So Resilienz bei Kindern stärken

Wie Resilienz beim Kind gestärkt werden kann

Das Vertrauen in die eigenen Gefühle wird in der Literatur immer wieder als individueller Schutzfaktor genannt. Damit lernen Kinder, dass die Krise vorbeigeht, dass die Trauer ein Ende haben wird. Resiliente Kinder leiden wie alle anderen, aber sie bleiben nicht im Sumpf der Gefühle und des Selbstmitleids stecken. Sie wissen, dass diese Phase irgendwann ein Ende hat. Und sie tun etwas dafür. Aktivität ist ein weiterer Schutzfaktor. Denn etwas selbst schaffen macht stark! Dr. Corina Wustmann, die zu Resilienz im Kindergarten geforscht hat, hält Selbstwirksamkeit für besonders wichtig. Das meint, Kinder wissen, dass sie mit ihren Handlungen etwas bewirken können. Resiliente Kinder rechnen also damit, dass ihre Handlungen Erfolg haben, und sie glauben an ihre Fähigkeiten. Sie wissen, dass sie etwas tun können, um eine Krise zu überwinden, fühlen sich dem Schicksal nicht hilflos ausgeliefert. „Wenn Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen für sich und andere, hilft ihnen das, den Übergang zur Schule zu bewältigen“, meint Renate Niesel. Denn der kann durchaus als Krise erlebt werden, schließlich beginnt ein neuer Lebensabschnitt, den viele Eltern bereits als „Ernst des Lebens“ bezeichnen. Die Kinder kommen in eine neue, fremde Umgebung; sie sind zwar jetzt schon groß und dem Kindergarten entwachsen, auf dem Schulhof sind sie aber die Jüngsten. Statt Freispiel und selbst bestimmen, was man machen möchte, sind still sitzen, zuhören, Disziplin und das Erfüllen von Aufgaben angesagt. Und zwar dann, wenn die Lehrerin es anordnet. Gut, wenn Kinder dann über eine positive Resilienz verfügen.

Resilienz bei Kindern durch Kompetenzinseln stärken

Die kleine Vera hat sich auf ihre eigene Weise auf die Schule vorbereitet und sich mit ihrer Tierliebe ein eigenes Wissensgebiet erarbeitet. Klar, dass Mama ihr zum Geburtstag ein Hundebuch schenkte. Und auch Papa lobte sie am Telefon für ihren Eifer.
Derartige „Kompetenzinseln“ zu schaffen, halten Robert Brooks und Sam Goldstein von der Universität Utah für ein wichtiges Mittel, die innere Widerstandskraft zu stärken. Denn Erfolgserlebnisse führen zu Selbstvertrauen und zum Wissen, was man kann. Aber nur, wenn die Eltern und möglichst auch andere Vertrauenspersonen die Kompetenz des Kindes bestätigen. Durch Lob, fachliche Diskussionen oder auch durch ein Geschenk. Wer sich selbst etwas erarbeitet, macht natürlich auch Fehler. Die richtige Technik, dem Hund das Fell zu kämmen, lernte Vera, weil er sich wehrte und weglaufen wollte, wenn sie zu fest oder gegen den Strich bürstete. Fehler machen dürfen und daraus lernen, ist laut Brooks und Goldstein ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Resilienz. Das gilt natürlich auch für die ersten Schreib- und Rechenversuche in der Schule. Lob statt Kontrolle heißt hier die Devise; den Kindern zutrauen, dass sie ein eigenes Interesse am Lernen haben, und dies unterstützen. „Dabei kommt es sehr auf die Feinfühligkeit der Eltern an“, erklärt Renate Niesel. Erkennen, wann ein Kind direkt Unterstützung braucht, wann Bestätigung für seine ersten Schritte in der Schule - und wann einfach gewähren lassen angesagt ist. Mädchen allerdings fällt der Übergang häufig leichter. Ihre feinmotorische Entwicklung ist weiter als die der Jungen, und wenn sich die Schulvorbereitung besonders auf diese Kompetenzen, zum Beispiel durch Bastelnachmittage und Arbeitsblätter, konzentriert, verlieren Jungen leicht die Lust. „Jungen würden diese Fähigkeiten in einer Werkstatt mit Feile und Säge sicher eher nahezubringen sein, und glücklicherweise haben das heute schon viele Tagesstätten erkannt“, so Renate Niesel.