Jugendkultur: Was ist das eigentlich?

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Jugendkultur: Was ist das eigentlich?

Dass Jugendliche andere Interessen haben als Kinder oder Erwachsene, ist uns allen bewusst. Oft wird dabei der Begriff “Jugendkultur” verwendet. Was das ist und wieso sich Jugendkultur in den letzten Jahren stark verändert hat.

Der Begriff Jugendkultur wird nirgends besser auf die Spitze getrieben, als in US-amerikanischen High School-Filmen. Der Schulhof oder die Mensa teilen sich in verschiedene Bereiche auf: In einer Ecke sitzt die Hip-Hop-Gang, daneben die Skater, in einer anderen tummeln sich die Punker, die Cheerleader oder die Footballer, etwas abseits sitzen die Jugendlichen aus dem Debattierclub. Diese Darstellung ist zwar nicht ganz realitätsgetreu, dennoch ist sie ein Sinnbild von Jugendkulturen.

Mit dem Begriff "Jugendkultur" bezeichnet man laut Bundeszentrale für politische Bildung bestimmte Lebensvorstellungen und Lebensstile von jungen Menschen, die den Wunsch haben, ihren eigenen Weg zu finden. So wollen Teenager z. B. durch Kreativität, künstlerische Ideen und intelligente Einfälle ihre Lebensweise verändern, eigene Werte entwickeln und selbstständige Entscheidungen treffen. Eins ist dabei offensichtlich: Sie finden meist andere Sachen gut als ihre Eltern, bzw. wollen sich durch ihre Interessen klar von ihnen distanzieren. Das zeigt sich dann u. a. im Kleidungsstil, im Musikgeschmack, im Konsum- und Freizeitverhalten, in der Mediennutzung oder mittels ihrer Sprache.

Es gibt dabei nicht “die eine” Jugendkultur. Innerhalb der Jugendkultur gibt es viele unterschiedliche Subkulturen. Je nach sozialer Herkunft oder Interessenslage schließen sich Teenager unterschiedlichen Gruppen an. Einige Beispiele für Jugendkulturen sind die Skater, Hip-Hop-, Graffiti-, Techno- und House- oder Metal-Szene, Hooligans, Emo, Punk oder Gothic. Dabei gibt es aber auch Überschneidungen: So sind die Skater-, Hip-Hop und Graffiti-Szenen beispielsweise stark miteinander verbunden.

Jugendkultur im digitalen Wandel

Jugendkulturen verändern sich immer wieder. So war beispielsweise die Punk-Szene vor allem in den 1970er Jahren stark, heute ist sie für Jugendliche hingegen weniger interessant. Durch den digitalen Wandel hat sich auch die Jugendkultur verändert. “War früher die Popmusik Schlüssel zum Verständnis der Jugendkultur, so sind es heute vor allem die populären Social Media. Jugendliche ziehen sich mehr und mehr in ihre digitalen Lebenswelten zurück. Im öffentlichen Raum fallen sie meist nicht durch ein jugendkulturell-expressives Äußeres, sondern eher durch ihre Unauffälligkeit auf. Oft auch durch die demonstrativ in Szene gesetzte Unverzichtbarkeit der Ohrstöpsel, die individualisierte Sounds direkt ins Ohr junger Smartphone-BesitzerInnen dringen lassen”, erklärt Dr. Beate Großegger vom Institut für Jugendkulturforschung. Ist früher die Straße noch die Bühne für Jugendkultur gewesen, so sind es heute laut Großegger die sozialen Plattformen wie Instagram, Snapchat und Co.

Doch die sozialen Medien sind mehr als nur eine Bühne für Jugendkultur: Sie beeinflusst auch stark die Art und Weise, wie sich Jugendliche präsentieren. Vor Smartphone-Zeiten distanzierte sich der jugendliche Zeitgeist vom Etablierten, Teenager wollten vielmehr mit unangepassten Styles auffallen. Heute läuft das Ganze laut Dr. Beate Großegger eher umgekehrt: “Wer auf Instagram ist, bevorzugt in der Regel angepasste Styles. Das heißt, es wird nicht einfach ein lustiges Selfie gemacht und dann online gestellt. Die jungen Selbstperformer machen unzählige Bilder von sich selbst, idealerweise in einem attraktiven Ambiente, suchen dann das Beste aus, nutzen Filter-Software zur Nachbearbeitung und präsentieren sich im virtuellen Schaufenster toller, als sie wirklich sind, denn sie wissen: Nur so lässt sich punkten.”

Wohin entwickelt sich Jugendkultur?

Durch die Generation der Digital Natives befindet sich Jugendkultur heute im ständigen Wandel: Immer wieder entstehen neue Trends und Szenen, diese sind aber viel kleiner und ausdifferenzierter als es früher die großen Subkulturen waren. Zudem sind sie schnelllebiger: Was heute noch da war, kann morgen schon wieder von einem neuen jugendkulturellen Trend überrollt werden. Allerdings: Neben den vielen neuen, kleineren Gruppierungen bestehen die großen Jugendkulturen, die es seit Jahrzehnten gibt, noch heute. Skater, Graffiti, Gothic – all diese Gruppierungen sind noch immer da. Vielleicht nicht mehr so groß und bedeutend wie früher, aber sie leben. Und das ist wohl die einzig sichere Prognose, die sich zur Zukunft der Jugendkultur machen lässt: Diese Subkulturen werden wohl auch in der Zukunft weiterleben.

Quellen: Institut für Jugendkulturforschung, Bundeszentrale für politische Bildung

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