Blutungen in der Frühschwangerschaft: Was können sie bedeuten?

Schwangerschaft

Blutungen in der Frühschwangerschaft: Was können sie bedeuten?

Vom leichten rosa Ausfluss zur periodenähnlichen Blutung: Besonders im ersten und am Anfang des zweiten Trimesters sind Blutungen häufig. In über der Hälfte der Fälle haben sie keine Auswirkungen auf dich und dein Baby. Dennoch können sie auch ein Anzeichen für eine Fehlgeburt und Komplikationen sein. Eine schnelle Untersuchung bei der Frauenärztin ist daher wichtig und bringt Klarheit.

Blutungen können besonders in den ersten Schwangerschaftswochen häufiger auftreten.

Blutungen in der Schwangerschaft sind keine Seltenheit und nicht immer ein Grund zur Sorge. Statistisch gesehen treten sie besonders in der Zeit der Frühschwangerschaft, also im ersten Schwangerschaftsdrittel, und vor Ende des zweiten Schwangerschaftsdrittels auf: Blutungen betreffen 20 bis 30 % der Schwangeren vor SSW 21 und sind in der Hälfte der Fälle ungefährlich. Leider ist auch die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt in den ersten Schwangerschaftswochen am höchsten, die oft mit Blutungen beginnt. Ein Frühabort ist in fast 50 % der Fälle Auslöser für Blutungen zum Schwangerschaftsbeginn. Deshalb ist es wichtig, dich bei den ersten Anzeichen einer Blutung medizinisch untersuchen zu lassen – und erst mal durchzuatmen. Es können auch ganz harmlose Ursachen dahinter stecken, die keiner Behandlung bedürfen. Und eine frühe Erkennung erhöht die Wahrscheinlichkeit, eventuelle weitere Komplikationen verhindern zu können.

Welche Arten von Blutungen in der Frühschwangerschaft gibt es?

  • hellrosa Ausfluss

  • brauner Ausfluss

  • hellrote Blutung

  • dunkelrote Blutung

  • Blutung mit Gewebeteilen

Viele Frauen bluten am Anfang der Schwangerschaft ab und zu, die Blutung ist dabei meistens sehr leicht und dauert nicht länger als ein bis zwei Tage. Generell ist die Art und stärke der Blutung aber kein sicherer Indikator dafür, ob diese harmlos oder gefährlich ist. Auch leichter rosa oder brauner Ausfluss kann auf eine Komplikation hindeuten, eine umgehende Untersuchung ist deshalb wichtig. Die Farbe des Ausflusses hilft festzustellen, wie alt und stark die Blutung ist. Hellrosa deutet auf eine sehr schwache Blutung, braun auf älteres und hellrot auf frisches Blut hin. Starke Blutungen sind meist dunkelrot mit oder ohne Gewebeteilen (diese können auch nur geronnenes Blut sein.)

In welcher SSW kommt es zu Blutungen in der Frühschwangerschaft?

Blutungen können immer mal auftreten, sind in der 4. und 5. SSW aber besonders häufig. Eine leichte Blutung kann auf die Einnistungsblutung hindeuten, die bei manchen Frauen auftritt, wenn die Eizelle an der Wand der Gebärmutter andockt. Manchmal ist auch der Eintritt der Periode bzw. der frühe Verlust der Schwangerschaft der Auslöser. Mit zunehmender Anzahl der SSW nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt und einer damit verbundenen Blutung stetig ab, so liegt das Risiko nach SSW 5 bereits bei unter 20 % und ab SSW 8 bei ca. 3 %.

Einige Frauen bluten in der Frühschwangerschaft jeweils zum Zeitpunkt ihrer Periode, also um SSW 4, SSW 8 und SSW 12, ohne dass die Auswirkungen auf das Baby hat. 

Warum kommt es zu Blutungen in der Frühschwangerschaft?

Die Ursachen für Blutungen in der Frühschwangerschaft sind vielfältig und auch nicht immer nachträglich feststellbar. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ungefährliche Gründe für deine Blutung verantwortlich sind. Seltener sind sie auch ein Symptom für gefährliche Komplikationen, die sofortiger Behandlung bedürfen:

Weniger gefährliche Ursachen für Blutungen:

  • Einnistungsblutung: Die Einnistung der Eizelle um SSW 3 und SSW 4 kann die Gebärmutter reizen.Hormonumstellung: Der Hormonhaushalt muss sich im ersten Trimester erst einpendeln. Schmierblutungen zum Zeitpunkt der Periode sind deshalb häufig.

  • (Leichte) Hämatome der Gebärmutter: Kleine Risse in der Gebärmutterschleimhaut, die meist harmlos sind (siehe unten).

  • Endometriose: Gebärmuttergewebe im Bauchraum kann leicht bluten. Eine ärztliche Überwachung ist sehr wichtig.

  • Geschlechtsverkehr: Leichte Kontaktblutungen sind häufig und harmlos.

  • Gynäkologische Untersuchung: Ein vaginaler Ultraschall führt fast immer zu ungefährlichen Kontaktblutungen.

  • Körperliche Anstrengung: Überanstrengung und Stress lösen manchmal leichte Wehen oder Gebärmutterhämatome aus.

  • Verstopfung: Auch harter Stuhl kann die stark durchbluteten Schleimhäute in Scheide und Gebärmutter reizen. I

  • Infektionen: Scheide und Gebärmutterhals sind in der Schwangerschaft anfälliger.

Schwerwiegende Ursachen für Blutungen (vergleichbar selten): 

  • Begonnene oder drohende Fehlgeburt: Der Verlust des Babys lässt sich in der Frühschwangerschaft leider selten aufhalten.

  • Vorzeitige Plazentaablösung: Selten, in der Frühschwangerschaft aber in meistens mit Verlust des Kindes verbunden.

  • Frühe Plazenta praevia: Die Plazenta liegt hier zwischen Gebärmutter und Geburtskanal. Bis zur 24. SSW kann sie sich noch verschieben, muss aber überwacht werden.

  • Eileiterschwangerschaft: Die Einnistung der Eizelle außerhalb der Gebärmutter gilt als medizinischer Notfall.

  • Zervixinsuffizienz: Eine Muttermundschwäche erhöht das Risiko einer Frühgeburt, kann aber häufig behandelt werden.

  • Gerinnungsstörung der Mutter: Hat Einfluss auf Verlauf der Schwangerschaft, kann manchmal medikamentös behandelt werden.

Was ist ein Gebärmutter-Hämatom?

Die in der Schwangerschaft stark durchbluteten Gefäße der Gebärmutter können schnell kleine Risse bekommen, die zu einer vaginalen Blutung führen. Ursachen sind die Einnistung der Eizelle (der sogenannten Einnistungsblutung), die hormonelle Umstellung oder Bluthochdruck.

Schwerwiegende Auslöser für Hämatome der Gebärmutter sind viel seltener, können aber nur ärztlich abgeklärt werden. So können auch eine Ablösung der Plazenta oder eine eine Frühgeburt mit einem Hämatom beginnen. 

Was ist die Behandlung von Blutungen in der Frühschwangerschaft?

Können keine Komplikationen festgestellt werden, hilft es meistens, dich einige Tage zu schonen. Das muss keine strikte Bettruhe sein, aber häufige Pausen sind wichtig. Verzichte einige Tage auf Sport und Geschlechtsverkehr und sorge für viel Entspannung im Alltag. Meistens gibt sich die Blutung dann von allein. Auch Magnesium kann helfen, die Gebärmutter zu beruhigen.

Eine Blutung in der Schwangerschaft erhöht leicht die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen wie frühem Blasensprung oder einer Frühgeburt, weshalb deine Ärztin dich etwas strenger überwachen wird. 

Steckt eine medizinische Ursache hinter der Blutung, wird deine Frauenärztin die nötige Behandlung einleiten. Eine Gerinnungsstörung und Bluthochdruck werden meist medikamentös behandelt. Eine drohende Fehlgeburt kann in der Frühschwangerschaft aber meist nicht verhindert werden. 

Auf welche Symptome muss ich bei Blutungen in der Frühschwangerschaft achten?

Eine Blutung in der Schwangerschaft sollte immer medizinisch abgeklärt werden, auch wenn sie nur sehr leicht ist oder du keine Schmerzen hast. Auf folgende Symptome solltest du besonders achten, denn sie deuten auf eventuelle Komplikationen hin: 

  • Schmerzen im Unterleib

  • Fieber

  • Schüttelfrost

  • Schwindel und Ohnmacht

  • Ausfluss

Wie wird eine Blutung in der Frühschwangerschaft abgeklärt?

Deine Ärztin wird dich gegebenenfalls gynäkologisch untersuchen und eine Ultraschalluntersuchung vornehmen, um den Herzschlag deines Babys und die Lage deiner Gebärmutter zu überprüfen. Der Herzschlag kann meist ab SSW 6 erkannt werden. Auch die Prüfung des Rhesusfaktors ist bei Blutungen wichtig: Bist du rhesusnegativ, ist die sogenannte Rhesusprophylaxe nötig, eine Spritze die gewährleistet, dass deine Antikörper die Blutkörperchen deines Kindes nicht bekämpfen. Bei weiteren Symptomen kann eine Messung deines Blutdrucks und die Überprüfung deiner Blutwerte sinnvoll sein. 

Checkliste für die Untersuchung bei Blutungen in der Schwangerschaft

Deine Frauenärztin wird dir viele Fragen stellen und dich und dein Baby genau untersuchen. Da die Untersuchung sehr nervenaufreibend ist, kann es dir zur Vorbereitung helfen, folgende Punkte zu notieren:

  • Wie lange dauert(e) die Blutung (bisher)?

  • Welche Farbe hat die Blutung?

  • Waren Gewebeteile vorhanden?

  • Wie viele Tampons oder Binden hast du benutzt?

  • Hast du Schmerzen oder andere Symptome?

Schwangerschafts-Apps sind eine einfache Art, kleine oder größere Veränderungen und Beschwerden festzuhalten. Ich selbst fand den Menstruations- und Zykluskalender von Simple Design* sehr hilfreich, in dem die Stärke der Blutung leicht sichtbar eingetragen werden kann. So kannst du auch bei späteren Untersuchungen schnell Daten finden, an denen Symptome aufgetreten sind oder dein Ausfluss sich verändert hat.

Blutungen in der frühen Schwangerschaft sind sehr häufig, können einem aber große Angst machen. Ein wenig hilft die Erkenntnis, dass du neben der Einhaltung ärztlicher Empfehlungen keinen weiteren Einfluss auf den Verlauf deiner Schwangerschaft und somit auch keinerlei Schuld an möglichen Komplikationen hast. Die Chancen stehen aber gut, dass mit euch alles ok ist.

*gesponserter Link

Berufsverband der Frauenärzte
Oxford University Press
American College of Obstetricians and Gynecologists
 

Bildquelle:

Getty Images

Galerien

Lies auch

Teste dich