Was passiert bei der Schwangerschaftskonfliktberatung?

Wenn eine Frau sich für eine Abtreibung entscheidet, ist sie gesetzlich dazu verpflichtet, an einer Schwangerschaftskonfliktberatung teilzunehmen. Wieso das so ist und was bei der Beratung passiert.

Was passiert bei einer Schwangerschaftskonfliktberatung

Die Schwangerschaftskonfliktberatung soll Schwangeren Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen, die sie bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch nicht gesehen haben.


Nicht immer ist eine Schwangerschaft eine freudige Nachricht. Manchmal sind die Lebensumstände unpassend, die Gesundheit der Mutter ist in Gefahr, das Kind hat mögliche Fehlbildungen oder es wurde bei einer Vergewaltigung gezeugt. Durch solche Umstände entscheiden sich Frauen für einen Schwangerschaftsabbruch. Bevor dieser aber durchgeführt werden darf, muss laut Gesetz eine Schwangerschaftskonfliktberatung stattfinden. Eine Abtreibung ohne eine solche Beratung ist strafbar: Treibt eine Frau ohne eine bestätigte Konfliktberatung ab, könnte sie mit zu einem Jahr Haft bestraft werden, so steht es im Paragraf 218 des Strafgesetzbuchs.

Wieso gibt es die Schwangerschaftskonfliktberatung?

Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend dient die Schwangerschaftskonfliktberatung dem “Schutz des ungeborenen Lebens”. Der Gedanke hinter der Beratung ist, der Schwangeren Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen, die sie bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch nicht gesehen hat. Vor allem aber soll das Gespräch mit einer Beraterin dazu führen, dass eine gewissenhafte und verantwortungsbewusste Entscheidung getroffen wird “im Wissen darum, dass das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat”, so das Bundesministerium. Die Konfliktberatung soll aber keinen belehrenden oder bevormundenden Charakter haben, sie soll ermutigen und verständnisvoll sein.

Wie läuft eine Schwangerschaftskonfliktberatung ab?

Du vereinbarst einen Termin bei einer Beratungsstelle, Adressen gibt es bei der Frauenärztin oder im Netz (z. B. bei profamilia). Da eine mögliche Abtreibung an bestimmte Fristen gebunden ist, geht die Terminvereinbarung sehr schnell. Du kannst sowohl alleine zur Beratung gehen, als auch gemeinsam mit deinem Partner oder einer anderen nahestehenden Person. Die Beratung ist kostenlos und die Beraterinnen sind an eine Schweigepflicht gebunden.

Das Gespräch beginnt damit, dass du deine Situation schilderst und erklärst, wieso du Betracht ziehst, die Schwangerschaft abzubrechen. Die anschließende Beratung beschäftigt sich dann mit folgenden Punkten:

  • Hilfestellungen und Unterstützungsmöglichkeiten, die der Schwangeren das Austragen des Babys erleichtern könnten
  • Perspektiven für ein Leben mit Baby
  • Alternativen zu einer Abtreibung
  • Rechtslage eines Schwangerschaftsabbruchs (z. B. zeitliche Fristen)
  • ggf. Infos zur Abtreibung (z. B. Methoden und Kosten)
  • ggf. Möglichkeiten, um eine ungewollte Schwangerschaft in Zukunft zu vermeiden

Am Ende des Gesprächs muss die Beratungsstelle dir einen mit Datum und Namen versehenen Nachweis ausstellen, der belegt, dass eine gesetzliche Schwangerschaftskonfliktberatung stattgefunden  hat. Die Bescheinigung ist unbedingt notwendig, wenn du dich für eine Abtreibung entscheidest. Die Ausstellung einer Beratungsbescheinigung darf nicht verweigert werden. Zwischen Gespräch und möglicher Abtreibung müssen dann drei Tage vergehen, in der du noch einmal ausgiebig das Gespräch und die Argumente für und gegen eine Abtreibung reflektieren kannst.

Ist die Beratungspflicht vor einer Abtreibung noch zeitgemäß?

Die Pflicht der Schwangerschaftskonfliktberatung wird immer wieder kritisch diskutiert. So erklärte unter anderem Schwangerschaftsberaterin Gabriele Kees in einem Interview mit der taz, die Pflichtberatung sei für Frauen eine Zumutung. Sie sei zwar eine gute Chance, den Blick noch einmal zu erweitern, aber eben dennoch eine große Herausforderung. Kritisiert wird vor allem, dass Frauen sich in den Beratungen teilweise stark unter Druck gesetzt fühlen. In einem Bericht von Edition F erzählt eine Frau von der Gesprächssituation: Die Beraterin habe von Anfang an Tendenzen gezeigt, ihr immer wieder ausgemalt, wie schön das Leben mit einem Baby doch wäre und sie habe sich machtlos gefühlt. Letzten Endes hat das Gespräch sie einfach nur verunsichert und Schuldgefühle in ihr geweckt, Verständnis für ihre Situation wurde kaum gezeigt. Negativ aufgeführt wird auch immer wieder, dass manche Beratungsstellen wie z. B. “donum vitae” kirchlich geprägte Organisationen seien, die Abtreibungen generell ablehnend gegenüberstehen.
 
Wenn für dich eine Konfliktberatung ansteht, solltest du dir keine Sorgen machen. Erkläre deine Beweggründe, lass dir andere Blickwinkel und mögliche Perspektiven aufzeigen aber dich selbst nicht unter Druck setzen. Es ist dein Körper und somit deine Entscheidung.

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