Spätabtreibung: Eine schmerzhafte Entscheidung

Schwangerschaft

Spätabtreibung: Eine schmerzhafte Entscheidung

Unter besonderen Umständen kann ein Schwangerschaftsabbruch auch nach der 13. Woche durchgeführt werden. Fragen und Antworten zur Spätabtreibung.

Eine Spätabtreibung ist eine qualvolle Entscheidung. Wichtig ist vor allen Dingen, in dieser Phase nicht allein zu sein.

Etwa 600 Schwangerschaftsabbrüche werden in Deutschland pro Jahr nach der 22. Schwangerschaftswoche durchgeführt. In solchen Fällen ist von einer Spätabtreibung die Rede. Eine qualvolle Entscheidung, schließlich wurde in solch einer fortgeschrittenen Phase der Schwangerschaft oft schon ein Name überlegt oder angefangen, die Wohnung für das neue Familienmitglied herzurichten. Doch wenn die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren bedroht ist, muss diese Entscheidung manchmal leider getroffen werden.

Was ist eine Spätabtreibung?

Eine Abtreibung ist laut juristischer Frist bis zur 13. Schwangerschaftswoche erlaubt, theoretisch ist alles danach eine Spätabtreibung. Davon ist aber meist erst die Rede, wenn eine Schwangere sich nach der 24. Woche für eine Abtreibung entscheidet. Das liegt daran, dass ab diesem Zeitpunkt etwa das Baby außerhalb des Mutterleibes potenziell überlebensfähig ist.

Wie sieht die rechtliche Lage bei einer Spätabtreibung aus?

Eine Spätabtreibung ist dann erlaubt, wenn medizinische Gründe vorliegen und diese auch von einem Arzt attestiert wurden. Wenn Leben, Gesundheit oder Psyche der Schwangeren gefährdet sind, ist ein Schwangerschaftsabbruch bis zum Entbindungstermin straffrei. Wie bei einem regulären Schwangerschaftsabbruch auch, muss eine Schwangerschaftskonfliktberatung geben und danach müssen drei Tage vergehen, in denen die Entscheidung noch einmal gründlich überdacht werden soll.

Welche Gründe gibt es für eine Spätabtreibung?

Der häufigste Grund für eine Spätabtreibung ist, dass beim Fötus mögliche Krankheiten oder Fehlbildungen festgestellt werden. Diese werden meist bei der Pränataldiagnostik festgestellt, Untersuchungen, die nicht zu den regulären Untersuchungen während der Schwangerschaft gehören. Dabei wird z. B. durch spezielle, sehr genaue Ultraschalluntersuchungen, Verfahren zur Risikoabschätzung wie den Ersttrimester oder Triple-test oder einer Fruchtwasseruntersuchung überprüft, ob beim Kind mögliche Chromosomenabweichungen, Erkrankungen oder andere Fehlbildungen zu finden sind. In 95 von 100 Fällen werden keine Auffälligkeiten festgestellt.
 
In seltenen Fällen stellt sich bei solchen Untersuchungen aber heraus, dass das Baby schwer krank ist und unmittelbar nach der Geburt oder kurze Zeit später sterben würde. Das ist ein Grund für Schwangere, die Schwangerschaft abzubrechen. Ein Weiterer ist, dass das Baby mit einer Behinderung zur Welt kommen würde. Seit 1995 ist in Deutschland eine Abtreibung nur wegen einer möglichen Behinderung des Kindes zwar verboten, dennoch werden Kinder, bei denen vor der Geburt beispielsweise das Downsyndrom diagnostiziert wurde, manchmal abgetrieben.  
 
Eine harte Entscheidung. Sie rührt jedoch nicht etwa daher, dass eine Behinderung von der Schwangeren als unwertes Leben angesehen würde, wie es manche Menschen Frauen vorwerfen, die sich in so einem Fall für eine Abtreibung entscheiden. Die Entscheidung liegt in der Psyche begründet, für Eltern ist es ein Schock, wenn sie erfahren, dass ihr Kind nicht gesund zur Welt kommen würde. Sie fühlen sich mit der Situation stark überfordert, durchleben eine schwere Krise, verfallen manchmal sogar in Depressionen. Sie sehen sich auch nach Beratungen schlichtweg nicht in der Lage, den Anforderungen, die ein Kind mit Behinderung mit sich bringen würde, gerecht zu werden. Auch wenn die Debatte über Ethik in solchen Fällen verständlich ist, so sollte sich niemand ein Urteil über die Entscheidung einer Schwangeren für eine Abtreibung erlauben. Ein Schwangerschaftsabbruch fällt niemandem leicht, erst recht nicht, wenn das Baby bereits in einem solch weiten Stadium der Entwicklung ist.

Wie läuft eine Spätabtreibung ab?

Da das ungeborene Kind bei einer Spätabtreibung potenziell lebensfähig ist, wird es noch im Mutterleib getötet (Fetozid). Dies geschieht meist durch Injektion einer Kaliumchloridlösung in das Herz oder in die Nabelschnurvene. Diese bewirkt beim Ungeborenen einen Herzstillstand. Das Baby wird dann meist über einen natürlichen Geburtsvorgang zur Welt gebracht. Der Eingriff eines Kaiserschnitts soll der Schwangeren nach Möglichkeit erspart bleiben. Nicht nur aus gesundheitlichen Risiken, sondern vielmehr als Schutz vor der sichtbaren Narbe: Durch diese würden Mutter wie Vater dauerhaft an das schmerzhafte Ereignis erinnert werden.

Welche Gefahren gibt es bei einer Spätabtreibung?

Eine Spätabtreibung stellt eine hohe seelische Belastung dar. Diese setzt sich vor allem aus zwei Hauptgründen zusammen: Zum einen hat die Schwangere im späten Stadium der Schwangerschaft meist schon eine sehr enge Bindung zu ihrem Ungeborenen aufgebaut. Es bewegt sich im Bauch, sie sieht eventuell die kleinen Tritte auf der Bauchdecke. Meist haben sich Eltern schon einen Namen überlegt und angefangen, das Kinderzimmer einzurichten. Auf der anderen Seite wird das Baby bei einer Spätabtreibung zunächst im Mutterleib getötet und danach oft durch eine natürliche Geburt zur Welt gebracht. Die Frau ist also aktiv daran beteiligt, was eine traumatische Erfahrung werden kann.
 
Wenn du dich in einer aussichtslosen Situation befindest, bekommst du bei Beratungsstelle wie zum Beispiel Pro Familia, Caritas und dem Deutschen Roten Kreuz Hilfe, nach Wunsch auch anonym. Wichtig ist vor allen Dingen, in dieser Phase nicht allein zu sein. Auch wenn Angst vor den Reaktionen von Freunden und Familie da sind, ist der Halt von nahestehenden Menschen unersetzbar.
 

Bildquelle:

Getty Images

Galerien

Lies auch

Teste dich