Alleingeburt: Nur ich und mein Baby

Was ist dran?

Alleingeburt: Nur ich und mein Baby

Bei einer Alleingeburt bringst du dein Baby ohne medizinische Unterstützung alleine an einem Ort deiner Wahl zur Welt. Für die einen purer Horror, für andere genau die Art der Entbindung, die sie sich wünschen.

Mutig oder verrückt? Beim Thema Alleingeburt spalten sich die Geister.

Die Presswehen sind am Start, dein Baby kommt jeden Moment zur Welt und du bist ganz alleine (mit deinem Partner) in eurem Wohnzimmer. Was für viele nach einer dramatischen Filmszene aus einem Hollywoodfilm klingt oder uns in den Wochen vor der Geburt manchmal als Albtraum aufschrecken lässt, ist für manche genau die Geburt, die sie sich wünschen: eine Alleingeburt!

Was ist eine Alleingeburt?

Von einer Alleingeburt spricht man, wenn sich eine Gebärende dafür entscheidet, ihr Kind gänzlich ohne die Unterstützung einer Hebamme, eines Arztes oder einer Ärztin auf die Welt zu bringen. In der Regel handelt es sich bei Alleingeburten um Hausgeburten, bei denen nur die Schwangere und in den meisten Fällen noch der Partner oder die Partnerin der Geburt beiwohnen. In manchen Fällen sind auch die Geschwisterkinder dabei.

Wie läuft eine Alleingeburt ab?

Die Wehen setzen ein, werden erst stärker und dann zu Presswehen und am Ende hältst du dein Baby in den Armen – ganz ohne fremde Hilfe oder Intervention. So läuft eine Alleingeburt im besten Falle ab. Nach der Geburt kommt dann meist die Hebamme (die man sich vorher natürlich suchen muss)  zu euch nach Hause, untersucht die Mutter, versorgt mögliche Geburtsverletzungen und führt beim Neugeborenen die U1-Untersuchung durch.

Wie du dein Baby zu Hause alleine zur Welt bringst, ist dir überlassen. Jeder Ort und jede Stellung, die sich für dich richtig anfühlt und dein Baby beim Verlassen des Geburtskanals nicht gefährdet ist gut. Viele Alleingebärende wählen oftmals die heimische Badewanne oder ein extra aufgestelltes Planschbecken für die Geburt aus.
Das Baby muss aber nicht zwingend in den eigenen vier Wänden zur Welt kommen. Eine Alleingeburt kann auch draußen im Wald, am Meer oder einem anderen Wohlfühlort stattfinden. Allerdings bieten Orte in der Natur weniger Komfort und gefährden eventuell durch schlechte hygienische Zustände die Gesundheit von Mutter und Kind.

Bei einer Geburt, die unfreiwillig alleine stattfindet, weil die Mutter es z. B. nicht rechtzeitig ins Krankenhaus geschafft hat oder die Hausgeburtshebamme nicht schnell genug da war, spricht man übrigens nicht von einer Alleingeburt.

Eine Alleingeburt ist immer eine bewusste Entscheidung.

Kann jeder eine Alleingeburt haben?

Wenn keine Risikoschwangerschaft besteht und deine Schwangerschaft unproblematisch verläuft, spricht prinzipiell nichts gegen eine Alleingeburt. Das Wichtigste bei der Alleingeburt ist allerdings deine persönliche Einstellung. Wenn du nicht absolut überzeugt davon bist, dass du dein Kind ohne Unterstützung durch medizinische Experten zu Welt bringen willst und kannst, solltest du von einer Alleingeburt Abstand nehmen und vielleicht eher eine Hausgeburt mit einer Hebamme in Erwägung ziehen. Denn schon die leisesten Zweifel können z. B. zu einem Geburtsstillstand führen, der dich am Ende vielleicht zwingt, ins Krankenhaus zu fahren oder gar dein Baby in Gefahr bringt.
Generell sollte man sich immer im Klaren sein, dass eine Alleingeburt mit bestimmten Risiken und Gefahren verbunden ist, die betreute Geburtswege nicht mit sich bringen.

Wer eine Alleingeburt möchte, sollte sich auf jeden Fall gut darauf vorbereiten. Dabei ist es gar nicht so einfach im Internet gute Informationen zu bekommen. Auf Facebook findest aber z. B. Gruppen zum Thema Alleingeburt, wo du dich mit anderen interessierten Müttern und auch Alleingeburt erfahrenen Mamas austauschen kannst.

Welche Risiken birgt eine Alleingeburt?

Wie der Name schon sagt, ist man bei einer Alleingeburt alleine, zumindest ohne medizinische Betreuung. Und genau hier liegen auch die Risiken einer Alleingeburt. Auch bei einer unproblematischen Schwangerschaft kann es bei der Geburt zu Komplikationen oder gar medizinischen Notfällen kommen. Wenn du dein Kind alleine zuhause zur Welt bringst, musst du für ärztliche Hilfe erst einmal ins Krankenhaus bzw. auf den Notarzt warten, was in dringenden Fällen dein Leben und das deines Babys gefährden kann.

Welchen Vorteil hat eine Alleingeburt?

Einen Vorteil hat die Alleingeburt für die Mamas unter uns, für die eine Alleingeburt ein absoluter Wunsch ist. Dann kann die Geburt, bei der das Baby ganz alleine im Einklang von Mutter und Kind, völlig ohne äußere Interventionen, entbunden wird, ein extrem intensives und stärkendes Erlebnis für die Gebärende sein. Eine Alleingeburt kann auch die Bindung zwischen den Eltern, den Eltern mit dem Neugeborenen, sowie die zu den Geschwisterkindern verstärken. Ob diese Intensivierung so wichtig ist, dass sie die Risiken einer Alleingeburt aufwiegt, muss jede werdende Mama für sich selbst entscheiden.

Ist die Alleingeburt ein Trend?

Durch die Berichterstattung im Fernsehen und anderen Medien hat die Alleingeburt in den letzten Jahren eine gewissen Popularität gewonnen, aber eher als Phänomen des Staunens als dass daraufhin Scharen von Mütter ihre Kinder alleine zur Welt gebracht hätten. In den meisten Fällen ernten Mütter, die sich zu einer Alleingeburt bekennen, von ihrem Umfeld (bzw. Fremden, wenn das Bekenntnis im TV stattfand) eher ein Kopfschütteln als neidvolle Blicke.

Es gibt dazu zwar keine Zahlen, aber es ist davon auszugehen, dass die meisten Alleingeburten eher von Zweitgebärenden bzw. Mehrfachgebärenden gewünscht und umgesetzt werden. Wie viele es am Ende wirklich sind, wissen wir leider nicht.

Alternative: Eine Hausgeburt oder Entbindung im Geburtshaus

Wer sein Baby in seiner gewohnten Umgebung zur Welt bringen will, muss dies nicht alleine tun. Es gibt in Deutschland glücklicherweise immer noch Hebammen, die Hausgeburten durchführen und es uns so ermöglichen unser Baby zuhause im eigenen Wohnzimmer oder Badewanne zur Welt zu bringen.

Wer etwas mehr Sicherheit möchte, aber dennoch nicht ins Krankenhaus, der kann sich zu Geburten in Geburtshäusern informieren. Dort findet die Entbindung ebenfalls nur mit Unterstützung einer Hebamme statt, aber es stehe viele verschiedene Hilfsmittel wie Geburtswanne, Hocker, Seile, etc. zur Verfügung, um dir die Geburt zu erleichtern.
In beiden Fällen gilt: Wer eine Hausgeburt oder Entbindung im Geburtshaus möchte, muss sich rechtzeitig, am besten sofort nach Kenntnis der bestehenden Schwangerschaft, um eine Betreuung durch eine auf Hausgeburten spezialisierte Hebamme oder einen Platz im Geburtshaus kümmern. Beides ist rar und sehr begehrt.

Wie stehst du zum Thema “Alleingeburt”? Kannst du dir eine solche Geburt vorstellen oder ziehst du die Sicherheit einer stationären Entbindung vor? Erzähl uns gerne auf Facebook von deinen Erfahrungen und Ansichten. Wir freuen uns über deinen Kommentar.

Bildquelle:

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