Nahrungsergänzung für Schwangere?

Schwangerschaft

Nahrungsergänzung für Schwangere?

Tabletten, Kapseln, Tropfen: Eine Fülle von Nahrungsergänzungsmitteln wird für Schwangerschaft und Stillzeit angeboten. Oft ist das des Guten zu viel. Doch es gibt einige Ausnahmen.

Der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen ist während der Schwangerschaft und Stillzeit deutlich erhöht. Von einigen brauchen Mütter für sich und ihr Baby in dieser Zeit sogar die doppelte Menge. Lässt sich der erhöhte Bedarf an Mineralstoffen und Vitaminen durch eine gesunde Ernährung in der Schwangerschaft überhaupt erreichen? Bei den meisten Nährstoffen kann die empfohlene Zufuhr durch eine abwechslungsreiche Ernährung problemlos abgedeckt werden. Die Ausnahmen sind nach dem heutigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse allerdings:

  • Folsäure,

  • Jod,

  • manchmal Eisen und Kalzium.

Nahrungsergänzungsmittel: auch Magnesium ist wichtig

Alle weiteren Nahrungsergänzungsmittel sind in der Regel überflüssig. Nur bei dicht aufeinanderfolgenden oder Mehrlings-Schwangerschaften bzw. bei extrem schlechter oder Mangelernährung der Mutter kann der Arzt ein entsprechendes Präparat zum Wiederauffüllen empfiehlen: zum Beispiel Magnesium

Bedarf an Magnesium

Typische Schwangerschaftsbeschwerden wie nächtliche Wadenkrämpfe können auch durch einen Magensiummangel verursacht werden. Gute natürliche Magnesium-Quellen sind:
● Bananen

● Vollkornbrot

● Sojabohnen,

● Cashew- und Sonnenblumenkerne

Wichtig: Auf eigene Faust und ohne medizinische Notwendigkeit sollten Schwangere und Stillende keine Multivitamin- oder anderen Ergänzungspräparate nehmen. So gesund, wie gern behauptet wird, sind solche Produkte nämlich nicht immer. Mitunter werden die Vitamine willkürlich und zu hoch dosiert. Heute weiß man: Das kann selbst bei wasserlöslichen Vitaminen wie Vitamin C zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Nierenbelastungen führen.
Außerdem stehen hoch dosierte Zusätze im Verdacht, das sensible Wirkungsgefüge von Vitaminen und Mineralstoffen durcheinanderzubringen. Bei natürlichen, gesunden Lebensmitteln kann das nicht passieren. Also, im Zweifel lieber Apfel, Brot und Fisch als Pillen&Co.
Fazit:
Bis zur 12. SSW Folsäure und bis zum Ende der Stillzeit Jod nach Rücksprache mit dem Arzt - dieses Plus an Wirkstoffen kann man Schwangeren bzw. Stillenden guten Gewissens empfehlen. Das Geld für weitere, meist teure Präparate können sich die allermeisten sparen.
➤ Welche Aufgaben hat Magnesium eigentlich in unserem Körper?

Folsäure, das Wunder-Vitamin

Folsäure gehört zur Gruppe der wasserlöslichen B-Vitamine und wird vor allem für die Zellteilung benötigt. Daher gehört es in der Schwangerschaft zu den wichtigsten Vitaminen. Das Baby braucht es für sein Wachstum und die Entwicklung der Nervenzellen. Bei einem Folsäuremangel kann ein offener Rücken drohen.

Ein Mangel von Folsäure kann:

● die Entwicklung des Embryos beeinträchtigen,

● das zentrale Nervensystem des Babys schädigen

● verhindern, dass sich das Neuralrohr schließt („offener Rücken“).

600 Mikrogramm Folsäure sollten Frauen während der Schwangerschaft täglich aufnehmen - empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Das sind 200 Mikrogramm mehr als bei nichtschwangeren Frauen. Für die ersten zwölf Schwangerschaftswochen empfiehlt die DGE zusätzliche 400 Mikrogramm Folsäure in Form von Supplementen.

Folsäure schon vor der Schwangerschaft

Der optimale Beginn für die zusätzliche Einnahme von Folsäure liegt schon vor der Schwangerschaft, weil sich das Neuralrohr bereits in der 4. Embryonalwoche schließt. Zu diesem Zeitpunkt wissen die meisten Frauen noch gar nicht, dass sie schwanger sind. Daher gilt die Empfehlung für Frauen, die schwanger werden wollen. Sie sollten aber vorher mit dem Arzt sprechen, auch um eine Überdosierung zu verhindern. Ab der 13. SSW ist laut Empfehlung kein Supplement mehr nötig. Jetzt lässt sich der erhöhte Folsäurebedarf auch durch reichlich Gemüse und Obst sowie ein mit Folsäure angereichertes Jodsalz abdecken. Viel Folsäure enthalten:
● alle grünen Gemüsesorten wie Spinat und Brokkoli,

● Vollkornprodukte,

● Zitrusfrüchte - auch als Saft (v.a. Orangensaft).

Nahrungsmittelergänzung: für Eisen nur bedingt notwendig

Die Versorgung mit Eisen kann vor allem in den letzten drei bis vier Monaten der Schwangerschaft schwierig werden, weil das Baby dann besonders schnell wächst.

Tagesbedarf an Eisen

Eisen muss nicht unbedingt über irgendwelche Tabletten, Pillen oder Tropfen eingenommen werden. Natürliches Eisen ist in vielen Lebensmittel enthalten. Dazu gehören:

● Trockenfrüchte

● Vollkornprodukte

● rotes Fleisch

● grüne Gemüsesorten und Fenchel

Der normale Tagesbedarf einer Frau liegt bei 15 Milligramm. In der Schwangerschaft steigt er auf das dopplete: 30 Milligramm. Stillende Frauen sollten etwa 20 Milligramm täglich zu sich nehmen.

Wichtig:Vitamin C fördert die optimale Aufnahme und Verwertung von Eisen. Tee und Kaffee dagegen hemmen die Aufnahme und sollten deshalb besser nicht direkt zum Essen getrunken werden.

Wie gut Ihre Versorgung mit Eisen ist, wird bei den Vorsorgeuntersuchungen geprüft. Sind Ihre Eisenwerte etwas zu niedrig, versuchen Sie die Speicher mit pflanzlichem „Kräuterblut“ wieder aufzufüllen. Solche Produkte sind besser verträglich als medikamentöse Denn Eisenpräparate können häufig Magenschmerzen, Übelkeit und Verstopfung verursachen. Daher werden solche Präparate auch nur empfohlen, wenn die Eisenwerte wirklich deutlich zu niedrig sind.

Kalzium in der Schwangerschaft

Auch Kalzium gehört zu den Mineralstoffen, die während der Schwangerschaft sehr wichtig sind, weil damit das Knochengerüst des Kindes aufgebaut wird. Normalerweise lässt sich der Kalziumbedarf durch ausreichend Milchprodukte und kalziumreiche Mineralwässer decken. Wer aber keine Milch und Milchprodukte verträgt, hat eventuell einen Kalziummangel: Dann können Kalziumpräparate durchaus sinnvoll sein - auch hier sollte jedoch eine Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

Nahrungsergänzungsmittel: Jod in der Stillzeit

Schwangere und stillende Frauen haben einen erhöhten Jod-Bedarf. Jodsalz, Seefisch und Milchmahlzeiten können helfen, ihn zu decken.

Tagesbedarf an Jod

● normaler Tagesbedarf: 200 Mikrogramm.
● Schwangerschaft: 230 Mikrogramm
● Stillzeit: 260 Mikrogramm

Erreicht werden diese Empfehlungen im Bevölkerungsdurchschnitt über die normale Ernährung allerdings nicht, und so gehört Jod immer noch zu den kritischen Wirkstoffen. Die geschätzte Jodmenge, die über die tägliche Nahrung einschließlich jodiertem Speisesalz aufgenommen wird, beträgt durchschnittlich etwa 120 Mikrogramm. Während der Schwangerschaft und bei Stillenden entsteht so eine Versorgungslücke von 100 bis 150 Mikrogramm Jod pro Tag. Die gilt es zu schließen.

Jodmangel und seine Folgen

Wenn Schwangere und stillende Mütter zu wenig Jod zu sich nehmen, kann das auch die Gesundheit des Babys gefährden. Jod-Mangel hemmt vor allem das Wachstum und die Knochenreifung aber auch die Gehirnentwicklung kann beeinträchtigt werden. Außerdem steigt das Risiko einer Fehlgeburt.

Um einem Jodmangel vorzubeugen sollten Schwangere und auch Mütter in der Stillzeit auf Folgendes achten:

● konsequent Jodsalz verwenden,
● regelmäßig Seefisch essen,
● regelmäßig Milchmahlzeiten zu sich nehmen,
● Jod-Tablewtten: täglich 100 bis 150 Mikrogramm (nach Rücksprache mit dem Arzt)

Wichtig: Vorab muss eine Überfunktion der Schilddrüse ausgeschlossen werden.
Für die gezielte Ergänzung von Folsäure und Jod gibt es auch Kombipräparate in der Apotheke. Wie bei anderen Supplementen auch, müssen die Kosten dafür allerdings aus dem eigenen Geldbeutel getragen werden.

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