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Frühchen: Entwicklung und Chancen frühgeborener Babys

Frühchen: Entwicklung und Chancen frühgeborener Babys

Alle Statistiken

Kommen Babys vor der 37. SSW (37+0) auf die Welt, werden sie als Frühchen bezeichnet. Die meisten Frühgeburten sind ungeplant, zum Glück enden sie häufig trotzdem mit einem gesunden Baby. Und dank großen Fortschritten in der perinatalen Medizin haben auch Kinder, die sehr früh geboren werden, immer bessere Überlebenschancen mit geringeren Spätfolgen. Wir haben alle wichtigen Statistiken zu Frühchen und ihrer Entwicklung für euch.

Das wichtigste: Ihr seid nicht allein! Weltweit werden jedes Jahr 15 Millionen Frühchen geboren, in Deutschland sind es etwa 63.000. Über 70 % von ihnen kommen nach SSW 34 auf die Welt und sind so weit entwickelt, dass keine medizinischen Folgen wahrscheinlich und kaum Behandlungen nötig sind. Wie gesunde, voll ausgetragene Babys dürfen sie oft direkt mit ihren Eltern nach Hause und können im Wochenbett mithilfe einer Hebamme oder Kinderkrankenschwester betreut werden. Je früher ein Baby geboren wird, desto wahrscheinlicher sind Risiken und Folgeerkrankungen, deren Wahrscheinlichkeit sich mit einem niedrigen Gewicht weiter erhöht. In vielen Fällen kann eine intensivmedizinische Betreuung auf der Frühchenstation gute Chancen für ein gesundes Leben geben.

Frühgeburt: Auslöser, Risiken und Erkennung

Wohl die meisten Eltern fiebern dem Termin entgegen, ab dem ihr Baby im Falle einer Frühgeburt auch außerhalb des Mutterleibs überlebensfähig ist. Nicht selten machen wir uns wegen vorzeitigen Wehen, Blutungen und Stress in der Schwangerschaft viele Gedanken. Ab 36+6, also der Geburt am Ende der 36. Schwangerschaftswoche oder eher spricht man von einer Frühgeburt, ab 37+0 also nicht mehr.

Eine engmaschige Vorsorge bei der Frauenärztin ist der beste Schritt, eine Frühgeburt zu verhindern. Und dennoch kommen die meisten Frühgeburten ganz plötzlich: 80 % von ihnen passieren spontan, das heißt ohne geplantem Kaiserschnitt oder vorherige Geburtsanzeichen. Der Auslöser einer Frühgeburt ist laut WHO meist unklar. Es ist nicht sicher, ob ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, einzelne Auslöser oder spontane Einflüsse eine Frühgeburt in Gang setzen können.

Faktoren, die das Risiko einer Frühgeburt erhöhen

Frühgeborene Kinder: Was heißt das genau?

Als Frühgeborene werden Babys bezeichnet, die mehr als drei Wochen vor dem errechneten Termin (ET), also die vor Ende der 37. SSW (37+0) geboren werden. Ab 37+0 ist ein Baby also kein Frühchen mehr. Rund 9 % der Geburten in Deutschland sind Frühgeburten, die Mehrzahl von ihnen findet im sogenannten späten Frühchen-Stadium nach 34+0 statt. Medizinisch gesehen zählt jeder Tag mehr in Mamas Bauch, sodass Babys, die wenige Tage oder Wochen zu früh geboren werden, bessere Chancen und weniger Risiken haben als Babys, die früher auf die Welt kommen.

Aber auch für euch als Eltern hat die vorzeitige Geburt Auswirkungen. Wo Mediziner und Fachleute von Frühgeburten und Frühchen sprechen, sieht man selber nur das eigene Kind – und stellt sich Millionen Fragen, wie bei einer Frühgeburt die Überlebenschancen stehen, was als Nächstes kommt, wie man sein Baby beschützen kann und welche Risiken zu beachten sind. Mitten im Cocktail der Hormone, der Erschöpfung, der Euphorie und der Angst kommen plötzlich Entscheidungen zur Weiterversorgung auf euch zu, die oft sehr schnell und ohne allzu großes Vorwissen getroffen werden müssen.

Denn auch, wenn die Wissenschaft immer mehr für frühgeborene Babys tun kann, sind besonders Frühchen, die vor SSW 24 geboren wurden, sehr vielen Risiken ausgesetzt und ihre Überlebenschancen sind noch gering. Frühchen ab SSW 24 haben dagegen häufig gute Chancen und die mit der Frühgeburt verbundenen Risiken schwinden mit jeder Woche. Ab SSW 26 liegt die Überlebensrate frühgeborener Babys bereits bei 80 %.

Frühchen-Überlebenschancen

Entscheidend für die medizinische Versorgung ist neben einer genauen ärztlichen Untersuchung meist das Alter des Kindes: Offiziell gelten Babys ab SSW 24, also ab 24+0 als überlebensfähig. In vielen Neonatologien ist es schwierig, jüngere Babys mit allen Mitteln zu versorgen.

Jüngere Babys haben immer bessere Überlebenschancen, wenn auch das Risiko von Komplikationen sehr groß ist. Spezialisten auf der Frühchenstation in Frühchenzentren, sogenannten Perinatalzentren, können in immer mehr Fällen auch früher Maßnahmen ergreifen, diese werden basierend auf medizinischen, ethischen und auch rechtlichen Werten gemeinsam mit den Eltern abgewogen.

Frühchen-Geburtsgewicht

Die Überlebenschancen eines Frühchens werden oft auch anhand seines Geburtsgewichts eingeschätzt. Je niedriger, desto geringer sind meistens die Chancen, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen im Perinatalzentrum greifen können. Auch das Risiko von Komplikationen wie Infektionen und Organversagen erhöht sich.

Die meisten frühgeborenen Babys haben ein Geburtsgewicht von unter 2.500 g, einige wiegen nur knappe 500 g. Das Risiko von Komplikationen ist ab einem Gewicht von 1.500 g geringer. Frühchen, deren Geburtsgewicht unter 1.500 g liegt, haben leider auch ein höheres Risiko an bleibenden Beeinträchtigungen.

Frühgeburt von SSW 24 bis 32: Sehr frühe Frühgeburt

10 % der Frühchen, also weniger als ein Prozent der Babys in Deutschland, kommen vor der 32. SSW zur Welt. Sie werden auch manchmal Extremfrühchen genannt. Bei einer Geburt nach der 24. SSW liegen die Überlebenschancen bereits bei etwa 60 %, ab SSW 28 bei 95 %. Ab SSW 30 sinkt auch die Wahrscheinlichkeit einer Behinderung schon auf 15 %.

Frühgeburt von SSW 32 bis 34: Mäßig frühe Frühgeburt

Ab SSW 32, also 32+0, sprechen Mediziner von einer mäßigen Frühgeburt. Babys, die in dieser Entwicklungsphase geboren werden, haben kein größeres Risiko einer Behinderung mehr. Ab SSW 34 haben gesunde Frühchen dieselben Überlebenschancen wie Kinder, die voll ausgetragen wurden.

Frühgeburt von 34+0 bis 36+6: Späte Frühchen

Über 70 % der frühgeborenen Babys weltweit werden zwischen SSW 34 und SSW 36 geboren. Babys, die nach 34+0, also nach der der 34. SSW auf die Welt kommen, haben medizinisch gesehen sehr gute Chancen und unterscheiden sich auch vom Aussehen kaum noch von zu Termin geborenen Kindern. Dabei haben auch späte Frühchen oft leichte Anpassungsschwierigkeiten.

Was ist bei frühgeborenen Babys anders?

Frühchen hatten weniger Zeit im Mutterleib, um alle Stufen der embryonalen Entwicklung abzuschließen. Perinatale Maßnahmen können ähnliche Bedingungen herstellen, um die Kleinen zu unterstützen:

Verdauung

Bei vielen Frühchen ist die Verdauung noch nicht ausgereift, sodass sie zunächst mit einer Glukoselösung ggf. über eine Magensonde, ernährt werden, bevor ein Umstieg auf abgepumpte Muttermilch und ein späteres Stillen möglich und die erste Wahl sind.

Körpertemperatur

Frühgeborene Kinder haben meist sehr dünne und empfindliche Haut, sodass sie ihre Körpertemperatur nicht eigenständig regulieren und halten können. Ein Inkubator kann hier fürs Erste die Bedingungen in der Gebärmutter simulieren.

Atmung

Auch die Lungenreife ist bei Frühgeborenen nicht immer vollständig abgeschlossen, sodass sie sehr unregelmäßig atmen oder zunächst eine künstliche Beatmung brauchen. Manchmal ist es möglich, dass ihr vor der Frühgeburt noch eine Lungenreifespritze erhaltet.

Frühchen konzentrieren ihre gesamte Energie auf das Wachsen und Gedeihen. Viele Geräusche, Licht und wechselndes Personal können sie deshalb noch schneller überfordern, sodass sie häufig ihre Augen schließen und dösen. Trotzdem nimmt euer Kleines euch mit allen Sinnen ganz genau wahr. Und eins ist sicher: Der enge Kontakt zu euch ist bei Weitem der wichtigste Aspekt der Frühchenversorgung.

Frühchenstation: Erstversorgung durch Intensivmedizin

Auf der Frühchen-Intensivstation in Perinatalzentren können Babys in Inkubatoren beim Heranreifen unterstützt, ihr Herzschlag und ihre Atmung durchgehend überwacht werden. Häufig sind die Kleinen an viele Monitore und Schläuche angeschlossen, die bei der Atmung und Ernährung helfen. Nicht selten sind mehrfache, auch sehr kurzfristige Operationen nötig. Je höher das Level des Perinatalzentrums, umso besser ist hier die Expertise und Versorgung: Level 1 Zentren versorgen im Schnitt alle zwei Wochen mindestens ein sehr junges Frühchen und sind im Umgang mit Risiken und Komplikationen vergleichsweise routiniert.

Frühchen-Entwicklung und Spätfolgen

Langfristig ist es wichtig zu wissen, dass frühgeborene Kinder im weiteren Leben kaum Einschränkungen haben: Die Mehrzahl der frühgeborenen Kinder entwickelt sich zu gesunden Erwachsenen heran. Laut einer Studie der Stiftung Kindergesundheit waren Frühchen bis 8 Jahren zwar kleiner als ihre Altersgenossen, ab 9 Jahren waren aber gesamtheitlich keine Entwicklungsunterschiede mehr feststellbar.

Frühchen scheinen generell aber ein höheres Risiko für körperliche und geistige Defizite zu haben, auch wenn die Studienergebnisse stark gemischt sind: Eine Studie von 2004 zeigte bei rund 31 % der frühgeborenen Fünfjährigen Verhaltensauffälligkeiten, bei 40 % Defizite in der Sprache, über 17 % waren körperlich behindert, rund 14 % geistig behindert. Auch Störungen in der Motorik traten häufiger auf. Ähnliche Studien zeigten Auffälligkeiten in weniger als 6 % der Teilnehmer.

Frühchen-Nachsorge ist besonders wichtig

Neben einer qualifizierten Erstversorgung ist besonders die Frühchen-Nachsorge entscheidend: Es ist wichtig, dass nach der Entlassung aus der Klinik ein Netzwerk aus Kinderärzten, Hebammen und ggf. Spezialisten euer Kind begleitet. Besonders Folgeerscheinungen wie ADHS, Lese-Rechtschreibschwäche und Autismus werden häufig erst in der Kindergarten- und Schulzeit erkannt. Zum Festhalten aller Termine gibt es den Nachsorgepass für Frühchen, alles zum Thema findet ihr hier in unserem Ratgeber.

Bonding und Känguruhen: Heilsam für Baby und Eltern

Direkt nach der Geburt ist für die Entwicklung eines Frühchens die Eltern-Kind-Bindung, auch Bonding genannt, laut WHO besonders wichtig. Frühgeborene Babys haben viel wertvolle Zeit in Mamas Körper nachzuholen, sodass intensiver Körperkontakt, bei dem es euch spüren und riechen kann, sehr wichtig ist.

Häufiges Stillen nach Bedarf und die Wahrnehmung eures Herzschlags sind sehr heilsam. Das Halten eures Babys auf der nackten Brust wird auch als Känguru-Methode bezeichnet und kann auch für euch Eltern eine heilende Wirkung haben. Wenn euer Kleines zunächst im Inkubator ist und das Känguruhen nicht möglich ist, ist der Körperkontakt durch Händchenhalten und Streicheln eine wichtige Möglichkeit, eurem Baby ganz nah zu sein.

Anlaufstellen für Frühcheneltern

Perinatalzentren

Besteht ein größeres Risiko einer Frühgeburt, ist es wichtig, nach dem besten Perinatalzentrum in deiner Nähe zu suchen. Auch, wenn Frühchen in regulären Krankenhäusern entbunden werden können, ist der weiterführende Transport oft mit sehr hohen Risiken verbunden. Über die Webseite perinatalzentren.org könnt ihr nach Perinatalzentren in eurer Nähe suchen.

Beratungsstellen

Eltern berichten immer wieder, wie hilfreich der Austausch mit anderen Familien und Beratungsstellen ist, um das Erlebte zu normalisieren oder einfach, um angestaute Emotionen außerhalb der Familie abzulassen. Gute Unterstützung für die Zeit vor und nach der Geburt eures Frühchens bieten:

Still-Quiz: Was weißt du über Muttermilch, die Quelle des Lebens?

Quellen:

WHO
Stiftung Kindergesundheit

Bildquelle: Getty Images/tatyana_tomsickova

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