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Die Kinder zählen

Kinder in den Mittelpunkt: 11 Fakten zur Trennung und Scheidung mit Kindern

© Gettyimages/ronstik
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Ein Streit hier, eine Uneinigkeit da und die Ehepartner*innen leben eigentlich nur noch ihr eigenes Leben. Wäre da nicht noch das Familienleben und die Kids hätte man sich vielleicht schon lange getrennt. Aber eine Trennung und dann eine Scheidung mit Kindern ist für alle nervenaufreibend – auch und besonders für den Nachwuchs.

Trennung mit Kindern: Wie könnt ihr vorgehen?

Eine Scheidung ist ein emotionales Tief. Der Traum vom gemeinsamen Glück bis ans Lebensende ist geplatzt. Zukünftig stehen beide Partner*innen alleine da und sind auf sich gestellt. Sind in dieses Drama auch noch Kinder involviert, ist die emotionale Belastung extrem hoch.

Erste Schritte könnten also folgende sein:

  • Geht mit dem Partner/der Partnerin ins Gespräch und versucht einen Konsens zu schaffen.
  • Macht es Sinn, dass ein Elternteil auszieht oder sich die Elternteile räumlich trennen?
  • Wie könnt ihr die Carearbeit vielleicht in Schichten einteilen, um Struktur zu schaffen?
  • Wie geht es den Kindern? Wie könnt ihr eure Routinen aufrecht erhalten?

In erster Linie ist es wichtig, dass ihr für die Kinder den gewohnten Alltag aufrecht erhaltet. Die Kinder sollten wenn möglich, erstmal in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und beispielsweise nicht einfach aus dem Kindergarten rausgerissen werden.

Geht auch mit eurem Umfeld in Austausch, gebt der Kita Bescheid, was los ist. Dann können die Erzieherinnen reagieren, wenn die Kinder etwas erzählen. Auch wenn es schwer ist: überstürzt nichts und nehmt (je nach Alter) die Kinder mit in eurem Entscheidungsprozess, damit sie wissen, was auf sie zu kommt. Sie sind feinfühliger als wir Eltern manchmal glauben.

Wo erhalte ich Beratung und Hilfe bei einer Trennung mit Kindern?

Ihr braucht in der nächstes Zeit wahrscheinlich emotionale wie rechtliche Unterstützung. Manche Rechtsanwälte sind als Mediatoren ausgebildet. Hier könnt ihr zusammen hingehen und rechtliche Fragen versuchen gemeinsam zu klären, z. B. wer bekommt wie viel Unterhalt, wo sollen die Kinder leben, etc.

Emotionale Unterstützung erhaltet ihr vielleicht schon von Freunden und Familie, aber manchmal tut es ja gut, mit Fremden über die Lage zu sprechen. Hier helfen beispielsweise Anlaufstellen wie profamilia.

Scheidung mit Kindern: Soviel (Kindes-)Unterhalt steht euch zu

Bevor es zum Familiengericht zur Scheidung geht und diese unterschrieben ist, sollten Punkte wie Unterhalt und Sorgerecht geklärt sein. Es ist immer besser, wenn das ehemalige Paar hier schon eine Entscheidung getroffen hat und diese nicht dem Gericht überlässt.

Unterhaltszahlungen kommen aber grundsätzlich nur in Frage, wenn überhaupt eine Bedürftigkeit besteht. Lebt ihr als Familie übergangsweise noch alle zusammen und zahlt beispielsweise eure Ausgaben noch von einem gemeinsamen Konto, ist die Diskussion um Unterhalt verfrüht.

Zieht ein Partner aus und die Kinder bleiben überwiegend bei dem anderem Partner, ist wahrscheinlich Unterhalt zu zahlen. Hier hilft euch aber auch das Jugendamt oder eine Fachanwältin für Familienrecht weiter.

Habt ihr es durch einen Ehevertrag nicht anderes geregelt, gilt in Sachen Unterhalt die Düsseldorfer Tabelle. Hier ist nach Einkommen und Anzahl der Unterhaltsberechtigten aufgeschlüsselt, wie viel Unterhalt den Kindern zusteht.

Nach der Trennung befindet sich das Ehepaar mindestens ein Jahr lang im sogenannten Trennungsjahr. Idee dahinter ist, zu prüfen, ob es nicht doch noch einmal einen Weg zurück gibt. In dieser Zeit sollten die Eheleute räumlich getrennt leben (dabei geht es vor allem um das Schlafzimmer und den persönlich Rückzugsort). In dieser Zeit und ggf. auch darüber hinaus, steht dem Elternteil, der die überwiegende Zeit an Carearbeit leistet, unter Umständen auch Unterhalt zu.

Wo sollen die Kinder nach der Scheidung wohnen?

Für die Kids ist es am Besten, wenn so viele Strukturen bleiben wie sie waren. Daher wäre wahrscheinlich die optimale Lösung, wenn ein Elternteil mit den Kindern im Familiendomizil wohnen bleibt. Das ist aber leider nicht immer möglich – schließlich muss ja nun mit gleichem Einkommen noch eine zweite Bleibe finanziert werden und durch die Scheidung ändern sich die finanziellen Verhältnisse ggf. nochmal.

Die meist viel emotionalere Frage ist aber, bei welchem Elternteil die Kinder wohnen bleiben. Wird diese Frage erst vor dem Familiengericht entschieden, gilt folgendes:

  • Kinder unter 14 Jahren: Das Familiengericht entscheidet, ob es das Kind zu dieser Frage anhört oder nicht. Können sich die Eltern nicht einigen, entscheidet schlussendlich das Gericht.
  • Kinder über 14 Jahren werden in jedem Fall angehört und können insofern auch die Entscheidung des Gerichts beeinflussen.

Besser wäre es natürlich, wenn ihr euch als Familie vorher einigen könntet. Es gibt verschiedenste Familienmodelle, in denen die Kinder gleich viel Zeit bei den Eltern verbringen.

Schlussendlich beeinflussen viele Faktoren die Antwort auf diese Frage:

  • Wo haben die Kinder ihre Kinderzimmer?
  • Wo wohnen die Freunde und wo gehen sie zur Schule/in den Kindergarten?
  • Wer hat mehr Zeit für die Kinder?
  • Was möchten die Kinder?

Trennung mit Kindern und Haus: Wer erhält das Haus?

Es kommt im wesentlichen auf zwei Faktoren an:

  • Wer steht als Eigentümer/in im Grundbuch?
  • In welchem Güterstand lebt das Ehepaar?

Stehen beide Partner im Grundbuch, gehört ihnen auch jeweils hälftig das aus. Möchte einer bzw. eine das Haus behalten, muss sie bzw. er die andere Hälfte abkaufen.

Komplizierter wird es, wenn beispielsweise Erbe mit in die Finanzierung des Hauses geflossen oder beispielsweise Gütertrennung vereinbart worden ist. Bittet wendet euch in solch einer Angelegenheit immer an eine Fachanwältin und lasst euch beraten.

Wie sieht es mit dem Sorgerecht bei einer Scheidung aus?

Grundsätzlich steht beiden Eltern das Sorgerecht (und Umgangsrecht) ihrer leiblichen Kinder zu, das gilt zumindest erst einmal in der Ehe. Eine Scheidung mit Kindern ändert an diesem Umstand nichts, es sei denn, ein Partner möchte das alleinige Sorgerecht beantragen.

Geschieht dies aus der Sorge heraus, er bzw. sie bräuchte im Alltag auch immer die Zustimmung des anderen Elternteils, wenn Entscheidungen zu treffen sind, so ist dies unbegründet.

Wenn ihr Fragen rund um solche Themen habt oder das alleinige Sorgerecht beantragen wollt, könnt ihr euch jederzeit ans Jugendamt werden. Hier bekommt ihr Hilfestellung und die nötige Beratung.

Können wir gemeinsam eine Anwältin nehmen?

Klar ist: mindestens einen Anwalt oder eine Anwältin benötigt ihr, denn nur er oder sie kann den Scheidungsantrag bei Gericht einreichen. Seid ihr euch in den wesentlichen Punkten einig, macht es sogar Sinn nur einen Rechtsbeistand zu nehmen, denn das spart Kosten.

Ihr müsst nur wissen: Er oder sie kann euch nicht beide beraten, wenn ihr noch Fragen habt. Ein Rechtsbestand kann in Streitfragen ja immer nur eine Partei vertreten.

Was passiert mit unserem Ersparten, Versicherungen und Altersvorsorgen?

Auch hier kommt es wieder auf den Güterstand der Ehe an. Habt ihr keinen Ehevertrag so lebt ihr in einer Zugewinngemeinschaft. Einfach erklärt: Grundsätzlich gehört jedem Ehepartner sein Vermögen. Alles was innerhalb der Ehe hinzu kam, wird dann aber im Rahmen der Scheidung beim Zugewinnausgleich geteilt. Gleiches gilt für Verluste aus der Ehe: Auch diese werden geteilt.

Versicherungen und private Altersvorsorgen sind nicht nur für den Zugewinnausgleich spannend, sondern auch für den Versorgungsausgleich. Hier kommt es sehr auf den konkreten Fall an, ggf. müssen auch diese geteilt werden. Ein Anwalt oder eine Anwältin hilft euch weiter.

Ich habe vorher die Carearbeit übernommen, muss ich jetzt wieder arbeiten gehen?

Hier kommt es im Wesentlichen auf eure finanziellen Verhältnisse und das Alter eurer Kinder an. Gerade wenn eure Kinder noch sehr klein sind, kann es sein, dass die/der Carearbeitende Unterhaltsansprüche geltend machen kann. Je älter die Kinder, desto eher erlischt der Unterhaltsanspruch.

Stichwort Trennungsjahr: Gerade im ersten Jahr nach der Trennung hat der Ehepartner, der während der Ehe keiner Erwerbsarbeit nachging, Zeit sich auf dem Arbeitsmarkt umzuschauen und daher nicht selten Anspruch auf Trennungsunterhalt.

Wie erklären wir unseren Kindern die Scheidung?

Ein Scheidung mit Kindern stellt uns Eltern vor große Herausforderungen. Die Sorge vor Überforderung der Kinder ist groß. Dennoch macht es Sinn, mit den Kindern offen und ehrlich zu sprechen. Sie merken meist eh, dass etwas nicht stimmt.

Weiter gilt: Sind sie alt genug für eine Frage, verkraften sie auch die Antwort. Gebt ihnen immer wieder Raum Fragen zu stellen und auch mal ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen.

Zahlreiche Bücher greifen das Thema auf und bieten einen guten Einstieg:

Die Sehnsucht des kleinen Orange - Was Kinder brauchen, wenn Eltern sich trennen
Die Krokobären: Eine Geschichte für Kinder, deren Eltern sich trennen
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Was, wenn Eltern auseinandergehen?: Bilderbuch zum Thema Scheidung
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Die Geschichte des kleinen Scheidungsraben Sophie
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Muss ich mit Spätfolgen bei meinen Kindern wegen der Scheidung rechnen?

Natürlich ist die Zeit der Trennung und Scheidung für Kinder ein einschneidendes Ereignis. Nur verständlich, dass wir Eltern mit allen Mitteln versuchen, das zu verhindern. Gleichzeitig können aber auch Streitereien, Uneinigkeiten und ein zerrüttetes Familienleben die Kinder belasten.

Scheidungsforscher Ulrich Schmidt-Denter hat in seiner Studie herausgefunden, dass die Zeit nach der Trennung entscheidend ist. Gerade die Konflikte der Eltern belasten die Kinder stark und vor allem nachhaltig, sodass Scheidungskinder teilweise im Erwachsenenalter Sorge haben, dass ihnen ähnliches widerfährt wie den Eltern.

Entscheidend ist auch, wie die Eltern nach der Scheidung die Beziehung zu ihren Kindern pflegen. Dürfen sie Kind bleiben oder haben sie das Gefühl, sie müssten Verantwortung für die Eltern übernehmen?

Die Scheidung der Eltern beeinflusst das eigene Bindungskonzept und Scheidungskinder lassen sich häufiger scheiden – sie haben es ja so vorgelebt bekommen. Insofern ist eine neue Beziehung nach der Scheidung gar nicht so schlecht, wie viele Eltern erst einmal denken.

Eins ist klar (wenn auch einfacher gesagt, als getan): Eine Scheidung mit Kindern sollte nicht in einer Schlammschlacht enden. Das lehrt auch die Forschung. Versuchen die Eltern das Wohl der Kinder im Blick zu behalten und ihre Verletzungen hinten anzustellen, ist es für alle leichter.

Ist eure Beziehung doch noch zu retten? An diesen 7 Zeichen seht ihr, dass es schlecht um eure Partnerschaft steht. Falls ihr um eure Ehe Kämpfen wollt, helfen euch vielleicht diese 11 Tipps oder eine Paartherapie.

Und weil das leider auch ein Thema sein wird, erfahrt ihr in diesem Video mehr über die anstehenden Scheidungskosten:

Scheidungskosten: So teuer ist das Ehe-Aus wirklich! Abonniere uns
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Test: Sollen wir unsere Ehe retten oder uns besser trennen?

Quellen: Deutschlandfunk Kultur zum Thema Scheidungskind, familienrechtsinfo.de, scheidung.de

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