Beckenendlage - was bedeutet das für die Geburt?

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Beckenendlage - was bedeutet das für die Geburt?

Man spricht von einer Beckenendlage, wenn sich das Baby wenige Wochen vor der Geburt im Mutterleib nicht dreht. Das Wichtigste rund um die Steißlage: Methoden, das Baby noch zum Drehen zu bewegen und Fragen zur Geburt.

Wenn der Platz in der Gebärmutter enger wird, dann geht auch das Baby langsam in Startposition: mit dem Kopf nach unten rutscht es nach und nach weiter ins Becken. Bei den meisten Babys passiert das etwa in der 34. SSW. Doch einige lassen sich damit mehr Zeit. Etwa vier Prozent aller Babys liegen zum errechneten Geburtstermin noch in der sogenannten Beckenendlage (BEL) oder Steißlage.
Was tun? „Viele Schwangere machen sich bei einer Beckenendlage zu früh und meist auch völlig unnötig Sorgen“, sagt die Hebamme Eva-Maria Chrzonsz. Denn zum einen gibt es einigen Methoden, mit denen Babys doch noch zur Kehrtwende gebracht werden können. Zum anderen ist eine spontane Geburt auch dann möglich, wenn das Baby in der Beckenendlage sitzt.

Vaginale Geburt trotz Beckenendlage

Es ist ein moderner Mythos, dass bei einer Beckenendlage nur ein Kaiserschnitt für die Entbindung in Frage kommt. Dieser Irrglaube beruht auf einer fehlerhaften Studie. „Ein Forscherteam hatte darin vor einigen Jahren gezeigt, dass ein Kaiserschnitt besser sei für Frau und Kind. Viele Kliniken haben daraufhin bei Steißlagen nur noch Kaiserschnitte gemacht. Fünf Jahre später hat sich aber herausgestellt, dass die Studie falsch war. Sie wurde zurückgezogen. Trotzdem hält sich dieser Irrtum in den Köpfen vieler Leute“, erklärt Frank Louwen, Leiter der Geburtshilfeabteilung der Uni-Frauenklinik Frankfurt am Main.
Keine Frage: Vaginale Steißgeburten können Probleme mit sich bringen. Das betont auch Louwen. Sie verlaufen langsamer und führen eher zur Erschöpfung der werdenden Mutter. Das liegt vor allem daran, dass die vorangehenden Körperteile – der Po oder die Knie – weicher und kleiner sind als der Kopf. Das Baby kann den Geburtsweg daher während der ersten Wehenphase nicht so effektiv dehnen. Der größte Kraftakt, der Kopf des Babys, kommt daher erst zuletzt. Außerdem besteht immer die Gefahr, dass die Nabelschnur abgeklemmt werden könnte, bevor das Baby auf der Welt ist.

Heikel werden kann das vor allem dann werden, wenn die Frau ein sehr schmales Becken hat oder das Baby besonders groß ist. In solchen Fällen raten Ärzte in der Regel doch zu einem Kaiserschnitt.
Aber das wird vor einer möglichen vaginalen Beckenendlagengeburt per Ultraschall kontrolliert.

Wendetechniken für Nachzügler

Liegen keine dieser Risikofaktoren vor, dann sind „Steißlagengeburten (sind) genauso sicher wie solche mit Kopflage. Und zwar unabhängig davon, ob es das erste oder das dritte Kind ist“, sagt Louwen, vorausgesetzt „die Entbindung wird von einem Arzt gemacht, der damit wirklich Erfahrung hat.“ Das heißt, Sie sollten sich auf jeden Fall eine Entbindungsstation suchen, die bereits Erfahrung mit diesen Geburten haben. So ist es Beispielsweise für Frauen mit Beckenendlage leichter im Vierfüßlerstand zu entbinden. Das kommt dem Geburtsmechanismus einer Beckenendlage deutlich mehr entgegen.
Doch dass es wirklich zu einer vaginalen Steißgeburt kommt, ist relativ selten. Statistisch gesehen kommen mit 95 Prozent fast alle Babys mit dem Kopf voran auf die Welt. Einige davon allerdings auf den letzten Drücker. Welche Methoden es gibt, das Baby mit sanften Wendetechniken in Kopflage zu bringen, liest du auf der nächsten Seite. Doch wage bitte keinesfalls eigenmächtige Experimente! Wer sein Kind zum Drehen bewegen will, darin sind sich Ärzte und Hebammen einig, sollte das unter fachkundiger Anleitung tun.

Wann eine äußere Wendung wirklich notwendig ist

Wenn sich das Baby nicht freiwillig dreht, gibt es verschiedene Möglichkeiten um es zum Drehen zu bewegen. Am schonendsten ist die indische Kehre. Etabliert aber auch heikler ist die äußere Wende. Diese darf aber nur von einem geübten Arzt gemacht werden.

Von indischer Kehre bis äußere Wendung

Leider gibt es einige hausgemachte Probleme, die es dem Baby erschweren, in die richtige Geburtsposition zu rutschen. So ist etwa ein zu durchtrainierter Körper, beziehungsweise sind zu trainierte Bauchmuskeln für das Baby ein Hindernis. Die Muskeln halten es einem etwas anderen Winkel zum Beckengürtel festhalten. Dadurch wird dem Kind sein Weg nach unten erschwert. Auch wer viel sitzt - egal ob im Büro, im Auto oder im weichen Sessel vor dem Fernseher – macht es dem Baby unnötig schwer. Statt in die Kopflage geht ihr Baby in die hinteren Hinterhauptslage. Das heißt, es liegt mit seinem Rücken an Ihrem Rücken und das Gesicht nach vorne.
Sitzen lässt sich aber kaum vermeiden, vor allem wenn gegen Ende der Schwangerschaft jeder Schritt irgendwie immer zu viel ist. Aber es kann schon helfen, sich beim Sitzen leicht nach vorne zu beugen, die Knie bleiben dabei unterhalb der Hüfte. Ein Kniestuhl ist in solchen Fällen ideal. Das wird Ihrem Baby dabei helfen, seinen Rücken nach vorn zu drehen und sich zu senken. Wenn es mit dem Drehen trotzdem nicht klappen will, dann gibt es noch verschiedene andere Wendetechniken, die Sie versuchen können.

Wer gerne den sportlichen Weg geht, versucht es am besten mit der „indischen Kehre“ (auch Wende oder Brücke). Dazu legt sich die Schwangere für maximal 15 Minuten rücklings und mit hoch gelagertem Becken auf den Boden. Arme und Kopf sollen dabei entspannt sein und die Unterschenkel nach unten hängen.
Dadurch soll der kindliche Popo zunächst aus deinem Becken raus rutschen und das Baby anschließend, durch dein schwungvolles Aufstehen, zu einem Purzelbaum angeregt werden. Außerdem ist diese Lage für das Baby unangenehm, so dass es (hoffentlich) eine andere, bequemere Position einnehmen will. Leider ist die indische Kehre auch für die Schwangere unangenehm. Ohnehin sollte man die Übung nie alleine machen! Denn manchen Schwangeren wird bei der indischen Kehre schwindelig oder schwarz vor Augen. Dazu kann es kommen, wenn die Gebärmutter, die jetzt bis zu sechs Kilogramm wiegt, kurzfristig die große untere Hohlvene (Vena Cava) abdrückt. Wenn das passiert, muss man die Übung sofort abbrechen und sich umgehend in Seitenlage begeben. Es gibt auch eine Alternative: Statt auf dem Rücken zu liegen, können Schwangere in die Vierfüßler-Stellung gehen und sich auf die Ellenbogen stützen, damit das Becken erhöht ist.
Eine ebenso weitverbreitete Methode, das Baby zum Drehen zu bewegen ist das sogenannte Moxen. Das Moxen kommt aus der chinesischen Medizin und zielt darauf ab, bestimmte Akupunkturpunkte zu stimulieren. An beiden kleinen Zehen wird je eine Akupunkturnadel gesetzt und mit einer Moxazigarre (Beifußkraut) leicht erhitzt. Angeblich bewirkt die Methode, dass sich die Schwangeren sehr gut entspannen und die Kindsbewegungen zunehmen. Der Vollständigkeit halber seien auch diese beiden Methoden genannt – einen wissenschaftlichen Nachweis, dass diese tatsächlich funktionieren gibt es allerdings nicht. Man nehme eine Taschenlampe und leuchte dem Baby damit von außen quasi den Weg. Das gleiche kann man auch akustisch modifizieren und dem Baby mit einem Glöckchen den Weg weisen. Einige Eltern schwören auf diese Methoden. Einen wissenschaftlichen Nachweis gibt es dafür wir gesagt nicht.

Wenn die Hebamme oder der Arzt eingreifen müssen

Definitiv etablierter ist die sogenannte „äußere Wendung“. Diese Methode sollte aber unbedingt erfahrenen Geburtshelfern in Kliniken angewandt werden! Bei der äußeren Wendung versucht der Arzt das Kind mit beiden Händen von außen zu drehen. Wenn das gelingt, macht das Kind in der Gebärmutter einen Rückwärtspurzelbaum. Der ideale Zeitpunkt dafür ist zwischen der 37. SSW und der 38. SSW. Denn dann ist das Baby noch ausreichend klein und es gibt noch genügend Platz in der Gebärmutter.
Wie jeder medizinischer Eingriff, ist auch die äußere Wendung mit Risiken verbunden. So werden der Schwangeren etwa wehenhemmende Mittel verabreicht. Das soll verhindern, dass durch den Eingriff vorzeitige Wehen ausgelöst werden. Natürlich wird das Baby während des gesamten Eingriffs genauestens medizinisch überwacht - es wird ein CTG geschrieben, um zu sehen, dass es dem Kind gut geht. Das hört sich schlimm und brutal an. Aber manchmal brauchen Babys eben nur einen kleinen Schups und drehen sich schnell in die richtige Geburtsposition. Aber natürlich gilt auch hier: Der Arzt muss die Technik beherrschen. Lassen Sie sich am besten von Ihrer Hebamme beraten. Diese kann Ihnen mit Sicherheit die Angst vor den verschiedenen Wendetechniken oder einer möglichen Beckenendlagengeburt nehmen.
So sieht eine äußere Wendung aus: Dr. Andrew Bisits dreht Christy Rojas Baby in der 37. SSW in die richtige Geburtsposition.

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