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Wehen: Wie sie entstehen und wie sich Wehen-Arten unterscheiden

Wehen: Wie sie entstehen und wie sich Wehen-Arten unterscheiden

Wehen-FAQ

Schwangerschaft, Geburt und Wehen sind sehr individuelle Erfahrungen, die jede Mama anders erlebt. Trotzdem lassen sich die verschiedenen Wehen-Arten unterscheiden: Geburtswehen, Senkwehen und Vorwehen könnt ihr oft an bestimmten Merkmalen erkennen. Aber wie entstehen sie überhaupt?

Wie gut sich unser Körper auf die Schwangerschaft einstellen kann, ist erstaunlich. Der Hormonhaushalt ändert sich und passt sich der neuen Situation an, der Körper produziert mehr Blut, um das Baby ausreichend zu versorgen und selbst die Wirbelsäule ist so aufgebaut, dass sie da zusätzliche Gewicht einer Schwangerschaft kompensieren kann. Nicht weniger erstaunlich - und natürlich - sind die Wehen. Trotzdem flößen sie werdenden Mamas ganz schön Respekt ein und wir fragen uns: Wie fühlen sich die Wehen an? Wie stark werden die Unterleibsschmerzen wirklich? Und wann ist es Zeit, in die Klinik zu fahren?

Was ist eine Wehe genau?

Wehen sind stoßartige Kontraktionen der Gebärmutter, die entscheidend für die Geburt eures Babys sind. Sie entstehen durch die Ausschüttung der Hormone Oxytocin und Prostaglandin. Auch ein vorzeitiger Blasensprung und der Druck des nach unten wandernden Babys auf die Nervenrezeptoren von Gebärmutter und Muttermund setzen die Geburtswehen in Gang. Die Wehenschmerzen, die dabei einsetzen, entstehen ebenfalls durch diese Prozesse.

Wie entstehen Wehenschmerzen?

Wehenschmerz ist eine Art Dehnungsschmerz, ausgehend vom Gebärmutterhals und dem angrenzenden Gewebe. Er entsteht durch zwei Prozesse:

  1. Die Muskelfasern der Gebärmutter ziehen sich zusammen.
  2. Der Muttermund beginnt, sich für die Geburt zu öffnen.

Während der verschiedenen Phasen der Geburt schieben die Wehen das Baby immer tiefer in den Geburtskanal und in der sogenannten Austreibungsphase ganz aus der Scheide. Deshalb werden die Wehen immer heftiger, je weiter die Geburt fortgeschritten ist.

Dabei sind Wehen eine sehr individuelle Erfahrung. Wie stark der Wehenschmerz ist, hängt schließlich vom Geburtsverlauf, dem eigenen Körper und der individuellen Schmerzempfindung ab. Wie genau Gebärende den Wehenschmerz erleben, ist nicht zuletzt auch von eigenen Schmerzassoziationen und - den Genen! - abhängig. Und auch wo ihr den Schmerz verspürt, kann verschieden sein: Manche Mamas spüren Wehen als Unterleibsschmerzen, andere eher im Rücken.

Woran erkenne ich Übungswehen?

Etwa um die 30. SSW beginnt der Körper, sich mit ersten, leichten Wehen auf die Geburt vorzubereiten. Mit Übungswehen oder Vorwehen (auch Braxton-Hicks-Kontraktionen) trainiert die Gebärmutter, sich anzuspannen. Diese leichten Wehen sind die ersten Vorbereitungen auf die Geburt. Anzeichen für Übungswehen sind ein leichtes Ziehen im Unterleib und ein harter Bauch: Die Bauchdecke spannt sich dabei kurz an.

Wann gehen die Senkwehen los?

Ab etwa der 35. SSW können die ersten Senkwehen einsetzen, die euer Kind tiefer in das Becken hineindrücken. Sie kommen in unregelmäßigen Abständen und bewirken oft ein leichtes Ziehen im Rücken. Senkwehen können sich vor allem bei Mamas, die zum ersten Mal schwanger sind, recht heftig anfühlen. Das Gute dabei: Durch die Kontraktionen wird die Gebärmutter wieder nach unten gedrückt und Magen und Lunge haben wieder mehr Platz.

Wie auch bei den Vorwehen braucht ihr auch bei den Senkwehen keine Angst zu haben, dass sich der Muttermund schon öffnen könnte. In der Regel setzen die Eröffnungswehen frühestens ab der 37. SSW, meist aber erst ab der 39. oder 40. SSW ein.

Wie kann ich echte Wehen erkennen?

Wie kann ich die echten Wehen erkennen? Eine Frage, die vor allem Erstgebärende nervös macht. Geburtswehen können sich zunächst recht ähnlich anfühlen wie die Senkwehen, aber es gibt ein paar deutliche Unterscheidungsmerkmale, anhand derer du Geburtswehen erkennen kannst:

  • Ein starkes Ziehen im gesamten Unterleib, vor allem in der Scheidenregion: Das Gefühl lässt sich wohl am besten mit starken Krämpfen vergleichen. Viele fühlen sich an starke Menstruationsschmerzen erinnert, bei einigen Frauen strahlen die Schmerzen auch in Bauch, Rücken und Oberschenkel aus.
  • Immer kürzer werdende Abstände zwischen den Wehen
  • Die Wehen sind regelmäßig (oder werden es)
  • Die Wehen-Dauer liegt zwischen 30 und 60 Sekunden
  • Der Schmerz wird immer heftiger

Wenn ihr diese Fragen mit "Ja" beantworten könnt, dann ist es ein gutes Zeichen, dass es jetzt losgeht. Meist setzen die Wehen übrigens unmittelbar mit dem Blasensprung ein, also wenn sich die Fruchtblase öffnet und Fruchtwasser abgeht. Dann ist ein guter Zeitpunkt, sich auf den Weg in die Geburtsklinik zu machen (bzw. eure Hebamme im Geburtshaus oder für eine geplante Hausgeburt zu kontaktieren).

Grundsätzlich lässt sich eine Geburt in verschiedene Wehenphasen unterteilen. Nach den eben beschriebenen Eröffnungswehen setzen die Austreibungswehen ein. Die Presswehen sind die heftigsten Wehen. Sie drücken das Baby durch den letzten Teil des Geburtskanals. Mit den Nachgeburtswehen wird die Plazenta von der Gebärmutterwand gelöst.

Welche Wehen-Phasen der Geburt gibt es?

Jede Geburt ist anders und auch die Dauer kann stark variieren. Viele Faktoren wie Gesundheitszustand von Mama und Kind, Kindslage, vorhergehende Geburten, medizinische Maßnahmen uvm. beeinflussen, wie schnell euer Baby kommt. So können auch die Wehen-Phasen bei jeder Geburt ganz anders ablaufen:

#1 Eröffnungswehen

Die Eröffnungswehen leiten die Geburt ein. Der Muttermund öffnet sich (auf ca. 10 cm), der Gebärmutterhals verkürzt sich und das Baby rutscht tiefer in den Geburtskanal. Sie kommen etwa alle 5 bis 20 Minuten und dauern jeweils etwa 30 bis 60 Sekunden.

#2 Austreibungswehen

In dieser Phase der Geburt sind die Wehen deutlich heftiger. Der Druck auf die Gebärmutter steigt enorm. Die Wehen kommen alle 4 bis 10 Minuten. Bei Erstgebärenden kann diese Phase über eine Stunde dauern.

#3 Presswehen

Die Presswehen gehören zu den Austreibungswehen, setzen aber erst gegen Ende der Geburt ein. Sie sind der schmerzliche Höhepunkt. Sie werden häufig als enormer Druck auf den Darm wahrgenommen. Jetzt geht es nur noch im Millimeterschritt voran, das Baby wird durch den letzten Teil des Geburtskanals geschoben.

#4 Nachgeburtswehen

Auch wenn das Baby schon auf der Welt ist, kommen noch einmal Wehen. Die Nachgeburtswehen helfen dem Körper dabei, die Plazenta von der Gebärmutterwand zu lösen. Die Wehen kommen unregelmäßig und sind weniger schmerzhaft.

#5 Nachwehen

Nachwehen sind eine wichtige Funktion des Körpers, denn sie helfen der Gebärmutter, sich zurückzubilden. Besonders wenn ihr stillt, spürt ihr die Nachwehen häufig für mehrere Tage nach der Geburt. Ab dem zweiten Kind können die Nachwehen im Wochenbett auch länger andauern und sehr heftig ausfallen. Unsere Tipps für Schmerzen nach der Geburt helfen!

Wie kann ich vorzeitige Wehen erkennen?

Du hast deinen errechneten Geburtstermin noch nicht erreicht und trotzdem setzen die Wehen schon ein? Das bedeutet nicht sofort ein gesundheitliches Risiko für dein Baby.

Von vorzeitigen Wehen spricht man, wenn noch vor dem Ende der 37. SSW Wehen auftreten, die sich auf den Muttermund auswirken. Das heißt, dass sich die Zervix öffnet und verkürzt. Aber erst wenn mindestens vier Wehen innerhalb von zehn Minuten oder acht Wehen innerhalb von einer Stunde auftreten, stellen Ärzte die endgültige Diagnose „vorzeitige Wehen“.

Die Ursachen für vorzeitige Wehen sind ganz unterschiedlich und oft lässt sich der Auslöser gar nicht genau feststellen. Aus folgenden Gründen können die Wehen schon früher einsetzen:

Treten bei dir die Wehen vorzeitig auf, ist es gut auf die Erfahrung der Ärzte / Ärztinnen zu vertrauen. Sie können am besten einschätzen, ob durch die vorzeitigen Wehen eine Gefahr für euer Kind besteht. Treten diese etwa schon sehr früh auf und ist euer Baby noch verhältnismäßig unreif, können die Ärzte die Geburt medizinisch meist um ein paar Tage hinauszuzögern.

Dafür werden Wehen hemmende Mittel, die sogenannte Tokolyse, verwendet. Jeder Tag länger im schützenden Mutterleib ist für die Gesundheit des Babys entscheidend. Kommt es etwa erst nach der 32. SSW zur Welt, dann geht das Risiko von Folgeschäden nahezu gegen Null.

Habe ich Unterleibsschmerzen oder Wehen?

Nicht jedes Ziehen im Bauch ist eine Wehe. Die Gebärmutter verändert sich während der gesamten Schwangerschaft. Sie wächst und dehnt sich, sodass ein unangenehmes Gefühl im Bauch ganz schnell mal entsteht. Übungs- und Senkwehen sind ebenso unbedenklich und wichtig für die Vorbereitung auf die Geburt. Und auch wenn es nach einem Klischee anhört: Wenn es losgeht, werdet ihr es spüren – ganz instinktiv. In jedem Fall gilt: Versucht, Ruhe zu bewahren und hört auf euren Körper.

Hier findet ihr unserer Tipps zu den verschiedenen Geburtspositionen – denn spätestens mit Beginn der Eröffnungswehen solltet ihr euch Gedanken zur richtigen Geburtsposition machen. Denn eine individuelle Gebärstellung gehört zu einer schönen, möglichst unkomplizierten Geburt dazu.

Während der Schwangerschaft passieren die kuriosesten Dinge im Körper. Diese 5 sind besonders häufig:

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So war es bei uns:

Wehenschmerz kann sich immer ganz unterschiedlich äußern und ist immer wieder eine ganz neue Erfahrung - auch für Mehrgebärende! Ich (und einige meiner Kolleginnen) war überrascht, die Geburtswehen so stark im unteren Rücken zu spüren. Mit dem harten Bauch und Ziehen der Übungswehen hatte das nichts mehr zu tun. In meiner zweiten Schwangerschaft fühlten sich die Übungswehen und Senkwehen ganz anders an als beim ersten Baby und warfen auch wieder ganz neue Fragen auf. Die Geburtswehen dagegen fühlten sich schon sehr vertraut an.

Mein Tipp: Holt euch einen guten Schwangerschaftsratgeber, vertraut auf euren Körper und scheut euch bei Zweifeln nicht, mit eurer Hebamme und Gynäkologin zu sprechen.

Bildquelle: Getty Images/NataliaDeriabina

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