Ungewollt schwanger – diese Möglichkeiten gibt es jetzt

Schwangerschaft

Ungewollt schwanger – diese Möglichkeiten gibt es jetzt

Der Test zeigt zwei Striche – schwanger. Nicht für jede Frau ein Grund zur Freude: Besteht kein Kinderwunsch, kann so ein positiver Schwangerschaftstest Frauen auch erstmal den Boden unter den Füßen wegziehen. Doch es gibt viele verschiedene Lösungswege.

Die wahrscheinlich längsten drei Minuten im Leben einer Frau: Das Warten auf das Ergebnis des Schwangerschaftstests. Aufgeregt wandern die Augen zum Ergebnisfeld. Zwei Striche – positiv. Was für die einen Grund für großen Jubel und Freudentränen ist, zieht den anderen den Boden unter den Füßen weg. Denn die Schwangerschaft ist ungewollt und ein Baby passt in die Lebensplanung gerade oder generell einfach überhaupt nicht rein.

Jede sechste Frau wird ungewollt schwanger

Bevor Panik ausbricht: Sei dir bewusst, dass du nicht alleine bist. Es gibt viele Frauen, die in diese Situation kommen. Laut einer Studie des Sozialwissenschaftlichen Frauenforschungsinstitus der Evangelischen Hochschule Freiburg wird jede sechste Frau in Deutschland einmal in ihrem Leben ungewollt schwanger. Rund 57 Prozent der Babys aus ungeplanten Schwangerschaften werden ausgetragen, etwa 43 Prozent der Frauen entscheiden sich für eine Abtreibung. Ungewollt schwanger zu werden, ist nichts, wofür du dich schämen musst. Auch als sehr sicher geltende Verhütungsmittel können versagen und manchmal passiert im Eifer des zwischenmenschlichen Gefechts eben die ein oder andere Panne. Nicht optimal, aber menschlich. Letztlich ist es doch einfach nur der Lauf der Natur und für diesen muss sich wirklich niemand rechtfertigen.

Nimm dir Zeit

Ist dein Schwangerschaftstest positiv, gibt es viele verschiedene Lösungswege. Um den richtigen für dich zu finden, ist es ratsam, dir ausreichend Zeit zu nehmen und keine Kurzschlussreaktionen zu treffen. Natürlich gibt es nur eine gewisse Zeitspanne, in der ein Abbruch möglich ist. Laut Gesetz ist eine Abtreibung dann erlaubt, wenn sie vor der 13. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird. Es bleiben also meist einige Tage oder Wochen Zeit, um eine passende Lösung zu finden. Der Moment, in dem der Schwangerschaftstest zwei Striche anzeigt, obwohl du kein Kind wolltest, ist ein hoch emotionaler. Die phrasenhafte “Nacht drüber schlafen” hilft tatsächlich oft schon, um ein wenig gefasster auf die Situation zu schauen.

Reden ist Gold

Eine ungewollte Schwangerschaft ist sehr belastend. Niemand sollte durch so eine Situation alleine gehen. Auch wenn es ganz schön schwer sein kann, darüber zu reden oder um Hilfe zu bitten: Vertraue dich deiner Familie oder Freunden an. Manche Frauen schämen sich und wollen nicht, dass andere davon erfahren, zu groß ist die Angst vor den Reaktionen. Doch wenn die erste Angst erstmal überwunden ist und du dich mit anderen austauschst, eröffnen sich oft ganz neue Möglichkeiten, an die du bisher gar nicht gedacht hast. Deine Eltern haben vielleicht insgeheim die ganze Zeit von einem Enkelchen geträumt und bieten dir ihre volle Unterstützung an oder Freunde sehen Wege, wie du die Vereinbarkeit von Kind und Job doch hinbekommen kannst. Wichtig ist hierbei nur: Egal, wie dein soziales Umfeld auf die Schwangerschaft reagiert – es ist dein Körper. So schwer es ist : Lass dich nicht unter Druck setzen und zu einer bestimmten Entscheidung drängen.

Wenn wirklich niemand im Familien- oder Freundeskreis als Gesprächspartner in Frage kommt, gibt es Schwangerschaftskonfliktberatungen. Hier können alle Sorgen und Ängste offen angesprochen werden, die Beraterinnen unterliegen einer Schweigepflicht. Wenn du nicht gleich einen Termin in einer Beratungsstelle machen möchtest, kannst du dich anonym an das Hilfetelefon “Schwangere in Not” (Tel. 0800 - 40 40 020) wenden.

Das Kind austragen - vielfältige Hilfsangebote

Du möchtest das Kind gerne zur Welt bringen, aber bist dir unsicher, wie du für deine kleine Familie sorgen sollst? Vielleicht sieht es finanziell eher düster aus, die Wohnung ist zu klein, der Partner lässt dich im Stich oder die Ausbildung schwebt in Gefahr. In solchen Fällen gibt es verschiedene soziale und finanzielle Unterstützung vom Staat, aber auch spezielle Hilfsangebote, beispielsweise in einem Wohnheim für Schwangere, Alleinerziehende oder Eltern in schwierigen Lebenslagen, auch Mutter-Kind-Häuser genannt. In einer geschützten Wohngruppe werden hier junge Mütter und Väter in allen Situationen beraten und unterstützt. Professionelle Pädagogen können bei der Betreuung des Kindes einspringen und du kannst dich mit anderen Eltern, die ähnliche Probleme haben, austauschen.

Eine andere Möglichkeit, wenn du das Kind zwar gebären möchtest, dich der Verantwortung für ein Baby aber im Moment nicht gewachsen fühlst, kann die vorübergehende Abgabe des Babys in eine Pflegefamilie sein. Hier wächst es wohlbehütet auf, während du den Kontakt zu deinem Kind nicht aufgeben musst und die Verantwortung zu einem späteren Zeitpunkt übernehmen kannst, wenn du dich dazu bereit fühlst.

Das Kind zur Adoption freigeben

Wenn eine Abtreibung für dich keine Option ist, du dir ein Leben mit einem Kind aber trotzdem nicht vorstellen kannst, gibt es die Möglichkeit, das Kind zur Adoption freizugeben. Das kann sowohl direkt nach der Geburt als auch zu einem späteren Zeitpunkt passieren. Diese Entscheidung muss gut durchdacht sein, da sie sich nicht mehr rückgängig machen lässt. Daher kann eine Adoption auch erst acht Wochen nach der Geburt endgültig abgeschlossen werden. Das heißt, auch wenn du dich für eine Adoption entschlossen hast, darfst du dich nach der Geburt deines Kindes in diesem Zeitrahmen noch umentscheiden.. (Artikel mit weiteren Infos folgt in den nächsten Wochen)

Vertrauliche Geburt

Wenn sich eine Frau in einer Notlage befindet und ihre Schwangerschaft nicht preisgeben möchte, muss nicht zwingend eine Abtreibung erfolgen: Seit 2014 gibt es in Deutschland die Möglichkeit der “vertraulichen Geburt”. Dabei können Frauen ihr Kind unter medizinischer Aufsicht und dennoch anonym zur Welt bringen. Sie müssen ihren Namen nur einmalig zur Datenaufnahme ihre Identität angeben, diese wird aber von der Schweigepflicht geschützt. Die aufgenommenen Daten dienen dafür, dass das Kind mit 16 Jahren mehr über seine Herkunft und Identität erfahren kann. Nach der Geburt unter medizinischer Begleitung wird das Baby dann zur Adoption freigegeben. Sollte sich die Mutter dann doch umentscheiden und das Kind behalten wollen, kann sie ihre Entscheidung bis zum Ende des Adoptionsverfahrens zurückziehen. Die Kosten für die vertrauliche Geburt werden vom Staat übernommen.

Abtreibung

Du bist ungewollt schwanger, aber weißt ganz sicher, dass du das Kind nicht auf die Welt bringen möchtest. Gründe dafür kann es viele geben und jeder Grund ist in Ordnung, wenn es deine bewusste Entscheidung ist. Die Bedingungen für einen Schwangerschaftsabbruch sind, dass er bis zur 13. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden muss und, dass die Schwangere sich vorher bei einer Schwangerschaftskonfliktberatung beraten lässt. Zwischen dem Beratungstermin und dem Abbruch müssen mindestens drei Tage liegen, damit genug Zeit zum Nachdenken ist. Grundsätzlich musst du vor bzw. für eine Abtreibung zwei Ärzte besuchen: Es wird ein ärztliches Attest für die Indikation benötigt und die Abtreibung selbst muss von einem anderen Arzt durchgeführt werden. Weitere Infos rund um einen Schwangerschaftsabbruch findest du hier.

Hier bekommst du Beratung und Hilfe

Unter der Telefonnummer 0800 – 4040020 erreichst du die Beratungshotline „Schwangere in Not – anonym und sicher“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend rund um die Uhr. Dort bekommst du anonyme, mehrsprachige und kostenlose Beratung und weiterführende Infos zu all deinen Möglichkeiten. Auf der Website https://www.geburt-vertraulich.de kannst du außerdem Schwangerschaftsberatungsstellen im Umkreis suchen und per E-Mail oder Chat von Fachfrauen beraten lassen. Hier kannst du all deine Sorgen und Ängste anonym loswerden und Rat einholen. Die Beraterinnen unterliegen der Schweigepflicht.

Bildquelle: Getty Images

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