Akupunktur in der Schwangerschaft

Schwangerschaft

Akupunktur in der Schwangerschaft

Akupunktur in der Schwangerschaft ist ein sanfter Weg, um Beschwerden wie Übelkeit oder Rückenschmerzen zu lindern. Ein paar Nadeln und schon ist der Schmerz vergessen: Ist das wirklich so einfach? Das steckt hinter der "Wundernadel".

Die Tipps der besten Freundin, Mamas Rat oder die Empfehlung der Hebamme. Als Schwangere nimmt man jede Hilfe an, damit lästige Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder Rückenschmerzen endlich aufhören. So wird zum Beispiel auch die Akupunktur in der Schwangerschaft häufig als Alternative zur klassischen Schulmedizin empfohlen – vor allem bei Schmerzen. Die Behandlung kommt ganz ohne Medikamente aus und ist daher besonders schonend für das Ungeborene. Ein großer Pluspunkt!

Allerdings haben viele immer noch Vorbehalte gegenüber der „chinesischen Wunder-Nadel“. Dabei hat inzwischen sogar die Wissenschaft die Wirksamkeit der Akupunktur anerkannt, auch wenn es lange Jahre und verschiedene, groß angelegte Studien gebraucht hat. Nur das WIE und das WIESO stellen die Forscher immer noch vor ein Rätsel. Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) liegen die Fälle da klarer. Demnach sind Schmerzen ein Anzeichen dafür, dass unsere Lebensenergie Qi auf ihrem Weg durch unseren Körper durch irgendetwas gestört wird.
Damit es uns wieder besser geht, gilt es, diese Blockaden zu finden, sie zu lösen und so das Qi wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Bei der Akupunktur werden dafür feine Nadeln eingesetzt. Diese sind nur wenige Millimeter dick, so dass du den Einstich kaum spürst, beziehungsweise ihn nicht als schmerzhaft empfindest. Denn spüren sollst du etwas. Breitet sich rund um den Einstich ein warmes, kribbelndes oder elektrisierendes Gefühl aus, dann sprechen die Akupunkteure vom sogenannten De-Qi-Gefühl: für dich ein Zeichen, dass die Nadeln wirken. Abhängig von den Beschwerden, werden bei den Therapiesitzungen verschiedene Punkte entlang der zwölf sogenannten Hauptmeridiane behandelt. Die Meridiane sind quasi die Hauptleitung des Qis, das unseren Körper in einem feinen Netzwerk durchzieht. Für dich zur Einordnung: Alleine auf der kleinen Fläche des Ohrs sitzen über hundert Akupunkturpunkte.

Akupunktur in der Schwangerschaft

Als Schwangere hast du verschiedene Therapie-Möglichkeiten. Häufig wird die Akupunktur in der Schwangerschaft zur Schmerzbehandlung eingesetzt, z. B. bei akuten Rücken- oder Gelenkschmerzen sowie Kopfschmerzen. Aber auch bei anderen Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Sodbrennen oder Wassereinlagerungen kann Akupunktur helfen. Sogar bei der Geburtsvorbereitung wird die Akupunktur inzwischen häufiger eingesetzt. Studienergebnisse zeigen, dass die Geburt mit gezielter Nadel-Behandlung sogar um rund zwei Stunden verkürzt werden könne. Auch der Geburtsschmerz sei dann weniger intensiv. Mehr zur geburtsvorbereitenden Akupunktur lesen Sie auf der nächsten Seite.
Dass mit den Nadeln schnell eine Schmerzlinderung eintritt, dafür gibt es - für alle Skeptiker - wie gesagt sogar wissenschaftliche Beweise. Wie wirksam das chinesische Naturheilverfahren bei den anderen Schwangerschaftsbeschwerden ist, das ist weniger erforscht. Doch Erfahrungsberichte von Schwangeren, die von der Wirkung überzeugt sind, gibt es viele. Auch unsere Facebook-Nutzer können Positives berichten:
➤ Simone W.: „Dauernadeln gegen Sodbrennen. Tolle Sache! Werde auch wöchentlich gegen Rücken- und Symphysenschmerzen akupunktiert und getaped. Für mich in beiden Schwangerschaften ein Segen!“.
Katja H. : „Hatte in der Schwangerschaft Bluthochdruck. Akupunktur hat mir da super geholfen. Hatte damit den Blutdruck im Griff, und es ging ohne Medikamente!“
MaRy S.: „In der ersten SS perfekt gegen Wasser in den Beinen geholfen. Bei der zweiten SS eher das Gegenteil bewirkt und sogar starke Schmerzen verursacht. Man sollte es ausprobieren wenn man offen dafür ist.“

Ein ganz wichtiger Pukt, den MaRy anspricht. Denn letztlich ist der Therapieerfolg der Akupunktur stark abhängig von der eigenen Einstellung. Du solltest dich also vorab selbst fragen, ob du der Traditionellen Chinesischen Medizin gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen bist. Wenn du das bejahen kannst, spricht nichts dagegen, Akupunktur auszuprobieren.

Gute Akupunkteure finden

Wir möchten allerdings noch darauf hinweisen, dass oft davon abgeraten wird, mit der Akupunktur-Therapie vor der 12. SSW anzufangen. In dieser ersten Phase der Schwangerschaft ist der Organismus noch empfindlicher gegenüber Störungen und kann eventuell heftiger auf die Akupunktur reagieren.
Für Schwangere gilt außerdem: Informiere dich bitte unbedingt vorab, ob der Therapeut bereits umfassende Erfahrung in der Behandlung von schwangeren Patientinnen hat. Folgende Punkte helfen dir dabei, einen guten Akupunkteur zu finden:

Hormone in der Schwangerschaft: so wirken sie

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Geburtsvorbereitende Akupunktur

Auch im Kreißsaal kommt die China-Nadel schon zum Einsatz: zur Entspannung und zur Schmerzlinderung. Wird die Akupunktur schon zur Geburtsvorbereitung eingesetzt, kann die Entbindung sogar erheblich verkürzt werden. Und so funktioniert's.

In vielen Fällen kann Akupunktur sehr gut bei Schmerzen helfen. Es liegt also nahe, diesen Effekt auch für die Entbindung zu nutzen. Deshalb kommt die China-Nadel inzwischen auch im Kreißsaal zum Einsatz. Dabei werden zwei Ziele verfolgt: Entspannung und Schmerzlinderung. Und das begünstigt sich gegenseitig. Denn je entspannter Sie während der Geburt sind, desto seltener besteht die Gefahr, dass Sie aus Angst vor den Schmerzen verkrampfen. Und je weniger schmerzhaft Sie die Wehen empfinden, desto entspannter sind Sie. Alles zusammen reduziert den Geburtsstress erheblich.

Weniger Schmerzen dank geburtsvorbereitender Akupunktur

Aber die geburtsvorbereitende Akupunktur hat noch einen weiteren ganz entscheidenden positiven Effekt. Beginnen Sie mit der Behandlung schon etwa vier Woche vor dem errechneten Geburtstermin, kann das die Dauer der Geburt deutlich verkürzen. Das klingt ja fast zu schön um wahr zu sein. Aber tatsächlich konnten bereits verschiedene, unabhängige Studien die Wirksamkeit der geburtsvorbereitenden Akupunktur nachweisen. So testete zum Beispiel die Universitätsfrauenklinik in Mannheim das chinesische Naturheilverfahren mit ca. 800 Schwangeren. Das Ergebnis: Bei den Schwangeren, die vor der Entbindung NICHT akupunktiert wurden, dauerte die Geburt im Schnitt zwei Stunden länger.
Erklären lässt sich das so. Bei den Sitzungen der geburtsvorbereitenden Akupunktur werden bestimmte Punkte stimmuliert, welche den Muttermund letztlich bei seiner Reifung unterstützen. Bei der Geburt - insbesonderen in der Eröffnungsphase - können die Wehen dann gezielter auf den Muttermund wirken und sind dadurch effektiver. Sprich: Die Geburt verkürzt sich. Neben dem WANN ist auch das WIE bei der geburtsvorbereitenden Akupunktur entscheidend. Lässt man die Nadeln ruhig stecken, wirken sie anregend. Dreht man sie dagegen leicht im Gewebe, haben sie einen beruhigenden Effekt. Diesen Unterschied machen sich Gynäkologen und die Hebamme bei der Geburtshilfe zunutze. Ist die Frau zum Beispiel gerade in einem „Wehensturm“, dreht der Akupunkteur die Nadeln, um eine lindernde Wirkung zu erzielen. Ist der Geburtsvorgang dagegen ins Stocken geraten, bewegt der die Nadeln nicht. Wichtig dabei: Wer eine Frau während der Schwangerschaft mit Nadeln behandelt, sollte genau wissen, was er tut - und entsprechend dafür ausgebildet sein.
Ebenfalls wichtig:
Sie sollten nicht erst im Kreißsaal mit der Akupunktur beginnen. Jeder Körper reagiert auf die Stimulation der Nadeln anders und Sie sollten genau wissen, was Ihnen gut tut und was nicht. Von solchen "Experimenten" während der Geburt raten wir daher ab.

Akupunktur-Therapie zur Geburtsvorbereitung

Die Akupunktur zur Geburtsvorbereitung beginnt in der Regel um die 36.SSW. Jede Woche sind ein bis zwei Sitzungen angedacht. Dabei werden auf jeder Seite des Körpers vier Akupunktur-Punkte behandelt:
• unterhalb des Knies
• im Bereich des Innenknöchels des Fußes
• an der oberen seitlichen Wade
• und an der äußeren Seite der kleinen Zehe
Zusätzlich kann ein spezieller Kopfpunkt gestochen werden. Ihm wird eine allgemein beruhigende Wirkung zugeschrieben und soll die Angst vor der bevorstehenden Geburt lösen. Die einzelnen Behandlungen dauern jeweils etwa 20 Minuten. Ob Sie dabei sitzen oder liegen wollen, bleibt Ihnen überlassen. Manchmal regiert der Körper mit Schwindel auf die Akupunktur, dann ist eine Behandlung im Sitzen angenehmer. Um sicher zu gehen, dass auch dem Baby die Akupunktur bekommt, wird es häufig mittels CTG überwacht. Die Kosten für die geburtsvorbereitende Akupunktur sind überschaubar: Sie müssen mit zehn bis 20 Euro pro Sitzung rechnen.
Von der Krankenkasse wird die Akupunktur zur Geburtsvorbereitung in der Regel nicht gezahlt. Besser stehen Ihre Chancen auf eine Kostenübernahme bei einer Behandlung von Rücken- oder Gelenkschmerzen in der Schwangerschaft. Da bereits viele Hebammen bei der Behandlung von Schwangerschaftsbeschwerden mit Akupunktur, Homöopathie und anderen Naturheilmethoden arbeiten, werden die Kosten dafür meist von den Kassen übernommen - manchmal allerdings nur anteilig. Sprechen Sie Ihre Hebamme beim nächsten Besuch einfach darauf an. Sie wird Ihnen sicher ein paar Tipps an die Hand geben können.

Allgemeine Informationen über Akupunktur finden Sie auch unter:

Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V. (DÄGfA)
Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V. (ACTCM e.V.)
Akupunktur Aktuell

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