, das sich die Ehe und die Monogamie, wie wir sie heute kennen, mit unserer Sesshaftigkeit in der Jungsteinzeit entwickelt haben. So gesehen könnte man sagen, die Monogamie war und ist vor allem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Idealen unterworfen."

Dass sich diese Beziehungsform bis heute durchgesetzt hat, liegt laut der Psychologin an den vielen Vorteilen, die eine exklusive Paarbeziehung mit sich bringt: "Menschen sehnen sich nun mal nach Bindung, Nähe und Zärtlichkeit. Wir glauben, uns in einer Liebesbeziehung am besten persönlich entwickeln und unser Potenzial ausschöpfen zu können. Uns treibt die tiefe Sehnsucht danach, anzukommen und mit dieser einen, geliebten Person alles zu teilen und zu erleben."

Monogame Beziehung: Muss man dafür „gemacht“ sein?

Aber nicht jeder Mensch hat den Wunsch, monogam zu leben, sondern entscheidet sich dafür, mit mehr als einer Person eine Beziehung einzugehen. Man spricht dabei von Polyamorie. Das können sich die meisten monogam lebenden Paare wiederum nicht vorstellen. Sind manche Menschen vielleicht einfach für die Monogamie "gemacht" und andere nicht? Elfi Meyer zu Broxten meint: "Generell lässt sich sagen, dass sich die Mehrheit der Menschen eine lange, glückliche, auf Liebe und Treue basierende Beziehung wünscht. Einige Wissenschaftler vermuten hinter partnerschaftlicher Untreue vor allem biochemische Gründe. Unter dem Begriff 'Coolidge-Effekt' existieren zahlreiche Veröffentlichungen, die nicht müde werden zu erklären, warum Menschen nicht treu sein können."

Die Psychologin hingegen rät jedoch von schwarz-weißen Denkmustern ab: "Meiner Meinung nach ist Monogamie oder auch Polyamorie eine Grundsatzentscheidung. Man muss vor allem so leben und lieben wollen! Und es existiert ohnehin kein Modell, das für alle Paare passt. Wir Menschen bringen so viel Individuelles mit: unterschiedliche Persönlichkeitseigenschaften, Wertvorstellungen, Prägungen und Wünsche. Monogam oder offen – Beziehung ist vor allem das, was wir draus machen!"

Wenn Menschen den Wunsch nach einer festen Bindung, Sicherheit  und Verbindlichkeit haben, dann ist Monogamie als Beziehungsform sicher nützlich, zumal Menschen in längeren Beziehungen psychisch gesünder und stabiler sein können. Vorausgesetzt, die Beziehung ist glücklich.

Elfi Meyer zu Broxten

Kann eine offene Beziehung funktionieren?

"Beziehungen unterliegen heute deutlich weniger gesellschaftlichen und auch ökonomischen Zwängen, als Folge sind offene Beziehungen – polyamore Beziehungen – eher gesellschaftsfähig geworden", erklärt Meyer zu Broxten. Auch in ihrer Praxis wachse der Wunsch von Paaren, darüber zu verhandeln, ob so ein Konzept für sie funktionieren kann. "Viele sagen mir, dass sie einander lieben und gern mit anderen intim sein möchten. Ich erlebe die Paare hier als sehr neugierig und offen. Tatsächlich kann die offene Beziehung für einige Paare funktionieren", so die Paartherapeutin.

Wichtig sei dabei, dass beide Partner von dem Versuch überzeugt sind und vorher Möglichkeiten und Grenzen gemeinsam festgelegt werden. Manche Paare vereinbaren auch feste Regeln für die Rahmenbedingungen, die dann gelten sollen. Zu Problemen könne es aber trotzdem kommen: "Schwierig kann es dann werden, wenn emotionale Bindungen entstehen, praktisch, wenn einer der Partner sich anderweitig verliebt. Dann gibt es mindestens Klärungsbedarf. Und da eben die Verlustangst eine unserer häufigsten Ängste ist, ist und bleibt die offene Beziehung ein Spiel mit dem Feuer, denn die wenigsten möchten ihren Partner verlieren", so Elfi Meyer zu Broxten.

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Bildquelle: Pexels/ ROMAN ODINTSOV
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