Lungenreifespritze – was bewirkt sie?

Schwangerschaft

Lungenreifespritze – was bewirkt sie?

Droht eine Frühgeburt, steht immer auch die Frage nach der Lungenreife des Babys im Raum. Ist die Gabe einer Lungenreifespritze immer notwendig, was ist das überhaupt und gibt es Risiken?

Eine gut ausgebildete Lunge ist wichtig für ein gesundes, kraftvolles Leben.

Nicht alle Babys kommen zum errechneten Geburtstermin auf die Welt. Den besonders Eiligen, die sich Wochen vor dem Stichtag ankündigen, muss jedoch besonderes Augenmerk gelten. Denn gerade am Ende einer Schwangerschaft macht das Baby im Mutterleib noch wichtige Entwicklungsschritte, die durch eine Frühgeburt nicht zu Ende gebracht werden können. Doch gerade sie sind für die Gesundheit des Babys zukunftweisend.

Lungenreife - Was passiert am Ende der Schwangerschaft?

Am Ende der Schwangerschaft zählt jeder Tag für die letzten wichtigen Entwicklungsschritte des Babys. Vor allem reift dann die Lunge des Kindes für eine gesunde Atmung im Leben. Ungefähr ab der 28. Schwangerschaftswoche bildet das Baby das so genannte Surfactant, einen Stoff, der an der Gewebeoberfläche der Lunge des Fötus wirkt und die Entfaltung der Lungenbläschen regelt. Gesteuert wird dieser Vorgang vor allem durch Glucocorticoide, Schilddrüsenhormone und Insulin. Kommt das Baby als Frühgeburt in dieser Phase zur Welt, wird diese Lungenreifung im Mutterleib unterbrochen.

Lungenreifespritze – sie beschleunigt die Lungenreifung

Droht eine Frühgeburt, kann bei der Lungenreifung durch den Facharzt nachgeholfen werden. Injektionen der Mutter mit Glucocorticoiden und Schilddrüsenhormonen gelangen über das Blut zum Fötus und beschleunigen die Lungenreifung. Denn je reifer die Lunge des Babys bei der Geburt ist, umso größer sind die Überlebenschancen des Frühgeborenen.

Wann wird eine Lungenreifespritze verabreicht?

Die Spritzen zur Lungenreifung beschleunigen zwischen der 26. Und 33. Schwangerschaftswoche die Entwicklung der Lunge. In der Regel besteht die Therapie aus einem Behandlungszyklus von zwei Spritzen, die im Abstand von 24 Stunden verabreicht werden. In 30 Studien mit rund 8000 Babys  bestätigte sich eine beschleunigte und verbesserte Lungenreifung durch die Glucocorticoidgabe vor der Geburt.

Die Vorteile der Lungenreifespritze für das Baby sind:

  • verbesserte Überlebenschancen des Frühchens
  • in verringertes Risiko einer schweren Atemwegsstörungen bei der Geburt oder danach
  • einer Verringerung des Risikos einer Hirnblutung beim Neugeborenen
  • vermindertes Risiko der schweren Darmerkrankung Nekrotische Enterokolitis beim Baby

Gibt es Risiken und Nebenwirkungen durch die Lungenreifespritze?

Für die werdende Mutter ist die Gabe der Lungenreifespritze ohne besondere Risiken und Nebenwirkungen. Die Auswirkungen des pränatalen Eingriffs auf das Ungeborene werden laufend erforscht. Studien zufolge ist die einmalige Gabe eines Kortison-Zyklusses ohne Nebenwirkungen. Die wiederholte Gabe der Lungenreifespritze-Behandlung im 14-Tage-Rhythmus ergab jedoch Auffälligkeiten. So stellten die Forscher fest, dass diese Babys bei der Geburt in der Regel deutlich kleiner waren als Neugeborene, die im Mutterleib zuvor nur eine Gabe bekamen. Deshalb wird von einer längeren Behandlung abgeraten.

Einer weiteren Studie zufolge wird die Verabreichung der Lungenreifespritze mittlerweile mit späteren psychischen Auffälligkeiten und sogar ADHS in Verbindung gebracht. Andere Wissenschaftler bewiesen in einer Untersuchung sogar, dass die künstliche Zugabe von Glucokortikosteroiden mit der Lungenreifespritze die Gehirnentwicklung beeinträchtigt

Ein Eingriff in den natürlichen Reifungsprozess sollte zwar nie leichtfertig gemacht werden, ist im Falle des Überlebens des Kindes aber ein Mittel der Wahl. Eine ausführliche Beratung durch den Facharzt und die Abwägung aller Vor- und Nachteile sollte immer mit einbezogen werden - schließlich geht es ums Überleben und die Gesundheit des Babys.

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