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Vorzeitige Plazentaablösung: Gefahr für Mutter und Kind

Wichtig zu wissen

Vorzeitige Plazentaablösung: Gefahr für Mutter und Kind

Im Normalfall wird die Plazenta nach der Geburt des Babys als Nachgeburt vom Körper ausgestoßen. Es kann aber vorkommen, dass sie sich schon während der Schwangerschaft löst. Eine solche vorzeitige Plazentaablösung kann für Mutter und Kind sehr gefährlich sein.

Welche Aufgabe hat die Plazenta?

Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, ist ein Organ, das das Ungeborene über die Nabelschnur mit Nährstoffen versorgt, Abfallprodukte entsorgt und Schwangerschaftshormone produziert. Sie bildet sich zu Beginn der Schwangerschaft, je nachdem, wo sich die Eizelle in der Gebärmutter einnistet. Meistens ist das im oberen Bereich der Seiten-, Hinter- oder Vorderwand der Gebärmutter.

Manchmal liegt die Plazenta aber auch tiefer (Placenta praevia) und reicht an den Muttermund heran, bedeckt ihn teilweise oder ganz. Besonders dann besteht vor allem gegen Ende der Schwangerschaft die Gefahr einer vorzeitigen Plazentaablösung, die sich durch heftige Schmerzen und Blutungen zeigt.

Woran erkenne ich eine vorzeitige Plazentaablösung?

Das Ablösen der Plazenta an sich tut nicht weh. Nach der vorzeitigen Ablösung kann es aber zu krampfartigen Schmerzen kommen, wenn die Gebärmutter versucht, die Plazenta abzustoßen – genauso, wie sie es auch nach der Geburt tut. Folgende körperlichen Warnsignale können auf eine vorzeitige Plazentaablösung hindeuten:

  • Starke, plötzlich einsetzende Schmerzen im Unterbauch
  • Dunkelrote Blutung (bei drei von vier betroffenen Müttern)
  • Extrem harte und äußerst druckempfindliche Gebärmutter
  • Generelles Unwohlsein mit Angst, Schwindel, Atemnot
  • Anzeichen eines Schocks (Erhöhung der Pulsfrequenz, Blutdruckabfall)
  • Vermehrte Blutungsneigung
  • Oft sind die vaginalen Blutungen gar nicht so stark, es kommt aber häufig zu sehr heftigen inneren Blutungen, die dann lebensgefährlich sein können.

Eine teilweise Ablösung der Plazenta merkt die werdende Mutter häufig nicht, sondern wird meist bei einem Ultraschall bei der Vorsorgeuntersuchung festgestellt. Deshalb sind diese regelmäßigen Untersuchungen auch so wichtig für die Gesundheit von Mutter und Kind.

Eine plötzliche, großflächige Ablösung geht meist mit mehreren der oben genannten Symptome einher. Dann ist schnelles Handeln gefragt, um das Leben von Mutter und Kind nicht zu gefährden.

Wie verändern sich die Werte des Kindes bei einer vorzeitigen Plazentaablösung?

Beim ungeborenen Kind lassen sich Veränderungen in der Kardiotographie feststellen. Man spricht hier auch von fetal distress:

  1. Teilweise Ablösung: Gleichbleibend, schneller Puls
  2. Großflächige Ablösung: Dauerhaft niedriger Puls
  3. Kompletten Ablösung: Eventuell gar keine Herztöne mehr erkennbar

Was passiert bei einer vorzeitigen Plazentaablösung?

Zunächst sei gesagt: Eine vorzeitige Plazentaablösung kommt sehr selten vor, kann für Mutter und Kind aber sehr gefährlich werden. Die Plazenta löst sich in diesem Fall randständig oder großflächig von der Gebärmutter. So werden Versorgungswege von mütterlichem zu kindlichem Kreislauf abgeschnitten.

Ursachen für eine vorzeitige Plazentaablösung

Es ist noch nicht final geklärt, was die genauen Gründe für eine vorzeitige Plazentaablösung sind. Es gibt einige Umstände, die eine Ablösung begünstigen bzw. auslösen können:

  • Eine Plazenta praevia in Kombination mit vorzeitigen Wehen
  • Veränderungen bestimmter Blutgefäße zwischen Mutterkuchen und Gebärmutterwand
  • Verletzungen (z. B. durch einen Unfall oder stumpfe Gewalteinwirkung)
  • Druckveränderungen, z. B. bei Zwillingsgeburten oder nach einem Blasensprung
  • Stark schwankender Blutdruck
  • Plazentainsuffizienz
  • Praeklampsie
  • Myome
  • Kurze Nabelschnur oder Nabelschnurumschlingung, welche großen Zug auf die Plazenta auslösen
  • Gefäßveränderungen, z. B. bei Raucherinnen
  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Uterusanomalie
  • Mangelernährung der Mutter
  • Alkohol-, Drogen- oder Nikotinmissbrauch
  • Plazentaablösung in der Schwangerschaft davor
  • Auch ein höheres Alter der Mutter, kann ein Risikofaktor sein

Welche Risiken bringt eine vorzeitige Plazentaablösung für Mutter und Kind?

Löst sich die Plazenta zu mehr als einem Drittel vom Gebärmuttergewebe, wird die Sauerstoffzufuhr zum Baby derart eingeschränkt, dass es daran sterben kann.

Eine Plazentaablösung geht zudem oft mit starken Blutungen einher, die nicht nur für das Kind, sondern auch für die Mutter lebensbedrohlich werden können.

Welche Folgen hat eine vorzeitige Plazentaablösung?

Im Fall einer Plazentaablösung, die die Gesundheit von Mutter und Kind gefährdet, muss umgehend ein Notfallkaiserschnitt durchgeführt werden.

Hat sich die Plazenta nur teilweise gelöst und die Blutungen halten sich in Grenzen, muss nicht sofort ein Kaiserschnitt gemacht werden. Unbedingt Voraussetzung: das Baby wird noch ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Eine strenge Bettruhe der Mutter unter ärztlicher Beobachtung kann dann dafür sorgen, dass sich das Baby im Mutterleib noch weiterentwickeln kann. Zumindest so lange, bis der Arzt nach Abwägung des mütterlichen und kindlichen Zustands zum Kaiserschnitt rät.

Was mache ich, wenn ich den Verdacht auf eine vorzeitige Plazentaablösung habe?

Wenn du an dir Symptome einer vorzeitigen Plazentaablösung bemerkst, solltest du nicht zögern und sofort den Notarzt rufen. Insbesondere, wenn mehrere der oben genannten Warnsignale zusammen auftreten. Bei einer vorzeitigen Plazentaablösung ist schnelles Handeln gefragt.

Wie wahrscheinlich ist eine vorzeitige Plazentaablösung?

Eine vorzeitige Plazentaablösung kann sehr gefährlich sein. Glücklicherweise kommt diese Schwangerschaftskomplikation nicht sehr häufig vor. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich deine Plazenta bereits vor der Geburt löst, liegt bei 0,4 bis 1,5 %. Eingerechnet sind hier außerdem akute (fast) vollständige Plazentaablösungen und nicht ganz so bedrohliche Teilablösungen. Die Wahrscheinlichkeit einer kompletten Plazentaablösung liegt deshalb sogar nur bei 0,002 %, also nur in einem von 500 Fällen.

Laut Statistik ist das Risiko einer vorzeitigen Plazentaablösung zwischen der 24.SSW und 26. SSW am höchsten.

 

Bildquelle: Getty Images/ NataliaDeriabina

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