Zervixinsuffizienz: Was bedeutet eine Gebärmutterhals­schwäche?

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Zervixinsuffizienz: Was bedeutet eine Gebärmutterhals­schwäche?

Öffnet sich dein Muttermund vorzeitig, also vor der 37. Schwangerschaftswoche, sprechen Frauenärzte von einer Zervixinsuffizienz - und lösen bei vielen Mamas neben Panik viele Fragen zum Thema Schonung, Fehlgeburt und Frühgeburt aus. Da Entspannung jetzt eigentlich das Wichtigste ist, haben wir alle dringenden Antworten.

Eine Gebärmutterhalsschwäche tritt bei rund zwei Prozent der Schwangeren auf.

Was ist der Gebärmutterhals?

Der Gebärmutterhals ist die Öffnung der Gebärmutter, die sich auf der “äußeren Seite”, also Richtung Geburtskanal befindet. Dabei spielt er in Schwangerschaft und Geburt eine zentrale Rolle. So ist die Zervix während der Schwangerschaft sehr fest verschlossen, um zum einen eine Barriere für Viren und Bakterien zu bilden und zum anderen dein Baby sicher in der Gebärmutter zu halten. Gegen Ende der Schwangerschaft verkürzt sie sich und beginnt sich dann zur Geburt mehr und mehr zu öffnen. Ein voll geöffneter Gebärmutterhals ist dann etwa 10 cm breit. Soviel zur Theorie. Dennoch fällt es vielen Mamas schwer, sich den Gebärmutterhals vorzustellen.

Ich persönlich fand im Online-Magazin “The Bump” eine hilfreiche Beschreibung: Schnapp dir eine leere Toilettenrolle und schau durch ein Ende durch. Stelle dir vor, das andere Ende weitet sich. Das passiert, wenn deine Zervix sich öffnet. Wenn du seitlich auf die Rolle schaust, kannst du dir vorstellen, sie wird immer kürzer, bis sie kurz vor der Geburt nur noch wenige Millimeter lang ist. Das passiert mit deinem Gebärmutterhals kurz bevor dein Baby kommt: Er wird so kurz, bis er fast verschwunden ist und der Kopf deines Babys ihn leicht durchdringen kann.

Was ist eine Zervixinsuffizienz?

Der Begriff Zervixinsuffizienz beschreibt die Verkürzung und Öffnung des Gebärmutterhalses vor der 37. Schwangerschaftswoche und ist eine Folge des Wachstums von Baby und Gebärmutter, die stark auf den Gebärmutterhals drücken. Oft wird deshalb auch von einer Gebärmutterhalsschwäche, einer Trichterbildung oder einem “offenen Muttermund” gesprochen, der den unteren Teil der Zervix bildet. Die Kondition wird bei rund ein bis zwei Prozent der Schwangerschaften festgestellt.

Am häufigsten tritt eine Gebärmutterhalsschwäche zwischen dem 4. und 6. Schwangerschaftsmonat auf und erhöht somit das Risiko einer Fehlgeburt oder ab der 23. SSW einer sehr frühen Frühgeburt. Insgesamt ist rund ein Viertel der Frühgeburten auf eine Zervixinsuffizienz zurückzuführen. Durch was verkürzt sich der Gebärmutterhals also?

Was sind die Auslöser einer Zervixinsuffizienz?

Die Ursachen, warum sich der Muttermund vorzeitig verkürzt und/ oder öffnet, sind meistens vielseitig und nicht immer feststellbar. Die folgenden Faktoren erhöhen aber das Risiko einer Gebärmutterhalsschwäche:

  • Infektionen
  • körperliche Überanstrengung (z. B. viel heben, schwer tragen)
  • zu viel Fruchtwasser
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Stress während der Schwangerschaft
  • Bindegewebsschwäche
  • vorherige Früh- oder Fehlgeburt
  • Operationen oder Biopsie an der Gebärmutter
  • Rauchen

Wie wird die Zervixinsuffizienz festgestellt?

Ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche misst deine Frauenärztin die Länge deines Gebärmutterhalses, die rund 30 mm betragen sollte. Ist sie bereits vor der 24. SSW unter 25 mm verkürzt, erhöht sich das Risiko einer Frühgeburt, sodass deine Ärztin eine vorbeugende Behandlung einleiten wird.

Auch wenn du selber deine Zervixlänge nicht messen kannst, kannst du deinen Gebärmutterhals abtasten, wenn du möchtest. Strenge Hygiene ist während der Schwangerschaft besonders wichtig, denn du bist besonders anfällig für Infektionen. Fühlt sich dein Muttermund hart an, dürfte alles ok sein. Ein weicher Muttermund kann auf eine Gebärmutterhalsschwäche hindeuten, sodass eine Untersuchung sinnvoll ist. Allerdings fällt es vielen Mamas schwer, ihre Zervix selber zu ertasten und die fehlenden Vergleichswerte, wie sie sich anfühlen sollte, machen eine Selbsteinschätzung nicht leicht.

Wie wirkt sich eine Zervixinsuffizienz auf das Frühgeburtsrisiko aus?

In der durchschnittlichen Schwangerschaft liegt die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt bei etwa 9 % und steigt auf rund ein Fünftel, wenn deine Zervix kürzer als 25 mm misst, auf ein Viertel bei bei einem Wert unter 20 mm. Liegt der Wert bereits unter 15 mm, steigt das Risiko auf 50 %.

Wie wird eine Zervixinsuffizienz behandelt?

Nach der Diagnose wird dir deine Ärztin wird sehr genaue Anweisungen geben. In der Regel  wird sie dich krank schreiben oder dir ein Beschäftigungsverbot ausstellen und dir Bettruhe verordnen. Manche Ärzte geben bei einem verkürzten Gebärmutterhals vorsorglich eine Lungenreifespritze und empfehlen Magnesium, um vorzeitige Wehen zu verhindern.

Was muss man bei Zervixinsuffizienz beachten?

In der Regel kannst du nicht spüren, wenn sich dein Zervix öffnet und verkürzt, denn die Gebärmutterhalsschwäche hat keine Symptome. Das macht es schwer, genau einzuschätzen, ob die Methoden helfen oder die Öffnung weiter voranschreitet. Frauenärzte empfehlen deshalb folgendes:

  • Stress vermeiden
  • körperliche Schonung
  • kein Sport
  • kein Sex

Darf ich mit Zervixinsuffizienz sitzen oder muss ich die ganze Zeit liegen?

Die wenigsten Ärzte verschreiben noch strikte Bettruhe, weil diese auch das Risiko von Thrombose und Muskelschwund erhöht. Wenn also “Schonung” verordnet wird, fragt man sich mit einem Mal, was das genau bedeutet. Tatsächlich ist Liegen die beste Option und sollte den Großteil deines Tages einnehmen, denn es hält den Druck auf den Gebärmutterhals gering. Besonders gut ist es, wenn du die Füße dabei hochlagerst.

Wenn dir die Decke auf den Kopf fällt, sind auch Mini-Spaziergänge und sehr leichtes Yoga ok. Meine Yoga-Lehrerin gab mir die Tipps für entspannende Übungen übers Telefon, weil ich mir den Weg zum Kurs nicht mehr zutraute. Daran merkte ich, wie wichtig es ist, den Kontakt zu anderen zu suchen, wenn du dich isoliert fühlst. Denn der (unvermeidbare!) geistige und seelische Stress baut sich durch die Isolierung und gefühlte Hilflosigkeit schnell auf. Such dir gute Bücher, stöbere auf Netflix und plane regelmäßige Telefonate und Besuche von FreundInnen ein, die dir die Zeit vertreiben (und hoffentlich auch leckeren Kuchen mitbringen). So werden die Tage und Wochen überschaubarer und du hast weniger Zeit zum Googlen und Grübeln.

Eine Zervixinsuffizienz bedeutet nicht immer, dass dein Baby eher kommt - oder dass dir eine Fehlgeburt bevorsteht. Sie ist vielmehr ein ernst zu nehmendes Warnsignal deines Körpers, dass du es ruhig angehen lassen solltest. Vorwürfe sind aber fehl am Platz: Jeder Körper reagiert auf jede Schwangerschaft so verschieden, dass du nur auf sehr wenige Faktoren Einfluss hast - und abgesehen von den gängigen Schwangerschaftsempfehlungen sind die meisten Risikofaktoren einer Zervixinsuffizienz und auch deine körperliche Belastbarkeit in dieser Zeit davon ausgeschlossen.

Quellen:
Deutsches Ärzteblatt
Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V.

Bildquelle:

Getty Images

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