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Das HELLP-Syndrom: Eine ernstzunehmende Schwangerschafts­komplikation

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Das HELLP-Syndrom: Eine ernstzunehmende Schwangerschafts­komplikation

Es gibt Erkrankungen, die für Mutter und Kind während der Schwangerschaft richtig böse Folgen haben können. Eine davon ist das HELLP-Syndrom. In westlichen Ländern gilt das Syndrom als die häufigste Ursache der Müttersterblichkeit. Deshalb ist es umso wichtiger zu wissen, mit welchen Symptomen sich das Syndrom bemerkbar macht und was dann zu tun ist.

Eine Schwangerschaft geht oft mit so einigen großen und kleinen Zipperlein einher. Leider können manche der üblichen Schwangerschaftsbeschwerden auch auf eine ziemlich ernste Erkrankung hindeuten: auf das HELLP-Syndrom. Dieses zählt zu den schwersten schwangerschaftsbedingten Erkrankungen und kann für Mutter und Kind lebensgefährlich sein.

Was ist das HELLP-Syndrom?

HELLP zeigt sich meist erst im letzten Schwangerschaftsdrittel. Der Name HELLP ist eine Zusammensetzung folgender Abkürzungen:

H – Hämolysis: Blutzerfall

EL – Elevated Liverenzymes: erhöhte Leberwerte

LP – Low Platelet count: niedrige Thrombozytenzahlen

Der Wert der Thrombozyten, die für die Blutgewinnung verantwortlich sind, fällt dabei auf unter 100.000 pro Mikroliter Blut.

Durch eine Störung der Nieren lässt sich häufig Eiweiß im Urin nachweisen und durch eine hypertensive Störung kommt es in vielen Fällen zu einem erhöhten Blutdruck. Doch nicht alle Frauen, die am HELLP-Syndrom erkranken, zeigen auch diese Symptomatik. Fünf bis 15 Prozent der erkrankten Frauen weisen zwar das typische Blutbild auf, entwickeln aber keine Proteinurie.

Symptome des HELLP-Syndrom: Woran erkenne ich die Erkrankung? 

Das HELLP-Syndrom lässt sich nicht einfach diagnostizieren – schon gar nicht selbst. Um einen finalen Befund zu bekommen, ist immer ein Bluttest notwendig. Folgende Symptome und Beschwerden machen sich meist bemerkbar (nicht immer alle oder alle  gleichzeitig):

Wichtiger Hinweis: Oft ähneln die Symptome einer Magen-Darm-Grippe, sollten aber auf jeden Fall abgeklärt werden – vor allem, wenn bei dir bereits eine hypertensive Erkrankung (beispielsweise Bluthochdruck) vorliegt. Eine endgültige Diagnose kann nur durch eine Überprüfung der Blut- und Leberwerte sowie der Thrombozyten-Anzahl gestellt werden.

Achtung: Oft entwickelt sich das HELLP-Syndrom innerhalb weniger Stunden, sodass es innerhalb kürzester Zeit zu extremen Verschlechterungen kommen kann. Deshalb ist es wichtig, dass du zeitnah einen Arzt kontaktierst, wenn du mehrere der oben aufgeführten Symptome an dir bemerkst (und dich im letzten Schwangerschaftsdrittel befindest).

Was ist der Unterschied zwischen dem HELLP-Syndrom und Präeklampsie?

Früher galt das HELLP-Syndrom als eine schwere Komplikation der Präeklampsie. Heute weiß man aber, dass es auch ohne vorherige Präeklampsie-Erkrankung auftreten kann. Bei beiden Schwangerschaftskomplikationen gehen häufig mit Bluthochdruck und Eiweiß im Urin einher. Deshalb brachte man die Präeklampsie und das HELLP-Syndrom lange miteinander in Verbindung.  Aber nur bei etwa vier bis zwölf Prozent aller Schwangeren, die an schwerer Präeklampsie leiden, entwickelt sich auch das HELLP-Syndrom.

 

Wie oft kommt es zum HELLP-Syndrom?

Das HELLP-Syndrom kommt bei 0,2 bis 0,85 Prozent aller Schwangerschaften vor. Oft, aber nicht immer in Verbindung mit einer Präeklampsie.

Wie gefährlich ist das HELLP-Syndrom für die Mutter?

Wenn die Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt wird, können eine Leberruptur, eine Gehirnblutung, akutes Nierenversagen oder eine vorzeitige Ablösung der Plazenta drohen. Deshalb ist es so unglaublich wichtig, bei ersten Symptomen sofort einen Arzt zu kontaktieren und nicht zu lange abzuwarten.

Wie gefährlich ist das HELLP-Syndrom für das Baby?

Wenn es im schlimmsten Falle unter dem HELLP-Syndrom zu einer Plazentaablösung kommt, bedeutet das Lebensgefahr für dein Baby. Je nach Studie liegt das Sterblichkeitsrisiko für das Ungeborene beim HELLP-Syndrom zwischen 10 und 40 Prozent.

Was sind die Ursachen für das HELLP-Syndrom?

Die genauen Ursachen des HELLP-Syndroms sind noch nicht erforscht. Die Risikofaktoren sind ähnlich der einer Präeklampsie:

  • Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder angeborene Gerinnungsstörungen
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Übergewicht
  • Eine zuvor durchgemachte Hepatitis-Erkrankung
  • Neigung zu Thrombosen
  • Höheres Alter der Mutter (das Risiko steigt ab 25 Jahren)
  • Künstliche Befruchtung (erhöht das Risiko, durch die Einflußnahme auf den Hormonspiegel während der Behandlung)

Wie wird das HELLP-Syndrom behandelt?

Treten die oben genannten Symptome auf, ist wichtig rasch zu handeln. Die Therapie hängt davon ab, wie weit die Schwangerschaft schon fortgeschritten ist und wie schwer die Ausprägung des HELLP-Syndroms ist. Bis zur 32. SSW wird versucht, die Entbindung so lange wie möglich hinausgezögern, damit sich die Lungen des Babys noch weiter entwickeln können. In der Zwischenzeit sollen Medikamente Blutdruck und Blutgerinnung der Mutter normalisieren.

Ab der 32. bis 34. SSW wird meist die Geburt eingeleitet – vor allem, wenn sich die Symptome des HELLP-Syndroms trotz Medikamenten noch verschlimmern.

Die Entbindung unterbricht den Verlauf des HELLP-Syndroms nicht. Es dauert ungefähr drei bis vier Tage, bis sich die Werte wieder normalisieren.

Häufig zeigen sich auch nach Abklingen der Erkrankung noch lange Zeit Störungen im Kurzzeitgedächtnis. Psychologen führen dies auf Auswirkungen einer posttraumatischen Belastungsstörung zurück. Eine fachübergreifende Nachbetreuung ist deswegen auch nach Schwangerschaft und Wochenbett noch wichtig.

Kann man dem HELLP-Syndrom vorbeugen?

Wer regelmäßig zu den geplanten Vorsorgeuntersuchungen geht, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein möglichen HELLP-Syndrom schnell erkannt wird. Auch wenn du selbst nur den Hauch eines Verdachts hast, sprich sofort deine Hebamme oder Gynäkologin darauf an.

Außerdem können folgende Tipps das Risiko für Komplikationen wie das HELLP-Syndrom in der Schwangerschaft minimieren:

  • Gesunde, ausgewogene Ernährung, um mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt zu sein
  • Wenig Stress, um den Hormonhaushalt nicht unnötig zu belasten
  • Kontrolle des Blutdrucks, denn zu hoher Blutdruck begünstigt das HELLP-Syndrom. Mit Hilfe von blutdrucksenkenden Medikamenten kann das Risiko gesenkt werden.

Wie hoch ist das Wiederholungsrisiko beim HELLP-Syndrom?

Angst vor einer weiteren Schwangerschaft brauchen Frauen, die schon einmal am HELLP-Syndrom erkrankt sind, nicht haben. Denn die Gefahr der Wiederholung ist mit zwei bis fünf Prozent sehr gering.

Bist du bereit für ein weiteres Kind?
Bildquelle: Getty Images/ Blue Planet Studio

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