Morgenmuffel: Warum sind Teenager immer müde?

Kleinkind

Morgenmuffel: Warum sind Teenager immer müde?

Wenn dein Teenager vom fröhlichen Frühaufsteher plötzlich zum Morgenmuffel und Dauerschläfer mutiert, steckt meist keine Krankheit dahinter, sondern die Pubertät. Was passiert da im Körper und wie kannst du helfen?

Teenager sind oft müde und antriebslos. Erst wollen sie abends nicht schlafen gehen, und so kommen sie am nächsten Morgen kaum aus dem Bett. Wenn Jugendliche sich langweilen, könnten sie überall oder sogar im Stehen einschlafen. Nur wenn sie etwas spannend finden oder sie Computerspiele spielen, sind sie plötzlich hellwach. Kein Wunder, dass Eltern mit ihren pubertierenden Kindern besonders häufig aneinander geraten. Was kann man da tun?

Warum sind Teenager solche Morgenmuffel?

Wie ändert sich der Körper in der Pubertät?

Die Pubertät verändert junge Menschen beinahe über Nacht. Auch ihr Schlafverhalten und ihr Schlafbedürfnis wandelt sich. Vom Morgenmenschen zum Morgenmuffel, von der Lerche zur Eule, oder wie auch immer man diese Transformation beschreiben möchte. Der Grund dafür versteckt sich im Gehirn, in der kleinen Zirbeldüse.

Die Zirbeldrüse ist zuständig für die Melatoninausschüttung und damit für unseren Tag-und-Nachtrhythmus. Spätestens mit dem Einsetzen der Pubertät produziert sie jedoch deutlich weniger Melatonin. Weniger Schlafhormone führen zu einer Verschiebung des Müdewerdens und der Einschlafzeit. Auf einmal ist dein Teenager bis Mitternacht munter, aber wenn du ihn morgens wecken willst, ist es immer zu früh – egal, wie spät es ist.

"Es ist für sie, als wären sie in einer anderen Zeitzone", sagte Dr Michael Farquhar, Kinderarzt und Schlafexperte an dem Evelina Children’s Hospital, gegenüber der britischen Tageszeitung ‘The Guardian’. "Wir verlangen von ihnen, dass sie aufstehen, bevor ihre innere Uhr soweit ist, weil die Erwachsenenwelt nun einmal so tickt. Die meisten Teenager leiden deshalb unter Schlafmangel."

Fallen dir neben den veränderten Schlafgewohnheiten jedoch noch weitere Symptome auf, kann ein Arztbesuch hilfreich sein, denn es könnte auch eine behandlungsbedürftige Krankheit dahinterstecken, beispielsweise eine Fehlfunktion der Schilddrüse.

Wie viel Schlaf brauchen Teenager?

Acht bis zehn Stunden Schlaf pro Nacht brauchen Teenager. Weniger als sieben oder mehr als elf können schädlich sein. Doch bekommen sie diesen Schlaf auch? Eine Studie stellte fest, dass nur 15 Prozent der Schüler im Teenageralter vor Schultagen die empfohlenen 8,5 Stunden schlafen.

Vor 23 oder 24 Uhr ist bei vielen Pubertierenden jedoch an Schlaf gar nicht zu denken. Wer allerdings um 6 oder 7 Uhr schon wieder aufstehen soll, um zu frühstücken und zur Schule zu gehen, baut schnell ein Schlafdefizit auf. Am Wochenende lieben es Jugendliche dann, auszuschlafen und möglichst lange im Bett zu liegen. Das bringt ihre innere Uhr jedoch noch mehr durcheinander.

Die Folgen von zu wenig Schlaf können unter anderem so aussehen:

  • Extreme Müdigkeit

  • Konzentrationsschwierigkeiten

  • Stimmungsschwankungen

  • Kopfschmerzen

  • Hautprobleme

  • Gesteigerte Infektionsneigung wegen Schwächung des Immunsystems

Sollten Pubertierende später zur Schule gehen?

Dass es für Teenies eine übermenschliche Anstrengung darstellt, morgens aufzustehen und pünktlich in der Schule zu sein, ist nicht ihr Fehler. Und es ist nicht überraschend, dass sie – einmal im Klassenraum eingetroffen – unausgeschlafen und gefühlt mitten in der Nacht nicht so leistungsfähig sind, wie sie eigentlich sein könnten.

Experten sprechen sich deshalb für einen Spätstart für Pubertierende aus. Eine Studie aus Seattle kam zu dem Ergebnis, dass 11 Uhr der passende Zeitpunkt für den Schulbeginn sein könnte, um den Schülern ausreichend Schlaf zu sichern. Hierzulande regt sich jedoch noch zu viel Widerstand, um auch nur eine Verschiebung auf beispielsweise 9 Uhr zu beschließen.

20 Alltagsprobleme, die nur Eltern kennen

20 Alltagsprobleme, die nur Eltern kennen
Bilderstrecke starten (20 Bilder)

Müde Teenager: Erste Hilfe für pubertierende Morgenmuffel

Was Schulen tun können: In Großbritannien wird die Verschiebung des Schulbeginns für Jugendliche immerhin diskutiert. Dort und beispielsweise auch in Frankreich beginnt die Schule ohnehin schon später, nämlich erst um 9 Uhr.Es wäre immerhin hilfreich, wenn der frühe Schultag nicht gleich mit einer Doppelstunde Mathe beginnt, sondern vielleicht lieber mit Sport. Leider hast du dies nicht in der Hand, es bleibt nur zu hoffen, dass sich pubertätsfreundliche Schulzeiten irgendwann etablieren lassen.

Was Jugendliche tun können: Eine wichtige Änderung, die Teenager selbst vornehmen können, wird ihnen sicher nicht gefallen. Laptop, Tablet und Smartphone sollten rechtzeitig vor dem Schlafengehen beiseite gelegt werden, da das blaue Licht dieser Geräte den nachfolgenden Schlaf stören könnte – noch gilt dies nicht als ausreichend erforscht, aber es scheint einiges dafür zu sprechen, dass diese Geräte mindestens eine Stunde vor dem Einschlafen ausgeschaltet werden sollten.

Was Eltern tun können: Verständnis – ob von Eltern oder Lehrern – ist sicher schon eine große Hilfe. Wenn du weißt, dass deine Tochter oder dein Sohn nichts dafür kann, dass die Zirbeldrüse weniger Melatonin ausschüttet, reagierst du hoffentlich etwas weniger genervt.

Zum Schluss ein tröstliches Zitat aus Jan Weilers Roman ‘Und ewig schläft das Pubertier’ *, dessen Lektüre pubertätsgeplagten Eltern hiermit sehr ans Herz gelegt werden soll – man fühlt sich dann nicht ganz so allein mit seinem jugendlichen Dauerschläfer:

"Ständig einzupennen bedeutet, dem Leben bedingungslos zu vertrauen. Dies ist am Ende eine wirklich beruhigende Erkenntnis. Schlaft schön, liebe Kinder. Wenn ihr aufwacht, liegt immer noch das ganze Leben vor euch."

 * gesponserter Link

Bildquelle: Getty Images

Galerien

Lies auch

Teste dich