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Schule ohne Rassismus: Eigeninitiative ist gefragt

Schüleraktion

Schule ohne Rassismus: Eigeninitiative ist gefragt

Es ist eine Initiative, die von Schülerinnen und Schüler selbst gestaltet wurde: Schule ohne Rassismus. Damit sich eine Bildungseinrichtung so nennen darf, müssen sich 70 Prozent der Schüler und Lehrer verpflichten, etwas gegen Diskriminierung zu tun.

Schule ohne Rassismus: Geschichte einer Initiative

1995 wurde die Initiative in Deutschland von Aktion Courage e.V. gegründet. Einen Anstoß bekam der Verein durch ähnliche Organisationen in Belgien und den Niederlanden, die 1988 und 1992 gegründet wurden. Dort hatten sich bereits Schulen zusammengetan, um gemeinsam gegen den stärker aufkommenden Rassismus zu wirken. Der Antrieb sollte dabei von den Schülern und Schülerinnen kommen. Die Lehrerschaft greift eher unterstützend in die Projekte ein. Mittlerweile beteiligen sich 2600 Schulen an dieser Initiative, die eine Art Selbstverpflichtung ist, bei Rassismus oder anderen Formen der Diskriminierung nicht wegzuschauen. Ziel ist es, ein Netzwerk zu schaffen, das gesellschaftliche Veränderungen bringt. Die Geschäftsstelle von Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage wird mittlerweile auch vom Bundesfamilienministerium sowie der GEW gefördert.

Wie wird man eine Schule ohne Rassismus?

Die Schüler sollen die Initiative ergreifen. Es soll keine Projekt der Schulleitung werden. Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern muss den Anstoß geben. Damit die eigene Schule eine Schule ohne Rassismus wird, muss sie zuallererst über das Ziel der Initiative informieren und Unterschriften sammeln: Mindestens 70 Prozent aller Schülerinnen und Lehrkräfte müssen sich verpflichten, etwas gegen Rassismus zu tun und folgende Aussagen unterschreiben:

  • Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe meiner Schule wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.
  • Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, uns zukünftig zu achten.
  • Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule ein Mal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierungen durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.

Wenn 70 Prozent unterschrieben haben, schickt die Gruppe die Liste mit dem Aufnahmeantrag an die Bundeskoordination. Damit es einen offiziellen Anstrich bekommt, sucht sich die Schule nun prominente Paten, die bei einer offiziellen Feier den Startschuss für die nächsten Projekte geben.

Prominente Paten

Es ist schon toll, wenn sich Schüler und Schülerinnen darauf besinnen, Rassismus wahrzunehmen und gegen ihn zu kämpfen. Die Schulen haben dann auch meistens keine Schwierigkeiten, einen prominenten Paten zu finden, der das Ganze auch unterstützt. Schauspielerinnen wie Iris Berben, Musiker wie Jan Delay, Bosse, Sammy Deluxe, Laith Al-Deen oder Sportler wie Jerome Boateng geben gern ihren Namen und tauchen dann bei der offiziellen Einführungsveranstaltung an der Schule auf.

Flashmobs und Aktionswochen

An den Mitgliedsschulen finden dann - wie versprochen - jedes Jahr Aktionswochen, Thementage oder Ausstellungen statt. Die Lehrer, die diese Projekte begleiten, werden mit Unterrichtsmaterialien, die sich mit Rechtspopulismus oder Antisemitismus befassen, unterstützt.

Kritik: Alles nur Fassade?

Die Initiative wird bundesweit gelobt, aber es gibt auch Kritik. In 2017 wurde ein 14-jähriger jüdischer Schüler von seinen muslimischen Schulkameraden systematisch gemobbt. Seine Eltern sahen keinen anderen Weg, als ihn von der Schule zu nehmen. Besagte Schule in Berlin Friedenau war aber eine Schule ohne Rassismus. Schulleitung, Lehrer und Schüler unternahmen nichts. Dies zeigt, dass man den hehren Ansprüchen eben auch Taten sprechen lassen muss. Ein Projekttag reicht dann nicht aus. Dabei gibt es von der Bundeskoordination Schule ohne Rassismus sogar Materialien zum Thema Antisemitismus und Migration.

Das Netzwerk Schule ohne Rassismus hat Grundlagen gelegt, aber auch sie kann nur Impulse geben, die auch vom Elternhaus aufgenommen worden sind. Ihr als Eltern seid genauso gefragt, über Rassismus und Diskriminierung zu reden. Denn eure Kinder werden mit diesen Themen konfrontiert - als Zuschauer oder, was man ja nie hoffen möchte, als Opfer oder Täter. Nur genügend Aufklärung und Zivilcourage hilft, dass Rassismus und andere Diskriminierungen eingedämmt werden.

 

 

Das sagt Anja Kleinelanghorst:

Fangen wir bei uns selbst an

Schule ohne Rassismus ist eine gute Initiative, die man unterstützen sollte, auch wenn sich die Berliner Schule nicht mit Ruhm bekleckert hat. Dass ausgerechnet in Deutschland jüdische Schüler und Schülerinnen Angst haben müssen, zur Schule zu gehen, bricht mir das Herz. Aber gerade deshalb ist es wichtig, dass diese Initiative weitermacht und über Antisemitismus und Rassismus geredet wird.

Ich bin in den Siebziger Jahren in einer westfälischen Kleinstadt aufgewachsen - Vielfalt sieht anders aus. Jetzt wohne ich in einer der multikulturellsten Städte überhaupt und werde immer mal wieder mit meinen Vorurteilen konfrontiert. Mein Mann, der in der London aufgewachsen ist, beschreibt Menschen nie nach der Hautfarbe, ich mache das noch. Toleranz will gelernt sein und da macht es Mut, dass es solche Initiativen wie Schule ohne Rassismus gibt.

Bildquelle: Getty Images

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