Wehen: vom ersten Ziehen bis zur Nachgeburt

Ohne sie geht gar nichts!

Wehen: vom ersten Ziehen bis zur Nachgeburt

Vor allem wenn Frauen zum ersten Mal schwanger sind, haben sie große Bedenken vor den Wehen. Wie stark werden die Schmerzen wirklich? Wir haben für dich die wichtigsten Fakten zusammengestellt, um die Angst zu nehmen. Denn für die Geburt sind Wehen absolut notwendig.

Wie gut sich der weibliche Körper auf die Schwangerschaft einstellen kann, ist immer wieder erstaunlich. Der Hormonhaushalt ändert sich und passt sich der neuen Situation an, der Körper produziert mehr Blut, um das Baby ausreichend zu versorgen und selbst die Wirbelsäule ist bei Frauen anders aufgebaut, um das zusätzliche Gewicht tragen zu können. Eigentlich ebenso erstaunlich, aber von den meisten Frauen gefürchtet, sind die Schwangerschaftswehen.

Wodurch genau die Wehen ausgelöst werden, ist nach wie vor noch nicht ganz geklärt. Klar ist, dass die Wehenschmerzen dadurch entstehen, dass sich die Muskelfasern der Gebärmutter zusammenziehen beziehungsweiße, wenn der Muttermund sich öffnet. Wehenschmerzen sind also in erster Linie Dehnungsschmerzen, ausgehend vom Gebärmutterhals und dem angrenzenden Gewebe.

Diese stoßartige Kontraktion der Gebärmutter ist entscheidend für die Geburt. Während der verschiedenen Phasen schieben die Wehen das Baby immer tiefer in den Geburtskanal und in der sogenannten Austreibungsphase ganz aus der Scheide. Deshalb werden die Wehen immer heftiger, je weiter die Geburt fortgeschritten ist.

Natürlich sind Wehen eine individuelle Angelegenheit und wie stark der Schmerz ist, hängt vom Geburtsverlauf ab. Aber: Die Art und Weise, wie Gebärende den Wehenschmerz erleben, ist zum Teil erblich bedingt. Vielleicht fragst du ja deine Mutter, Schwester oder Tante, wie die Geburt bei ihnen war.

Übungswehen: Erste Vorbereitung auf die Geburt

Spürst du schon um die 30. SSW ein Ziehen im Bauch, dann muss dich das nicht beunruhigen. Das ist für jede Schwangerschaft normal. Mit diesen sogenannten Übungswehen oder Vorwehen trainiert die Gebärmutter, sich anzuspannen. Diese leichten Wehen sind die ersten Vorbereitungen auf die Geburt. Sie machen sich durch ein leichtes Ziehen im Unterleib bemerkbar, wobei die Bauchdecke kurz hart wird.

Ab etwa der 35. SSW können dann die ersten Senkwehen einsetzten, die das Kind tiefer in das Becken hineindrücken. Sie kommen in unregelmäßigen Abständen und versetzen dir ein leichtes Ziehen im Rücken. Senkwehen können vor allem bei Frauen, die zum ersten Mal schwanger sind, recht heftig ausfallen. Das Positive: Durch die Kontraktion wird die Gebärmutter wieder nach unten gedrückt. Das heißt, Magen und Lunge haben endlich wieder mehr Platz. Für Schwangere bedeutet das eine große Entlastung. Denn das Baby ist zu diesem Zeitpunkt bereits so groß, dass die umliegenden Organe von der Gebärmutter zurückgedrängt werden.

Wie auch bei den Vorwehen brauchst du auch bei den Senkwehen keine Angst zu haben, dass sich der Muttermund schon öffnen könnte. Verläuft deine Schwangerschaft normal, setzten die Eröffnungswehen frühestens ab der 37. SSW, meist aber erst ab der 39. oder 40. SSW ein.

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Echte Wehen erkennen

Wie kann ich die echten Wehen erkennen? Eine Frage, die vor allem Erstgebärende nervös macht. Geburtswehen können sich zunächst recht ähnlich anfühlen wie die Senkwehen, aber es gibt ein paar deutliche Unterscheidungsmerkmale, anhand derer du Geburtswehen erkennen kannst. Meist empfinden werdende Mütter bei den echten Wehen ein starkes Ziehen im gesamten Unterleib, vor allem in der Scheidenregion. Das Gefühl lässt sich wohl am besten mit starken Krämpfen vergleichen. Bei einigen Frauen strahlen die Schmerzen auch in Bauch, Rücken und Oberschenkel aus.

Achte darauf, wie lange die Abstände zwischen den einzelnen Kontraktionen der Gebärmutter sind:

  • Werden die Abstände immer kürzer?
  • Kommen die Wehen regelmäßig?
  • Dauern die Wehen zwischen 30 und 60 Sekunden?
  • Wird der Schmerz heftiger?

Wenn du diese Fragen mit "Ja" beantworten kannst, dann ist es ein gutes Zeichen, dass es jetzt losgeht. Meist setzen die Wehen übrigens unmittelbar mit dem Blasensprung ein, also wenn sich die Fruchtblase öffnet und Fruchtwasser abgeht. Du solltest dich jetzt auf den Weg in die Klinik machen.

Grundsätzlich lässt sich eine Geburt in verschiedene Wehenphasen unterteilen. Nach den eben beschriebenen Eröffnungswehen setzen die Austreibungswehen ein. Die Presswehen sind die heftigsten Wehen. Sie drücken das Baby durch den letzten Teil des Geburtskanals. Mit den Nachgeburtswehen wird die Plazenta von der Gebärmutterwand gelöst.

Verschiedene Wehenphasen der Geburt

Eröffnungswehen
Die Eröffnungswehen leiten die Geburt ein. Der Muttermund öffnet sich (ca. 10 cm), der Gebärmutterhals verkürzt sich und das Baby rutscht tiefer in den Geburtskanal. Sie kommen etwa alle 5 bis 20 Minuten und dauern jeweils etwa 30 bis 60 Sekunden.

Austreibungswehen
In dieser Phase der Geburt sind die Wehen deutlich heftiger. Der Druck auf die Gebärmutter steigt enorm. Die Wehen kommen alle 4 bis 10 Minuten. Bei Erstgebärenden kann diese Phase bis zu eine Stunde dauern.

Presswehen
Die Presswehen gehören eigentlich noch zu den Austreibungswehen, setzen aber erst gegen Ende der Geburt ein. Sie sind der schmerzliche Höhepunkt. Sie werden häufig als enormer Druck auf den Darm wahrgenommen. Jetzt geht es nur noch im Millimeterschritt voran, das Baby wird durch den letzten Teil des Geburtskanals geschoben. Arbeitet die werdende Mutter aktiv mit, verkürzt sich diese Phase.

Nachgeburtswehen
Auch wenn das Baby schon auf der Welt ist, kommen noch einmal Wehen. Die Nachgeburtswehen helfen dem Körper dabei, die Plazenta von der Gebärmutterwand zu lösen. Das gute, die Wehen kommen unregelmäßig und sind kaum schmerzhaft.

Und was passiert, wenn die Wehen zu früh einsetzen? Lies mehr dazu auf der nächsten Seite!

Wenn die Wehen zu früh einsetzen

Du hast deinen errechneten Geburtstermin noch nicht erreicht und trotzdem setzen die Wehen schon ein? Das bedeutet nicht sofort ein gesundheitliches Risiko für das Baby. Jungs kommen häufig etwas früher zur Welt. Lies hier, was du bei vorzeitigen Wehen beachten solltest.

Treten bei dir die Wehen vorzeitig auf, muss dich das nicht zwingend ängstigen. Immerhin neun von zehn Schwangeren kommen deswegen jedes Jahr ins Krankenhaus – und die meisten von Ihnen entbinden letztendlich trotzdem termingerecht.

Von vorzeitigen Wehen spricht man, wenn noch vor dem Ende der 37. SSW heftige Wehen auftreten, die sich auf den Muttermund auswirken. Das heißt, dass die Wehen bewirken, dass der Muttermund sich öffnet beziehungsweise kürzer wird. Aber erst wenn mindestens vier Wehen innerhalb von zehn Minuten oder acht Wehen innerhalb von einer Stunde auftreten, stellen Ärzte die endgültige Diagnose „vorzeitige Wehen“.

Die Ursachen dafür sind ganz unterschiedlich. So setzen die Wehen häufig schon früher ein, wenn du einen Jungen erwartest. Andere Ursachen sind etwa großer emotionaler oder körperlicher Stress der Schwangeren, Infekte zum Beispiel der Harnwege oder auch Fieber.

Vertraue in solchen Fällen der Erfahrung der Ärzte. Sie können am besten einschätzen, ob durch die vorzeitigen Wehen eine Gefahr für das Baby besteht. Treten diese beispielsweiße schon sehr früh auf und ist das Baby noch verhältnismäßig unreif, können die Ärzte die Geburt medizinisch noch um ein paar Tage hinauszuzögern.

Dafür werden Wehen hemmende Mittel, sogenannte Tokolyse, verwendet. Jeder Tag länger im schützenden Mutterleib ist für die Gesundheit des Babys entscheidend. Kommt es etwa erst nach der 32. SSW zur Welt, dann geht das Risiko von Folgeschäden nahezu gegen Null.

In jedem Fall gilt: Ruhe bewahren und auf den Körper hören. Nicht jedes Ziehen im Bauch ist eine Wehe. Die Gebärmutter verändert sich während der gesamten Schwangerschaft. Sie wächst und dehnt sich, so dass du immer wieder ein unangenehmes Gefühl im Bauch haben könntest. Übungs- und Senkwehen sind ebenso unbedenklich und wichtig für die Vorbereitung auf die Geburt. Und auch wenn es nach einer alten Bauernregel anhört: Wenn es losgeht, dann spürst du das – ganz instinktiv.

Bildquelle: Getty Images

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