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Wichtig zu wissen

Herpes in der Schwangerschaft: Kleines Bläschen, große Gefahr?

Erst fühlt man nur ein leichtes Kribbeln, dann ist es plötzlich da, das kleine Bläschen: Lippenherpes ist an sich schon fies. Herpes in der Schwangerschaft aber ist mit besonderer Vorsicht zu behandeln. Je nachdem, wo er ausbricht, besteht eventuell Gefahr fürs (ungeborene) Baby.

Bin ich für Herpes in der Schwangerschaft empfänglicher?

Verantwortlich für die Bläschenbildung an Lippe, Nase oder im Mund ist das Herpes-simplex-Virus Typ 1. Einmal mit dem Virus infiziert, kann es viele Wochen, Monate oder auch Jahre in deinem Körper schlummern, ohne von dir bemerkt bzw. aktiv zu werden.

Ist deine Immunabwehr aber geschwächt oder hat dein Körper, wie zum Beispiel in der Schwangerschaft, mit Hormonumstellungen zu tun, kann er das Virus manchmal nicht mehr in Schach halten. Während es dir als Schwangere kaum weiter schaden wird, kann ein Herpesausbruch für dein Baby im Bauch gefährlich werden.

Drei mögliche Wege einer Herpes-Infektion des Babys

Tatsächlich gibt es drei Möglichkeiten, wie sich das Kind bei der Mama mit dem Herpes-Virus infizieren kann:

  1. Während der Schwangerschaft über die Plazenta (transplazentär)
  2. Während der Geburt durch den Kontakt mit der Mutter (intrapartal)
  3. Nach der Geburt (postpartal)

Dass du dein Kind noch während der Schwangerschaft mit dem Herpes-simplex-Virus infizierst, ist sehr unwahrscheinlich. Voraussetzung dafür ist, dass das Virus im Blut der Mutter zirkuliert und so über die Plazenta zum ungeborenen Kind gelangt. Das kommt zum Glück nur sehr selten vor.

Deutlich häufiger hingegen ereignet sich folgendes Szenario: Leidet die Mutter bei der Geburt unter Genital-Herpes (die Übertragung ist durch Oralverkehr mit dem Partner oder der Partnerin mit Lippenherpes schnell möglich!), kann dieser das Baby nach dem Blasensprung in der Gebärmutter infizieren.

Da Neugeborene noch kein vollständig entwickeltes Immunsystem haben, das das Herpes-Virus effektiv bekämpfen könnte, ist eine Ansteckung für sie nach der Geburt sehr gefährlich und sollte unbedingt vermieden werden.

Entwickelt euer Neugeborenes Anzeichen einer Herpes-Infektion wie etwa Fieber, Teilnahmslosigkeit oder Hautausschläge, vertraut euch zeitnah eurer Kinderärztin an.

Wichtig zu wissen

Kann (Lippen-)Herpes in der Schwangerschaft zu einer Fehlgeburt führen?

In den sehr seltenen Fällen, in denen das Herpes-simplex-Virus über das Blut der Mutter durch die Plazenta zum ungeborenen Baby gelangt, kann eine Fehlgeburt die Folge sein. Auch Missbildungen können auftreten.

Wenn du schwanger bist und unter einem „normalen" Herpes-Ausbruch mit den typischen Bläschen an der Lippe leidest, musst du dir aber keine Sorgen machen: Dein Baby wird davon nicht betroffen sein und keinen Schaden nehmen.

Achtung: Steckst du deinen Partner oder deine Partnerin mit Lippenherpes an, kannst du dich beim Oralverkehr mit Genitalherpes infizieren. Und dieser kann, wie oben beschrieben, für dein Baby bei der Geburt gefährlich werden.

Wie gefährlich ist eine Herpes-Infektion für mein Baby?

Egal, ob frisch geschlüpft oder schon ein paar Wochen oder Monate alt: Da das Immunsystem von Babys noch nicht voll ausgereift und nicht mit dem eines Erwachsenen vergleichbar ist, muss die Antwort lauten: Herpes ist für dein Baby sehr gefährlich.

Eine Infektion sollte unbedingt vermieden werden. Niemand, der akut unter Lippenherpes leidet, sollte das Baby küssen oder mit ihm kuscheln. Auf sehr gründliche Handhygiene ist unbedingt zu achten! Lasst euch hier von eurer Ärztin oder eurem Arzt beraten, was ihr genau tun könnt.

Aufgrund des schwachen Immunsystems kann sich das Virus stark und im ganzen Körper ausbreiten und dabei im schlimmsten Fall die inneren Organe und das Zentrale Nervensystem befallen. Ist das Gehirn betroffen, kann es zu einer Herpes-simplex-Enzephalitis kommen, die leider häufig den Tod des Neugeborenen zur Folge hat.

Kann ich trotz Genitalherpes eine vaginale Geburt erleben?

Ganz wichtig: Hier geht es um Genitalherpes, nicht um Lippenherpes! Ein Herpes an der Lippe ist kein Hindernis, dein Baby vaginal zur Welt zu bringen. Ob diese Form der Geburt trotz Genitalherpes-Infektion möglich ist, hängt im Prinzip von zwei Faktoren ab:

  1. Besteht zum Zeitpunkt der Geburt ein akuter Ausbruch von Genitalherpes?
  2. Wann fand die Ansteckung mit dem Virus statt?

Akuter Herpes-Ausbruch zum Zeitpunkt der Geburt

Ist der Herpes-Ausbruch zum Zeitpunkt der Geburt akut, wird in den meisten Fällen zu einem Kaiserschnitt geraten. Zu groß wäre die Gefahr, dass sich das Baby während der Geburt mit dem Virus infiziert.

Tritt er einige Wochen vor der Geburt auf, kann man das Virus ab der 36. Woche mit virushemmenden Medikamenten in Schach halten. Eine vaginale Geburt ist dann oft möglich.

Ansteckung mit Genitalherpes vor der Schwangerschaft

Hast du dich bereits vor der Schwangerschaft mit Genitalherpes angesteckt? Dann hat dein Körper Antikörper gegen das Virus gebildet. Über die Plazenta kommen diese auch zu deinem Baby und bieten einen gewissen Schutz. Eine Übertragung auf das Kind ist dann deutlich seltener zu beobachten. Trotzdem solltest du dich deinem Arzt oder deiner Ärztin anvertrauen.

Ansteckung mit Genitalherpes während der Schwangerschaft

Steckst du dich während deiner Schwangerschaft mit Genitalherpes an, sprich deine Gynäkologin oder deinen Gynäkologen darauf an. Diese können dann vor der Geburt regelmäßig deinen Genitalbereich auf Anzeichen eines Virus-Ausbruchs checken. Sollte zum Zeitpunkt der Geburt kein akuter Ausbruch vorliegen, ist eine vaginale Geburt kein Problem. Andernfalls raten Ärzte und Ärztinnen zum Kaiserschnitt.

Lippenherpes in der Schwangerschaft: Kann ich eine Creme benutzen?

Wenn du schwanger bist und unter akutem Lippenherpes leidest, halte bitte Rücksprache mit deiner Apotheke oder Frauenarzt-Praxis: Nicht jede Herpes-Creme darf von Schwangeren verwendet werden. Informieren kannst du dich auch auf der Embryotox-Website der Berliner Charité.

Quellen:

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