Pflegekind aufnehmen: Neue Eltern gesucht!

Kinderwunsch

Pflegekind aufnehmen: Neue Eltern gesucht!

In Deutschland fehlen weiterhin Familien, die ein Pflegekind aufnehmen und ihm so eine Chance auf ein besseres Leben bieten. Alles zu den Voraussetzungen und Herausforderungen dieser ehrenvollen Aufgabe.

Eine Entscheidung fürs Leben: Ein Pflegekind aufnehmen

Immer mehr Kinder leben in Pflegefamilien, 2017 waren es laut Auskunft der Bundesregierung 80.000 im Vergleich zu 60.000 im Jahr 2008. Knapp 100.000 Kinder leben in Heimen. Es gibt einen großen Bedarf an verantwortungsvollen Menschen, die diese Kinder für eine gewisse Zeit aufnehmen können und sie betreuen.

Pflegekind ist kein Adoptivkind

Diese Menschen müssen sich bewusst sein, dass ihr Pflegekind leibliche Eltern hat und vielleicht auch wieder zu ihnen zurückkehren möchte. Bei einer Adoption bekommt man das Sorgerecht, bei einem Pflegekind bleibt dies entweder bei den Eltern, oder, wie in den meisten Fällen, beim Jugendamt oder einem Vormund. Das bedeutet, dass du zwar im Alltag Dinge für dein Pflegekind entscheiden kannst. Geht es aber um Urlaub, Impfungen, auch so kleine Dinge wie Ohrringe oder Haarschnitte, müssen die genehmigt werden.

Pflegekinder aufnehmen: Was sind die Voraussetzungen?

Wer ein Pflegekind aufnehmen will, muss das Jugendamt davon überzeugen können, dass er oder sie für das Kind verantwortlich sein kann. Das sind materielle Aspekte wie genügend Platz und Geld, um für die anvertrauten Kinder zu sorgen. Pflegeeltern müssen gesund und drogenfrei sein. Ein polizeiliches Führungszeugnis muss auch vorgelegt werden. Im Unterschied zur Adoption ist es für gleichgeschlechtliche Paare oder Alleinstehende leichter, eine Zustimmung für ein Pflegekind zu erhalten. Was das Alter betrifft, sind hier die Behörden toleranter - auch mit Mitte 40 wird man noch ein Kind zugewiesen bekommen. Das Mindestalter ist aber 25 Jahre. Das Wichtigste wird für die Entscheidungsgremien sein, dass man es den Menschen zutraut, diesen Kindern, die meistens viel mitgemacht haben, den nötigen Halt zu geben.

Geduld, Verständnis und viel Liebe

Ein Pflegekind aufzunehmen, ist oft nicht leicht. Zum einen musst ihr damit zurechtkommen, dass ihr das Kind vielleicht nur für eine kurze Zeit in eurem Zuhause habt, denn vielleicht kann es wieder zurück zu seinen leiblichen Eltern. Das Kind wird seine Mama und seinen Papa vermissen, auch wenn sie es vielleicht schlecht behandelt haben. Ihr braucht viel Fingerspitzengefühl, um sich dem neuen Schützling zu nähern. Manche Kinder verschließen sich, um nicht wieder enttäuscht zu werden, während andere geradezu nach Aufmerksamkeit und Liebe gieren. Manche Kinder haben auch Entwicklungsrückstände.

Ihr braucht also viel Verständnis, Toleranz, viel Liebe und Geduld, um euch den Kindern zu nähern, die in der Vergangenheit vernachlässigt wurden, womöglich Gewalt und Drogenexzesse erlebt haben. Ihr müsst belastbar sein. Auch darf es euch nicht in tiefste Tiefen stürzen, wenn das Kind weiterhin sehr auf seine leiblichen Eltern fixiert ist. Wahrscheinlich fühlt es sich schuldig, dass es nun in einer Pflegefamilie gelandet ist und möchte so schnell wie möglich wieder zurück. Wenn ihr eigene Kinder habt, kann es möglicherweise zu Eifersüchteleien kommen, da ihr euch anfangs vielleicht mehr dem Pflegekind widmen werdet.

Wie bewerbe ich mich um ein Pflegekind?

Wenn du es dir trotz oder gerade wegen dieser Herausforderungen zutraust, ein Pflegekind aufzunehmen, nimmst du Kontakt zum örtlichen Jugendamt auf. Dort klärt man dich über die verschiedenen Modelle - Bereitschaftspflege oder Vollzeitpflege - auf und bietet dir Pflichtseminare an, um dich und deine Familie auf die neue Rolle vorzubereiten. Diese Seminare sind wichtig, um deine Motivation zu hinterfragen, aber auch zu festigen. Danach werden die entscheidenden Stellen beim Jugendamt überlegen, welches Kind am besten zu dir passt. Das kann manchmal dauern, aber auch sehr schnell gehen. Für die Eingewöhnungszeit solltest du dir überlegen, Elternzeit beantragen und dann vorher schon deinen Arbeitgeber über dein Vorhaben informieren. Die meisten Pflegekinder sind zwischen drei und zwölf Jahren, aber es werden auch jüngere Kinder vermittelt. Bei älteren Kindern wird geschaut, ob Wohngruppen nicht die bessere Alternative wären.

Mit wie viel Geld unterstützt der Staat?

Ein Pflegekind aufzunehmen, bringt Kosten mit sich und der Staat unterstützt dies auch, je nach Kommune und je nach Kind sind dies 700 bis 900 Euro monatlich. Dazu können noch Beihilfen beim Jugendamt beantragt werden, wenn zum Beispiel eine Klassenfahrt ansteht oder eine Erstausstattung gekauft werden muss. Pflegeeltern bekommen auch Kindergeld, aber das wird mit dem Pflegegeld verrechnet.

Unterstützung ist wichtig

So eine wichtige Aufgabe, einem vernachlässigten Kind ein neues Heim zu geben, ist eine große Herausforderung. Du und deine Familie solltet es euch genau überlegen, ob ihr stark genug seid, diese zu meistern. Ihr solltet euch auf jeden Fall zuvor gut informieren. Gut ist es auch immer, wenn du andere Pflegeeltern kontaktieren kannst und ihr eure Erfahrungen austauschen könnt. Ein Pflegekind aufzunehmen, ist eine großartige und ehrenvolle Sache, und es ist zu wünschen, dass noch mehr Menschen sich bereit erklären, so eine Aufgabe zu übernehmen.

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