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Die Nabelschnur: Die Versorgungsleitung zwischen Kind und Mutter

Die Nabelschnur: Die Versorgungsleitung zwischen Kind und Mutter

Wunder

Schwanger zu sein ist für sich genommen schon ein Wunder. Beschäftigen wir uns nun noch mit den Details wie der Plazenta oder eben der Nabelschnur, ist es eigentlich kein Wunder, dass wir aus dem Staunen über die Natur nicht mehr herauskommen.

Wozu dient die Nabelschnur beim Baby?

Die Nabelschnur versorgt das ungeborene Baby über die Plazenta (Mutterkuchen) mit allen Nährstoffen, die es zum Wachsen braucht. Der Sauerstoff, den das Baby für seinen Stoffwechsel braucht, gelangt von den Lungen der Mutter über den Blutstrom zur Gebärmutter. Von dort erreicht er über den Mutterkuchen und die Nabelschnur das Kind.

Auch alle Abbauprodukte des Stoffwechsels werden auf umgekehrtem Weg vom Kreislauf des Kindes über die Nabelschnur in den der Mutter zurück transportiert. Die Nabelschnur ist dafür ideal konstruiert: Sie besteht aus zwei dünnen Arterien und einer weichen, dicken Vene – die miteinander verdreht sind. Am einen Ende mündet die Nabelschnur in ein Netz feiner Verästelungen innerhalb der Plazenta.

Am anderen Ende der Nabelschnur führen die Blutgefäße zum Bauch des Babys und von dort aus weiter in seine Leber und sein Herz. Über die Vene kommt frisches Blut mit Sauerstoff und Nahrung in den Kreislauf des Kindes. Die beiden Arterien führen "verbrauchtes“, sauerstoffarmes Blut mitsamt allen Abfallstoffen über die Nabelschnur in den Blutkreislauf der Mutter zurück.

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Wo ist die Nabelschnur mit der Mutter befestigt?

Bereits zu dem Zeitpunkt, in dem aus dem Ei eine Kugel aus gut 100 Zellen entstanden ist, die sich nun in die Gebärmutter einnistet, geht es mit den Bauarbeiten für die Nabelschnur los. Die Hülle des Embryos verwächst mit der Gebärmutterschleimhaut und bildet die Plazenta. Die Plazenta ist also das Bindeglied zwischen Mutter und Kind.

Ab wann ist die Nabenschnur verbunden?

Nach und nach bilden sich darin kleine, mit Blut gefüllte Hohlräume, aus denen später die Blutgefäße der Nabelschnur werden. Am Ende der 4. SSW – da ist der Embryo gerade einmal vier Millimeter groß – sind die ersten Strukturen zu erkennen, das Herz beginnt zu schlagen. Das ist der Moment, ab dem das ungeborene Baby über die Nabelschnur versorgt wird.

Trotz der engen Verbindung: Das mütterliche Blut vermischt sich nicht mit dem des Kindes. Vielmehr sorgt eine dünne Membran in der Plazenta dafür, dass es gefiltert wird. Wichtige Nährstoffe sowie Sauerstoff, Wasser und einige Vitamine kommen hindurch. Ab der 8. SSW bis 12. SSW werden über die Plazenta sogar Antikörper in den Körper des Kindes übertragen. Das sind Eiweißmoleküle, die Krankheitserreger erkennen können. So ist das Baby noch in den ersten neun Monaten nach der Geburt weitgehend vor Infektionen geschützt – bis die Antikörper der Mutter in seinem Körper abgebaut sind.

Allerdings bewahrt dieser Nestschutz den Säugling ausschließlich vor Krankheiten, gegen die die Mutter immun ist, zum Beispiel Masern oder Mumps. Schutz vor Tetanus und Diphterie besteht nur, wenn die Mutter dagegen geimpft ist. Viele Teilchen aus dem Blut der Mutter schaffen es nicht, den Schutzwall der Nabelschnur zu durchdringen. Und das ist auch gut so. Streng genommen ist das Baby nämlich für den Organismus der Mutter ein Fremdkörper. Bekäme ihr Immunsystem direkten Kontakt mit dem ungeborenen Baby, würde es dieses mit seinen Abwehrzellen angreifen.

Nicht nur alles Gute gelangt durch die Nabelschnur zum Baby!

So genial die Nabelschnur und die Plazenta auch konstruiert sind – hundertprozentig perfekt ist das System nicht. Etliche Gifte wie etwa Nikotin, aber auch manche Medikamente gehen ungefiltert ins Blut des Babys über. Das größte Problem aber ist Alkohol, der die geistige Entwicklung hemmt sowie körperliche Fehlbildungen bei Kindern verursacht, da es streng genommen ein Nervengift ist. Rauchen erhöht die Gefahr einer Früh- oder Fehlgeburt. Deshalb sind Alkohol und Rauchen in der Schwangerschaft besonders gefährlich für die Gesundheit des Babys.

Ein weiterer Risikoherd ist der Rhesusfaktor von Mutter und Kind. Normalerweise hat das keinen Einfluss auf die Gesundheit. In einem bestimmten Fall der Schwangerschaft aber schon: Ist die Mutter Rhesus-negativ und der Fötus Rhesus-positiv, kann es sein, dass sie - meist erst kurz vor der Geburt - Antikörper gegen die roten Blutkörperchen des Kindes bildet. Für das erste Baby ist das in der Regel harmlos.

Wird die Frau jedoch zum zweiten Mal mit einem Rhesus-positiven Kind schwanger, wird es riskant. Allerdings können Mediziner das heute verhindern. Stellt der Frauenarzt fest, dass die Mutter Rhesus-positiv und der Fötus Rhesus-negativ ist, kann er eine sogenannte Anti-D-Prophylaxe vornehmen. Ein Risiko bei der nächsten Schwangerschaft ist dann so gut wie ausgeschlossen.

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Wenn das Baby mit der Nabelschnur spielt

Innerhalb der nächsten Wochen wächst die Nabelschnur zu einer Länge von einem halben bis einem ganzen Meter heran. Im Ultraschall kann man auf machen Bildern sehen, wie das Baby mit der Nabelschnur spielt. Ungefähr ab der 20. SSW beginnt der Fötus, nach der Nabelschnur zu greifen, sie zu drücken, sich an ihr festzuhalten oder gar auf ihr herumzukauen. Durch ihre Spiralform ist die Nabelschnur sehr dehnbar und ist mit einer Sulzschicht überzogen. Sobald sich das Baby im Bauch der Mutter dreht und auf die Nabelschnur legt, glitscht der Strang einfach weg und schwimmt wieder frei herum.

Trotzdem kann es auch mal zu regelrechten Verwicklungen der Nabelschnur kommen. In seltenen Fällen kann es passieren, dass sich die Nabelschnur bei der Geburt verklemmt oder abgepresst wird. Und zwar dann, wenn die Fruchtblase frühzeitig platzt und sich die Nabelschnur vor den Kopf des Kindes in den Geburtskanal legt. Das nennt sich auch Nabelschnurvorfall. Der Arzt versucht dann, das Baby sofort mit einem Kaiserschnitt zu holen oder den Kopf durch die Scheide etwas zurückzuschieben. So kann er eine ernste Gefährdung des Babys in den allermeisten Fällen vermeiden.

Wann wird die Nabelschnur durchtrennt?

Mit dem ersten eigenen Atemzug braucht das Baby seine Nabelschnur nicht mehr und die Versorgung durch die Nabelschnur hört schlagartig auf. Kurze Zeit nach der Geburt wird die Nabelschnur durchtrennt. Den genauen Zeitpunkt dürfen bei einer komplikationslosen Geburt häufig die frischgebackenen Eltern bestimmen.

Die Nabelschnur wird dann mit zwei Klammern abgetrennt. Der Partner bzw. die Partnerin erhalten dann die ehrenvolle Aufgabe, die Nabelschnur zu durchtrennen. Schmerzen versucht dies beim Baby nicht.

Meist darf der Partner bzw. die Partnerin die Nabelschnur durchtrennen.

Warum ist es gut, die Nabelschnur auspulsieren zu lassen?

Es hat verschiedene Vorteile, wenn nach der Geburt die Nabelschnur auspulsieren kann:

  • das Kind hat dadurch einen erhöhten Eisenvorrat und eine 45 % erhöhten Ferritinkonzentration
  • das Auspulsieren führt zu einer leichteren Lösung der Plazenta
  • das Kind weißt 30-40 % mehr Blutvolumen aus
  • es erhält mehr Sauerstoff und Nährstoffe

Das Auspulsieren lassen nimmt nur wenige Minuten in Anspruch und ist bei einer reibungslosen Geburt meist möglich. Sprecht dazu eure Hebamme an. Es gibt allerdings auch Gründe, die dagegen sprechen:

  • Wenn das Baby die Nabelschnur um den Hals liegen hat
  • Wenn das Baby gesundheitliche Probleme hat

Was ist eine Nabelschnurumschlingung?

Liegt die Nabelschnur um den Hals des Babys, wird den Eltern meist ganz anders. Es schießt einem automatisch das Bild in den Kopf, wie das Kleine keine Luft mehr bekommt. Das ist aber zumindest im Bauch gar nicht möglich, da das Baby ja noch gar nicht atmet.

Etwa 20 % aller Kinder haben bei der Geburt die Nabelschnur um den Hals. In den meisten Fällen liegt die Nabelschnur ganz locker darum und es kommt zu keinen Problemen. Komplikationen können auftreten, wenn die Nabelschnur sehr kurz ist oder straff gewickelt ist und dann das Baby nicht ins Becken der Mutter rutschen kann. Bemerkt wird dies aber durch einen Abfall der Herztöne.

Was passiert mit der Nabelschnur nach der Geburt?

Was danach mit der Nabelschnur passiert, ist eure Entscheidung. In der Nabelschnur befindet sich weiterhin Blut, welches auch Stammzellen enthält. Es gibt die Möglichkeit, diese Stammzellen aus der Nabelschnur zu spenden oder einzufrieren. Dieses Nabelschnurblut kann beispielsweise für eine Krebstherapie genutzt werden.

Darüber hinaus habt ihr auch die Möglichkeit, die Nachgeburt (Nabelschnur und die Plazenta) mit nach Hause mitnehmen. Es gibt den Brauch, sie einzugraben und darüber einen Baum zu pflanzen – den Lebensbaum des Kindes.

Wann ist die Nabelschnur abgefallen?

Nach dem Durchtrennen der Nabelschnur verbleibt ein kurzes Stück Nabelschnur am Baby. Dieses Stück stirbt aber nach etwa 10 Tagen ab und löst sich dann. Es formt sich in den darauffolgenden Wochen der Bauchnabel.

Was ist zu tun, wenn die Nabelschnur abfällt?

In den ersten Wochen nach der Geburt ist daher die Nabelpflege besonders wichtig. Hierzu zählt es beispielsweise, den Nabel trocken zu halten. Außerdem hilft es, dem Nabel viel Luft zu schenken.

Sollte es zu Rötungen oder Schwellungen kommen, wendet euch an eure Hebamme oder den Kinderarzt.

Bildquelle: Gettyimages/ChenRobert, Gettyimages/Lidiia Moor

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