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Fatmas Kolumne

Eine Mama vs. drei Kinder: Wenn Hausaufgaben zum Hochleistungssport werden

Kurz bevor der Startschuss fällt gibt es diesen einen Moment, der womöglich jeden Sportler überkommt. Der Puls geht schneller. Der Mund wird trocken. Die Hände sind feucht. Nervenflattern und Zweifel machen sich breit. Genau so geht es mir, wenn meine drei Kinder nach dem Mittagessen ihre Teller von sich schieben und vom Tisch aufspringen. Dann ist Hausaufgaben-Zeit. Dann muß ich abliefern.

Hausaufgaben-Betreuung – für diesen Hochleistungssport bringe ich alles nötige mit: Fokus, Fitness und Fairplay. Im Laufe der Hausaufgabenzeit nimmt Letzteres erfahrungsgemäß allerdings rapide ab.

Dabei starten wir jedes Mal hochmotiviert am großen Tisch im Esszimmer. Acht Personen finden üblicherweise daran Platz, ohne dass sich Arme und Beine in die Quere kommen. Aber in unserer kleinen Hausaufgaben-Mannschaft gibt es schon nach wenigen Minuten die ersten Bodychecks. Der Bleistift von Zwilling Eins (Z1) fliegt „aus Versehen“ Zwilling Zwei (Z2) an den Kopf. Kind Eins (K1) hebt rempelnd und polternd immer wieder seinen Radiergummi auf, weil „ich weiß doch auch nicht, warum der immer runterfällt“. Z2 baut eine Anti-Abguck-Mauer direkt vor Z1' Gesicht und rammt ihm dabei den Leitz-Ordner auf die Nase (die Nummer mit dem Bleistift ist noch nicht vergessen). K1 hat plötzlich „iiiihhhhh bäääähhhh ist das eklig“ jemandes Füße im Schoß.

Meine Laune ist schon am Kippen und ich motiviere mich, innerlich ruhig zu bleiben. Es wird unentwegt geschnattert und sich beschwert. Dass der Tisch zu klein ist, dass Z1 ständig singt, Z2 dumm guckt, dass K1 Faxen macht.

Fatma Mittler-Solak

Fatma Mittler-Solak

Fatma ist Mutter von drei Kindern und arbeitet als TV-Moderatorin im Ersten und im SWR Fernsehen, z.B. beim ARD-Buffet. Als sie kurz nach dem ersten Kind mit Zwillingen schwanger wurde, entwickelte sie womöglich als Nebenwirkung der Schwangerschaft, eine Super-Power: Sie verwandelt sich mehrmals am Tag zur She-Hulk und wuppt Kinder und Karriere. Mit bösem Witz und einer Portion Selbstironie schreibt die 44-jährige bei uns über ihr Leben als strenge türkische Mutter, die manchmal vor Wut grün anläuft.

Ich beginne mit dem Umsetzen, zische Schssss's und Pssstttt's und zeige unentwegt auf die Uhr. Wer in der vorgegeben Zeit nicht fertig ist, dem helfe ich nicht mehr bei den Hausaufgaben. Meine Ansage hat eine Wirkung von erschütternden zwei Minuten, dann gehen sie über in die Kicherphase. Immer wieder gibt es spontane Lachanfälle und kurze Showeinlagen. Ich haue auf den Tisch und lass ein Donnerwetter auf die Drei prasseln. Es fängt das „Ich war's nicht, der war’s, die war's-Game“ an.

Inzwischen habe ich so richtig schlechte Laune und brülle so laut „Ruhe“, dass auch die Nachbarschaft was davon hat. Die nächste Stillarbeit dauert folglich länger bis Z1 Z2 ruppig schubst, weil … ja … weil – warum eigentlich?!

Ich erteile jetzt letzte Abmahnungen. Wirkt das alles nicht (und es wirkt nie) wird das aufsässigste Kind vom gemeinschaftlichen Lernen verbannt. Für dieses geht die Hausaufgabenzeit dann allein in seinem Zimmer weiter. Meistens ist das K1. Für mich beginnt damit ein Dauerlauf. Ich laufe jetzt zwischen zwei Zimmern hin und her. Erkläre, unterstreiche, kontrolliere im Rundlauf und bin schon nach einer halben Stunde außer Atem. Einen langen Atem dagegen haben die Zwillinge beim verbalen Wrestling.

"Nein, ich habe nicht in Mathe geschwätzt."
"Hast Du doch." – "Hab ich nicht."
"Mama, der lügt." – "Mama die lügt."

„Mama, kannst Du kommen??? Mamaaa, kannst Du kooommeeen???“ K1 ruft gequält aus seinem Zimmer. Ich reiße die mittlerweile siamesischen Zwillinge auseinander, packe einen am Arm (ist egal wen; die beiden schenken sich eh nix) und parke ihn an seinem Schreibtisch. „Du gehst jetzt mal in dich!“

Ich hechte zu K1 und den Primzahlen. Nach der weinerlichen Stimme zu urteilen steckt pure Folter in seinem Mathebuch. K1 blickt's auf keinem Auge und die ersten Tränen kullern. "Ach, jetzt heulst du!“, platzt es aus mir raus und ich stelle ein paar rhetorische Fragen, warum er Faxen machen kann aber nicht gescheit rechnen? Ja, auch ich habe jetzt schwache Nerven und zusätzlich keine Ahnung von Primzahlen. Die muß er später mit Papa machen; jetzt gehts erstmal weiter mit den Englisch-Hausaufgaben. Ich schwitze mittlerweile.

Z1, eingeschüchtert von der Entführung seines Zwillings, ist mittlerweile fertig mit den Hausaufgaben. Damit geht für mich die erste Halbzeit erfolgreich zu Ende. Dem Exil-Zwilling gebe ich jetzt noch genau 15 Minuten, „sonst schicke ich deiner Lehrerin eine Whatsapp!“. Die Drohung wirkt – hat Mama schließlich schon mal gemacht und das war wirklich peinlich.

K1 beackert mittlerweile die Possesivpronomem, um das Lernlevel zu steigern frage ich zwischendurch Vokabeln ab. Exercise Book? Schreibheft! Pupils? Schüler! Ruler? Lineal! Sehr schön und was heißt 'mistake'? Stille. Ich tippe ungeduldig auf das Wort: „Was heißt denn das??? Das haben wir doch schon gelernt!!!“ Er überlegt und wiederholt das Wort. "Mmmm Mistake, mmmmmistake." Meine Augen funkeln böse und ich will schon zu einer Schimpftirade ausholen, dann platzt es aus ihm raus: "Ich weiß es, ich weiß es! 'Mistake' heißt 'Miststück'!“ – Bitte was?!? Ungläubig wiederhole ich 'Miststück' und muß sofort laut lachen. Aller Ärger löst sich auf. Miststück?!? Wir lachen uns kaputt. Das tut so gut nach all der Anspannung. „Du spinnst ja total“, sage ich, gebe ihm einen Kuss und notiere mit einem Bleistift „Fehler“ über das Wort „mistake“.

„Feeeertiiig“ höre ich den Exil-Zwilling aus seinem Zimmer rufen. Ich sehe mich auf der Zielgeraden und ein gutes Gefühl überkommt mich. Nur noch diese Seite im Englischbuch und dann sind wir im Ziel. Für heute. Und morgen? Morgen muß ich wieder arbeiten. Und das ist im Vergleich zu Hausaufgaben mit drei Kindern Urlaub pur.

Für heute sind wir fertig mit den Hausaufgaben! Und morgen? Morgen muß ich wieder arbeiten. Und das ist im Vergleich zu Hausaufgaben mit drei Kindern Urlaub pur.

Fatma Mittler-Solak

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Bildquelle: Getty Images/damircudic

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