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Sturzgeburt: In Rekordgeschwindigkeit auf die Welt

Sturzgeburt: In Rekordgeschwindigkeit auf die Welt

Geburt

Eine Sturzgeburt ist wohl die Horrorvorstellung jeder Schwangeren. Das Baby hat es so eilig, dass es oft noch auf dem Weg ins Geburts- oder Krankenhaus auf die Welt kommt. Aber wir können euch beruhigen, denn Sturzgeburten sind selten. Wenn es euch gegen alle Wahrscheinlichkeiten doch betrifft oder ihr einfach alles über das Thema wissen wollt, haben wir zusammengefasst, was zu tun ist, wenn das Baby unterwegs auf die Welt drängt.

Wer Geburtsberichte von Müttern hört, die von stundenlangen Wehen und nicht enden wollendem Pressen berichten, wünscht sich, dass die eigene Geburt schnell vorbei ist. Schnell ein, zwei Mal pressen – und das Baby ist da!

Ist die Sturzgeburt eine Traumgeburt?

Klingt im ersten Moment nach einer Traumgeburt. Aber das stimmt nur bedingt. Zum einen kann sie das sein, wenn sie genau dort stattfindet, wo sie auch stattfinden soll: Im Geburtshaus oder im Krankenhaus. Oder geplant zu Hause, mit der Wunschhebamme an der Seite. Zum anderen braucht es mentale Vorbereitung, um mit so einer raschen Geburt zurecht zu kommen.

Die Definition von Sturzgeburt

Im medizinischen Sprachgebrauch ist eine Sturzgeburt eine Geburt, bei der das Baby tatsächlich aus dem Geburtskanal herausstürzt und nicht mehr gehalten werden kann – völlig egal, wie lange die Wehen davor gedauert haben. Diese echte Sturzgeburt ist aber extrem selten.

Wenn das Baby es aber so eilig hat, dass es unterwegs auf die Welt kommt, kann eine rasante Geburt schnell zur Extremerfahrung werden. Diese sogenannten Sturzgeburten schaffen es immer wieder in die Nachrichten: „Baby kam auf Standstreifen zur Welt“, „Baby auf Bordtoilette entbunden“ oder „Baby erblickte Licht der Welt auf dem Krankenhausparkplatz“.

Wir alle haben diese Nachrichten schon gelesen und fürchten uns davor, dass unser Baby auch am falschen Ort zur falschen Zeit schnellstmöglich auf die Welt kommen möchte. Aber: Sturzgeburten, wie besonders schnelle Geburten umgangssprachlich genannt werden, sind ein seltenes Ereignis.

Wie oft gibt es eine Sturzgeburt?

Nur eins von 1.000 Kindern kommt in Turbogeschwindigkeit auf die Welt. Das klingt relativ häufig, aber auch bei diesen Geburten handelt es sich extrem selten um eine echte Sturzgeburt. Die allermeisten dieser Frauen schaffen es in letzter Sekunde dann doch noch ins Krankenhaus. Die Zahl der Kinder, die wirklich auf dem Krankenhausparkplatz, im Taxi oder an noch exotischeren Orten ins Leben starten, ist also verschwindend gering.

Sturzgeburt vs. überstürzte Geburt

Von einer überstürzten Geburt spricht man, wenn eine Geburt von der ersten Wehe an maximal drei Stunden dauert. Im Vergleich: Eine durchschnittliche Geburt einer Erstgebärenden dauert etwa 13 Stunden. Eine überstürzte Geburt ist aber keine Sturzgeburt!

Warum kommt es zu einer Sturzgeburt?

Überschnelle Geburten gibt es hauptsächlich bei Frauen, die schon ein oder mehrere Kinder entbunden haben: Der Geburtskanal ist dann weicher und lässt das Baby schneller durch. Teilweise ist die Austreibungsphase extrem verkürzt – auch dann ist das Baby schneller da, als es eigentlich soll.

Es gibt Frauen, die ein schwach ausgeprägtes Schmerzempfinden haben. Bei ihnen kann es passieren, dass die Eröffnungswehen gar nicht richtig wahrgenommen werden. Wenn ihr die Heftigkeit der Wehen nicht in ihrem vollen Ausmaß wahrnehmt, kann es passieren, dass ihr das „leichte Ziehen“ womöglich falsch einordnet. Auch bei Schwangeren, die ihre Schwangerschaft nicht bemerkt oder geheim gehalten haben, kommt eine sogenannte Sturzgeburt häufiger vor.

Probleme, die eine überstürzte Geburt mit sich bringt

Größere gesundheitliche Probleme sind bei einer plötzlichen und schnellen Geburt nicht zu erwarten. Manchmal kommt es zu Geburtsverletzungen, zum Beispiel zum Dammriss. Zu schnell geborene Babys haben in den ersten Tagen oft noch Anpassungsschwierigkeiten, das „Ankommen“ in der Welt dauert damit vielleicht ein bisschen länger als bei anderen Babys. Aber wenn man berücksichtigt, wie schnell der Start ins Leben war, ist das ja auch nicht verwunderlich!

Nicht nur für das Baby ist eine Turbogeburt anstrengend. Auch die Mama braucht erst mal Zeit zu realisieren, was da gerade passiert ist. Mutter werden ist ein großartiger, aber auch ein einschneidender Moment im Leben – wenn der aber ohne Vorwarnung eintritt, sind viele der „schnellen Mamas“ erst mal total überrumpelt und begreifen gar nicht, dass sie jetzt tatsächlich Mutter eines kleinen, hilfebedürftigen Säuglings sind.

Ist eine Toilettengeburt eine Sturzgeburt?

Immer wieder ist von Kindern zu lesen, die auf der Toilette auf die Welt gekommen sind. Zu einer Toilettengeburt kommt es, wenn die werdende Mutter die Presswehen falsch deutet. Das Gefühl ähnelt dem Drang, wenn man dringend ein „großes Geschäft“ erledigen muss.

Werden die Presswehen falsch eingeordnet, kann es durchaus passieren, dass die Mama in spe zur Toilette eilt, dort drückt und drückt – und auf dem „stillen Örtchen“ das Baby zur Welt bringt. Wenn es richtig schlecht läuft, dann kann eine Toilettengeburt also eine echte Sturzgeburt sein. Aber keine Sorge: Euch wird das mit großer Sicherheit nicht passieren.

Was tun, wenn das Baby unterwegs auf die Welt kommt?

Zugegeben, es ist keine schöne Vorstellung: Die Wehen werden immer stärker - und das Geburts- oder Krankenhaus ist noch fern. Ganz klar, dass da die Angst, euer Baby am Straßenrand oder auf der Autobahn gebären zu müssen, immer größer wird. In Filmen und Serien wird dieser extrem seltene Fall immer wieder zur Regel erhoben, aber das stimmt einfach nicht. Wenn ihr trotzdem wissen wollt, wie ihr euch im Zweifelsfall verhaltet, dann haben wir beruhigende Tipps für euch.

Sturzgeburt - Was tun?

Ohne die Wunschhebamme an der Seite, fern ab vom Kreißsaal und vielleicht sogar ohne den Partner oder die Partnerin an der Seite – so erträumt sich wohl keine Frau die Geburt ihres Kindes. Aber, und das sollte euch unbedingt beruhigen: Die Natur hat vorgesorgt. Die allermeisten Mütter verhalten sich in dieser Situation goldrichtig. Und zwar ohne vorher einen Kurs belegt zu haben oder sich Wissen angeeignet zu haben. Ganz intuitiv.

Denn der Ablauf einer Geburt ist in uns angelegt, in der Theorie weiß unser Körper sehr genau, wie wir allein ein Kind zur Welt bringen können. Dass wir das nicht möchten, steht auf einem anderen Blatt. Aber ist es nicht beruhigend zu wissen, dass wir alle diese Stärke in uns tragen, unsere Kinder, wenn es unbedingt sein muss, ganz ohne Hilfsmittel auf die Welt zu bringen?

Kind alleine auf die Welt bringen

Um auf eine – wenn auch sehr unwahrscheinliche – Turbogeburt fern des Krankenhauses möglichst gut vorbereitet zu sein, solltet ihr alle wichtigen Telefonnummern (Festnetz und mobil) in eurem Smartphone speichern und auch in schriftlicher Form im Geldbeutel parat haben.

Wenn ihr das Gefühl habt, es nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus oder Geburtshaus zu schaffen – hier unser kleiner Leitfaden für die Geburt unterwegs:

  • Notarzt anrufen (zur Erinnerung: 112).
  • Hebamme anrufen – vielleicht schafft sie es ja doch noch rechtzeitig
  • Partner*in anrufen, wenn er oder sie nicht bei euch ist
  • Vertrauen haben. Euer Körper weiß, wie das geht
  • Ruhig atmen. Erinnert euch an das, was ihr im Geburtsvorbereitungskurs gelernt habt
  • Nicht aktiv pressen. Das bewirkt im Zweifelsfall, dass euer Kind noch schneller kommt. Aber, auch das gehört zur Wahrheit dazu: Wenn der Pressdrang so groß ist, dass ihr ihm unbedingt nachgehen müsst, dann tut dies
  • Wenn ihr den Pressdrang verspürt, geht in den Kniestand und legt eine Decke, Jacke oder ein Handtuch unter euch. Alles, was den möglichen Fall eures Babys dämpft, ist gut.
  • Lasst euer Baby nicht fallen, fangt es mit beiden Armen auf.
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Was tun mit dem Baby nach einer Sturzgeburt?

  • Wenn das Turbobaby dann da ist: Wickelt es warm ein und legen es euch auf Bauch und Brust. Möchte das Baby gleich trinken: Nur zu! Das ist ein Zeichen, dass es eurem Baby gut geht.
  • Wenn euer Baby schreit, ist alles in bester Ordnung. Sollte es noch Probleme mit der Atmung haben könnt ihr sanft den Rücken massieren.
  • Die Nabelschnur müsst ihr nicht durchtrennen, das übernehmen der Notarzt oder die Hebamme.
  • Sollte auch die Nachgeburt, die Plazenta, schon kommen, bevor ärztliche Hilfe da ist: Einfach liegen lassen, Hebamme oder Ärztin kümmern sich später darum.
  • Seid stolz auf euch!

Muss man nach einer Sturzgeburt ins Krankenhaus?

Auch wenn euer Baby nicht im Krankenhaus auf die Welt gekommen ist, habt ihr trotzdem ein Recht darauf, einige Tage im Krankenhaus zu verbringen. Nach der Extremerfahrung tut es besonders gut, viel Zeit mit dem Baby zu haben und auch umsorgt zu werden.

Ihr könnt aber natürlich nach einer Untersuchung auf eigenen Wunsch entlassen werden. Wenn ihr merkt, dass euch das Erlebnis noch lange beschäftigt, könnt ihr euch vertrauensvoll an eure Hebamme wenden. Sie kann mit euch besprechen, ob ihr weitere Hilfe in Anspruch nehmen solltet.

Meine Meinung

Eine echte Sturzgeburt ist super selten. Gerade deswegen lesen wir ja so gern davon. Weil sie so ein besonderes Ergebnis ist, dass das immer für mediale Aufmerksamkeit sorgt. In Filmen und Serien wird diese Ausnahme zur Regel gemacht, was ich fatal finde. Denn natürlich macht es Frauen Angst, der Gedanke daran, das Kind allein zur Welt zu bringen.

Ich habe drei Geburten erlebt, alle unterschiedlich. Was sich dabei für immer in mich eingebrannt hat, ist die Kraft, die wir Frauen haben. Und wohl in keiner anderen Zeit in unserem Leben hören wir so gut auf unseren Körper.

Unser Körper weiß, wie Geburt funktioniert. Deswegen gehen die allerallermeisten Sturzgeburten auch so gut aus. Weil der Körper "übernimmt" und einfach macht. Dagegen ist unser Geist oft machtlos.

Ich wünsche euch dennoch die Geburt, die sich für euch stimmig anfühlt und keine Sturzgeburt.

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus/ NataliaDeriabina

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