10 Fragen zur Geburt

Schwangerschaft

10 Fragen zur Geburt

Dass so eine Geburt nicht ohne Schmerzen abläuft, ist kein Geheimnis. Und das ist ja noch nicht alles. Vielen Schwangeren gehen tausende Fragen im Kopf herum: "Wann muss ich ins Krankenhaus?", "Was, wenn ich die Schmerzen nicht aushalte?" und so weiter.

Einige dieser wichtigen Fragen rund um das Thema Geburt, Wehen und Co. haben wir dem Frauenarzt Dr. med. Sigmar Zanke gestellt. Mit über 30 Jahren Erfahrung als Geburtshelfer im Kreißsaal, im OP und der Gynäkologie nimmt er Ihnen auf den nächsten Seiten bestimmt einige Ihrer Ängste und Befürchtungen.

Wie lange dauert eine Geburt beim ersten Kind?

Wann kommt das Baby endlich? Die Geburtsdauer lässt sich nur schwer voraussagen.

Das kann man pauschal nicht sagen und unterscheidet sich sehr von Frau zu Frau. Die Geburt beginnt "offiziell", wenn der Muttermund sich öffnet und regelmäßig Wehen da sind. Objektiv können das viele Frauen nicht einschätzen, oftmals ist die Geburt noch nicht wirklich im Gang, auch wenn die Schwangere das so empfindet. Ganz wichtig ist, den Fortschritt der Geburt zu überwachen – und genau das ist der Knackpunkt: Denn beim ersten Kind geht es oft nicht kontinuierlich voran sondern kann auch mal stocken. Trotzdem sollte fast keine Geburt über 12 Stunden dauern. Eine gute und aktive Leitung der Geburt durch Hebamme und Arzt sind dafür sehr wichtig.

Tut ein Dammschnitt weh?

Keine Sorge, ein Dammschnitt muss erstens nicht immer sein und zweitens auch nicht weh tun. (Foto: Thinkstock)

Während der Geburt wird der Damm auf der Höhe der Wehe vom Kopf des Babys stark gedehnt, so dass ein Schnitt zwar unangenehm sein kann, aber selten wirklich schmerzhaft ist. Das hängt auch von der geburtshilflichen Situation und dem persönlichen Schmerzempfinden ab.

Wenn abzusehen ist, dass ein Dammschnitt notwendig wird, kann auch zwischen zwei Wehen eine lokale Betäubung gesetzt werden. Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte "Pudendusblockade". Hier wird der gesamte Nerv betäubt, der den Damm und die Schamregion versorgt. Das Nähen nach einem Dammschnitt wird immer unter örtlicher Betäubung durchgeführt.

Ist es wirklich so, dass beim Pressen während der Wehen Kot mit austritt?

Kein Grund, sich zu schämen! (Foto: Thinkstock)

Kontrolle über den Darm hat man bei den Presswehen keine, das ist richtig. Allerdings beugt ein Reinigungseinlauf einem "Unfall" vor. Dazu sei aber gesagt, dass da nichts Peinliches dabei ist, für die Hebamme ist das wenig aufregend. Ab und zu kommt es vor, am ehesten habe ich das bei sehr später Aufnahme im Kreißsaal und einem sehr schnellem Geburtsablauf gesehen.

Wie wird eine PDA gesetzt?

Schmerzlinderung bei der Geburt durch die PDA

Die PDA (Periduralanästhesie) ist die wirksamste, aber auch aufwendigste Möglichkeit, Wehenschmerzen in der Eröffnungsperiode zu bekämpfen. Der Nachteil ist dabei natürlich die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit. Die PDA wird im Sitzen oder in der Seitenlage mit einer Spezialnadel im Lendenbereich gesetzt. Wichtig sind dabei eine individuell ausreichende Dosierung und der richtige Zeitpunkt. Denn die Betäubung sollte abklingen, wenn die Austreibungsperiode beginnt, da der Pressdrang besser wahrgenommen wird und sich die Geburt so nicht verzögert.

Kann es sein, dass die PDA mal nicht wirkt?

Es kann schon vorkommen, dass die Wirkung nicht ganz ausreicht, zum Beispiel, wenn denn der Katheter nicht optimal liegt. Das kann auch erfahrenen Anästhesisten mal passieren.
Bei einem Kaiserschnitt werden deutlich höhere Dosen der Medikamentes verwendet, meist wird bei einer Sectio eine Lumbalanästhesie bevorzugt, da hier eine schnellere und besser Wirkung eintritt. Eine Lumbalanästhesie ist aber keine PDA!

Spüre ich immer, wenn die Fruchtblase platzt?

Blasensprung oder nicht? Meistens ist es eindeutig.

Eigentlich ja, vorausgesetzt die Fruchtwassermenge ist normal. Zweifel können eigentlich nur aufkommen, wenn zu wenig Fruchtwasser vorhanden ist oder der Blasensprung zu hoch ist. Das heißt, die Fruchtblase reißt weit oben und es kommt immer wieder ein wenig Flüssigkeit, da der Kopf des Babys nach unten wie ein Korken abdichtet.
Generell gilt: Auch bei geringem Verdacht auf einen Blasensprung sollten Sie immer zum Arzt gehen, auch wenn Sie nahe am Geburtstermin sind. Ein vorzeitiger Blasensprung ohne Wehen birgt immer ein Infektionsrisiko, daher sollten Sie auf Nummer sicher gehen. In besonderem Maße gilt das natürlich, wenn Sie noch weit vor dem errechnetem Geburtstermin sind, damit eine Frühgeburt verhindert werden kann.

Ich habe Wehen, wann muss ich in die Klinik fahren?

Ist es schon soweit? Muss ich los?

Wenn die Fruchtblase noch intakt ist, dann sollten Sie bei regelmäßigen Wehen, die im Abstand von 5 Minuten kommen, in die Klinik. Bei einem Blasensprung gilt immer: Sofort in die Klinik, auch wenn Sie keine Wehen haben. Wenn es nicht Ihr erstes Kind ist, dann kann die Geburt ein bisschen schneller fortschreiten – es schadet also nicht, ein wenig eher vor Ort zu sein.

Wie fühlen sich Wehen an?

Kinder kriegen tut weh - leider!

Aus erster Hand kann ich das leider nicht sagen, ich hatte noch keine ;-). Aber aus zweiter Hand (meine Frau) sind das superfiese Krämpfe. Wie Regelschmerzen, nur sehr viel schlimmer. Meiner Erfahrung nach reagieren Schwangere sehr unterschiedlich auf Wehenschmerzen, je nach persönlicher Situation. Am schwersten sind die Wehen kurz vor der Austreibungs-Periode zu ertragen, weil die Gebärende dann noch nicht mitpressen darf. Ganz wichtig sind das Vertrauen zur Hebamme und die aktive Einbeziehung der Schwangeren.

Darf ich bei Wehen Schmerztabletten nehmen?

Schmerzmittel bei Wehen?

Grundsätzlich können Sie Schmerzmittel in Form von Paracetamol einnehmen, allerdings wird das vermutlich nicht viel helfen. Bitte keine Aspirin einnehmen! Aus ärztlicher Sicht sind Injektionen und Zäpfen weitaus besser geeignet, da die Wirkung schneller einsetzt und man diese auch besser steuern kann. Eingesetzt werden zunächst krampflösende Medikamente (Spasmolytika) oder später auch Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. In jedem Fall erfolgt diese Behandlung aber unter ärztlicher Aufsicht.

Wie unterscheide ich Fruchtwasser von Urin?

Wenn der Verdacht auf Blasensprung besteht, sollte das immer ärztlich abgeklärt werden.

Wenn es sich um sehr wenig Flüssigkeit handelt, können Sie das nicht sicher unterscheiden, hier ist eine ärztliche Abklärung im Krankenhaus notwendig. Dort wird die Restfruchtwassermenge im Ultraschall gemessen, der pH-Wert bestimmt und ggf. das Vaginalsekret auf Fruchtwasserbestandteile hin untersucht. Auch dann kann es vorkommen – wenn auch selten – dass es nicht ganz sicher ist und der weitere Verlauf beobachtet werden muss.

Bildquelle:

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