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Wochenbett­depression: Einfühlsame Tipps einer erfahrenen Hebamme und Betroffenen

Wochenbett­depression: Einfühlsame Tipps einer erfahrenen Hebamme und Betroffenen

Erfahrungsbericht

Eine Schwangerschaft oder Geburt ist ein lebensveränderndes Ereignis und die Zeit des Wochenbetts eine große Herausforderung. Manche Frauen erkranken in dieser Phase an einer Wochenbettdepression. Leider wissen viel zu wenige Mütter, dass das absolut keine Seltenheit ist und wie sie sich Hilfe und Entlastung holen können. Das möchten wir ändern! Hebamme Janine Krupp teilt mit uns die Erlebnisse ihrer eigenen Wochenbettzeit und möchte alle werdenden Mütter und Hebammen ermutigen mehr über dieses Tabuthema zu sprechen und einander wahrzunehmen.

Was ist eine Wochenbettdepression?

Es passt einfach nicht in das schöne Bild, das wir von frischgebackenen Müttern haben. Aber erschreckend viele Frauen erkranken an einer ernsthaften Wochenbettdepression. In Deutschland sollen darunter etwa zehn bis 20 Prozent der Mütter leiden. Die Dunkelziffer ist sicherlich höher, denn viele sprechen nicht darüber oder erkennen erst ein Jahr nach dem Wochenbett, dass ihre Depression damit zusammenhängt. Wichtig sind erste Warnsignale, an denen ihr erkennt, dass es euch schlecht geht.

Typische Symptome einer Wochenbettdepression

  • Ängste
  • Panikattacken
  • Aggressionen
  • Herzrasen
  • Schlaflosigkeit
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Weinen
  • Komplette Überforderung trotz großer Liebe zum Kind
  • Sich sinnlos fühlen
  • Nicht mehr aufstehen zu wollen
  • Das Kind nicht mehr gut betreuen zu können

Betroffene Frauen erleben zum Teil eine große Hoffnungslosigkeit, Minderwertigkeits- und Schuldgefühle und manchmal haben sie Schwierigkeiten, ihrem Kind gegenüber Liebe zu empfinden, ähnlich wie bei einer Schwangerschaftsdepression. Doch die wenigsten machen das öffentlich und sprechen darüber, weil es immer noch ein großes Tabuthema ist.

Das will die zweifache Mutter Janine Krupp unbedingt durchbrechen: Die Hebamme mit Schwerpunkt Geburt betreut seit über 13 Jahren selbst Frauen während Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett. Nach ihrer ersten eigenen Schwangerschaft entwickelte sich bei ihr selbst eine große Erschöpfung, daher weiß sie genau, was viele Frauen durchleben. Janine spricht mit uns über diese schwierige Zeit und macht allen Frauen Mut, sich Hilfe zu holen.

Interview: Hebamme Janine über ihre Wochenbettdepression

Du hast als Hebamme selbst eine Wochenbettdepression nach der Geburt deiner ersten Tochter erlebt. Wann wusstest du, dass mit dir etwas nicht stimmt und es sich um eine postpartale Depression handeln könnte?

"Ich war eine dieser Frauen, die sehr gut überspielen können, wie es ihnen wirklich geht: Den Schlafmangel mit Make-Up wegpinseln. Damit hab ich mein inneres Gefühl gut kaschiert und keiner sah mir an, dass es mir nicht gut ging. Was mir besonders gefehlt hat, war die Wertschätzung, die ich als Frau und frischgebackene Mama in der Anfangszeit gebraucht hätte. Selbst von meinem eigenen Partner. Als Hebamme habe ich viel Wertschätzung über meinen Job erfahren und das war dann auch erstmal weg. Wenn alles wegfällt, was dir Halt im Leben gegeben hat, dann fehlt dir der Boden unter den Füßen. Eine Geburt kann eine tiefe Krise auslösen. Auch ich wurde das erste Mal Mutter und habe mir die Frage gestellt, ob ich alles richtig mache und genüge.

Nach drei Monaten ging es dann los. Ich wollte morgens nicht mehr aufwachen. Alles drehte sich nur ums Kind und es gab keine Ressourcen oder Kraftorte mehr, wo ich einfach nur glücklich war. Selbst die Liebe zu ihr überforderte mich und obendrauf all meine Gefühle. Dennoch bin ich mit sechs Monaten wieder langsam in die freiberufliche Hebammentätigkeit gestartet und habe bis zum 8. Monat die ersten Vorgespräche gemacht.

Dann habe ich gemerkt, dass ich viel zu früh wieder mit Arbeiten begonnen habe. Ich sah all die glücklichen Mütter und fühlte mich selbst alles andere als glücklich. Dazu kam dieses Schuldgefühl, dass ich nicht richtig für mein Baby da sein kann. Zwischen den Hausbesuchen bin ich nach Hause gefahren und hab sie gestillt oder hab abgepumpt und bin danach wieder zu den Frauen. Der Hebammenberuf ist halt null planbar.

"Was mich nach der Geburt am meisten gestört hat: Es ging immer nur um meine Tochter, alle Fragen - wie es ihr geht oder ob sie zunimmt - drehten sich um sie. Nur ich als Mutter wurde schlichtweg übersehen. Ich war einfach unsichtbar."

"Ich wusste zu dem Zeitpunkt auch, dass irgendwas nicht stimmt und ich unter einer postpartale Depression leide, aber ich dachte, dass ich ja gut ausgebildet bin und es zu handeln weiß. Nach dem Motto "Das wird sich schon legen!" Dann bin ich aber im Wochenbettbesuch zu Hause bei einer Frau plötzlich ohnmächtig geworden und umgefallen vor Erschöpfung. Da war die Scham ganz groß und gleichzeitig war das der Schlüsselmoment, da ich mir danach therapeutische Hilfe gesucht habe."

HeyWow Mom Hebamme Janine
Janine Krupp lebt und arbeitet als Hebamme mit ihren zwei Kindern in Berlin.

Wann und wo hast du persönlich Hilfe gefunden und welche Tipps hast du für betroffene Frauen?

"So schnell habe ich natürlich erstmal keine Therapeutin gefunden. Es gibt sehr viele Therapeuten und Therapeutinnen, doch kaum eine*r hatte Zeit. Ich habe meine Krankenkasse angerufen und erfahren, dass ich erstmal Absagen sammeln muss, um die Kostenübernahme für eine private Therapie zu bekommen. Sich da durch zu telefonieren, war sehr mühselig und kostete viel Kraft. Letztlich hatte ich dann viel Glück, weil eine private Psychologin noch einen Platz frei hatte und die Kasse die Therapie tatsächlich übernommen hat. Leider immer noch viel zu selten. Viele Hilfsangebote sind kostenintensiv und selbst zu tragen.

Es gibt auch Traumatherapien, die nach einer schwierigen Geburt Geburtstraumata aufarbeiten. Da wünsche ich mir, dass das noch mehr von den Krankenkassen unterstützt wird. Denn im Moment sind das alles Selbstzahlerleistungen, die sich nicht jeder leisten kann – ob Gespräche mit Krisenbegleiter*innen oder Heilpraktiker*innen. Das ist ein ganz großes Problem, dass das Geld entscheidet, welches Hilfsangebot wie möglich ist.

Einen Therapieplatz erst in einem halben Jahr zu bekommen, obwohl es einem akut schlecht geht, ist ziemlich frustrierend. Besonders dann – am liebsten schon früher – sollte sich Frau dann unbedingt Hilfe und Unterstützung bei Eltern und Freunden holen. Und Aufklärung ist da ganz wichtig, damit Familien wissen, wie sie nicht in dieses Loch und in diese Überforderung/Überlastung rutschen. Care-Arbeit und Mental Load MUSS neu gedacht und gelebt werden, damit nicht alles auf den Frauen lastet."

Woher hast du gemerkt, dass das die richtige Therapeutin für dich war? Was macht einen gute*n Therapeut*in aus?

"Dahin zu gehen war erstmal sehr seltsam und eine Überwindung. Zunächst gibt es ja fünf Probestunden zum Kennenlernen und da fand ich meine Psychotherapeutin leider sehr schrecklich. Mir fehlte da etwas Feinfühliges und Warmes und ich mag es, auch mal in den Arm genommen zu werden. Doch sie wirkte eher rational und nüchtern. Erst später stellte sich heraus, dass das eigentlich ganz hilfreich war. Und so konnte ich dann doch eine tolle Verbindung aufbauen. Ich war lange hin und hergerissen, ob sie zu mir passte, gleichzeitig hatte ich auch keine Alternativen. Letztlich war es das Richtige und es schlossen sich mit Unterbrechungen knapp drei Jahre Therapie an.

Es war gut, dass die Therapeutin nicht so war, wie ich dachte, dass sie sein müsste: Wir saßen uns erstmal nur gegenüber, es war viel Schweigen dabei und das erste halbe Jahr war wirklich sehr hart. Wir haben alles aufgearbeitet, woher meine Lebenseinstellung kommt, mein Perfektionismus, mein Elternhaus, Kindheitserlebnisse und Prägungen, auch meinen eigenen Blick auf die Mutterrolle und was ich von mir selbst erwarte. Die Therapeutin hat mich sehr gut gehalten. Ich wünsche jeder betroffenen Mama, dass sie das auch erfährt."

Wenn eine Frau in einer akuten Notsituation keinen Therapieplatz bekommt: Wohin kann sie sich dann wenden und wer könnte dann helfen?

"Ich sehe Hebammen da als erste Vermittlungsstelle, die den Frauen erste Hilfe bieten können. Wir können Empfehlungen aussprechen oder weitere Angebote aufzeigen. Es gibt auch große Vereine wie „Schatten und Licht“, an die Frauen sich wenden können oder den Rückhalt e.V. Dort kann man nach Therapeut*innen suchen. Darüber hinaus gibt es auch zahlreiche Onlineangebote und digitale Sprechstunden.

Ich würde mich ansonsten an die Krankenkasse wenden oder auch an die Gynäkologen, auch wenn diese sicherlich nicht immer die feinsten Antennen haben. Manche haben auch Psychotherapeuten und -therapeutinnen im eigenen Kooperationsnetzwerk, die sie empfehlen können. Auch in der Hausarztpraxis könnt ihr um Hilfe bitten. Einige (Geburts)-Kliniken haben spezielle Notfallstellen oder Ambulanzen für Mütter nach der Geburt. Diese anstrengende Recherche sollte im Idealfall natürlich nicht die Betroffene übernehmen müssen, sondern jemand anders, um es ihr zu erleichtern."

"Auch das Hilfetelefon ”schwierige Geburt” ist eine ganz tolle Institution, wo Mütter oder auch Väter anrufen können, die emotional damit zu kämpfen haben. Auch Väter dürfen ihre Gefühle ernst nehmen und darüber sprechen. Denn auch Väter können im Wochenbett oder in ihrer Vaterschaft leiden."

Du hast mir erzählt, dass du durch dein eigenes Erlebnis der Wochenbettdepression viel sensibler auf die Frauen im Wochenbett schaust. Leider hat nicht jede Hebamme so viel Zeit, eine Frau so intensiv betreuen zu können. Was müsste sich deiner Meinung dahingehend ändern?

"Für mich hat sich der Blick dadurch komplett auf die Mutter während dieser ganzen Zeit – von Schwangerschaft bis Ende Betreuungszeitraum – geschärft. Das ist noch nicht bei jeder Hebamme der Fall. Wenn sich Frau und Hebamme erst kurz vor der Geburt kennenlernen, kann sich natürlich noch kein Vertrauensverhältnis aufbauen. Es braucht auch Zeit, zu erkennen, ob eine Frau im normalen Babyblues ist oder sich schon eine Depression entwickelt oder sich bereits in der Schwangerschaft was abzeichnet. Viele Hebammen haben diese Zeit leider nicht. Nicht weil sie es nicht möchten, sondern die Arbeitsbedingungen es schlicht nicht ermöglichen.

Es ist wichtig, dass Frauen ein Vertrauensverhältnis zu ihrer Hebamme aufbauen, um offen und geschützt über ihre Sorgen/Gefühle reden zu können. Damit es bei den Besuchen dann vielleicht dann aus Zeitmangel nur um das Baby geht.

Da appelliere ich an alle Kolleginnen sich von Anbeginn des Kennenlernens in der Schwangerschaft so oft es geht zu treffen und offen darüber zu sprechen. Diese Leistungen in der Schwangerschaft können wir abrechnen und werden auch recht gut vergütet. Doch leider kriegen wir Hebammen eine ganz minimale Wochenbettpauschale, so dass unsere Besuche nach der Geburt sich auf Wunsch der Krankenkassen auf ein Minimum beschränken sollten. Wir werden für maximal 30 Minuten bezahlt – da ist kaum Zeit für tiefere Gespräche.

"Im Katalog der Leistungen ist nur erfasst „den Gesundheits- und Vitalzustand von Mutter und Kind“ zu überprüfen. Was das ganze Psychosoziale angeht, eventuelle Stillschwierigkeiten zu begleiten oder sich ein intensiveres Bild der Eltern-Kind-Bindung zu machen, sprengt den Zeitrahmen. Daher kämpfen wir dafür, dass diese Pauschale aufgehoben und endlich nach tatsächlichem nach Zeitumfang bezahlt wird."

Ich würde mir einfach wünschen, dass Wochenbettdepressionen kein Tabuthema sind. Es müsste schon in Geburtsvorbereitungskursen viel intensiver besprochen werden und die Frauen viel besser darauf vorbereitet werden, was auf sie zukommen kann. Ich setze mich beispielsweise mindestens 1,5 Stunden mit der Schwangeren hin und bespreche, was sie z.B. im Wochenbett erwartet und dass viele Frauen da an ihre Grenzen kommen und es völlig okay ist, sich überfordert zu fühlen. Das geht ja schon mit dem Schlafmangel los. Dann schaue ich, dass da im Vorfeld schon ein unterstützendes Netzwerk etabliert wird, sodass sie dann in dieser besonderen Situation Ruhe haben und umsorgt werden können. Das braucht auch viel familiäres Verständnis und Vorabsprachen."

Partner und Partnerin sind ja häufig die ersten, die merken, dass es der frischgebackenen Mutter nicht gut geht. Wie sollten sie sich im Wochenbett dann verhalten?

"Der Partner oder die Partnerin und eigentlich alle Vertraute der frischgebackenen Mutter sollten sensibel dafür sein, wie es ihr geht. Es ist wichtig, die Gefühlslage der Mama zu sehen und nicht nur das Baby. Leider ist es so, dass oftmals viel zu früh nach der Geburt der Partner oder die Partnerin arbeiten gehen (müssen). Sie haben oftmals nicht regulär die Zeit, vier Wochen nach der Geburt daheim zu bleiben und im Wochenbett zu unterstützen. Es wäre wichtig, dass die Arbeitgeber da mitmachen und diese Zeit dafür freigeben. Auch bei Alleinerziehenden ist es extrem wichtig kurz nach der Geburt von engen Vertrauten unterstützt zu werden oder von außen Unterstützung zu bekommen, beispielsweise durch Mütterpflegerinnen oder Haushaltshilfen."

familie

Über Janine Krupp

Janine begleitet seit über 13 Jahren als ausgebildete Hebamme und Krisenbegleiterin Frauen in der Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett in Berlin. Außerdem ist sie Mitgründerin des Start-ups Hey Wow Mom, das Produkte rund um die Geburt, das Stillen und das Wochenbett vertreibt und Frauen über diese besondere Phase aufklärt. Sie lebt mit ihren zwei Kindern in Berlin.

Warum kommt es zu Wochenbettdepressionen?

Warum die eine Frau erkrankt und die andere nicht, ist noch nicht endgültig geklärt. Jede Untersuchung bringt etwas Neues, die Ergebnisse sind teilweise widersprüchlich. Als mögliche Ursachen für eine postnatale Depression können gelten:

  • Schwangerschaftsprobleme
  • Trauma durch eine schwere Geburt
  • Probleme mit dem Baby
  • Zu niedriger Hämoglobinwert
  • Schilddrüsendysfunktio
  • Schwierige Familiensituation
  • Veranlagung für depressive Erkrankungen
  • uvm.

Doch Expert*innen gehen davon aus, dass in der Regel mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, damit die Krankheit ausbricht. Befördert wird eine Wochenbettdepression auch durch die unausgesprochene Abschaffung des Wochenbettes, durch Perfektionismus, der nicht erfüllt werden kann, und durch falsche Vorbilder, die suggerieren, Schwangerschaft und Geburt gingen völlig spurlos an einer Frau vorbei. Dazu tragen auch die teils perfekt wirkenden Bilder, die Mütter kurz nach der Geburt auf Instagram und Co. teilen bei. Selten spricht man über die anstrengenden Zeiten, sondern präsentiert sich meist voller Glück mit dem Neugeborenen. Doch wie der Alltag wirklich aussieht, sieht keine*r.

Die große Traurigkeit nach der Geburt wird oft nicht ernst genug genommen. „Die Situation der Frau wird verharmlost, weil die Depressionen mit den hormonell bedingten Heultagen, die nach kurzer Zeit vorüber sind, verwechselt werden“, sagt die Hamburger Psychologin Veronika Windsor-Oettel, die seit Jahren zu diesem Thema forscht und nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst eine Erschöpfung durchlebte.

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Vom Babyblues zur Diagnose postpartale Depression

Die Diagnose einer Wochenbettdepression erfolgt über einen standardisierten Fragebogen, den sogenannten „Edinburgh Postpartum Depression Scale“. Dafür müssen betroffene Mütter zehn Fragen zu ihrem momentanen seelischen Wohlbefinden beantworten. Auch Janine merkt an, dass sie diesen Fragebogen zunächst mit den Frauen durchgeht, bei denen sie Verdacht auf Erschöpfung hat.

Allerdings klammert der Fragebogen körperliche Symptome aus, die nach der Geburt häufig vorkommen. Etwa: Müdigkeit, Schlafstörungen oder Reizbarkeit. Der Test zielt darauf ab, den harmlosen Babyblues von einer echten Depression unterscheiden zu können. Hier hilft es natürlich, wenn man schon eine erfahrene Hebamme und Krisenbegleiterin an der Seite hat, die auch erste Tipps gibt, wie man jetzt die richtige Hilfe bekommt.

Eine erste Einschätzung für sich selbst, kann auch unser Test sein. Er ersetzt jedoch keine ärztliche Fachdiagnose:

Wochenbettdepression: Ein Test zur Selbsteinschätzung

Behandlung bei Wochenbettdepression

Wochenbettdepressionen werden in der Regel medikamentös mit Psychopharmaka behandelt, aber auch auf homöopathischer Basis. Normalerweise ist es auch möglich, während der Therapie sein Baby zu stillen. Die Vorsitzende der bundesweiten Selbsthilfeorganisation Schatten-und-Licht e.V. Surholt betont: „Es hat sich als sinnvoll erwiesen, parallel zur medikamentösen Behandlung auch Körpertherapien wie etwa Shiatsu in Anspruch zu nehmen und sich gemeinsam mit einer Psychologin auf die Suche nach den Ursachen der Depression zu machen.“

Ein Großteil der betroffenen Frauen kann ambulant behandelt werden. Nur wenige Frauen müssen stationär betreut werden, meist durchschnittlich vier bis sechs Wochen.
Die erwähnte Selbsthilfeorganisation Schatten-und-Licht e.V. kann bei den ersten Schritten helfen: „Wir dienen häufig als erste Anlaufstelle und können die Frauen bzw. die Angehörigen über Behandlungsmöglichkeiten informieren und die Adressen von guten Fachleuten, Medizinern und Therapeuten sowie von regionalen Selbsthilfegruppen weitergeben“, sagt Sabine Surholt.

"Die Angst, es könnte nie vorbeigehen, ist neben der Sorge um das Kind und dem Gefühl, eine schlechte Mutter zu sein, die größte Befürchtung, die von Wochenbett-Depressionen betroffene Frauen haben."

Sabine Surholt, Schatten und Licht e.V.

Zum Glück sind die Heilungschancen sehr gut. Schon eine Gesprächstherapie kann der Frau wieder Boden unter den Füße geben und ihr zeigen, dass sie gesehen und wahrgenommen wird.

Was können Angehörige tun?

In jedem Fall ist es wichtig, eine erschöpfte Frau im Wochenbett nicht zu verurteilen! Auch Druck auszuüben, bringt gar nichts. Deshalb sollten Angehörige und Freunde (gut gemeinte) Tipps wie „Das wird schon wieder“ oder gar Ratschläge wie „Reiß dich doch zusammen“ vermeiden. Das ist eine Verharmlosung der Situation, die dazu führt, dass sich die Frau noch elender fühlt. Auch mit einem Besuch im Wochenbett sollte man die Mutter nicht bedrängen, es sei denn, sie wünscht ihn sich und fragt z.B. nach konkreten Dingen, die sie jetzt gebrauchen könnte.

Wichtig ist jetzt, dass Partner oder Partnerin, Freunde und Verwandte anerkennen, dass Wochenbettdepressionen keine Laune sind, sondern eine ernst zu nehmende Erkrankung. Deshalb lautet der Rat der Experten: „Seien Sie geduldig. Bieten Sie Ihre Hilfe an, wo es nur geht, entlasten Sie die frischgebackene Mutter bei der Versorgung des Babys. Machen Sie sich über postpartale Depressionen kundig. Und haben Sie den Mut, der jungen Mutter nahezulegen, professionelle Hilfe anzunehmen." Wirklich keine muss sich dafür schämen mit dieser lebensverändernden Situation überfordert zu sein.

Kontaktadressen und Anlaufstellen im Überblick

Hier möchten wir euch noch einmal alle erwähnten Anlaufstellen, Adressen und Telefonnummer auflisten. Als Angehörige möchten wir euch ermutigen für eure Familie da zu sein und gemeinsam nach professioneller Hilfe zu suchen. Selbst ein erster Anruf kann schon Wunder wirken. Leider ist es nicht so leicht, direkt einen Therapieplatz zu bekommen, aber ihr helft den Müttern auf jeden Fall, wenn ihr sie bei der Recherche- und ersten Kontaktaufnahmen unterstützt.

Unser Video zeigt, was im Wochenbett alles passieren kann, weil der Körper im Ausnahme zustand ist und sich erstmal regenerieren muss:

Bildquelle: Gettyimages/globalmoments

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