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Fruchtwasseruntersuchung: Ablauf, Risiken & Kosten

Fruchtwasseruntersuchung: Ablauf, Risiken & Kosten

Schwangerschaft

Die Fruchtwasseruntersuchung ist Teil der Pränataldiagnostik. Im Fachjargon wird sie auch Amniozentese genannt. Durch diese Untersuchung können vererbare Krankheiten oder Fehlbildungen beim Kind frühzeitig festgestellt werden. Einigen Schwangeren wird die Fruchtwasseruntersuchung empfohlen. Doch sie birgt auch Risiken.

Was genau ist eine Fruchtwasseruntersuchung?

Bei der Fruchtwasseruntersuchung wird zuerst eine Fruchtwasser-Probe entnommen. Dazu sticht der*die Ärzt*in mit einer dünnen Nadel durch die Bauchdecke in die Fruchtblase. Da sich im Fruchtwasser viele kindliche Zellen befinden, kann er oder sie durch die Untersuchung schon beim Ungeborenen bestimmte Erkrankungen feststellen - vor allem genetische Krankheiten wie zum Beispiel Trisomie 21.

Wann ist eine Fruchtwasseruntersuchung notwendig?

Das Risiko, dass ein Kind an einer genetischen Krankheit leidet, steigt mit dem Alter der Mutter. Grundsätzlich zählen alle Frauen über 35 Jahren zu dieser Risikogruppe. Deshalb raten ihnen die meisten Ärzt*innen zu der Untersuchung. Alternativ gibt es einen Bluttest, der weniger Risiken für das Ungeborene bedeutet. Für die Trisomie 21, auch Down-Syndrom, ist der Bluttest mit einer Trefferquote von gut 99 Prozent ähnlich genau wie die Frucht­wasser­unter­suchung. Für die selteneren Formen Trisomie 13 und 18, die eine geringe Überlebenschance des Babys bieten, ist der Bluttest allerdings weniger aussagekräftig.

Eine Fruchtwasseruntersuchung wird außerdem angeraten, wenn:

  • bei den Eltern genetische Störungen oder Krankheiten bekannt sind.
  • in der Familie der Eltern genetische Störungen oder Krankheiten bekannt sind
  • du bereits ein Kind hast, das eine genetische Störung oder Krankheit hat.
  • eine Vorsorgenuntersuchung schon einen auffälligen Befund ergeben hat.

Wann wird eine Fruchtwasseruntersuchung gemacht?

Für Schwangere mit diesem erhöhten Risiko sind die ersten Schwangerschaftswochen eine sehr belastenden Zeit. Denn die Tests der pränatalen Diagnostik können frühestens ab der 11. SSW durchgeführt werden. Die Amniozentese sogar noch später: ersten in den ersten Wochen des zweiten Trimesters. In der Regel macht der Arzt oder die Ärztin die Fruchtwasseruntersuchung zwischen der 14. SSW und der 17. SSW.
Vor der 14. Schwangerschaftswoche sollte die Untersuchung nicht vorgenommen werden. Das Ergebnis ist dann nicht nur weniger sicher, das Risiko einer Fehlgeburt ist auch größer.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Amniozentese gehört zu den invasiven Tests der pränatalen Diagnostik und kann in der Arztpraxis oder einer Klinik durchgeführt werden. Der gesamte Vorgang dauert nur zwischen fünf und 15 Minuten. Weder du noch dein Baby habt dabei Schmerzen, es ist nicht mal eine örtliche Betäubung nötig. Nach dem Eingriff solltest du noch etwa eine halbe Stunde zur Beobachtung in der Praxis oder Klinik bleiben.

Um die Zellproben entnehmen zu können, muss der*die Gynäkolog*in die Fruchtblase punktieren. Damit auch gleich der erste Stich sitzt, beginnt er*sie mit einer Ultraschalluntersuchung, um die Lage des Kindes und der Plazenta festzustellen. Erst dann führt er*sie vorsichtig eine Hohlnadel durch die Bauchdecke in die Gebärmutter ein. Über den Ultraschall hat der*die Ärzt*in die Nadel immer im Blick. So kann er oder sie sicher gehen, dass der Fötus nicht verletzt wird. Für die Untersuchung reicht schon eine kleine Menge Fruchtwasser, etwa zehn bis 20 Milliliter. Die entnommenen Zellen werden anschließend für die weitere Untersuchung ins Labor gegeben.

Wann erhält man die Ergebnisse?

Die Dauer der Laboruntersuchung hängt davon ab, welche genetische Störung oder Erkrankung im Speziellen untersucht wird. Bei einem Neuralrohrdefekt (später das Rückenmark), zum Beispiel bei einem offener Rücken, ist die Konzentration eines bestimmten Eiweißes im Fruchtwasser erhöht. Das kann im Labor schon früher nachgewiesen werden. Um Sicherheit über genetische Krankheiten zu haben, musst du  allerdings zwei bis drei Wochen warten. Aus der Fruchtwasserprobe werden Zellen gezüchtet und vermehrt. Erst dann ist es möglich, die DNA der Zellen zu isolieren und auf Veränderungen zu untersuchen.

Mögliche Diagnosen

Bei der Amniozentese können verschiedene Fehlentwicklungen des zentralen Nervensystems festgestellt werden. Neben der bekanntesten Chromosomenstörung, der Trisomie 21, gibt es auch noch andere Anomalien:

Bei der Amniozentese kann auch der Säuregehalt des Fruchtwassers untersucht werden. Das gibt Aufklärung über die Sauerstoffversorgung des Kindes . Außerdem erhält man mit 90 prozentiger Genauigkeit Hinweise darauf, ob ein unvollständiger Verschluss des Neuralrohrs vorliegt. Diese werden anschließend mittels hochauflösender Ultraschalltechnik abgesichert.

Ab der 30. SSW können per Amniozentese Blutgruppenunverträglichkeiten zwischen der Schwangeren und dem Embryo bestimmt werden. Auch die Lungenreife des Ungeborenen kann der Arzt so besser einschätzen.

Fehlbildungen wie Gesichtsspaltungen, Missbildungen der Extremitäten oder Herzfehler werden durch die Fruchtwasseruntersuchung allerdings nicht erkannt. Ein hochauflösender oder 3D-Ultraschall kann in der fortgeschritteneren Schwangerschaft Aufschluss geben.

Wie sicher sind die Ergebnisse der Fruchtwasseruntersuchung?

Invasive Tests der Pränataldiagnostik - zu denen die Amniozentese gehört - gelten als relativ sicher. Dennoch kommt es darauf an, auf welche Veränderung der Gene beziehungsweise Chromosomen die Zellen untersucht werden. Die beste Auskunft kann dir dein Arzt oder deine Ärztin dazu geben. Sprich sie oder ihn gezielt darauf an, schließlich beeinflusst das Ergebnis der Untersuchung euer weiteres Leben entscheidend.

Welche Risiken hat die Fruchtwasseruntersuchung?

Zu den größeren Risiken gehören vaginale Blutungen, Verletzungen der Gebärmutter und der Plazenta, eine Infektion oder ein vorrübergehender Fruchtwasserverlust. Es besteht auch die Gefahr, dass der Fötus durch die Nadel verletzt wird und Fehlbildungen auftreten oder es zu einer Fehlgeburt kommt. Die Risiken liegen jedoch alle im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Die Fruchtwasseruntersuchung sollte ausschließlich von einem erfahrenen Arzt oder einer erfahrenen Ärztin vorgenommen werden.

Hast du nach der Fruchtwasserentnahme Schmerzen, Blutungen oder sogar Wehen, oder geht Fruchtwasser ab, solltest du jedoch sofort deine*n Gynäkolo*in informieren.

Mittlerweile gibt es glücklicherweise auch nicht-invasive Tests zur Feststellung von Chromosomenstörungen bei Ungeborenen: Diese Tests auf Trisomie 21 (und weitere Trisomien und andere Chromosomenfehlentwicklungen) werden mittels Untersuchung des mütterlichen Blutes durchgeführt und bergen absolut kein Risiko für Mutter und Kind.

Was kostet eine Fruchtwasseruntersuchung?

Da die Fruchtwasseruntersuchung kein Bestandteil der regulären Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft ist, übernehmen die Krankenkassen die Kosten nur bedingt. Zum Beispiel dann, wenn bei früheren Schwangerschaften bereits Komplikationen aufgetreten sind und deshalb wieder Risiken bestehen. Die Amniozentese wird außerdem gezahlt, wenn bei den regulären Vorsorgeuntersuchungen ein auffälliger Befund aufgetreten ist.

Auch bei Frauen über 35 Jahren übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Fruchtwasseruntersuchung.

Übernimmt deine Krankenkasse die Kosten nicht, musst du zwischen 250 und 700 €, inklusive Laborkosten zahlen. Da die Preise sehr variieren, sprich im Vorfeld mit deinem*r Gynäkolog*in.

Wie verhalte ich mich nach einer Fruchtwasseruntersuchung?

Wie bei jedem Einriff solltest du dich auch nach einer Fruchtwasser schonen. Tritt also in den ersten Tagen etwas kürzer: trage nicht schwer und strenge dich nicht zu sehr an. Wenige Stunden nach dem Eingriff kann es außerdem zu einem Druckgefühl im Bauch kommen. Das ist allerdings nur vorrübergehend. Treten aber Schmerzen, Blutungen, Fruchtwasserabgang oder gar Wehen auf, solltest du sofort deine*n Gynäkolog*in informieren.

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Bildquelle: Getty Images/ Vesnaandjic

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