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Auch bei Depressionen: Wie du als Mann deine Frau im Wochenbett unterstützen kannst

© Getty Images/StefaNikolic
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Die Zeit direkt nach der Geburt eines Babys ist eine ganz besonders sensible für eine Mutter. Jede Frau geht es mit ihrem Körper und dem Säugling anders. Nicht immer ist alles nur schön, sondern vieles ist auch verdammt anstrengend. Als Vater oder Partnerin fragst du dich sicherlich, wie du die Mutter deines Babys jetzt am sinnvollsten begleiten kannst. Vor allem wenn du merkst, dass sie überfordert ist und jetzt schnell Hilfe braucht.

Was sich die frisch gebackene Mutter jetzt wünscht

Du möchtest dich perfekt auf die Zeit nach der Geburt eures Babys vorbereiten? Es ist schon mal super hilfreich, dass du weißt, dass jetzt alles anders wird in eurem Alltag. Was ich dir leider nicht versprechen kann: Das es genau so wird, wie du es dir vorstellst oder dass es ein Schema F gibt, wie jedes Wochenbett wird. Ich könnte dir jetzt erzählen, wie es bei mir war und wie es bei meinen Freundinnen war und dann wird es bei euch vollkommen anders werden. Nimm diese Ratschläge daher einfach als kleine Anhaltspunkte, was kommen kann und bleib offen für alles, was möglich ist.

Beim ersten Baby

Wenn deine Frau ihr Wochenbett zum ersten Mal erlebt, ist alles neu für sie. Je nachdem ob ihre Entbindung recht einfach und gut verlief (das gibt es) oder sehr kompliziert und besonders schmerzhaft war (ebenso häufig) oder irgendwas dazwischen: Nach der Geburt muss sie sich ausruhen und sich von den Erlebnissen erholen. Sie braucht ihre Zeit und wird sehr viel gemeinsam mit dem Baby liegen.

Wie schnell sie sich erholt, wird sie dir zeigen, doch sei aufmerksam und frage sie, was sie sich wünscht und was ihr vielleicht fehlt. Wichtig ist, dass sich nicht alles nur um das Baby drehen sollte, sondern du die Bedürfnisse der Mama ebenfalls siehst!

Wenn schon ein Geschwisterchen da ist

Beim zweiten Kind kann die Geburt recht ähnlich verlaufen, aber es ist auch sehr wahrscheinlich, dass alles vollkommen anders wird. Vielleicht hatte sie jetzt einen Kaiserschnitt oder die Geburt verlief eher traumatisch. Vor allem ist jetzt schon ein Kind da, was ebenfalls eure Liebe und Aufmerksamkeit braucht. Diese kann die Mama dem älteren Kind in den ersten Tagen natürlich nicht genauso geben, weil sie sich auf den Säugling konzentriert und diesen versorgen und kennen lernen muss.

Daher ist es an dir als Vater, für das ältere Kind da zu sein, das Haus oder die Wohnung einigermaßen in Schuss zu halten und ihr soweit den Rücken freizuhalten, dass sie sich auf die Heilung ihres Körpers und den Neuankömmling konzentrieren kann. Und natürlich auch idealer Weise auf sich selbst.

9 Tipps für Väter von Hebamme Janine

Puh, denkst du jetzt vielleicht. Das klingt nach sehr viel Arbeit. Ja genau, das ist es auch. So eine Geburt ist das unabwägbarste Ereignis, was einer Frau im Leben passieren kann und es verändert sie und hebt das Leben aus den Angeln.

Auch wenn du als Vater nie wirklich nacherleben kannst, was es bedeutet ein Baby zur Welt zu bringen. Das heißt nicht, dass du außen vor bist und das alles nichts mit dir zu tun hat. Denn du bist jetzt der wichtigste Haltepunkt für deine Partnerin und kannst sie entlasten. Das sagt auch Hebamme und Wochenbettbegleiterin Janine Krupp, die aus eigener Erfahrung weiß, wie wichtig der Partner einer Frau in dieser Zeit ist:

"Was Frauen vor allem im Wochenbett brauchen, sind Verständnis, Wertschätzung, Anerkennung und Unterstützung sowie Bestärkung - und das idealerweise von ihrem Liebsten. Häufigste Ursache einer Wochenbettdepression ist vor allem die Überlastung durch all die neuen Aufgaben, die ein Baby so mit sich bringt. Dazu noch der Schlafmangel und die ständige Fremdbestimmung."

Hebamme Janine Krupp

Janine hat neun konkrete Tipps für dich als Vater, die du im Wochenbett beherzigen kannst. Sie gelten für alle Väter, aber insbesondere für jene, deren Partnerin augenscheinlich mehr als überfordert ist und obige depressive Anzeichen zeigt.

#1 Nimm dir Zeit!

Das Wochenbett kann bis zu acht Wochen nach der Geburt andauern. Das ist bei jeder Frau sehr individuell. Je nachdem, wie gut ihre eventuellen Geburtsverletzungen oder Kaiserschnittnarbe verheilen, wann der Wochenfluss endet und wie gut sie sich regeneriert und die Rückbildung beginnen kann. Janine empfiehlt Vätern, wenigstens drei bis vier Wochen nach der Geburt frei zu nehmen bzw. ihren Elternzeitanteil auf diese Zeit zu legen. Gern auch mehr, wenn das beruflich möglich ist.

#2 Sei achtsam!

Janine hat hier nur eine Bitte: "Sei wachsam und achtsam mit deiner Partnerin. Diese besondere Zeit braucht besondere Aufmerksamkeit, z.B. Ruhe und Einfühlungsvermögen. Höre ihr zu. Ermutige sie."

#3 Vermeide Stress!

Ganz wichtig ist, dass du merkst, was wann deiner Partnerin zu viel wird. Sie möchte nach ein paar Tagen unbedingt einen Spaziergang alleine machen? Dann nimm du das Baby und lass sie mal gehen. Sie will einfach nur schlafen und keinen Menschen sehen (auch ihre Mutter oder Schwiegermutter nicht)? Dann nimm das ernst und sag alle Besuchstermine ab. Sie wird es dir selber sagen, wenn sie unbedingt jemanden sehen möchte und bereit dafür ist.

#4 Sei proaktiv und bring dich ein!

"Sei proaktiv in der Carearbeit und präsent. Bring dich als geleichberechtigten Elternteil ein und übernehme Aufgaben und Verantwortung- von Anfang an. Dazu gehört das (Mit-)Versorgen des Babys, die Betreuung von einem oder mehreren Geschwisterkindern, der Haushalt und all die Tätigkeiten drum herum. Auch die Kenntnis über den sog. Mental Load ist hilfreich und wie er sich gut aufteilen lässt."

#5 Verwöhne sie!

Janine sagt: "Besondere Annehmlichkeiten für sie sind Balsam für die Seele". Das heißt nicht, dass du das große Wellnessprogramm auffahren musst. Manchmal reicht es schon, wenn du das Baby mal eine oder zwei Stunden nimmst und sie ein Bad nehmen und/oder schlafen kann. Frag sie einfach direkt, was ihr jetzt gut tut.

#6 Holt euch externe Unterstützung!

Ein wichtiger Tipp von Janine: "Bitte um Hilfe durch Familie oder Freunde oder suche andere Unterstützungsmöglichkeiten, wenn es deine Kapazitäten nicht zulassen, den Haushalt alleine zu schaffen." Natürlich musst du das mit ihr absprechen, ob sie einverstanden ist. Es ist jedoch keine Schande, wenn ihr um Hilfe bittet oder jemanden dafür bezahlt, dass er beim Putzen hilft oder mit dem Hund rausgeht. All das entlastet euch!

#7 Begleite sie zu Arztterminen!

"Begleite sie ggf. zu Arztterminen oder auch zu psychotherapeutischen Terminen, sofern das möglich ist. Das stärkt auch dich." Dazu zählt auch, dass du ihr bei der Suche nach geeigneter therapeutischer Hilfe zur Seite stehst, Adressen recherchierst, das Telefon zur Hand nimmst etc. Denn das kann sehr langwierig und anstrengend sein. Dazu wird sie wahrscheinlich nicht die Kraft haben.

#8 Hol dir bei Bedarf auch selber Hilfe!

Janine appelliert an dich: "Du darfst dir selbst Hilfe holen - denn der Umgang mit der Depression deiner Partnerin kann sehr herausfordernd sein. Achte auf deine mentalen Kräfte und sorge auch für dich." Auch für dich ist das alles neu und es ist vollkommen verständlich, wenn auch du erschöpft und überfordert von all dem Neuen im Alltag mit Neugeborenem bist. Sprich mit ihr darüber, wie es dir geht und scheu dich nicht, dir auch Hilfe zu holen bzw. dich mit engen Vertrauten darüber auszusprechen.

#9 Hab Geduld!

Das Wochenbett ist irgendwann vorbei und der Alltag mit dem Baby kehrt ein. Doch das gilt nicht für die Depression: "Die postpartale Depression endet nicht mit dem Wochenbett oder tritt später auf – all die oben genannten Tipps gelten auch darüber hinaus für eure gesamte Elternschaft. Eventuell ist es sogar notwendig, deine Arbeitszeit temporär zu reduzieren. Bleib offen dafür. Eine Depression sucht sich niemand aus. Es ist eine schwere Krankheit, die Zeit für Genesung."

Woran du eine Wochenbettdepression erkennst

Nicht jede Frau kommt gleich gut mit einer Geburt und all den Veränderungen zurecht. Bei manchen entwickelt sich eine postpartale Depression. Manchmal kann man die ersten Anzeichen schon vor der Geburt erkennen, manchmal aber auch erst Monate später. Es kann von heute auf morgen ein Zusammenbruch kommen, mit dem man nicht rechnet oder es ist ein schleichender Prozess, der zu einer chronischen Erschöpfung führen kann.

Erfahrene Hebammen und Psychologinnen sagen, dass sich eine solche Depression nie von heute auf morgen entwickelt, aber sie kann sich auch erst später zeigen. Daher solltest du auf frühe Anzeichen achten. Du kennst deine Frau am besten: Hast du den Eindruck, sie spielt dir nur vor, dass es ihr super geht? Oder ist wirklich alles in Ordnung?

Ernste Anzeichen einer Depression sind:

  • Ängste, Panikattacken, Herzrasen
  • Nicht mehr aufstehen wollen
  • Komplette Überforderung mit einfachsten Alltagsabläufen
  • Chronische Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Negative Äußerungen, Gedanken und das Gefühl, sinnlos zu sein
  • Nicht in der Lage zu sein, das Baby zu versorgen

Es ist wichtig, dass ihr sehr ehrlich, offen und ohne Scham und Schuldzuweisung darüber redet. Denn eine Frau ist nach der Geburt hormonell noch so durcheinander und spürt leider von außen oft den Druck, perfekt funktionieren zu müssen, um das Baby möglichst am besten zu versorgen. Nimm ihr diesen Druck von Anfang an, zeige ihr, dass sie alle der Zeit der Welt hat, zu heilen und dass sie dir ganz ehrlich sagen kann, wie sie sich fühlt und was ihr alles zu viel ist. Gemeinsam könnt ihr besser und rechtzeitig eine Lösung finden, bevor es vielleicht zum Zusammenbruch kommt.

Manchmal ist es gar nicht leicht, einzuschätzen, dass jemand ernsthafte psychische Probleme hat und therapeutische Hilfe braucht. Vor allem im Wochenbett kann jede Frau mal das ein oder andere genannte Anzeichen von Erschöpfung zeigen. Wenn dies jedoch über Wochen oder Monate andauern sollte, müsst ihr gemeinsam handeln und nach Hilfe suchen. Weitere Details, wie sich eine Wochenbettdepression zeigen kann, könnt ihr im ehrlichen Erfahrungsbericht von Hebamme Janine nachlesen. Sie litt selbst an einer postpartalen Depression nach der Geburt ihrer Tochter und kennt daher beide Seiten. Außerdem findet ihr darin viele Tipps für die Suche nach geeigneten Therapeuten und weiterführende Links zum Thema Depression.

Als erste Einschätzung könnt ihr eurer Partnerin folgende Fragen stellen. Der Test basiert auf der fachlich anerkannten Edinburgh-Postnatal-Depressions-Skala, ersetzt jedoch keine medizinische Diagnose:

Wochenbettdepression: Ein Test zur Selbsteinschätzung

Väter-No Gos: Was jetzt weniger hilfreich ist

Jetzt bist du vielleicht ein wenig sensibilisiert, was alles auf dich zukommen kann. Hast du jetzt eine Idee, wie du deiner Partnerin helfen kannst? Letztlich kennst du sie mit am besten und solltest einfach weiterhin aufmerksam sein, dann wird sich alles finden. Am Schluss möchte ich dir noch ein paar Dinge mitgeben, die die meisten Frauen im Wochenbett gar nicht nützlich finden. Dazu hab ich mal in der Redaktion gesammelt. Denk einfach mal darüber nach, warum wir das Folgende als No-Go sehen ;)

  • Besuch einladen, weil DU unbedingt stolz das Baby zeigen willst, obwohl sie noch gar nicht bereit dazu ist.
  • Annehmen, dass alles einfach so weiter läuft wie vorher.
  • Erwarten, dass die Frau nach der Geburt schnell wieder Lust auf Sex haben wird. (Das kann individuell so sein, aber ist nicht erwartbar.)
  • Nicht respektieren, dass man auch mal einfach schlafen will oder seine Ruhe haben mag.
  • Denken, dass die Frau genau wissen muss, wie man ein Baby stillt oder zum Schlafen bekommt, nur weil sie es geboren hat.
  • Gut gemeinte Tipps in Sachen Stillen oder Beruhigen geben, wenn die Mama bereits alles versucht hat oder es halt einfach nicht klappt.
  • Verlangen, dass die Frau weiterhin die Versorgerin für die Familie spielt, weil du sonst nie gekocht und eingekauft hast.
  • Hilfsmittel fürs Baby, die Pflege oder das Füttern oder Stillen kaufen, ohne das mit der Mutter kurz abzusprechen, was sie davon hält.
  • Zu Erwarten, dass die Mutter ihr Baby 24/7 nur bei sich haben möchte, und sich damit aus der Verantwortung zu ziehen, ihr das Baby auch mal abzunehmen.

Habt ihr die Geburt eures Babys noch vor euch? Dann interessiert euch vielleicht, wie andere Väter den Kreißsaal und ihre Frauen dabei erlebt haben:

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