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Letzter Ausweg Babyklappe: Wie sie funktioniert und was mit dem Baby dort passiert

Letzter Ausweg Babyklappe: Wie sie funktioniert und was mit dem Baby dort passiert

Notlage

Verzweifelte Mütter, die in einer schweren Notlage erwägen, ihr Kind loszuwerden, sollen mit der Babyklappe die Möglichkeit bekommen, das Neugeborene vollkommen anonym abzugeben. Wie genau das funktioniert und was mit den Kindern geschieht, die dort abgegeben werden.

Was ist die Babyklappe?

Bei der Babyklappe, auch Babyfenster oder Babykörbchen genannt, handelt es sich um eine Vorrichtung, in der heimlich geborene Babys, die nicht durch das Krankenhaus oder eine Hebamme registriert wurden, abgegeben werden können. Frauen, die sich in einer ausweglosen Situation befinden und selbst nicht die Sorge für ihr Kind tragen können, bekommen hier die Chance, anonym ihr Kind abzugeben und sicherzustellen, dass das Baby versorgt wird. Die Babyklappe befindet sich meist an einem Klinikum oder einer anderen Institution, in der sich Fachpersonal um das Neugeborene kümmert.

Wenn auch du dich in einer Notlage befindest, findest du weiter unten im Text Telefonnummern und weitere Anlaufstellen, an denen du Hilfe bekommst.

Wieso gibt es die Babyklappe?

Die Babyklappe gilt als letzter Ausweg für verzweifelte Mütter, ihr Kind abzugeben. Generell gilt sie als umstritten, immer wieder wird darüber diskutiert. Oft wird die Frage gestellt, wieso betroffene Mütter nicht schon zu Beginn der Schwangerschaft abtreiben oder das Kind nach der Geburt zur Adoption freigeben. Gründe dafür gibt es jedoch eine Menge.

Zunächst einmal kostet ein Schwangerschaftsabbruch Geld, das manche Schwangere nicht zur Verfügung haben. Und im Familien- oder Freundeskreis um Hilfe zu bitten, ist auch nicht für jede werdende Mutter einfach so möglich. Auch sind Mütter, die sich in einer Notlage befinden, oft nicht in der Lage, den erforderlichen Behördenaufwand auf sich zu nehmen, den eine Adoption erfordern würde oder sie besitzen schon gar nicht mehr die Kraft, Beratungstermine während der Schwangerschaft auf sich zu nehmen.

Mütter, die ihr Baby in die Klappe bringen, befinden sich in einer absoluten Notlage. Frauen dafür zu verurteilen, wäre absolut falsch, schließlich weißt du nicht, unter welchen Umständen eine Mutter ihr Kind zur Welt gebracht hat und wie verzweifelt ihre generelle Lebenssituation ist. Egal, wie verschieden die Meinungen zur Babyklappe sind: Letzten Endes wird hier sichergestellt, dass Kinder nicht einfach auf der Straße ausgesetzt werden oder gar schlimmeres passiert.

Wie funktioniert die Babyklappe?

Die Klappe kann von außen geöffnet werden. In ihr befindet sich ein Wärmebett, in das das Baby gelegt werden kann. Dies geschieht vollkommen unbemerkt. So hat die Mutter die Möglichkeit, in Ruhe Abschied von ihrem Kind zu nehmen. Wird die Babyklappe geschlossen, wird dann ein stiller Alarm ausgelöst, der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informiert, dass ein Baby in der Klappe liegt. An manchen Vorrichtungen kann auch eine Zeit eingestellt werden, bis ein Alarm ausgelöst wird, damit mehr Zeit bleibt, um sich unbemerkt zu entfernen.

In Babyklappen befindet sich meist ein Formular. Hier kann zum Beispiel der Name des Kindes eingetragen werden und die Mutter kann anonyme Erkennungszeichen hinterlassen, um eine eventuelle spätere Kontaktaufnahme zu ermöglichen. In manchen Klappen gibt es auch ein Stempelkissen. Mütter können damit einen Hand- oder Fußabdruck vom Neugeborenen nehmen, um eine mögliche Wiedererkennung zu gewährleisten.

Was passiert mit dem Kind in der Babyklappe?

Ist der Alarm der Babyklappe ausgelöst, wird das Baby umgehend von Fachpersonal aus der Klappe geholt. Nicht alle Babyklappen sind an ein Krankenhaus angebunden, deshalb wird der Säugling in einem solchen Fall in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht. Dann findet eine medizinische Untersuchung statt. Da die Babys meist ohne Hilfe zur Welt gekommen sind, ist es häufig die erste Untersuchung überhaupt. Ein Arzt oder eine Ärztin prüfen den Gesundheitszustand des Kindes und ermitteln Gewicht, Größe und Kopfumfang. Dann bleibt das Neugeborene zunächst auf der Säuglingsstation. Im besten Fall findet sich schon nach wenigen Tagen eine Pflegefamilie. Das Jugendamt leitet dann die nächsten Schritte ein, um mittels einer Adoption neue Eltern für das Kind zu finden.

Alternative zu Babyklappe: Die vertrauliche Geburt

Solltest du schwanger sein, eine Abtreibung ist nicht möglich, aber du bist nicht in der Lage, dein Kind großzuziehen, gibt es aber noch eine andere Möglichkeit, außer das Baby in die Babyklappe zu bringen. Die Alternative nennt sich vertrauliche Geburt. Dabei kannst du dein Kind unter medizinischer Aufsicht und dennoch anonymisiert zur Welt bringen. Dafür gibt es Beraterinnen. Bei diesen musst du nur einmalig zur Datenaufnahme deine Identität angeben, die Beraterin ist aber an eine Schweigepflicht gebunden. Die aufgenommenen Daten dienen dafür, dass das Kind mit 16 Jahren mehr über seine Herkunft und Identität erfahren kann. Nach der Geburt unter medizinischer Begleitung wird das Kind dann zur Adoption freigegeben. Solltest du dich nach der Geburt doch umentscheiden und das Kind behalten wollen, kannst du deine Entscheidung bis zum Ende des Adoptionsverfahrens zurückziehen. Die Kosten für die vertrauliche Geburt werden vom Bund übernommen.

Hier bekommst du Hilfe

Unter der Telefonnummer 0800 – 4040020 erreichst du die Beratungshotline „Schwangere in Not – anonym und sicher“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugendrund um die Uhr. Dort bekommst du anonyme, mehrsprachige und kostenlose Beratung. Auf der Website https://www.geburt-vertraulich.de kannst du außerdem Schwangerschaftsberatungsstellen im Umkreis suchen und per E-Mail oder Chat von Fachfrauen beraten lassen. Hier kannst du all deine Sorgen und Ängste anonym loswerden und Rat einholen. Die Beraterinnen unterliegen der Schweigepflicht.

Bildquelle: Getty Images/Pekic,Vivantes

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